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Kultur : Monsieur Twitter schmeißt hin

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Er wirkte müde, und ernüchtert, als wir uns vor ein paar Wochen für ein Interview trafen. Die Politik, das sei nicht sein Metier.

Nun hat Slim Amamou, Blogger und großer Hoffnungsträger der jungen Tunesier, seinen Posten als Staatssekretär für Jugend und Sport hingeschmissen. Früher als geplant, eigentlich wollte der 33-Jährige noch durchhalten, bis zu den Wahlen im Juli.

"Ich bestätige, ich trete zurück" twitterte Slim Amamou am Montag, die gründe dafür kann man schon seit dem 10. Mai auf seinem Blog nachlesen. Man sei in dieser "Sisyphos-Regierung" zum ewigen Neuanfang verurteilt, alles gehe sehr schleppend voran, nichtmal die Wahlen im Juli seien wirklich sicher.

Auch sieht der Blogger, der wegen seiner regimekritischen Kommentare eingesperrt wurde, seine Redefreiheit erneut gefährdet.

"In der Regierung war ich auf einmal weniger frei, mich zu äußern, als draußen. Natürlich hatte ich unter den Politikern grünes Licht, aber gegenüber dem Volk nicht mehr. Ich musste alle Bürger respektieren, auch die dümmsten und blödesten".

Über Dinge, die im persönlich am Herzen lagen, musste er schweigen, "ich trug ja jetzt Verantwortung". Amamou fühlte sich indoktriniert und genervt von den ständigen Streiks und Protesten vor seinem Büro.

Dort zelten beispielsweise seit Monaten Sportlehrer, die einen Job suchen. "Meine Arbeit war, ihnen zu erklären, dass wir diese Probleme nicht so bald lösen können".

Auch der Einfluss alter Ben Ali -Seilschaften störte Amamou. Er wollte die Menschen kennenlernen, die dort etwas Neues aufbauen wollen, sich mit ihnen austauschen, ein soziales Netz bilden. Er ist in die Welt der politischen Mühlen geraten, und die sind nicht sein Ding.

Seine Landsleute lässt er nun etwas ratlos zurück: "Du hast all meinen Respekt für deine Entscheidung", twittert ein Tunesier, "aber sie ist unglücklich". Eine andere fragt: "Was sollen wir denn jetzt machen?"

Amamou weiß, wie er der "Jasmin-Revolution", die langsam zu verblassen scheint, am nächsten bleiben kann: Fern der Macht.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.