Maxi Leinkauf

Blog von Maxi Leinkauf

29.06.2011 | 11:09

Und wer raucht dann für mich?

Ich zittere.

Es kann schon heute so weit sein.

Bisher war ich immer sofort aufgesprungen, wenn meine Kollegin fragte: "Essen?"

So wie gestern. Wir saßen draußen in der Sonne. Es gab Gulasch mit Pasta.

"Stört dich doch nicht, oder?", fragte sie, als mein Teller noch halbvoll war.

Wir wussten beide: Das war eine rhetorische Frage.

"Im Gegenteil!", antwortete ich. Und sie steckte sich genüsslich eine Kippe an.

Meine Kollgin raucht Pepe, ohne Zusatzstoffe, wie sie immer wieder betont. Weniger cancerogen. Weniger Krebsgefahr also.

"Bitte noch ein bisschen mehr in meine Richtung", bat ich sie und inhalierte freudig mit.

Es war meine Insel geworden, dieses Passivrauchen, das, was meine Mutter hasste an meinem Vater - er ging irgendwann nur noch auf den Balkon. Aber ich fing damit beglückt an, seit ich vor etwa 10 Jahren das Rauchen sein lassen habe, einfach so, an einem Mittwoch, im Sommer.

Eine Lebensleistung, lasse ich mir immer wieder sagen, von Freunden, und Eltern.

"So intensiv, wie du mitrauchst siehst du aus wie eine Süchtige", stellte ein Kollege, der mit uns beim Mittag war, erschrocken fest.

"Ich bin trocken", erwiderte ich stolz.

Oder gibt es eine Sucht, die Passivrauchen heißt? Bin ich co-abhängig von meiner Kollegin?

"Ich höre auf", sagte sie plötzlich, es sollte wohl beiläufig klingen.

"Wie Bitte?", rief ich entsetzt.

"Wieso?"

Ich meine, sie konnte mich doch nicht einfach so sitzen lassen.

"Rauchen macht dick, und depressiv, man hat keinen Hunger mehr oder raucht ihn sich weg und außerdem ist es krebserregend". Ja ja ja. Witzig. Weiß ich doch alles. Ich habe ja AUFGEHÖRT!

"Wann?" fragte ich irritiert.

Bald. Es fehle nur noch der richtige Zeitpunkt.

Sommer sei eigentlich ideal, riet ihr der Kollege, der neben mir saß. Da gebe es so viele andere Abwechslungen, Baden, Cocktails trinken, Fahrrad fahren, Eis essen...

Ich sah ihn giftig an.

Gestern Abend traf ich einen anderen Kollgen, im Biergarten. Er bot mir lässig eine Gauloise an. Rouge. Ich schüttelte den Kopf, "aber du kannst ruhig rauchen", sagte ich großzügig, "stört mich nicht".

Ich fragte ihn, ob wir mal Mittagessen gehen wollen.

Er sagte, er bringe sich immer Stullen mit.

 
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Kommentare
Baphomed schrieb am 29.06.2011 um 11:16
Liebe Maxi,

da findet sich schon wer, ich habe auch eine Kollegin wenn ich im Büro bin muss ich unbedingt in Ihrem Büro eine Rauchen. Bin ja der Letzte bei unserer Truppe.

Liebe Grüße
Baphomed
Calvani schrieb am 29.06.2011 um 11:18
Leicht und lustig. Sommerlich.
Maike Hank schrieb am 29.06.2011 um 15:02
Du könntest ab und an zu uns auf den Balkon kommen. Die Herren rauchen da häufiger.. ich stelle mich auch oft mit dazu. Allerdings in die entgegengesetzte Richtung von der, in die der Rauch weht. Ich bin doch militante Ex-Raucherin : )
Calvani schrieb am 29.06.2011 um 15:12
Icke? Wenn ick ma in Berlin bin - gernö!
Maxi Leinkauf schrieb am 29.06.2011 um 16:00
Liebe Maike,
sehr gerne...bis gleich also:_)
Ehemaliger Nutzer schrieb am 29.06.2011 um 16:10
Was für ein Zeug wird geraucht?
Ehemaliger Nutzer schrieb am 29.06.2011 um 16:04
"Wer raucht dann mit mich" hätten Sie fragen können, manch einem ist die gesellige Note am Rauchen noch nicht klar. Die bringen dann auch Stullen mit und Thermoskannen.

Danke für den Einblick in ein völlig neues Territorium, so sind Journalisten also drauf; ich rauche nicht, schon gar nicht passiv, und in meinen Mittagspausen bin ich auch gerne alleine zum Auftanken. Ab und an sehe ich auf dem Vorplatz der Leipziger Volkszeitung einen einsamen und hektischen Redakteur zum nächsten Imbiss sprinten, dann rauchen "die" also hinter den Kulissen.
Maxi Leinkauf schrieb am 29.06.2011 um 16:21
Liebe Frau Schwert,

Sie rauchen nicht, aber finden, es hat eine "gesellige Note"? Inwiefern?
Ehemaliger Nutzer schrieb am 29.06.2011 um 16:33
Ich habe von der Oberstufe, also 11. und 12. Klasse, bis zu meinem 25. Lebensjahr geraucht, als Gelegenheitsraucher, nun ja, die Coolen waren die in der Raucherecke mit Kippe im Mund, da will man/ frau doch dazu gehören. Mit dem Alter wuchs sich der Dazugehör-Drang raus, dazu habe ich mir überlegt, was ich meinem Körper da zumute. Jetzt bin ich seit mehreren Jahren rauchfrei.

Aber ja, ich glaube die meisten Raucher haben deswegen angefangen und rauchen (nicht nur wegen den Suchtstoffen) deshalb auch weiter, weil die Raucher auch durch extra Raucherplätze zusammenstehen und sich dann unterhalten.
Und so ein Laster, das verbindet, habe ich immer wieder beobachtet.
Nehmen Sie doch die Leberwurstbrot-Esser in den Pausen, die stehen nicht gehordet in einer Ecke, nein.
Und dann fält mir noch ein, dieses Rauchen ist doch auch ein prima Flirtförderer, so von Raucher zu Raucher. Da können Nichraucher nur mithalten, wenn sie mit Hunden Gasse gehen.

:-)
luggi schrieb am 29.06.2011 um 21:35
@ Maxi
Natürlich hat Rauchen eine gesellige Note ... sind doch viele gesellig vereint in der Todesursache -> Lungenkrebs. Leider gibt es im Paradies keine Zigaretten ... es sei denn, der evangelische Freitagspropagandist weiß etwas anderes ... also als nur Friede, Freude, Eierkuchen und Weihrauch.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 30.06.2011 um 12:25
Ach, ich bin da gar nicht moralapostolisch, solange mich keiner damit nervt, stört, zuqualmt, oder wie manchmal an der Supermarktkasse seinen Raucherhusten hinter meinem Rücken auslebt... solange sollen sie doch. Aber dann in 20 Jahren nicht meckern, wenns zwickt und zwackt, die Haut Falten schlägt, die Lunge im Eimer ist und der Kreislauf nach 100 Metern schlappmacht. Wir haben ja ein Gesundheitssystem... noch.
lieselotte k. schrieb am 30.06.2011 um 10:38
Endlich schreibt mal jemand über das Phänomen der co-abhängigen Nichtraucher. Man kann diese Menschen am frühen Abend beobachten. Dann verlassen sie ihre Wohnung, laufen ziellos durch die Straßen, schauen sich nervös nach Bekannten um und suchen schließlich einen Kiosk auf, in dem sie eine Zigarette kaufen.

Neulich war ein Freund bei mir zu Gast, den ich das letzte Mal vor sieben Jahren gesehen hatte. Damals habe ich an manchen Abenden höllisch viel geraucht, meist zum Wein.

Wir saßen auf dem Balkon und knabberten Erdbeeren und ich spürte, dass er immer unruhiger wurde. Dann rückte er endlich damit raus: Mensch Lilo, rauchst du eigentlich noch?

Er hatte keine Zigaretten dabei. Er kauft nie Zigaretten. Er tut so, als sei er Nichtraucher.

Ich sagte ihm, dass ich nicht mehr rauche.

Er sah mich ernüchtert an und erinnerte an die Abende vor sieben Jahren, die wir bei schwerem Rotwein und Zigaretten im Café verbracht hatten.

Mensch, sagte er, das war doch die beste Zeit, oder?
Maxi Leinkauf
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