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Kultur : Und wer raucht dann für mich?

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Ich zittere.

Es kann schon heute so weit sein.

Bisher war ich immer sofort aufgesprungen, wenn meine Kollegin fragte: "Essen?"

So wie gestern. Wir saßen draußen in der Sonne. Es gab Gulasch mit Pasta.

"Stört dich doch nicht, oder?", fragte sie, als mein Teller noch halbvoll war.

Wir wussten beide: Das war eine rhetorische Frage.

"Im Gegenteil!", antwortete ich. Und sie steckte sich genüsslich eine Kippe an.

Meine Kollgin raucht Pepe, ohne Zusatzstoffe, wie sie immer wieder betont. Weniger cancerogen. Weniger Krebsgefahr also.

"Bitte noch ein bisschen mehr in meine Richtung", bat ich sie und inhalierte freudig mit.

Es war meine Insel geworden, dieses Passivrauchen, das, was meine Mutter hasste an meinem Vater - er ging irgendwann nur noch auf den Balkon. Aber ich fing damit beglückt an, seit ich vor etwa 10 Jahren das Rauchen sein lassen habe, einfach so, an einem Mittwoch, im Sommer.

Eine Lebensleistung, lasse ich mir immer wieder sagen, von Freunden, und Eltern.

"So intensiv, wie du mitrauchst siehst du aus wie eine Süchtige", stellte ein Kollege, der mit uns beim Mittag war, erschrocken fest.

"Ich bin trocken", erwiderte ich stolz.

Oder gibt es eine Sucht, die Passivrauchen heißt? Bin ich co-abhängig von meiner Kollegin?

"Ich höre auf", sagte sie plötzlich, es sollte wohl beiläufig klingen.

"Wie Bitte?", rief ich entsetzt.

"Wieso?"

Ich meine, sie konnte mich doch nicht einfach so sitzen lassen.

"Rauchen macht dick, und depressiv, man hat keinen Hunger mehr oder raucht ihn sich weg und außerdem ist es krebserregend". Ja ja ja. Witzig. Weiß ich doch alles. Ich habe ja AUFGEHÖRT!

"Wann?" fragte ich irritiert.

Bald. Es fehle nur noch der richtige Zeitpunkt.

Sommer sei eigentlich ideal, riet ihr der Kollege, der neben mir saß. Da gebe es so viele andere Abwechslungen, Baden, Cocktails trinken, Fahrrad fahren, Eis essen...

Ich sah ihn giftig an.

Gestern Abend traf ich einen anderen Kollgen, im Biergarten. Er bot mir lässig eine Gauloise an. Rouge. Ich schüttelte den Kopf, "aber du kannst ruhig rauchen", sagte ich großzügig, "stört mich nicht".

Ich fragte ihn, ob wir mal Mittagessen gehen wollen.

Er sagte, er bringe sich immer Stullen mit.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.