merdeister

135 rote Waldameisen

26.08.2011 | 09:53

Fundstücke 34 - Laborente


[Fette Links führen zu englischen Texten]

Diese Woche gibt es ein Schwerpunktthema, doch vorher ein paar Leseempfehlungen, die ich trotzdem noch loswerden muss.

Zweimal wird das Thema Krebs in der NYT thematisiert. Im ersten geht es um eine sehr radikale Behandlungsmethode mit zweifelhaftem Nutzen. Im Nächsten geht es um eine Frau, die Magenkrebs hat und die Geschichte erzählt, wie sie als Feinschmeckerin die Erkrankung erlebt hat.

In Berlin ist eine Partei gegen das "Schulfach 'Schwul'", mehr dazu hier.

Ein Nachtrag zur Schweinegrippe, bzw den zur Vorbeugung einer Pandemie eingekauften Impfstoffen. Es gibt weitere Hinweise für einen Zusammenhang zwischen Fällen von Narkolepsie und dem Impfstoff "Pandremix". Wie, wo und ob der zu finden ist, wird noch erforscht. Viel Material bleibt dafür nicht, denn der nicht benutzte Impfstoff wird verbrannt. Beides zusammengenommen wird wohl wieder Wasser auf die Mühlen der Impfgegner sein, ein Thema, mit dem man sich hier befasst.

Damit geht es nahtlos über zum Schwerpunkt. Wie e2m bereits berichtete wurden einem italienischen Blogger mit von einem Produzenten homöopathischer Mittelchen angedroht ihn zu verklagen. Um das Ende direkt vorweg zu nehmen, das Unternehme wird nicht klagen und hat sich beim Blogger entschuldigt.

Doch von Anfang an. Die Drohung des Unternehmens provozierte einen Streisand Effekt, zu den ersten in der deutschen Bloggosphäre, die darüber berichtet haben, gehörte wohl Esowatch, zumindest habe ich dort zuerst davon gelesen. Dort gab es auch den Hinweis auf das BMJ (Britsh Medical Journal), welches das Thema ebenfalls aufgriff.

Bei der "Behördlekneipe" findet sich das passende Musikvideo zum Streit. Der "Neuroskeptic" berichtet in dem Zusammenhang davon, dass er selbst einmal das Bild eines Boironprodukts veröffentlicht habe, ihm jedoch nicht mit Klage gedroht wurde.

Von den bekannteren Wissenschaftsbloggern wurde das Thema natürlich auch dankbar aufgegriffen oder kopiert.

Auch zu Medien, die sich sonst weniger mit Medizin beschäftigen, wie winfuture oder dem Handelsblatt ist das Thema durchgedrungen. Das mag mit der Bedeutung zusammenhängen,  den dieser Missgriff für den Umsatz des Unternehmens haben könnte. Vielen Anwendern mag gar nicht bewusst gewesen sein, dass in der "Medizin" kein Wirkstoff ist, fast keiner wird wohl gewusst haben, dass auch unverdünntes Oscillococcinum nicht existiert, weil es sich von Anfang an um ein Artefakt gehandelt hat, eine Laborente sozusagen. Die Geschichte ist auch hier nachzulesen.

Einen etwas anderen Blick, einen mit mehr Verständnis für das Unternehmen, hat die Bloggerin "Zenbuffy" und legt das in ihrem Blog, welcher ebenfalls im BMJ veröffentlicht wurde, dar. Der Autor selbst stellte sich auf Google+ der Diskussion.

Der Vollständigkeit halber noch zwei Hinweise auf Buchstäblich seltsam und den Fellow Passenger, die sich ebenfalls dem Thema widmen.

Wer jetzt noch Lust hat, auf zwei Texte ohne Enten, dem sei die Jagd auf einen Troll und deren Ende empfohlen, sowie der Bericht einer Ghostwriterin für medizinische Texte.

Im Bild der Woche geht es um Pferde.

Die nächsten Fundstücke kommen, wie die letzten von der gewissenhafteren Cassandra

 
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Kommentare
goedzak schrieb am 26.08.2011 um 11:02
Du wirst immer ökonomischer mit den Zwischenlinktexten, oder? Und wo ist der obligatorische Hinweis auf die nächsten Fundstücke mit ungerader Nummer und ihre Autorin?
merdeister schrieb am 26.08.2011 um 14:23
Huch, das ist im Eifer des Gefechts passiert, weil unterwegs. Das wird später ergänzt, bevor "sie" davon erfährt :-) also: Psssssst.

Beim nächsten mal gibt es auch wieder mehr Text.
poor on ruhr schrieb am 26.08.2011 um 13:06
@merdeister

Vielen Dank dafür, dass du erzählt wie die Geschichte mit dem italienischen Blogger und seinem homöopathiekritischem Blog weitergegangen ist. Das interessiert mich sehr.
Die Macht der Wirtschaft und in der deutschen Bloggosphäre von Abmahnern im Dienste der Wirtschaft sollte kritisch im Auge behalten werden, auch wenn mir klar ist, dass es in Deinem obenstehenden Blog vorwiegend um Medizin geht.

Trotzdem finde ich es doch eine gute Nachricht, dass sich der Homöpathiekonzern mit seinen angedrohten Repressalien nach kritischer Prüfung der Blogs keinesfalls gerechtfertigt gewesen wären, nicht durchsetzt hat.

Herzliche Grüße

por
merdeister schrieb am 26.08.2011 um 17:15
Hallo por,

ich vermute das Unternehmen hat einen Rückzieher gemacht, weil Dinge laut diskutiert wurden, die man eher nicht so gerne bekannt machen möchte. Es gibt sicher trotzdem genug Menschen, die das Zeug weiter kaufen, ich vermute aber, es sind weniger. Wäre der Streit weiter gegangen hätte das böse ausgehen können.

Es geht um die Geschichte und die hat viele Aspekte :-)
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