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Kultur : Dein Ramazotti, nicht meiner

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Ob wir morgen zusammen das Spiel schauen wollen, fragte gestern mein Vater.

Die deutschen Frauen im Viertelfinale. Gegen Japan.

Könnte gemütlich werden.

Was für ein mieser Ersatz!

Vor fünf Jahren saßen wir bei der WM zusammen.

Es war ein wunderbarer Sommerabend, der 9. Juli 2006.

Der Inder hatte draußen auf der Terrasse seines Restaurants eine Leinwand aufgespannt, der Ton war zerhackt, der Beamer fiel ständig aus, aber das Spiel hatte noch nicht angefangen.

Unser indischer Wirt gab alles.

Immerhin spielte Zidane. Für seine Equipe. Für Frankreich. Für sich. Für mich.

Mein Vater hatte so einen vorfreudigen Blick, er spürte, dass er ganz nah dran sei, an "seinem" Sieg.

"Niemand bei uns hat auf Italien gesetzt", erzählte er mir alle drei Minuten. Auf der Tippliste der Kollegen stand er ganz oben.

Und wer stand im Finale?

Ich lächelte etwas mitleidig, und bestellte ein Glas Bordeaux.

Es lief gut für Zidane. Für mich.

Der Inder servierte Curry.

Mein Vater wurde immer stiller.

Zidane unruhiger.

Er vollstreckte mit dem Kopf.

Wie gelähmt starrte ich auf die Leinwand.

Zidane ging mit gesenktem Haupt vom Platz.

C´etait fini. Für ihn, für mich.

Meine Freunde ließen mich in Ruhe, niemand redete mit mir. Es gab nichts zu sagen.

Dann, nach ein paar Minuten, drehte sich mein Vater zu mir um, er sah mein trauriges Gesicht.

"Darf ich dir einen Ramazotti ausgeben?", fragte er schamlos, mit triumphierendem Lächeln.

Ich bestellte einen doppelten.

Und ließ ihn stehen.

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