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[...] Nachdem der Inhalt der E-Mail von Herrn Ministerialdirektor Zinell an Sie, Herr Dr. Kefer, an die Presse gelangte, denke ich, dass es auch in Ihrem Sinne ist, wenn wir den Inhalt dieses Schreibens öffentlich machen.[...]“

Der Chef der Staatskanzlei Klaus-Peter Murawski, rechte Hand von MP Kretschmann, in einem Schreiben vom 2. Februar d.J. an den DB-Vorstand Volker Kefer.

Dieses Regierungs-Schreiben macht deutlich, dass die Manager der DB-AG vorhaben, so schnell wie möglich vollendete Tatsachen durch Zerstörung des Südflügels und Rodung des Schlossgartens zu schaffen, obwohl sie nicht sicher sein können, die nachfolgenden Bauarbeiten überhaupt ausführen zu dürfen.

Insbesondere das so genannte Grundwassermanagement (eine aufwändige Anlage zur Absenkung des Grundwasserspiegels für die Tiefbauarbeiten am Bahnhofstrog von S21) muss völlig überarbeitet und neu genehmigt werden, da sich die Bahn dramatisch verkalkuliert hat: statt ca. 3 Millionen Tonnen Grundwasser muss die doppelte Menge, 6 Millionen Tonnen, entnommen werden. (Abgesehen von diesem haarsträubenden Planungsfehler ist dies gleichwohl ein gewaltiger, hochriskanter und schwer beherrschbarer Eingriff in den speziellen Stuttgarter Untergrund.)

Die Neuplanung samt Genehmigung, so wie Neubau der Anlage kann durchaus mehrere Monate, wenn nicht gar länger als ein Jahr Zeit in Anspruch nehmen. Erst dann kann und darf die Bahn mit den Tiefbauarbeiten zum geplanten S21-U-Bahnhof beginnen.

Nebenbei sei noch angemerkt, dass bereits eine renommierte Stuttgarter Baufirma (Wolff & Müller) einen lukrativen Auftrag zum Bau eines unterirdischen Technikgebäudes zurück gegeben hat; die Firma zweifelt die Planungen der Bahn an und befürchtet statische Probleme für die vom Abriss verschonten Teile des Kopfbahnhofs samt dessen Turm. Weiterhin ist bislang keine Firma bereit, den so genannten Nesenbachdüker (eine Umleitung eines unterirdisch verlaufenden Flüsschens, dem der neue Tiefbahnhof im Weg stehen wird) zu bauen.

Trotz all dieser ungeklärten, essenziellen Fragen wollen Grube & Co. unbedingt die Bäume umsägen und den Südflügel zerstören, obwohl es bautechnisch im Augenblick dafür überhaupt keine Notwendigkeit gibt und auch nicht abzusehen ist, wann dies notwendig werden könnte. Parallel dazu wird via Medien versucht, in der Öffentlichkeit den Eindruck entstehen zu lassen, die Proteste und die „Schlichtung“ hätten das Projekt bislang verzögert.

Liest man in Murawskis Schreiben (der mit Sicherheit alles, nur kein Parkschützer ist) einmal nach, wie die Bahn sich angesichts des Juchtenkäfers und dem damit zusammenhängenden 15-monatigen Baumfällverbot angestellt hat (PDF Seite 3, 2.Punkt), wird einerseits klar, wie lange wohl die anderen, viel schwerer wiegenden Planungspannen einer Lösung harren werden (falls es rechtsstaatlich zugeht). Andererseits fällt es nun zunehmend schwer, der Bahn nicht langsam doch auch ernsthaft versuchte, eiskalte Erpressung und massive Irreführung der Öffentlichkeit zu unterstellen.

Derweil fand in Stuttgart heute die 110. Montagsdemonstration gegen das Projekt S21 statt:

[...]Ich war fassungslos, wie kaltschnäuzig die Vertreter der Bahn rundheraus abstritten, die Bahn habe seinerzeit beim ersten Erörterungsverfahren im Herbst 2002 zugesagt, mit dem Bau erst dann zu beginnen, wenn alle Abschnitte rechtskräftig planfestgestellt seien, so wie es ja auch der damalige Vorstand der Bahn öffentlich verkündet hatte. Und als man den Herren von der Bahn dann den Ausschnitt aus dem Wortprotokoll mit dieser Zusage des damaligen Bahnvertreters vorlegte, hieß es eben, dieser sei falsch verstanden worden![...]“(aus der Rede von Dipl-Ing. Hans Heydemann, ebenda)

Beide Reden der heutigen Montagsdemo vollständig hier.







http://www.bei-abriss-aufstand.de/wp-content/uploads/IMG_7501.jpgEin 86-jähriger S21-Kritiker besetzte letzte Nacht trotz eisiger Kälte für mehrere Stunden einen Baum im Stuttgarter Schlossgarten (Foto BAA, Pressemeldung dazu)

  • Alle fc-Blogs zum Thema S21
  • Stuttgarter Erklärung (openpetiton.de; eine Stellungnahme Stuttgarter Bürgerinnen und Bürger, die weiter Widerstand gegen das Projekt S21 leisten wollen und um Unterstützung bitten)
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.