Gestern Abend fand in Stuttgart die 91. Montagsdemonstration gegen das Projekt Stuttgart21 statt Teilnehmerzahl: 4.000 (Polizei: „2.500“). Moderiert wurde die Veranstaltung von Hermann Schmid von der Gruppe „SPD-Mitglieder gegen Stuttgart21“. Es sprachen Dipl-Ing. Frank Distel, ebenfalls Mitglied vorgenannter SPD-Gruppierung, sowie Guntrun Müller-Enßlin, Evangelische Pfarrerin aus Stuttgart und Mitglied der Gruppe „S21 - Christen sagen nein“.
Auszüge aus der gestern Abend gehaltenen Rede von Guntrun Müller-Enßlin:
[...]Deshalb an dieser Stelle einige Sätze an die Adresse unserer GRÜNEN Landesregierung und unseres Ministerpräsidenten. Verehrter Herr Kretschmann, wir kritisieren Sie ungern, aber man fühlt sich im falschen Film, wenn Sie bei 'Beckmann' sagen, „Wir müssen auch irgendwann aufhören können, wenn (mit der Volksentscheidung) das letzte Wort gesprochen ist.“
Herr Kretschmann, Sie werden doch nicht im Ernst erwarten, dass wir uns wider besseres Wissen einem politischen Taschenspielertrick beugen?
Herr Kretschmann und Grüne der Landesregierung, wir appellieren an Sie : Widmen Sie sich den Themen, um die es in Bezug auf S21 tatsächlich geht!
Es geht darum, dass die Bahn die Kosten geschönt hat!
Es geht darum, dass die Bahn den Stresstest nicht bestanden hat!
Es geht darum, dass die Mischfinanzierung auf hundert Meter gegen den Wind im unüberriechbaren Dunst der Verfassungswidrigkeit daherkommt - darum geht es!
Wir fordern Sie auf: Verschenken Sie nicht fahrlässig Steilvorlagen für eigene Initiativen, Steilvorlagen, die Ihnen auf dem Silbertablett serviert werden, und deren Erledigung das von Ihnen beschworene Wunder überflüssig macht.
Wenn Sie im Stern-Interview gegenüber Arno Luik all das kleinreden, indem Sie sagen, bei S21 gehe es nicht um Lüge oder Wahrheit, nicht um Täuschung oder Arglist, so hat das fatale Folgen.[...]
Vor der Wahl haben Sie auf unserer Seite gegen das Projekt gestritten.
Wenn Sie wirklich dagegen sind, dann müssen Sie jetzt etwas unternehmen und kämpfen. Tun Sie das nicht und betreiben gar den Volksentscheid, dann müssen wir daraus schließen, dass Sie sich vorzeitig und ohne Not im Machtpoker haben mundtot machen und von Ihrem Koalitionspartner und der Bahn haben in die Tasche stecken lassen. Noch ist es nicht so weit, dass wir Ihnen das unterstellen, noch möchten wir an Ihr Rückgrat, Ihren Schneid und Ihre Redlichkeit glauben. Für all das haben wir Sie gewählt. Und für all das steht auch unser Protest auf der Straße. Dieser Protest wird nicht so schnell schlappmachen, soviel ist sicher.[...]
Aktuell: „Der Bau von Stuttgart 21 läuft unter Kretschmann offensichtlich weiter wie unter Mappus, das empört uns ungemein!" (BAA)