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Hardcover, gebunden

288 Seiten

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Kultur : Der größtmögliche Glossen-Schmierer aller Zeiten (FAS, Seite 16)

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Kennen Sie die Kolumne Das war's? Sie erscheint im Politikteil der FAS und wird in der Regel oder immer, ich weiß es nicht genau, von "riw" geschrieben. "riw" ist Richard Wagner, er war mal Kommunikationschef bei der Bertelsmann-Stiftung und ist Politikredakteur der 'FAS'. Seine Glosse nervt mich und andere schon lange durch den offenkundig 'schrägen' Gebrauch des Wortes "sogenannt". Also z.B. in der aktuellen Ausgabe "In den Vereinigten sogenannten Staaten". Das soll irgendwie witzig sein, keine Ahnung.

Aber diese Grille, wie man wohl in seinen Kreisen sagt, ist nicht das einzige Alleinstellungsmerkmal der Glosse. Mir ist keine andere bekannt, die so auf Teufel komm raus gegen die political correctness anschreiben will.

Dieser unbedingte Wille zum freien Wort führte auch zu äußert pietätslosen Bemerkungen von "riw" über den Selbstmord von Robert Enke, die wohl als sarkastische Einlassungen zum Medienrummel gedacht waren. Eigentlich wollten wir damals ein Medientagebuch schreiben, aber na ja, man läßt es dann halt doch, man kann nicht die ganze Drecksarbeit machen.

Ich habe dann einfach die Glosse nicht mehr gelesen. Bis ich nun heute beim Frühstück von der bestmöglichen Partnerin auf die nachfolgenden Sätze gestoßen wurde. "Wie geschmacklos" sagte sie erst, besserte dann aber nach "nein, wie kalkuliert geschmacklos".

"Zur Vorbereitung der Jubiläumsfeierlichkeiten für Robert Enke, den größtmöglichen Toten aller Zeiten, haben aber dennoch an diesem Castor-Wochenende die zur Artikulation des Volkswillens eingesetzten Schotterer Gleisanlagen von Unkraut, Käfern und anderen, durch den jähen Kontakt mit Lokomotiven kleinteilig im Gleisbett verteilten Fleischen befreit, um eine möglichst reibungslose Betroffenheit zu ermöglichen. Auch aus Stuttgart 21 wurde eine Betroffenheitsdelegation erwartet, die den Vorschlag machen soll, am Schlichtungstisch vom 10. November an einen Stuhl für Enke frei zu lassen, und außerdem sollen Andreaskreuze an allen Bahnübergängen in Robertkreuze umbenannt werden."

Um die ganze Perfidie zu erfassen, muss man die Passage vermutlich zweimal lesen. Man wird dann sehen: der Mann will wirklich provozieren. Kann er haben.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.