merdeister

135 rote Waldameisen

07.11.2010 | 19:54

Common Flu and common flaw

Es ist Grippe-Zeit. Der Grund warum ich etwas verschnupft bin, liegt aber nicht in einem der vier Influenza-Viren, sondern in einem Beitrag zu diesem Thema von vor einem Jahr. Dazu später.

Ein Fachbuch sagt uns, Influenza-Viren seien die wohl wichtigsten Auslöser akuter Atemwegserkrankungen. Der Beginn ist plötzlich, ohne Fieber ist es keine Grippe und meist geht alles gut. Das Robert Koch Institut hat, damit es noch ein wenig häufiger gut geht, auf seinen Seiten folgende Ratschläge veröffentlicht:

„Medizinisches Personal, ältere Menschen über 60 Jahre, chronisch Kranke jeden Alters sowie Schwangere sollten gegen Grippe geimpft sein. „Wer geimpft ist, schützt nicht nur sich selbst vor einer schweren Influenza-Erkrankung, sondern vermeidet auch eine Ansteckung anderer.

Der neue saisonale Impfstoff setzt sich aus den Antigenen der aktuell weltweit vorkommenden Varianten der drei zirkulierenden Influenza-Virustypen (A/H1N1, A/H3N2, B) zusammen. „Der saisonale Impfstoff enthält das Antigen des pandemischen H1N1-Influenzavirus und schützt somit auch gegen die ‚Schweinegrippe’.“

Wer sich nicht impfen lässt, kann sich durch das Waschen der Hände schützen. Desinfizieren wäre zwar besser, ist aber im Alltag der meisten Menschen nicht praktikabel. Doch auch wer krank ist, kann seine Umwelt schützen. Das bedeutet unter anderem, der Satz „Hand vor den Mund“ wird endgültig aus dem Repertoire für die Kindererziehung  gestrichen.


Mehr Infos hier.


Wie es aktuell in Deutschland aussieht kann man sich auf eine hübsch kolorierten Karte anschauen, die wöchentlich aktualisiert wird.


Wie man oben lesen kann, ist mit dem saisonalen Impfstoff die „Schweinegrippe“ auch abgedeckt.
Es war, gerade im Rahmen der Kritik an der Reaktion der Behörden im letzten Jahr und der Impfung häufig von „milden Verläufen“ die Rede. Das stimmt auch, bedingt:
„Schwere Verläufe und Todesfälle traten vor allem bei jüngeren Menschen auf (in einer saisonalen Welle kommen tödliche Verläufe vorwiegend bei der älteren Bevölkerung über 60 Jahre vor). Rund ein Fünftel der Todesfälle trat bei vorher gesunden Menschen auf, bei einer saisonalen Welle treten die Todesfälle fast immer bei (älteren) Menschen mit Grunderkrankungen auf.“  rki.de


Damit komme ich zu meinem Beitrag aus dem letzten Jahr.
Darin stellte ich die Behauptung auf, der Stoff „Squalen“ sei für das „Golfkriegssyndrom“ verantwortlich. Der Stoff wurde dem Impfstoff für die "Schweinegrippe" als Wirkverstärker zugesetzt und stand im Mittelpunkt der Kritik.  Ein Professor hatte in einer Vorlesung den Zusammenhang mit dem "Golfkriegssyndom" hergestellt und ich habe ihm geglaubt. Und dann habe ich Quellen gefunden, die diese Aussage unterstützt haben. Natürlich habe ich "Belege" für die Aussage im Internet gedunden, wofür findet man dort keine? Leider ist diese Behauptung falsch.

Wie diese Aussage überhaupt in die Welt kam, kann man hier gut nachlesen. In den Kommentaren findet man dann auch gleich die Menschen, die meine falsche Behauptung unterstützen.


Diese Situation zeigt aber auch sehr schön ein Problem, dass man heute schnell bekommt. Wenn man nicht jede Innovation der Pharmaindustrie begrüßt (oder die wenigsten), steht man plötzlich zusammen mit Impfgegnern und ihrem…Glauben.
Big Pharma macht es einem aber auch leicht, ihnen erst einmal gar nichts zu glauben hier zwei Beispiele. Dabei sind die Erkenntnisse gar nicht  neu. Allerdings bin ich mit meiner Skepsis nicht ganz allein.



Auch möchte ich noch einen Hinweis auf einen Artikel in der taz loswerden, bei dessen Lektüre ich mich gegruselt habe. In Kurzform:
Pharmauntehmen übernehmen die Verantwortung für eine Gruppe von Patienten, die an einer Erkrankung leiden, für die dieses ein Medikament herstellt. Mit „den Schizophrenen“ fängt man an, denn die haben keine Lobby.


Außerdem noch dieser Bericht einer Chefärztin über die Entwicklung in der Versorgung von Patienten vom persönlichen zum sporadischen Kontakt.


Diese schöne, auch in deutschen Medien behandelte Geschicht, handelt vom Medikament Lucentis, das 1500,- pro Behandlung kostet, obwohl es sich um denselben Wirkstoff vom selben Unternehmen handelt, mit dem man unter dem Namen Avastin Krebs behandelt, für ca. 40,-.
„Lucentis, approved in 2006, is mainly used to treat age-related macular degeneration, the leading cause of blindness in the elderly. It costs about $2,000 for each injection, with an injection into the eye needed as often as once a month. The competition comes from Avastin, another Genentech drug that has the same mode of action. While Avastin is approved only to treat cancer, many retina specialists say it works just as well in the eye as Lucentis. So they are using it off-label because each injection costs only $20 to $50.“ nytimes
Und ganz am Ende: In San Francisco möchte man die Kalorienmenge für „Happy Meals“ begrenzen. Oder wie ein McDonald's Franchise-Nehmer es ausdrücke:
“Somehow the San Francisco Board of Supervisors just took the happy out of Happy Meals.”
 
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Kommentare
poor on ruhr schrieb am 07.11.2010 um 20:09
Klasse Gerne gelesen. Gesundheit ist immer ein wichtiges Thema. Mein persönlcher Dauerbrenner findet sich ganz am Schluß wieder!

Herzliche Grüße

por
merdeister schrieb am 07.11.2010 um 20:38
Danke poor!
carlfatal schrieb am 07.11.2010 um 20:27
Spätestens seit der Lektüre von Lucky Luke hab´ ich zu diesen Pillendrehern so´n ganz komisches Gefühl. Entweder sind sie Scharlatane oder sie sorgen erst für die Krankheit und dann fürs Mittel. Und die Verdienstspanne erinnert doch stark an Drogengeschäfte...
mfg, cf
merdeister schrieb am 07.11.2010 um 20:38
Lucky Luke, ein guter Ratgeber in jeder Lebenslage...
I.D.A. Liszt schrieb am 08.11.2010 um 15:51
Bei Lucky Luke wohnen die Pillendreher sicher nicht ganz zu unrecht Tür an Tür mit diesen gelbgesichtigen, hakennasigen Bestattern mit dem krummen Zylinder auf dem Kopf und dem Geier im Hintergrund...
ed2murrow schrieb am 08.11.2010 um 18:14
... wobei das Eigenleben des Geiers, vor allem seine Ernährungsgewohnheiten durchaus eine Rolle spielen. Also in Reallife werden die zur Zeit richtig dicht ausgewildert, ob es da wohl einen Zusammenhang gibt?
ed2murrow schrieb am 07.11.2010 um 20:56
Lieber Merdeister,

etwas vorher schrieb ich einen meiner ersten, etwas längeren Artikel zum Thema Impfung und einer Dame namens Jane Burgermeister, die in der Netzwelt der Verschwörungtheoretiker eine nicht ganz unbedeutende Rolle spielt.
bit.ly/aPIqPi
wenn Sie wollen und einmal mit Ihren Erfahrungen gegenlesen.

Ihr e2m
merdeister schrieb am 08.11.2010 um 09:48
Danke für den Link. Da waren sie aber früh an dem Thema dran, leider habe ich da übersehen.
Technixer schrieb am 08.11.2010 um 15:20
Bin noch am grübeln, ob ich mir den Stoff spritzen lasse. Geht einem schon etwas malade danach...
merdeister schrieb am 08.11.2010 um 16:40
Wenn Du zu einer der Risikogruppen gehörst, ist das sicher zu überlegen, Du kannst Dich ja am selben Abend betrinken, dann lohnt sich das malade sein danach...
Achtermann schrieb am 08.11.2010 um 18:31
@ merdeister

dann lohnt sich das malade sein danach...

Leider hat sich bei mir nach dem jährlichen Impfen noch nie ein Grund aufgetan, mich zu besaufen.
merdeister schrieb am 08.11.2010 um 18:53
@Achtermann

Es findet sich doch immer ein Grund sich zu besaufen.
Achtermann schrieb am 10.11.2010 um 18:44
@merdeister

Auf keinen Fall! Du bist doch einer der genialsten Blogger der FC: Immer charmant, immer lächelnd, immer vergnügt.
merdeister schrieb am 10.11.2010 um 22:21
Achtermann, das drucke ich mir aus!*

*egal ob Streifzug lacht oder nicht.
I.D.A. Liszt schrieb am 08.11.2010 um 15:58
Zum Titel fällt mir nur Folgendes ein:

A flee and a fly in a flue
Were imprisoned, so what could they do?
Said the fly, 'let us flee!'
'Let us fly!' said the flee.

So they flew through a flaw in the flue.

Und ansonsten:
An apple a day keeps the doctor away.>/em>
merdeister schrieb am 08.11.2010 um 16:40
Herr Liszt, Sie sind doch krank!
h.yuren schrieb am 08.11.2010 um 18:08
nix da, lieber merdeister, der limerick ist mir auch bei deinem titel eingefallen. also eine gesunde reaktion.

wer sich ins gedränge begibt, hat die besten aussichten, geimpft zu werden-;
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