Foto: Vor einem Jahr. Stuttgarter Schlossgarten in der Nacht zum 3.10.2010, Tag der Deutschen Einheit (Quelle: BAA)
Derzeit ist ein Areal im Stuttgarter Schlossgarten durch die Polizei geräumt worden, um einer Firma Baufreiheit zu schaffen. Unterholz und Büsche werden herausgerissen, Baumwurzeln beschädigt. Die Polizei setzt bei ihrem Vorgehen gegen die anwesenden Demonstranten und Blockierer - im Gegensatz zum vergangenen Jahr, „Schwarzer Donnerstag“, 30.9.2010 - auf eine stufenweise Eskalation und versucht durch „Nadelstiche“ zu provozieren. Eine andere Taktik - dasselbe Ziel, wie fast auf den Tag genau vor einem Jahr.
Ebenfalls genau wie vor einem Jahr sind die als "Baumaßnahmen" bezeichneten, zerstörerischen Tätigkeiten im Schlossgarten mutmaßlich illegal, da offensichtlich wieder entsprechende Genehmigungen fehlen.
[...]Die rund 400 anwesenden Demonstranten reagieren sehr besonnen. Die Polizei provoziert durch die Verweigerung von Trinkwasser und Unfallverhütungsmaßnahmen für die Personen auf dem Feldherrenhügel. Wörtlich sagte der anwesende Hundertschaftsführer bezüglich eines Kletterers in 4 Meter Höhe: "Ist doch gut wenn er runter fällt, dann brauchen wir ihn schon nicht runter holen." Ein Demosanitäter wurde gewaltsam geräumt, einer Pressefotografin wurde mit Platzverweis gedroht.[...] Quelle: Bei-Abriss-Aufstand
CamS21 streamt zeitweise live aus dem Schlossgarten Stuttgart:
(Da die CamS21-Kameraleute wechseln im Laufe des Tages, sollte man hier klicken, um zu kontrollieren ob man gerade wirklich den aktuellsten Livestream sieht. Eine Übersicht über den aktuellen Sendestatus aller Stuttgarter CamS gibt es zusätzlich hier.)
Die Stuttgarter Zeitung verbreitet derweil die offizielle Polizeiversion:
Stuttgart - Die Polizei hat am Dienstag erneut eine Blockade von Gegnern des umstrittenen Bahnhofsprojekts Stuttgart 21 aufgelöst. Ein Polizeisprecher sagte, etwa 10 bis 20 Demonstranten seien im Schlossgarten in der Nähe des Grundwassermanagements weggetragen oder weggeführt worden, weil sie den Fortgang der Bauarbeiten gestört hätten. „Die Polizei hat dafür gesorgt, dass das Baufeld frei wird.“ Die Bahn habe weiterbauen wollen und deshalb sei ein bestimmtes Gelände eingezäunt worden. Es habe keine Zwischenfälle gegeben. An der Baustelle am Grundwassermanagement hatte es in der Vergangenheit schon mehrere Blockaden gegeben. Quelle: StZ
Presserklärung der Parkschützer:
[...]Unter dem Motto 'Viel zerstört – nichts gewonnen' sind gut 50 Parkschützer zur Stunde im Mittleren Schlossgarten präsent, um gegen die von der Bahn angekündigten Arbeiten zu protestieren. Die Bahn hatte gestern gemeldet, für einen Rohrkanal im Mittleren Schlossgarten Büsche roden zu wollen. Um vom Scheitern des Tunnelprojekts S21 abzulenken, stürzt sich die Bahn seit Monaten in nutzlosen Aktionismus[...] Quelle: Bei Abriss Aufstand
Weitere, aktuelle Entwicklungen auf:
und Webseite
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Update 17:40 Uhr
1)
Pressemitteilung des BUND Baden-Württemberg zu den heutigen Aktivitäten im Mittleren Schlossgarten (unbestätigt):
4. Oktober 2011
Gefahr im Verzug bei „Stuttgart 21“: Die Bahn baut ohne naturschutzrechtliche Genehmigung im Schlossgarten!
BUND fordert sofortigen Stopp der Bauarbeiten
Am heutigen Dienstag sind im Auftrag der Bahn gravierende Bauarbeiten zum Grundwassermanagement im Mittleren Schlossgarten in Stuttgart begonnen worden. Es wurden Sträucher entfernt und Gräben für Grundwasserröhren gerissen worden. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), Landesverband Baden-Württemberg, fordert die Deutsche Bahn AG auf, die laut Planfeststellung nicht zulässigen Maßnahmen sofort einzustellen.
Stuttgart. „Finger weg vom Schlossgarten!“, sagte BUND-Landesvorsitzende Brigitte Dahlbender bei einem Ortstermin am frühen Dienstag nachmittag im Mittleren Schlossgarten in Stuttgart. Allem Anschein nach will die Bahn noch vor der Volksabstimmung über „Stuttgart 21“ weitere Tatsachen schaffen. Allerdings werden den Bauherren in der geltenden Planfeststellung landschaftspflegerische und artenschutzrechtliche Verpflichtungen auferlegt, denen die Bahn bislang nicht nachgekommen ist, unter anderem auch bei der Fällung der Bäume am 30. 9. 2010 nicht.
„Seit einem Jahr mahnt der BUND die fehlende landschaftspflegerische Begleitplanung der Baumaßnahmen im Mittleren Schlossgarten an, obwohl eindeutig festgelegt ist, was und wie erfolgen muss. Und seit einem Jahr ist nichts passiert“, so Brigitte Dahlbender. Nach Informationen des BUND wurden die am Dienstag durchgeführten Arbeiten auch nicht mit der Stuttgarter Stadtverwaltung abgestimmt. „Das heißt, die Arbeiten sind naturschutzrechtlich nicht abgesichert“, stellt Brigitte Dahlbender fest.
Der BUND hat seit über einem Jahr immer wieder auf den fehlenden Natur- und Artenschutz bei Eingriffen in den Schlossgarten im Zusammenhang mit „Stuttgart 21“ hingewiesen. Die Gefahr ist groß, dass - bedingt durch das Fehlen einer fachlichen Unterstützung - Lebensräume geschützter Tier- und Pflanzenarten unwiederbringlich vernichtet werden. „Die Deutsche Bahn AG muss sofort mit dem Bau aufhören und Experten für Landschaftspflege hinzuziehen“, fordert Brigitte Dahlbender, „sollte dies nicht geschehen, liegt es an den Behörden, die Unterbrechung der Arbeiten aufgrund fehlender Genehmigungen durchzusetzen.“
2)
Lage um 15 Uhr (Zwuckelmann):
Der Zaun steht und wird von vergleichsweise wenig Polizei bewacht. Bisher wird nur vermessen. Zwei Leute sind in zwei Bäumen im abgesperrten Bereich. Die Polizei verhindert, dass man ihnen Wasser und etwas zu Essen zukommen lässt.
Es sind vielleicht 200-300 Demonstranten vor Ort, wer sollte, sollte unbedingt hinkommen!
Ein Krankenwagen musste mit Blaulicht und Martinshorn am Biergarten vorbei fahren, danach über die Wiese und in die Richtung, von der er kam, zurück (???) Offenbar kann es die Polizei einfach nicht bleiben lassen.
Laut Berthold Frieß vom BUND sind die durchgeführten und weiterhin geplanten Rodungsarbeiten nach dem Planfeststellungsbeschluss illegal, der BUND hat bereits oder wird Klage einreichen.
Ansonsten ist die Lage ruhig, aber die Anspannung und Wut groß. Unverständlich ist weiterhin, warum so wenig Polizei vor Ort ist und der Zaun über größere Strecken nicht direkt bewacht wird. Es steht auch zu befürchten, dass die Polizei die Film-Streams über das Mobilfunknetz stört, zu auffällig war das Netzverhalten in den letzten Stunden. Umso mehr gilt: Lauft nicht ins offene Messer!!!
Friedlichkeit war bisher unsere Stärke und wird sie auch weiterhin bleiben! Was wäre der 30.09., wenn wir nicht friedlich geblieben wären?
3)
Anruf beim Staatsministerium am Nachmittag:
"Habe gerade beim Staatsministerium angerufen: Herr Semling sagte mir, sie mischen sich da nicht ein. Innenministerium oder Polizeipräsidium zuständig. Beim Innenministerium sagt mir Herr Schlipf, ich hätte als Bürgerin keinen Anspruch auf Auskunft. Na denn."