02.05.2011 | 02:15

Georg Schramm against the machine

Foto: Bernhard Rein


Der Kabarettist musste sich als "Arschloch" beschimpfen lassen, als er als einer der gekürten Preisträger des diesjährigen Baden-Württembergischen Kleinkunstpreises es sich nicht nehmen ließ, die vergammelte, hohe & anwesende CDU-Prominenz dessen zu zeihen, was sie tatsächlich zu sein scheint.

Zitat aus der Badischen Zeitung (vollständig):

 

Georg Schramm sorgt für Eklat im Europa-Park

"Arschloch", Aufhören" oder "Sauerei", das sind einige der Reaktionen auf den Auftritt von Georg Schramm im Europa-Park. Hintergrund: Der Kabarettist nimmt sich die CDU vor.

Zum 25. Mal ist am Samstag der Kleinkunstpreis von Baden-Württemberg vergeben worden. Seit einigen Jahren geschieht das im Europa-Park in Rust, 300 geladene Gäste besuchten die Gala. Die Hauptpreise erhielten die Musikakrobaten Gogol und Mäx aus Staufen im Breisgau, der Komiker Nils Heinrich aus Stuttgart und der Kabarettist Jess Jochimsen aus Freiburg. Der Hohenloher Michael Krebs und der Bayer Stefan Waghubinger bekamen Förderpreise. Das Preisgeld – insgesamt 25 000 Euro – teilen sich die landeseigene Toto-Lotto-Gesellschaft und die Landesregierung, für die Noch-Staatsminister Helmut Rau zugegen war.

Doch dem Lottochef und früheren Sozialminister Friedhelm Repnik und den der CDU verbundenen Gästen schenkte der Ehrenpreisträger, der in Badenweiler lebende Kabarettist Georg Schramm, starken Tobak ein. "Die Lottogesellschaft ist eine Einrichtung von unschätzbarem Wert. Was hätte jemand wie Herr Repnik sonst machen können?" Und nach dem Regierungswechsel werde es wohl weitere teure "Endlager für abgebrannte Politiker" geben. "Sie werden wohl demnächst bei der DLRG Reden halten müssen", bekam Staatsminister Rau zu hören. "Eine Landesregierung, die nicht in der Lage ist, einen Pflasterstein von einer Kastanie zu unterscheiden, hat nichts anderes verdient, als in den Orkus der Bedeutungslosigkeit gestoßen zu werden," polterte er.

Das war für den gelernten Apotheker Repnik zu starke Medizin. Nicht mal einen Händedruck hatte der Lottochef, der von 131 Millionen Euro Lottoüberschüssen 16 000 Euro für den Kleinkunstpreis locker gemacht hat, für den Ehrenpreisträger übrig. "Arschloch-" und "Aufhören-"Rufe in der ersten, heftiger Beifall für Schramms Rentner "Dombrowski" in den hinteren Reihen – das Publikum war gespalten. "Das war kein Kabarett, das war Klassenkampf" zischte Europa-Parkchef Roland Mack.

"Unglaublich, charakterlos, Sauerei", assistierte Gattin Marianne. "Der Zorn ist wichtig für eine Gesellschaft" wies der Geschmähte die Anwürfe zurück. Die einmalige Gelegenheit, Großkopfeten mal richtig die Meinung zu geigen, habe er sich nicht entgehen lassen. Die Dramaturgie sei ihm aber ein wenig entglitten, räumte er ein, er hätte früher aufhören sollen, schon da, als die Prominenz in den Spiegel geschaut und erstarrt sei.

Zurücknehmen will er aber nichts, den Hinweis der peinlich berührten Gastgeber, er solle den Preis samt 5000 Euro zurückgeben oder wenigstens stiften, hätte es nicht bedurft. Schramm spendet Preisgelder schon immer an Medico International für Flüchtlingshilfe. 

 

Quelle

 
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Kommentare
Fro schrieb am 02.05.2011 um 02:48
Die, die eine Kritik im Stile Georg Schramms nicht vertragen, sollten in Zukunft garnicht erst zur Wahl antreten. Was bleibt dann Georg Schramm?
Das Präsidentenamt oder das Amt eines frei improvisierenden Regierungssprechers. Die Bürger werden es danken.
mcmac schrieb am 02.05.2011 um 03:10
...oder in befreiende, intelligente Raserei verfallen und vernünftigenfalls überflüssige Ämter wegputzen...
Fro schrieb am 02.05.2011 um 03:23
auch gut. ;-)
Joachim Petrick schrieb am 02.05.2011 um 03:12
Irgendwie hat Georg Schramm, unter strikter Anwendung der marktwirtschaftlichen Maximen von Preis- Leistungverhältnis bei der Entgegennahme seines gewonnen Preises, diesen selber als Steilvorlage für eine Pointensalve nutzend, das gebotene Maß für den Ehrenkodex seines angefeindeten Berufsstandes in der gebotenen Trennungschärfe zwischen Preigebenden und Preisnehmenden, wider Erwarten, zu wahren gewußt.

Respekt!
mcmac schrieb am 02.05.2011 um 04:14
Wäre es in der Tat so planbar, müsste es wohl so gewesen sein...
Allerdings hat da möglicherweise eher ein eherner Lebensplan, gepaart mit erworbenem Können, insgesamt agiert.
Dem gebührt (mein) Respekt.

Das bb meinte einmal (similar): "Will der Schauspieler nicht Papagei oder Affe sein, muss er sich an den Kämpfen seiner Zeit beteiligen." (Aber jetzt hat das bb einen Granit auf'm Kopf und muss in Berlin rumliegen -Armer bb...)
Gustlik schrieb am 02.05.2011 um 08:02
Schramm ist der Gegenentwurf, mal anzuschrammen, die Etiketten abzureißen, auch unter der Bedingung, vom nächsten Buffet ausgeschlossen zu werden.
Dennis82 schrieb am 02.05.2011 um 21:59
Schade, dass man über den grandiosen Zorn des Georg Schramm als Dobrowski meist nur noch in einer Lokalzeitung lesen kann. Ich vermisse ihn weiterhin in der Anstalt und kann seinen Rückzug auf die kleinen Bühnen auch weiterhin nicht nachvollziehen. Welche morgen Abend um 22:15 übrigens wieder zu sehen sein wird.
mcmac
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