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Es ist spät geworden gestern abend, und im Ritz Carlton am Potsdamer Platz finden sich nur noch Überreste der Feier des Medienboard Berlin-Brandenburg, die Einlasser verwehren höflich, aber bestimmt den Gang über die Treppe zur Beletage, verbleibende Menschen sammeln sich in den Bars des Foyer, wo bald die Lichter angehen. Berlin ist ein Widerspruch auf zwei Beinen: Arm, aber sexy hat der regierende Partymeister einmal gesagt, und das stimmt wohl auch, wenn sich am Gegenteil versucht wird. Reich, aber unsexy kommt die Gesellschaft im Ritz Carlton daher, und der Besuch aus München sagt, es wundere ihn nicht, dass in Berlin alle nur auf Video drehen, das Essen sei so gut gewesen wie seit Jahren nicht, in München gibt es bei vergleichbaren Anlässen: Brezeln. Berlin ist nicht München, und man wird das Gefühl nicht los, dass München, wie man nun auch dazu steht, der Standard ist und Berlin die Abweichung, und dann wirkt das Medienboard-Gelage irgendwie fehl am Platz. Genauso fehl wie der Portier, der dem bekannten deutschen Regisseur und seiner Begleitung beflissen ein Taxi rufen will, als beide sich anschicken zu gehen, und natürlich muss das Taxi, das ein Portier vom Ritz Carlton ruft, direkt vor dem Ritz Carlton halten. Dann aber gehen der Regisseur und seine Begleitung einfach seitlich am Teppich vorbei, die beflissener werdenden Rufe des Portiers ("junge Frau, junge Frau") ignorierend. Soviel Geringschätzung für die Welt der Dienstleistungen würde man in München vermutlich nicht finden. Vielleicht muss man aber in Berlin auch niemandem ein Taxi rufen am Potsdamer Platz, wo eine nicht enden wollende Schlange von Taxis steht – nicht einmal bekannten deutschen Regisseuren und ihren Begleitungen.

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