21.10.2011 | 14:06

Eine Zukunft des Geschichtenerzählens

Wie bereits im September angekündigt, habe ich dieses Jahr die Frankfurter Buchmesse besucht. Für die Storydrive-Konferenz waren wir im Vorfeld von der Agentur Newthinking ausgewählt worden und sollten uns überlegen, wie die Geschichten von morgen erzählt werden können, um das Ganze anschließend vor Ort präsentieren. Denn die Branche ist ratlos und voller Furcht, wagt es nicht so recht, aus den Entwicklungen, die die Musikindustrie mit dem Internet durchlaufen hat, andere Schlüsse zu ziehen – so wurden beispielsweise erst jüngst Warnhinweise gefordert, für Menschen, die illegal E-Books herunterladen und auch der Wunsch nach Unterstützung durch die Politik wurde bereits geäußert. Dabei liegt es auf der Hand, dass sich Strukturen ändern und gänzlich neue Möglichkeiten geschaffen werden müssen. Zum Beispiel im Rahmen des transmedialen Geschichtenerzählens, das meiner Meinung nach ganz andere Bedürfnisse befriedigt als das Lesen eines “normalen” Buches und somit keineswegs als "Untergang der Lesekultur" zu verstehen ist.

                                                                             ...

Ein paarmal trafen wir uns, um unsere Idee auszuarbeiten, doch die meiste Kommunikation und Arbeit fand virtuell statt, indem wir eine Mailingliste, Google-Docs, Skype und eine Facebook-Gruppe nutzten. Als wir am vorletzten Dienstag endlich im Zug nach Frankfurt saßen, war längst noch nicht alles fertig und elektrisiert ließen wir unsere Mitreisenden unfreiwillig teilhaben an unseren Diskussionen, Ideen und Sorgen. Wir hatten eine transmediale Geschichte erfunden, die unter anderem auf einer echten Erotik-Plattform erzählt wird, wo man mit den Figuren - aber auch echten Menschen - interagieren und selbst auch Inhalte hochladen kann. Um die Plattform herum gibt es zudem noch viele andere Möglichkeiten, an der Geschichte teilzuhaben, sei es mittels E-Books, E-Comic, Apps, Games und der Begegnung mit virtuellen Figuren in der Realität, beispielsweise in Kolumnen, Radiosendungen oder auf Veranstaltungen. Wir hatten ein ganzes “Story Universe” geschaffen und nebenbei ein Manifest  geschrieben, das sich aus der Entwicklung unserer transmedialen Geschichte ergeben hatte. Unsere Präsentation fand auf Englisch statt, mittlerweile gibt es jedoch eine deutsche Übersetzung des Manifests:

 

(Foto: Andreas Wichmann)

Das TRANSMEDIA-MANIFEST
Die Kunst des Geschichtenerzählens ist seit jeher einem stetigen Wandel unterworfen. Durch die Digitalisierung und der damit einhergehenden Medienkonvergenz stehen wir wieder einmal vor einem Quantensprung. Zuschauer, Zuhörer, Leser, User und Spieler waren gestern. Der Mensch ist ein Erlebender, ein Experiencer, der je nach Mediennutzung und Haltung seine Rolle wechselt.
Diese Tatsache nehmen wir zum Anlass, um elf Thesen zur Zukunft des Geschichtenerzählens aufzustellen:

1. Realitätsbehauptung Die Fiktion bemächtigt sich der Realität um eine größtmögliche Immersion zu erzeugen.

2. Rabbitholes Die Fiktion eröffnet sich dem Experiencer durch multiple Eintrittspunkte - je nach Nutzungssituation und Medium.

3. Story-Universe Der Experiencer folgt nicht mehr einer singulären Dramaturgie, sondern wählt selbst aus mehreren sich kreuzenden Narrationsbögen, die in einem Story-Universe aufgehen.

4 Interaktivität Die Experiencer tauschen sich untereinander und mit fiktionalen Figuren aus, nehmen aktiv an der Geschichte teil und beeinflussen diese.

5. User-generated Content Das Story-Universe bietet dem Experiencer die Möglichkeit, sich an ausgewählten Stellen selbst gestalterisch einzubringen.

6. Transmedialität Das Story-Universe beschränkt sich nicht auf ein einzelnes Medium, sondern nutzt die Stärken jedes einzelnen, um aus ihrer Symbiose etwas Neues zu erschaffen.

7. Location-based Storytelling Der Experiencer wird zum Träger der Fiktion, indem er reale Orte aufsucht, an denen Teile des Story-Universe erzählt werden.

8. Unendlichkeit Das Story-Universe hat das Potenzial, durch Sequels, Spin-Offs und mittels konstanter Elemente den Nährboden für eine nie zu Ende gehende Geschichte zu schaffen.

9. Leanback / Leanforward Das Story-Universe hält Angebote sowohl für aktive wie auch passive Nutzungsbedürfnisse bereit und erreicht es dadurch, unterschiedliche Arten von Experiencern an sich zu binden.

10. Multipayment Die Diversifizierung des Geschichtenerzählens innerhalb des Story-Universe ermöglicht ein additives Freemium-Geschäftsmodell, das sich aus mehreren Beiträgen pro Experiencer zusammensetzt.

11. Kollaboratives Arbeiten Das Story-Universe wird von flexiblen, interdiszplinär agierenden Teammitgliedern gemeinsam entwickelt, da es der Bündelung sehr unterschiedlicher Kompetenzen bedarf.

 

Das Manifest hat bereits eine Facebook-Seite, man kann es mittlerweile unterzeichnen und dass es ernst genommen wird, zeigt uns die positive Resonanz einiger Hochschulen sowie die Erwähnung in der Presse.

 

Murmur Study von Christopher Baker - im Open Space, wo die Story-Drive-Konferenz stattfand.

 

Während ich zwischen den vielen Ständen auf der Messe umher schlenderte oder wahlweise krank im Bett lag, besuchten meine Mitstreiter diverse Vorträge im Rahmen der Konferenz. So waren sie unter anderem beim Screening von Roland Emmerichs neuem Film Anonymous und wohnten der anschließenden Diskussion um die Urherberschaft von Shakespeares Texten bei, bei der die Fetzen flogen. Ich habe es hingegen nur geschafft, wenige Zentimeter entfernt von Rupert Everett unseren Präsentationsraum zu betreten, war allerdings weitaus mehr davon beeindruckt, Denis Scheck, Dieter Moor, Alice Schwarzer und der bezaubernden (jawohl!) Charlotte Roche lauschen zu können. Wer braucht da denn Hollywood?

Eines jedoch war mir nach all dem ziellosen Herumtreiben klar: auf die nächste Buchmesse gehe ich erst wieder, wenn ich dort meinen eigenen Roman vorstellen kann. Und das erst einmal ganz untransmedial. Amen.

 
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Kommentare
Ullrich Läntzsch schrieb am 21.10.2011 um 16:13
Liebe Maike,

sehr gern gelesen und mich auf folgendes gebracht:

Der Loop zurück zum Lagerfeuer

Das Feuer zu nutzen war einer der wichtigsten Entdeckungen des Menschen. Zusammen mit der Sprache gab er unsern Vorfahren die Möglichkeit, Geschichten zu erzählen. Einer erzählte, die andern hörten zu. Die einen stellten Fragen, die andern begannen mit neuen Geschichten. Dann wird es schon früh Unterschiede in der Qualität gegeben haben, wie man Geschichten erzählt. Gesetzmäßigkeiten, auf denen solche Qualitätsunterschiede bestehen könnten wurden gesucht und viele gefunden, Schrift und Reproduktionsmittel – sprich Medien – wurden entdeckt und über die massenmediale Verbreitung geriet der Ursprung aus dem Blick. Das Netz schafft nun die Möglichkeit zu den Ursprüngen zurückzukehren. Wenn man sich vom Versprechen kapitalistischer Verwertung von Geschichten frei macht, wenn man den Gedanken an Ruhm und Reichtum für sich selbst ganz persönlich beerdigt, dann bietet das Netz dem Erzähler die Möglichkeit, sein kleines auber aufmerksames Publikum zu finden. Wenn man sich wieder, wie zu den Zeiten unserer Vorfahren, neben dem Erzählen der eigenen Geschichte, ganz aufs Eigentliche beschränkt, aufs Nachfragen, auf das Weiterspinnen einer Geschichte und auch das Umschlagen zuläßt, um selbst Zuhörer zu werden – dann kann man via Netz sehr glücklich werden.

Womit auch ich transmedialen Erzählen wäre.

Allerbeste
Ullrich Läntzsch
Maike Hank schrieb am 21.10.2011 um 16:29
Wobei ich da vielleicht noch erklären sollte, dass "transmedial" nicht bedeutet, Sachen im Internet zu veröffentlichen, sondern mittels mehrerer Ebenen, auf denen auch unterschiedliche Teile der Geschichte erzählt werden und eben auch die Vermischung von Fiktion und Realität stattfindet.
(Ganz schön viele 'Anforderungen', ich weiß : )

Viele Grüße
Maike Hank
Ullrich Läntzsch schrieb am 21.10.2011 um 16:36
Denke ich muß noch mal lesen, hatte wohl bei ersten Mal mehr meine Geschichte im Kopf ...
Ullrich Läntzsch schrieb am 21.10.2011 um 16:59
Liebe Maike,

habe jetzt wirklich aufmerksam gelesen und bin nur wieder von meiner Annahme bestärkt, daß das Netz die Möglichkeiten neu erschafft, die unsere Vorfahren schon hatte, aber verschüttet wurden. Nicht einer der 11 Punkte des Manifestes finde ich, der nicht bereits sein Equivalent in der Vorzeit gehabt hätte.

von 1. der Realitätsbehauptung, die jeder gute Erzähler, gern auch immer wieder mit der wahren Erklärung zu garniert, alles reine Fiktion bis hin

zu Punkt 11. dem Kollaborativen Arbeiten, denn ich kann mir durchaus vorstellen, wie sich die fanden, die eine Erzählung durch ihren Gesang, ihren Tanz, durch unterstützende Lautmalerei, ein Anderer mag das Feuer immer wieder auflodern lassen.

Damit will ich nur auf die langen Wurzel modernes transmedialen Erzählens verweisen, was ihren Erfolg nur um so klarer vorhersagen läßt.

Allerbeste
ed2murrow schrieb am 21.10.2011 um 16:44
Liebe Maike Hank,

ich teile Ihren Schlußseufzer. Zum kreativen Erzählen/Schreiben kommt nun ein fundiertes Halbwissen aus denglischen Begriffen, die garantiert die eine oder andere gemessen gehaltene Unterhaltung bei einer after-creative-work-Party bereichern wird, aber nicht den Erzähler am von Länztsch erwähnten Feuer. Und das ist immer noch etwas, was in sehr vielen Teilen der Welt Geschichtsschreibung ist. Dessen waren sich die Gebrüder Grimm ebenso bewußt wie Italo Calvino.

Schade, eine Steißgeburt. Aber Dank für den Bericht.
Maike Hank schrieb am 21.10.2011 um 17:29
Lieber ed2murrow,

ich bin gar nicht so seufzend wie Sie glauben. Das Projekt hat Spaß gemacht und die Zeit in Frankfurt war toll. Lediglich die Buchmesse an sich fand ich relativ langweilg. Sie haben aber sicherlich Recht, dass das Manifest auf Deutsch wesentlich anstrengender klingt als auf Englisch (zu finden auf der Webseite). Es war aber nicht dazu gedacht, Buzzwords zu schaffen für die nächste Hipster-Veranstaltung. Ich glaube schon daran, dass eine auf dieser Art und Weise erzählte Geschichte sehr viel Spaß machen kann. Und zwar für Erzähler und "Experiencer" : ) Wie ich oben schon schrieb, befriedigt diese Form des Geschichtenerlebens ganz andere Bedürfnisse als die, wenn man mit einem Buch irgendwo gemütlich auf dem Sofa liegt. Nur deshalb konnte ich das wohl auch mit meiner konservativen Haltung in Bezug auf papierne Bücher überhaupt vereinbaren.
Ebenso verhält es sich mit dem Erzählen von Geschichten. Ich kann mir durchaus vorstellen, einen klassischen Roman zu schreiben und auch Teil eines Autorenteams zu sein, dass eine transmediale Geschichte erzählt und die "neuen Medien" mit einbezieht.
Herzlichst, Maike Hank
ed2murrow schrieb am 21.10.2011 um 17:47
"Es war aber nicht dazu gedacht, Buzzwords zu schaffen für die nächste Hipster-Veranstaltung"

Aaaaaaaaaaaaaaargh *mitdemkoppgegennebetonmauerrenn*
ed2murrow schrieb am 21.10.2011 um 18:01
Damit es sich nicht so destruktiv anhört, wie es ist, nehme ich einfach das Nichtwörterbuch



das in jeder Situation


und sogar auf Buchemessen hilft


Ehemaliger Nutzer schrieb am 21.10.2011 um 17:56
Der Mensch ist ein Erlebender, ein Experiencer, der je nach Mediennutzung und Haltung seine Rolle wechselt.

Diese Festellung scheint mir im besten Fall unglücklich formuliert zu sein und im schlimmsten Fall eine Identitätskirse auszulösen.
Gleich welcher Art transmedialen "Narration" ich meine Aufmerksamkeit schenke, erlebe ich sie zwar als solche und gern, allerdings bleibe ich Con Creatio und transformiere nicht zum Charlie Chaplin.

Oder sehe ich da etwas falsch?
Ullrich Läntzsch schrieb am 21.10.2011 um 18:25
Lieber Con Creatio,

ich entdecke sogar hier in er FC immer wieder Threads oder Teile davon, in denen eine Geschichte ersponnen wird. Mit Worten, Bildern, Filmkens und man liest, und kann jederzeit zum Mitspieler werden. Man kann nachfragen, hinterfragen und der eine oder die andere wechselt dabei schon mal das Profilbild, schlüpft in die Rolle des Satirikers, des ironischen Zwischenrufers, oder lenkt mit seinem, ihrem Einwand alles in eine neue Richtung. Und jederzeit kann man aussteigen, neueinsteigen oder auch - klar - den kopfschüttelnd sagen verstehe BAhnhof, tschüss, ciao und ihr könnt mich mal.

Bleiben Sie Con Creatio, obwohl Sie jederzeit erwägen können, auch in die Nick-Schuhe Charlie Chaplins zu schlüpfen - ich bleibe mit

allerbesten
Ullrich Läntzsch
Maike Hank schrieb am 21.10.2011 um 18:45
@Con Creatio

Es geht darum, dass man nur zuhören kann, mitmachen, selber Teil der Geschichte werden kann, selber die Geschichte mitgestalten kann, nur Beobachter sein, uswusf.
Eine Identitätskrise sollte eine Geschichte jedoch nicht hervorrufen : )
Ehemaliger Nutzer schrieb am 21.10.2011 um 19:22
Na, dann, habe ich den Satz aus irgendeinem Zusammenhang gerissen. Danke.
Übrigens "Experiencer" war ich früher schon daumenlutschend auf Oma's Schoß, sie als vor und ich quatschte immer dazwischen - also so ganz "Newthinking" ist die Sache nicht. Aber genug gespottet...:)

Schönen Abend
Ehemaliger Nutzer schrieb am 21.10.2011 um 19:24
...las vor... Verzeihen Sie.
kay.kloetzer schrieb am 22.10.2011 um 00:15
"mittlerweile gibt es jedoch eine deutsche Übersetzung des Manifests: ..." - so würde ich das nicht nennen.
die formen und wege finde ich ja sehr interessant - aber die sprache!? es ist nicht die der erzählenden und hoffentlich niemals die des erzählten. und sie scheint mir eher geeignet, auszuschließen, als zu verinden, womöglich horizonte zu erweitern. das finde ich schade. denn das thema ist ja wirklich wichtig. da bin ich ganz mit ed2murrow.
Wolfram Heinrich schrieb am 22.10.2011 um 11:05
...und sollten uns überlegen, wie die Geschichten von morgen erzählt werden können, um das Ganze anschließend vor Ort präsentieren.

Zum Geschichtenerzählen empfehle ich Muster wie "Es war einmal..." oder "Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett in Guido Westerwelle verwandelt."
Das mag altmodisch klingen, es ist altmodisch, keine Frage, aber... hm, die Leute hören zu, wenn du ihnen dergleichen erzählst.

Wir hatten eine transmediale Geschichte erfunden, die unter anderem auf einer echten Erotik-Plattform erzählt wird, wo man mit den Figuren - aber auch echten Menschen - interagieren und selbst auch Inhalte hochladen kann.

Das ist eine schöne Sache, etwas Ähnliches erleben wir öfter hier in der FREITAGs-Community. Jemand stellte einen - mehr oder weniger launigen - Gedanken hier ein, die Kommentare spinnen ihn dann weiter. Das ist manchmal eine feine und anregende Sache, wenn man sie bei der Entstehung beobachtet, eine angenehm zu lesende Geschichte aber wird daraus nicht.

Durch die Digitalisierung und der damit einhergehenden Medienkonvergenz stehen wir wieder einmal vor einem Quantensprung.

Quantensprung als kleinstmöglicher Zustandsänderung, meist von einem höheren Niveau auf ein niedrigeres?

7. Location-based Storytelling Der Experiencer wird zum Träger der Fiktion, indem er reale Orte aufsucht, an denen Teile des Story-Universe erzählt werden.

Es wird wahrscheinlich noch eine Weile dauern, bis ein "Story-Universe" entsteht, dessen Handlung in Aldersbach oder Umgebung spielt. Richtig?

8. Unendlichkeit Das Story-Universe hat das Potenzial, durch Sequels, Spin-Offs und mittels konstanter Elemente den Nährboden für eine nie zu Ende gehende Geschichte zu schaffen.

Gibt's so was nicht schon und nennt man das nicht "Leben"? Und wenn man bei den Medien bleiben will, so erinnert das Konzept verdammt an die ewig laufenden Seifenopern, wie etwa "Verbotene Liebe" (seit 1996).

9. Leanback / Leanforward Das Story-Universe hält Angebote sowohl für aktive wie auch passive Nutzungsbedürfnisse bereit und erreicht es dadurch, unterschiedliche Arten von Experiencern an sich zu binden.

Das Schöne an einem Buch oder einem Film ist, daß dich das Buch, der Film - wenn sie gut gemacht sind - in sich hineinziehen, dich dann aber wieder entlassen.

Kann es sein, daß irgend jemand ein Computerspiel entwickeln wollte, aber keine Ideen hatte? Daß man euch geholt hat, damit ihr kostenlos beim Brainstorming für dieses Spiel mitmacht?

Ciao
Wolfram
Maike Hank schrieb am 25.10.2011 um 17:56
Lieber Wolfram,

danke für die Anmerkungen. Es geht ja eben gerade darum, die Grenzen zwischen Büchern, Spielen, Filmen aufzuheben. Auf dem Kongress waren deshalb auch Menschen aus allen drei Branchen.
Das Wort Seifenoper ist bei der Konzeption übrigens häufig gefallen, da liegen Sie also ziemlich richtig. Nur ist es eben nicht nur das.
(Und wir waren nicht dazu da, kostenlos eine Idee zu entwickeln, die nun jemand umsetzt. Aber es kann sie gerne jemand kaufen : )
paulart schrieb am 22.10.2011 um 14:46
Rabbit-Literatur

Das Wichtigste am Buch ist ja nicht die Art der Verpackung. Ob Holz, Papier, Plastik oder Blech, ist eigentlich "wurscht", wenn der Inhalt interessant, spannend, witzig, verständlich und nachvollziehbar erzählt wird.

Die Suche nach einem neuen "Transmissionsriemen" darf nicht von dem ablenken, was die Leserinnen und Leser am meisten interessiert: Das sog. "Story-Telling"!

Es bedarf keiner "Immersion" in einen guten Roman so tief einzutauchen, um scheinbar für Momente (nicht "für immer") die Realität zu verlassen. Ein wirklich fesselndes Buch kann das ohne jeden "Schnick-Schnack" auch!

Realitätsbehauptung, Rabbitholes, Story-Universe, Interaktivität, User-generated Content, Transmedialität, Location-based Storytelling, Unendlichkeit, Leanback / Leanforward, Multipayment, Kollaboratives Arbeiten - das scheint mir doch eher das intellektuelle Quaken der Frösche zu sein, die die langen Beine eines Storches entdeckt haben.

Einfach Geschichten wie z.B. Astrid Lingren, Truman Capote, Ernest Hemingway, Philip Roth, Siegfried Lenz oder Charles Dickens schreiben. Das reicht! Aber es ist gar nicht so einfach.

Ob Rabbitholes dem "Erfinder" der Rabbit-Bücher, John Updike, gefallen hätten? Vielleicht hätte es ihn ja amüsiert. Und das wäre durchaus positiv zu werten!

Trotz meiner vorsichtigen Einwände, haben Sie, Maike Hank, hier einen "bewusstseinserweiternden" Artikel geschrieben. Danke dafür!
goedzak schrieb am 25.10.2011 um 17:40
Wieso war das überhaupt in der Nähe der Buchmesse angesiedelt, warum hat man nicht die Berlinale als Hintergrund genommen?
Maike Hank schrieb am 25.10.2011 um 17:57
Lieber goedzak, ich habs gerade weiter oben schon kommentiert:
Es geht ja eben gerade darum, die Grenzen zwischen Büchern, Spielen, Filmen aufzuheben. Auf dem Kongress waren deshalb auch Menschen aus allen drei Branchen.

Herzlichst, Maike
goedzak schrieb am 26.10.2011 um 00:08
Ich fragte, an die Entwicklungen in der Bildenden Kunst der letzten Jahrzehnte denkend. Die früher bewusst 'bildende', also Bilder schaffende Kunst wurde ja dann in Teilen jedenfalls eine 'Ereignis-Kunst', also eher der Gattung der 'darstellenden' Kunst zuzurechnen.
Dein Projekt hat mich dran erinnert, und ich fragte mich, ob die Literatur, der Text, sich jetzt im Filmischen auflösen, oder so... :)

Nur um Missverständnisse auszuschließen: Ich fand Euer Projekt höchst interessant (auch wenn die Sprache, in der die Thesen daher kommen, vielleicht etwas 'hermetisch' ist...), und man muss ja nicht an Gattungsgrenzen denken, nur weil die 'Buch'messe der Anlass dafür war.

Gute Nacht! wünscht goedzak
Maike Hank
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