19.04.2011 | 13:17

S21 - SPD: Alte Hüte am Wilhelmsplatz

Vierzig Minuten dauerte die Open-Air-Talkshow. Carola Eckstein von den Aktiven Parkschützern stellte Fragen an den Geschäftsführer der Landesgeschäftsstelle der SPD-B/W, Marten Jennerjahn. Der sich vor etwa 2.000 Demonstranten diesen Fragen wiederum öffentlich stellte (siehe weiter unten: Videos).

Die Kundgebung fand gestern Abend im Anschluss an die reguläre (72.) Stuttgarter Montagsdemo für K21 am Sitz der Landesgeschäftsstelle der SPD am Stuttgarter Wilhelmsplatz statt. Das Viele heftig umtreibende Thema war die Frage, wie's denn nun die Sozialdemokraten im Ländle unter'm Strich mit Stuttgart21 halten.



Marten Jennerjahn hatte keinen leichten Stand, da er -freilich schon seit langem- drängende Fragen beantworten sollte. Die Koalitionsverhandlungen zwischen Grünen und SPD sind aber gerade bezüglich des heiklen Themas Stuttgart21 ein 'besonders schwebendes Verfahren' -Grüne und SPD haben zu S21 jeweils eine sich eigentlich ausschließende Position; Grüne für K21, SPD dagegen und für S21.

S21 ist also so etwas wie die Gretchenfrage. Und bekanntlich geht es dabei um grundsätzliches Vertrauen. Allerdings ist der Wille, eine Koalition in Stuttgart zustande zu bringen, entgegen allen bisherigen medialen Unkenrufen, nach wie vor außerordentlich hoch.

Sichtbar wurde das trotz oder auch wegen der ausweichenden Antworten Jennerjahns auf die sehr konkreten und detaillierten Fragen der jungen Parkschützerin, die Mathematikerin und Ingenieurin ist. Jedoch wurde ebenfalls deutlich, dass die SPD bislang offensichtlich nach wie vor S21 befürwortet.

Dass Marten Jennerjahn sich dabei argumentativ auf so uralte Hüte wie das Lügen-Märchen von der "Europäischen Magistrale" stützte (welches selbst die DB bereits im Herbst 2010 als "Werbegag" und "Hirngespinst" angesichts der  Geißler-Schlichtung zu bezeichenen sich genötigt sah) ließ durchaus tief blicken. Und erahnen, welche Widerstände es innerhalb der Führung der B/W-SPD gibt, dieses unsinnige, milliardenteure Projekt einer innerstädtischen Bahnhofstieferlegung, welches die Allgemeinheit nicht benötigt, endlich fallen zu lassen.

Unter den Demonstranten auf dem Stuttgarter Wilhelmsplatz befanden sich überdurchschnittlich viele SPD-Mitglieder aus Stuttgart, näherer und weiterer Umgebung, die die Alternative K21 befürworten. Diese vor allem sorgten für den außerordentlichen Lärmpegel und forderten immer wieder lautstark und aufgebracht eine innerparteiliche Mitgliederbefragung zu S21. Marten Jennerjahn lehnte dies mit dem Verweis auf 'partei-verfahrenstechnische' Abläufe wiederholt ab.

***

 

Videos in besserer Qualität:

1. Teil (33:08)

2.Teil (Fortsetzung, 6:45)

 

***

Fotos: schaeferweltweit

Videos: cams21 (3), bonatz21 (2)

***

 
Senden Bookmarken Drucken
Kommentare
seriousguy47 schrieb am 19.04.2011 um 18:20
Dass Herr Jennerjahn nicht nur vom Befürworterwahn befallen ist, sondern - laut Beitrag - hinsichtlich S21 auch durch relativ wenig Sachverstand belastet ist, scheint leider typisch für die Dinosaurier in der Schwabaden-SPD zu sein. Dümmlich und großmäulig klingt auch, was ein gewisser Herr Schmiedel der ZEIT verzapfte - die sich seit heute übrigens durch Vorzensur gegen kritische Leserbeiträge abschirmt - womit solches in Zukunft eher unwidersprochen bleiben wird:

www.zeit.de/politik/deutschland/2011-04/schmiedel-baden-wuerttemberg

Was die intellektuelle Kapazität des SPD-Führungspersonals betrifft, so dürfte ich mich eigentlich nicht wundern, schließlich ist der Stuttgarter Kreisvorsitzende Andreas Reißig ein ehemaliger Schüler von mir ("daß in den nächsten 15 Jahren nichts mit dem Schrotthaufen (!) hinterm Bahnhof geschieht und dabei jede (!) Planung im Laufe der Zeit immer kostspieliger würde; und dann würde plötzlich deutlich, daß wir mitten in Stuttgart auf einzigartige städteentwicklungspolitische Möglichkeiten verzichten würden"):

www.leben-in-stuttgart.de/divers/Reissig-Hopfenzitz.htm

www.youtube.com/watch?v=7kPah7qYGZI

Ich will mal so sagen: ein linker, früher S21-Gegner war menschlich und intellektuell einer der Besten, den ich hatte. Und über einen grünen Stadtrat, der wohl eher bürgerlich zu nennen wäre, ließe sich dasselbe sagen. Und die werden wohl ihre Gründe gehabt haben, nicht zur SPD zu gehen. Andererseits weiß ich von mindestens einem CDU-Anhänger, dass er neben seiner Parteianhängerschaft einen "ordentlichen" Beruf erlernt hat und diesen auch ausübt......

Bei der Schwabaden-SPD könnte ich mir allerdings vorstellen, dass intellektuelle Qualität landesweit eher bei der Basis zu suchen ist, die deshalb auch beruflich Besseres machen konnte als eine Prateikarriere - und gegen S21 ist.....

Natürlich gibt es auch in der SPD-Führung nicht nur Noskes, sondern auch Leute, die rechnen können. Aber die Sache ist halt die: bei der knappen Mehrheit reichen Drechsler, Schmiedel & Co, um einen Ministerpräsidenten Kretschmann zu verhindern und eine "große" Koalition ohne Mappus auf den Weg zu bringen. Das würde sich erstens am Simonis & Ypsilanti-Debakel orientieren und zweitens der rotgrünen Tradition im Ländle entsprechen: zweimal gegenseitig einen OB-Sieg sabotiert.

Nils Schmids Forderung "Die Grünen müssen die Parkschützer von den Bäumen holen" hat, so gesehen, durchaus einen Mehrfach-Sinn, der immer auf ein Ergebnis hinausläuft: der SPD eine notwendige "Drecksarbeit" abzunehmen. Natürlich könnte man von Schmid fordern, seine Drechslers und Schmiedels von den Bäumen zu holen und sie, soweit möglich, die versäumten evolutionären Prozesse nachholen zu lassen. Aber wenn er das auch nur versuchen würde, wäre er weg vom Fenster. der Mann ist wohl nicht mehr als eine Marionette dieser Herren plus Gönner.

www.zeit.de/politik/deutschland/2011-04/schmid-gruene-stuttgart21?page=all&print=true

Fast überflüssig, zu erwähnen, dass auch der Herr Schmid damit nur seine Ahnungslosigkeit offenbart, haben die Parkschützer doch schon längst angekündigt, den Schlossgarten bis Ende April zu räumen und den Rasen im Mai neu einzusäen:

www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.stuttgart-21-parkschuetzer-raeumen-schlossgarten.26c07322-3e88-40bc-94c5-8e3c77e5cdbd.html

Ansonsten herzlichen Dank für die fortlaufende Information. Ich bin leider gerade etwas gehandidingens.
mcmac schrieb am 20.04.2011 um 02:38
Danke für den Beitrag zum Beitrag & Gute -Dingens,... Besserung/Gesundung/Entspannung -angenehme, wohl erstrittene Ermattung!

Gruße & Grüße!

Auf bald!
seriousguy47 schrieb am 20.04.2011 um 18:32
Breaking News von den alten Hüten:

SWR2 meldet gerade, dass ein Koalitionskompromiss erzielt wurde. Volksabstimmung soll bis spätestens Oktober nur über Tunnelbahnhof stattfinden. Aber nur, wenn zuvor der Stresstest bestanden wurde und die Kosten 4,5 Milliarden nicht überschreiten. Ansonsten beteiligt sich das Land nicht an den Mehrkosten.....

Ohne Gewähr!
Ehemaliger Nutzer schrieb am 20.04.2011 um 23:44
Habe zum Bahnhof keine konkrete Meinung und habe mich nie ernsthaft dafür interessiert. Glaube jedoch, dass das Kind längst in den Brunnen gefallen ist und wir uns in allen Belangen schlechter stellen, wenn wir es jetzt nicht vollends durchziehen. Wenn Besuch aus allen Teilen der Welt per Bahn gekommen ist, so fragte er, ihr seid eine wirtschaftlich prosperierende Metropole, viele Augen schauen auf Euch und wollen mit Euch arbeiten, ja von Euch lernen, Euer Bahnhof zeugt davon nicht, er wirkt befremdlich altertümlich? Habe mich ehrlich gesagt mit S21 nie ernsthaft auseinandergesetzt und keine wirkliche Meinung dazu. Binn jedoch Rechtswissenschaftler und denke, nach den Planfeststellungsverfahren und all den eingegangenen Verträgen, ist ein Ausstieg nicht mehr wirtschaftlich und lohnenswert – es ist zu spät. Warum jetzt der ganze Hype? Viel dringender sollte aktuell diskutiert werden, dass Mappus BaWü auf Jahrzehnte wirtschaftlich herunter geritten hat mit dem Kauf von EnBw auf Pump, der durch deren Gewinne finanziert werden soll – jeder, der Ahnung hat von Wirtschaft hat sagt: Lächerlich!!! Eine Bürgerentscheidung bezüglich S21 würde ich begrüßen. BaWü-weit würde diese wohl pro S21 ausfallen. Versteht mich nicht falsch, wie die Polizei auf die Bürger gehetzt wurde und auf diese eingedroschen hat, hat meinen blanken Hass hervorgerufen und ich würde mir herausnehmen, darauf gewaltsam zu reagieren. Keine Toleranz für Intolerante. Gelassenheit ist jedoch die erste Staatsbürgerpflicht. Bin seit je her Grünen-Wähler und sehr enttäuscht, dass sie bezüglich S21 nun einen Volksentscheid auf einmal ablehnen. Sage jedoch erneut: SPD, bleib bei Deinen Leisten, denn es wirkt lächerlich, wenn Ihr Euch auf einmal für Bürgerrechte stark macht bzw. den Eindruck erwecken wollt (ich weiß, an wem mein Studium scheiterte – toll große Koalition!). Wir sind Bürger und Ihr nicht – wer das Volk ist, steht nochmals auf einem anderen Blatt.
mcmac schrieb am 21.04.2011 um 00:05
Dafür, dass Sie eigentlich keine konkrete Meinung zu dem Thema haben, weil Sie, wie Sie von sich selbst sagen, eigentlich keine genaue Kenntnis haben, haben Sie aber eine ziemlich dezidierte Meinung. Das muss man Ihnen lassen.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 21.04.2011 um 00:11
Die Schwaben sagen: Mit den Dummen treibt man die Welt um (ob das stimmt, entzieht sich meiner Kenntnis).

L.G.
mcmac
X
Mitglied seit:
3 Jahre 15 Wochen
Zuletzt aktiv:
29.05.2012
Status:
Bloggerin
Aktivität:
Beiträge: 308
Kommentare: 1727
Logbuch
04:38
weinsztein hat gerade einen Kommentar geschrieben.
04:21
maxing hat gerade einen Kommentar geschrieben.
04:16
archinaut hat gerade einen Blogbeitrag erstellt.
04:06
weinsztein hat gerade einen Kommentar geschrieben.
03:00
Fro hat gerade einen Kommentar geschrieben.
Jürgen Roth Gazprom – das unheimliche Imperium Westend Verlag 2012

316 Seiten. Gebunden.

19,99
 
Das Imperium Gazprom verfügt über eine eigene Armee und einen mächtigen Geheimdienst. An verantwortlichen Positionen arbeiten ehemalige KGB-Agenten, sein privater Besitz ist absolut geschützt, die Verantwortlichen sind unantastbar. Mit Hilfe williger deutscher und europäischer Industrieller versucht es, den Energiemarkt zu monopolisieren und die Verbraucher abzuzocken. Jürgen Roth enthüllt, wer hinter den Kulissen die Fäden zieht >> mehr
Arte-Kooperation

portlet_ArabienArte.png

portlet-gaertnerbuch.png

wir müssen reden

Augstein und Blome

portlet_Phoenix-12.png

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Der gefährlichste Mann Europas?

Ausgabe 21/2012
24.05.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_Gaertner.jpg

Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

Freitag-Buchshop.png

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG