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Politik : Im Gedenken an Dich und mich

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Die UNESCO gedenkt den Sklaven dieser Welt – außen vor lässt sie Dich und mich. Eine kurze Gedenknotiz für die zwei Milliarden Lohnsklaven dieser Welt

Zum Wert oder Unwert der UNESCO-Erinnerungsmaschinerie – die Funktionäre des Welterbekomitees grüßen – mag jeder stehen wie er will. Aber für eines ist die Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur immer gut: Sie setzt Themen.

So gedenken wir heute, die UNESCO wünscht es, am „Internatonalen Tag der Erinnerung an den Sklavenhandel und dessen Abschaffung“ den Menschen, die aus ihrer Heimat verschleppt und verkauft wurden.

Und ja, gewissenhaft prangern wir an, dass es auch heute noch Lebensumstände gibt, die von Menschrechtsorganisationen und den Vereinten Nationen mit denen von Sklaven verglichen werden. Das Problem nun ist, dass NGOs und CO., vor lauter Suchen mit der Lupe nach dem letzten Sklavenhort, ganz blind sind für eine strukturelle Versklavung.

Deshalb sei an dieser Stelle Dir, geneigter Leser, und mir gedacht, die wir als Lohnarbeiter unsere „fiktive Ware“ Arbeitskraft diesem und jenem Bourgois andienen. Was nicht schlimm wäre – wir bekommen ja was dafür –, wäre da nicht die strukturelle Abhängigkeit von unserem Arbeitgeber. Nur die wenigsten können von Kapitalist A zu Kapitalist B laufen, Kapitalist A und B können dagegen aus einem Pool von Humankapital schöpfen. Machen wir uns also nichts vor: Du (insofern Du kein Kapitalist bist) und Ich, wir sind Teil der Lohnsklaverei.

Die Globalisierung wiederum schlägt den Bogen zum transatlantischen Sklavenhandel des 15. Jahrhunderts. Denn die ArbeitsmigratInnen zieht es nicht aus freien Stücken in die Arme(e) des Kapitalisten, sondern, das ist die Krux, unfreiwillig weil sie das System dazu verdammt. Manchmal kommt der Sklavenhalter auch zum Sklaven (wie nett!), dann nämlich, wenn arbeitsintensive Produktionsschritte in Billiglohnländer „outgesourct“ werden.

Was mich das lehrt? Vielleicht, dass die UNESCO-Erinnerungsmaschinerie tatsächlich für etwas gut ist, und ich in Zukunft noch mehr für ein bedingungsloses Grundeinkommen eintreten werde. Jetzt mach ich aber erst einmal FREItag.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.