Michael Jäger

Die Andere Gesellschaft

14.09.2010 | 14:23

(51) Die Neue Marxlektüre. Eine Rezension

 

 

Ich beginne hier ein neues Kapitel, in dem es um Methodenfragen geht, und eröffne es mit der Einschaltung eines Textes, den ich im Herbst 2009 geschrieben habe. Es handelt sich um die Rezension zweier Forschungsberichte über die Schule der "Neuen Marxlektüre", die mich hier schon etliche Notizen hindurch beschäftigt hat und im jetzt beginnenden Kapitel noch weiter beschäftigen wird. Ursprünglich sollte die Besprechung im Freitag erscheinen, doch nachdem sie bereits eine Weile auf Halde gelegen hatte, schien mir besonders der erste Bericht, von Ingo Elbe, zu speziell, um ihn einer breiten Leserschaft unvorbereitet vorzustellen, während es sich dann ergab, dass der zweite, von Jan Hoff, in einem Freitag-Artikel über Japan auch ohne mich ganz passend vorgestellt worden war. Hier im Kontext dieses Blogs steht mein Text sicher nicht falsch, nicht unvorbereitet vor allem. Ihn an dieser Stelle mitzuteilen, scheint mir auch deshalb sinnvoll zu sein, weil er die Methodenfragen schon einmal anklingen lässt, denen ich mich zuwenden will.

Zuerst die bibliografischen Angaben: Ingo Elbe, Marx im Westen. Die neue Marx-Lektüre in der Bundesrepublik seit 1965, Akademie Verlag, 643 Seiten, Berlin 2008; Jan Hoff, Marx global. Zur Entwicklung des internationalen Marx-Diskurses seit 1965, Akademie Verlag, 345 Seiten, Berlin 2009.

Theorie und Empirie

Marx im Westen von Ingo Elbe ist ein akribischer Bericht über eine wichtige Schule westdeutscher Marxforschung seit 1965. Worum geht es? Dass die Schulgründer ihrerseits Adorno-Schüler waren, erfahren wir recht bald, erst auf Seite 308 aber, was die "politischen Implikationen der Debatte" sind - wogegen sie anrennt: "Wer den Zusammenhang zwischen Wert und Geld einerseits und Kapital andererseits als bloß kontingenten begreift, dem drängt sich ein marktsozialistisches Emanzipationsmodell quasi automatisch auf." Die Teilnehmer der "Debatte" wollen einbleuen, dass es keinen Marktsozialismus geben kann, der nicht zugleich kapitalistisch ist, weil Ware und Geld das Kapital in seiner schlimmen Vollgestalt schon notwendig implizieren. Ob das stimmt oder nicht, ist zumal seit 1990, als die sowjetische Spielart von Sozialismus scheiterte, eine Frage von allgemeinem Interesse.

Wir können das schwer lesbare Buch nur erschließen, wenn wir uns im ersten Schritt auf völlig abstrakte Methodenfragen einlassen. Eine große Hürde gibt es vorab: Alle, die der Schule angehören, sind überzeugt, Marx habe in dem Kapitel über "Ware und Geld", das sein Hauptwerk Das Kapital einleitet, "eine Erklärung empirisch erscheinender Reichtumsformen mittels einer nichtempirischen Theorieebene zu liefern" beabsichtigt. Ich meine, man kann Marx nicht schärfer angreifen als mit dieser Behauptung, die sich übrigens bald in die ganz andere Behauptung verwandelt, die "Theorieebene" sei zwar, wenn man näher hinsehe, sehr wohl empirisch, doch geschehe das aus Inkonsequenz, weshalb Marx gegen sich selbst verteidigt werden müsse.

Elbe weiß vielleicht gar nicht, wovon er spricht. Von Inkonsequenzen abgesehen, rekonstruiere Marx die "Geldform" "nicht-preisbestimmt, also nicht-empirisch", heißt es einmal. Der Umstand, dass es Preise gibt, ist aber gar keine Empirie, sondern nur eine sichtbare Tatsache. Empirie kommt nicht in der Natur vor, auch nicht in der gesellschaftlichen, sondern muss erst künstlich produziert werden; davon zeugt schon Galileis schiefe Ebene und noch der moderne Teilchenbeschleuniger. Davon zeugen auch die historischen Illustrationen im ersten Kapitel des Kapital, die keine Marxsche Inkonsequenz, sondern sein empirischer Verifikationsversuch sind.

Ich meine, man muss es so sehen: Wenn Marx "illustriert", will er tatsächlich Empirie beibringen. Er argumentiert also nicht mit irgendwelchen Fakten, sondern mit künstlicher Faktizität im genannten Sinn. Die Empirie von Marx ist darin künstlich, dass seine Illustrationen nicht die Tatsächlichkeit, sondern nur die  p r i n z i p i e l l e   M ö g l i c h k e i t  dessen aufweisen, was er zum Thema "Ware und Geld im Kapitalismus" abstrakt behauptet. Für diesen Aufweis benötigt er gar nicht immer Illustrationen, die dem Kapitalismus selber entstammen.

Warum gibt es Kapital?

Wenn die Schule von einer "logischen" Methode spricht, schwebt ihr eine "Dialektik" vor und sucht sie herauszufinden, was denn darunter nur verstanden werden könne. Laut Elbe sind alle Beiträge der Schule "aus dem berechtigten Motiv" gespeist, "dem Missbrauch des Wortes 'Dialektik' den Kampf anzusagen." Den Vorwurf des Hegelianismus wies sie zurück, denn nicht Hegels "idealistische", sondern Marx' "materialistische" Dialektik sei die richtige. Da sie aber behauptete, das in "materialistischer" Dialektik verfasste Kapital von Marx beginne mit einem Kapitel über Ware und Geld, das ohne Empirie rein innerbegrifflich "ableitend" verfahre, war der Einwand nicht leicht von der Hand zu weisen.

Nebenbei gesagt, stünde sie wohl besser da, wenn sie an den Vorarbeiten des Frankfurter Instituts für Sozialforschung anknüpft hätte. Aus dem ist sie, wie gesagt, immerhin einmal hervorgegangen. Was der frühe Habermas über Dialektik schrieb, führt zwar nicht weiter, aber von Adorno hätte die Schule Einiges lernen können.

Schließlich bildete sich folgende Argumentationslinie heraus: Marx zeige völlig ohne Empirie, dass Warentausch notwendig die Existenz von Geld bedinge, Ware und Geld aber notwendig zur Existenz von Kapital führten. Der zweite Übergang gehe so vonstatten, dass unter allen Waren auch die Ware Arbeitskraft sei, welche vom Geldeigentum notwendig gekauft werde, denn damit der Geldwert nicht verfalle, müsse er vermehrt werden, eben durch Einschaltung der Arbeitskraft. Im übrigen liege im Geld selbst eine Vermehrungstendenz, weil es rein quantitativ bestimmt und somit grenzenlos sei; die Arbeitskraft, von diesem Geld eingekauft, verwirkliche nur dessen eigene Tendenz. "Materialistisch" sei diese "Ableitung" aber deshalb, weil sie natürlich nur greife, wenn Warentausch und somit Geld und ferner die Arbeitskraft als Ware überhaupt historisch vorkämen, was seinerseits nicht mehr "begrifflich abgeleitet" werden könne.

Die Schule kommt also selbst zu dem Schluss, dass nur  d a s   G e s c h e h e n s m ö g l i c h e  "abgeleitet" werden kann, während der Kapitalismus viel mehr ist, nämlich die historische Wirklichkeit. Hier, wo es um den entscheidenden zweiten Übergang geht, scheitert sie aber gänzlich. Denn Marx selbst hat darauf hingewiesen, dass es auch bei Vorhandensein warenförmiger Arbeitskraft und privat konzentrierten Geldvermögens zur Kapitalbildung durchaus nicht kommen muss; dies beweist die römische Geschichte, und wenn Marx die chinesische besser gekannt hätte, hätte er auch sie noch anführen können. Daran war von einem Debattenteilnehmer (Dieter Riedel) bereits erinnert worden, und doch argumentierten andere (Helmut Reichelt, Dieter Wolf) wie dargestellt.

Man könnte meinen, die Schule habe schon immer geahnt, dass ihr Ansatz an diesem Punkt einmal stolpern würde. Es ist, als ob sie deshalb jahrzehntelang zu ihm gar nicht vordrang, sondern sich lieber nur mit dem ersten Übergang vom Warentausch zum Geld befasste. Eine Debatte über den Kapitalbegriff hat überhaupt erst nach 1990 begonnen. Elbe referiert Beiträge von 1997, 2000, 2006 und 2007. Er selbst stellt noch 2008 fest, die Debatte über den "Übergang vom Geld zum Kapital" sei "wenig entwickelt", obgleich es sich immerhin um die "zentrale theoretische Scharnierstelle des Marxschen Werks" handle. Das lesen wir in einem Kapitel mit der Überschrift "Exkurs zur Werttheorie als Kapitaltheorie". Es ist elf Seiten lang, während die sonstigen "werttheoretischen Grundlagenreflexionen" auf gut 270 Seiten ausgebreitet sind. Das Kapital als Exkurs? Es sollte doch etwas ernster genommen werden.

Eine kantische Kritik

Weil man von der Neuen Marxlektüre im Detail viel lernen kann, ist Elbes Forschungsbericht trotz der genannten Probleme, über die er hinweggeht, sehr verdienstvoll, zumal wir auch über Beiträge zur "Staatsableitung" und zur "Krise der Revolutionstheorie" ausführlich informiert werden. Noch verdienstvoller, dabei auch lesefreundlicher ist Marx global, das Buch von Jan Hoff, der seine Ankündigung, er wolle "die internationale Entwicklungsgeschichte einer bestimmten Richtung nachzeichnen", nämlich der von Elbe behandelten, zum Glück nicht einlöst. Er zeigt vielmehr ganz allgemein, wie sich der Marxismus im Zuge der Revolten der späten 1960er Jahre interkontinental ausbreitete und vielerorts auch akademisch verankern konnte. Er macht darauf aufmerksam, "dass mit der Edition der Marx-Engels Collected Works, die u.a. auch für die englischsprachigen Länder der sog. Dritten Welt konzipiert waren, erst in den 1970er Jahren begonnen worden ist".

Eine Reihe internationaler Namen ist geläufig: Althusser in Frankreich, Colletti in Italien, Thompson in England, Dussel in Lateinamerika, Itoh in Japan und so weiter. Allein das ist schon nützlich, solche Autoren in Beziehung gesetzt zu sehen. Der Althusserianismus, erfahren wir dabei, "scheint die am ehesten wirklich globale Theorieströmung zu sein". Die Überraschung jedoch, die das Buch birgt, ist die hohe Bedeutsamkeit, die es über Itoh hinaus der  j a p a n i s c h e n   F o r s c h u n g  zuschreiben muss. Schon deren Umfang ist beeindruckend: In den späten 60er Jahren waren mehr als die Hälfte der Professoren für Ökonomie marxistisch orientiert, und noch zwischen 1975 und 1998 wurden mehr als 4000 Arbeiten zur Marxschen ökonomischen Theorie veröffentlicht. Übrigens ist China nicht weit, die japanische Literatur wird dort fleißig rezipiert.

Warum ist sie bedeutsam? Weil die Japaner, die sich mit der "Formanalyse" von Ware und Geld längst vor den Deutschen beschäftigt haben, danach auch Interpreten des Marxschen Kapitalbegriffs geworden sind. Genau deshalb setzte die Frage nach Marx' Hegelianismus in Japan ganz andere und viel produktivere Überlegungen frei als in Deutschland.

So schreibt der in Kanada lehrende Japaner Thomas Sekine, man könne im Marxschen Hauptwerk "das materialistische Substitut für das Hegelsche Absolute" dargestellt finden, denn die Dialektik des Kapitals, wie Marx sie aufweise, "spiele" genau dessen "Rolle". Ebenso äußert der Philosoph Kojin Karatani, Marx habe die kapitalistische Ökonomie beschrieben, als wäre sie eine Selbstverwirklichung des Hegelschen absoluten Geistes. Dieser Geist strebt ins Unendliche und kommt der Hegelschen Behauptung zufolge dort auch an; das Kapital jedoch, so Karatani, "kann niemals über seine eigene Grenze hinausgehen". Wer die Marxsche Darlegung so charakterisiert, rückt ihn noch näher an Kant als an Hegel, und tatsächlich fordert der japanische Philosoph dazu auf, die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie überkreuz mit Kants Kritik der reinen Vernunft zu lesen. Denn was Marx vorlege, sei "eine kantische Kritik des maßlosen Triebs der Kapital-Vernunft, sich selbst jenseits seiner Grenzen zu verwirklichen".

Hoff merkt gar nicht, dass er den Gedanken schon vorher gefunden und referiert hat: bei dem Adorno-Schüler Hans Jürgen Krahl. "Die Hegelsche Logik ist nach Marx die metaphysische Verkleidung der Selbstbewegung des Kapitals", war als Krahl-Satz zitiert worden. Michael Heinrich jedoch, ein Schulhaupt der Neuen Marxlektüre, hatte widersprochen. Hegels "Formen" ließen sich nicht beliebig auf einen anderen "Inhalt" anwenden. Aber Krahl hatte es doch gerade gesagt: dass Hegels "Formen" nicht aus Hegels Kopf kommen, sondern aus dem "Inhalt", den die Wirklichkeit dort hineingetan hat. Aus der Selbstbewegung des Kapitals. Japan, du hast es besser.

 
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Kommentare
Streifzug schrieb am 14.09.2010 um 16:24
Wenn Michael Jäger schon schreibt:
Wir können das schwer lesbare Buch nur erschließen, wenn wir uns im ersten Schritt auf völlig abstrakte Methodenfragen einlassen.
erfasst mich ein leichtes Grauen.

Für wenn sind diese Bücher eigentlich geschrieben? Ich stelle mir gerade einen Bauarbeiter vor, wie er in seiner Pause folgende Sätze konsumiert:
"eine Erklärung empirisch erscheinender Reichtumsformen mittels einer nichtempirischen Theorieebene zu liefern"
und
"eine kantische Kritik des maßlosen Triebs der Kapital-Vernunft, sich selbst jenseits seiner Grenzen zu verwirklichen"
oder
"Die Hegelsche Logik ist nach Marx die metaphysische Verkleidung der Selbstbewegung des Kapitals"
Respekt. Mir würde es den Appetit verderben.

Es wird eine moderne, linke Marketing-Strategie sein: Eroberung des Kunden durch intellektuelle Umgehung.

Was ist eigentlich mit dem Buch von Robert Kurz: Marx lesen: Die wichtigsten Texte von Karl Marx für das 21. Jahrhundert?
Rahab schrieb am 14.09.2010 um 16:29
oho!
ich werde es nicht tun, aber ... ich könnte eine liste der bücher einstellen, welche mein bauarbeitender vater in den essens-pausen las

ansonsten haste recht: die einleitung ist abschreckend
Streifzug schrieb am 14.09.2010 um 16:30
@Rahab,

ich sagte ja: Respekt. Mir würde es den Appetit verderben.
Rahab schrieb am 14.09.2010 um 16:34
ja.
und wenn dir dann der appetit verdorben ist, dann lieste schon aus reiner verzweiflung
Streifzug schrieb am 14.09.2010 um 16:34
Ach so, stell doch einfach die Bücher ein, die du in den Essen-Pausen liest :)
j-ap schrieb am 14.09.2010 um 16:36
Sie sind ja auch kein Bauarbeiter, Streifzug. ;-)
Streifzug schrieb am 14.09.2010 um 16:40
Jetzt verstehe ich, die moderne, linke Marketing-Strategie lautet: Lesen in Hoffnung aus Verzweiflung. Nein, da ist die Blochsche Hofferei. Also doch lieber: Verdorbenes Lesen aus Verzweiflung. (Ich werde noch etwas dran rumfeilen.)
Streifzug schrieb am 14.09.2010 um 16:45
Aha! Jetzt werde ich bestimmt gleich noch als Intellektueller diskriminiert ;)
j-ap schrieb am 14.09.2010 um 16:49
Ist denn »Intellektueller« ein Schimpwort, Streifzug?
Rahab schrieb am 14.09.2010 um 16:52
aufm oder im bau?
Streifzug schrieb am 14.09.2010 um 16:53
Nun, der Begriff wird doch momentan an anderen Stellen durchgekaut und je nach Betrachtungsweise und Positionierung in den jeweils passenden Napf gespuckt, J.A.-P.
Streifzug schrieb am 14.09.2010 um 16:54
egal, hauptsache bau.
j-ap schrieb am 14.09.2010 um 17:00
Also wie üblich, Streifzug: Sie setzen einfach mal was an die Luft und sehen, was passiert, nur um am Ende festzustellen: »Schimpfen Sie mich nicht für das, was Sie im Spiegel sehen!« (Sie erinnern sich?)

Und weil Sie eigentlich gar kein konsistentes Programm verfolgen oder auch nur soetwas wie einen Standpunkt einzunehmen in der Lage wären, schimpfen Sie am Vormittag über den Intellektuellen, am Nachmittag dann unterderhand über den Bauarbeiter, der angeblich zu dumm sein soll, Michael Jägers Sätze zu verstehen.

In Anbetracht dieser Bilanzen läge bei Ihnen daher wohl eher Altersdiskriminierung nahe, ich habe mir nämlich vorzeiten mal sagen lassen, daß man mit zunehmender Zahl der Jahre gegen seinen Starrsinn immer milder wird. ;-)
Streifzug schrieb am 14.09.2010 um 17:09
Da bestehe ich drauf. Wenn schon starr, dann wenigstens auch sinnlos.
j-ap schrieb am 14.09.2010 um 17:16
Ich ich pflichte Ihnen bei und weise auf den Konjunktiv in meinem Kommentar hin. Zumal ich Teile davon wieder zurücknehmen muß, da Sie nämlich, wie ich eben nachlas, tatsächlich unparteiisch in dieser Frage sind — und ich meine es im besten Wortsinn.
Streifzug schrieb am 14.09.2010 um 17:23
Ich habe einen Spiegel fertig, in den reinzuschauen es sich lohnt, J.A.-P.
Streifzug schrieb am 14.09.2010 um 17:24
[Leider bin ich wieder unterweges, so dass ich erst später meine Position los werden kann ;) ]
Wolfram Heinrich schrieb am 14.09.2010 um 17:36
@Streifzug
Wenn Michael Jäger schon schreibt: "Wir können das schwer lesbare Buch nur erschließen, wenn wir uns im ersten Schritt auf völlig abstrakte Methodenfragen einlassen" erfasst mich ein leichtes Grauen.
Für wenn sind diese Bücher eigentlich geschrieben? Ich stelle mir gerade einen Bauarbeiter vor, wie er in seiner Pause folgende Sätze konsumiert: "eine Erklärung empirisch erscheinender Reichtumsformen mittels einer nichtempirischen Theorieebene zu liefern"


Aus meiner eigenen leidvollen Erfahrung kann ich sagen: Niemals, nie - mals !! eine Einführung in Marx lesen, weder nach Verlockung noch nach Gewaltandrohung.

Diese Einführungen und Erläuterungen zaubern aus relativ einfachen, stilistisch gut formulierten und verständlichen Texten die maximale Verwirrung.

Aber auf mich hört sowieso nie einer.

Ciao
Wolfram
Streifzug schrieb am 14.09.2010 um 18:02
Ich lach mich schlapp.

St. J.A.-P.
der Schutzheilige der Bauarbeiter :)
j-ap schrieb am 14.09.2010 um 18:03
Nö, Streifzug, der Zimmerleute — haben Sie ja heute beim Bibelexkurs nachgeschlagen!
Streifzug schrieb am 14.09.2010 um 18:06
Ach, der für die Bretter ...
j-ap schrieb am 14.09.2010 um 18:07
Genau, der Brettlsepp.

Dazu fiele mir übrigens ein böser Witz ein, den vermutlich nur Herr Heinrich kennt. Da ich aber heute schon einmal moderiert, muß ich Ihnen den leider vorenthalten.
Wolfram Heinrich schrieb am 14.09.2010 um 18:24
@j-ap
Genau, der Brettlsepp.

Dazu fiele mir übrigens ein böser Witz ein, den vermutlich nur Herr Heinrich kennt. Da ich aber heute schon einmal moderiert, muß ich Ihnen den leider vorenthalten.


Ich kenn den Witz wahrscheinlich nicht. Aber bei der Gelegenheit: Ich frage mich, ob dem Brettlsepp sein Pflegesohn heutzutag nach Deutschland einwandern dürfte, wenn's nach dem Sarrazin ging, ich mein, intellenzmäßig?

Ciao
Wolfram
Streifzug schrieb am 14.09.2010 um 18:33
Wer zur Hölle ist Sarrazin?
Ehemaliger Nutzer schrieb am 14.09.2010 um 20:41
Streifzug schrieb am 14.09.2010 um 17:23
Ich habe einen Spiegel fertig, in den reinzuschauen es sich lohnt, J.A.-P.

... den Wer zu Boden fallen ließ?
Nicht, daß ich diese Sorte Angriffe für sonderlich produktiv halte, aber was heißt das schon in diesen Zeiten ... immerhin ist es ökonomisch zweckmäßig, Leute aus Debatten auszuschließen, die notorisch Verwirrung stiften. Umso besser, wenn das via Selbstentlarvung geschieht.
ed2murrow schrieb am 14.09.2010 um 20:50
Die humorige Anwandlung "ökonomisch zweckmäßig, Leute aus Debatten auszuschließen, die notorisch Verwirrung stiften" könnt' ja davon ablenken, dass Sie den anderen ein baldiges Ende als Fischfutter wünschen, TomGard, wie Sie es auszudrücken belieb(t)en. Bedauerlich, dass Sie nicht mal merken, dass Sie und der Thilo das gleiche Seil halten, über das der Mensch springen soll. Das mit der Klinge haben Sie ohnehin in Mentalsreservation.
Streifzug schrieb am 14.09.2010 um 21:04
@TomGard,

der Artikel, der erwähnte Spiegel, war schon fertig geschrieben und wartete nur noch auf Veröffentlichung. Ein gegenüber libertärem Dogmatismus kritischer Artikel. Der Hinweis an J.A.-P erfolgte wegen des "keinen Standpunkt einnehmen, er war keine persönliche Kritik an J.A.-P.

Allerdings bekam er durch meinen Kommentar im Gesprächsverlauf diese Note. Das wurde mir zu spät klar. Daher habe ich ihn wieder gelöscht, werde ihn allerdings zu einem späteren Zeitpunkt, ohne persönliche Verknüpfung, wieder einstellen.
j-ap schrieb am 15.09.2010 um 04:30
Lieber Streifzug,

audiatur et altera pars: Der Artikel, den Sie da eingestellt haben, den haben Sie nicht etwa deshalb wieder herausgenommen, um etwaigen 'Mißverständnissen' vorzubeugen, sondern weil er den Zweck, zu dem er ein Mittel sein sollte, erfüllt hatte, jedenfalls vordergründig.

Dieser Zweck war nicht, irgendetwas zu erhellen oder aufzuklären — und Erhellendes gäbe es in Bezug auf die Welternährungslage wahrlich genug zu berichten —, sondern da stand im Grunde: die »Finanzimperialisten«, die Spekulanten, die »Libertären« und alle anderen, die das Privateigentum nicht ad hoc ablehnen, machen sich des millionen- und milliardenfachen Genozids an Ungeborenen (!) schuldig. Verstärkt und fokussiert wurde das noch um die Formulierung »Angriff« und »Ziel«, ergo: das ist kein Kollateralschaden, etwa der falschen Verteilung von Lebensmitteln, sondern ein bewußter, vorsätzlicher, zielgerichteter und im Ergebnis von den Protagonisten so gewünschter Vorgang.

Ich habe Ihnen darauf erwidert, daß es sich bei diesem Sermon von Ihnen um nichts anderes handele als eine Ritualmordlegende, und genau so war Ihr Artikel ja auch angelegt. Da gibt's welche, die mit Vorbedacht die Leibesfrüchte rauben, morden, auszehren und vernichten.

Angegeben hatten Sie Quellen über die Folgen von Unterernährung, die erstens außerhalb jedes Zweifel standen, andererseits aber das, was Sie im Artikel sagen wollten, auch gar nicht stützen — denn Ihnen ging es ja nicht vordergründig um die Unterernährung, die und deren Folgen niemand bestreitet, sondern um die Präsentation jemandes, der dafür die Schuld trägt.

Man kann das nach wie vor im Google-Chache nachlesen, vermutlich nicht mehr allzu lange. Macht aber insofern nichts, als ich den Artikel schon vorher speicherte. Nur, falls Sie etwa beim Wiedereinstellen gewiße Passagen »bereinigt« haben sollten.

Der Artikel war in gar keiner Weise irgendeine Art der »Kritik«. Sie wollten mit Dreck werfen, aliquid semper haerit.

Das ist insofern erstaunlich, als Sie zwar das ganze liebe lange Jahr über BILD, die INSM und den proprietären Medienzirkus und seine Interessen im allgemeinen schimpfen, aber nur um anschließend in Ihrem eigenen Kiez denselben Herrn mit derselben Masche aufzuführen, der's nicht anders macht, nur eben ein paar Nummern kleiner. Es ist insofern, man muß es so sagen, sogar noch schlimmer als das, was BILD & Co. betreiben, denn die Springer-Meute läßt wenigstens von Anfang an jeden darüber im Klaren, daß es ihr gar nicht erst ums Gemeinwohl oder die Weltrettung geht, sondern um eine heiße Story, einen Aufreger fürs schlichte Gemüt und ansonsten den Tip, wo man das nächste Kreuz bei der Wahl macht.

Aber, das Thema hatten wir ja am selben Tage schon einmal, Streifzug: Beim Versuch, den großen Herrn loszuwerden, reproduzieren die kleinen Herrn bis ins Detail nichts anderes als das, was sie den großen Herrn vorwarfen. Das liegt daran, daß es ihnen nie darum ging, keinen Herrn mehr zu haben, sondern nur, selber einer zu sein.

Da das hier ein Marx-Blog ist: »Sie wissen es nicht, aber sie tun es.«

Grüße,
Josef Allensteyn-Puch
Ehemaliger Nutzer schrieb am 15.09.2010 um 09:41
" ... sondern da stand im Grunde: die »Finanzimperialisten«, die Spekulanten, die »Libertären« und alle anderen, die das Privateigentum nicht ad hoc ablehnen, machen sich des millionen- und milliardenfachen Genozids an Ungeborenen (!) schuldig."

Der Beitrag vom Streifzug mag eine Schuldzuschreibung intendiert haben, ja, mindestens nahm er sie billigend in Kauf, deshalb sprach ich oben von einem "unproduktiven" Angriff.
Fakt - im Sinne von Tat-Sache - ist, daß diejenigen Staaten, die dem Kapital im Allgemeinen und ihren Lieblingsbürgern / Kapitalen im Besonderen die Freiheit und Freizügigkeit ihrer Akkumulation und insbesondere des Kapitaltransfers zu verschaffen suchen, im Weigerungsfalle, und bei geeignetem Kräfteverhältnis die Fruchtschädigung und Nachwuchsverkrüppelung betreiben, mit dem Mittel, die Bevölkerung widerständiger Souveräne zu schlachten, bis sie den Widerstand aufgeben, und dies tun sie bewußt, im Sinne des "Sie wissen, was sie tun".

Weil die Akteure in erster Linie Staatsagenten sind, könnte es scheinen, das Thema gehöre nicht hierher, in diesen Blog. Irrtum!

In den strittigen ersten zwei Kapiteln des "Kapital" stellte Marx eine glasklare, unmißverständliche Behauptung auf und suchte sie zu beweisen. Sie lautete:
Das gesellschaftliche Verhältnis von Privateigentümern an Produktionsmitteln nimmt unweigerlich die dingliche Gestalt ihres Produktes, genannt Ware an und erscheint notwendig in den Verlaufsformen der ökonomischen Bewegung dieser Dinge, genannt "Warenform".
Dies, so die Behauptung, sei das Resultat des Widerspruches, daß die Privateigentümer, soweit sie Produzenten sind, den stofflichen und funktionellen Zusammenhang der gesellschaftlichen Produktion herzustellen gezwungen sind, den sie, indem sie Eigentümer sind und als solche handeln, auseinandergerissen haben und beständig neu auseinander reißen.

Dies ist eine Behauptung, die jenseits, absolut getrennt vom Zusammenhang der Tradierung der Produktionsmittel und der Produktionsverhältnisse, folglich getrennt von Geschichte , wie Marx sie verstand, aufgestellt war und daher ebenso getrennt von "Geschichte" zu beweisen oder zu widerlegen wäre, weil sie dem je gegenwärtigen Zusammenhang von Produktionsverhältnis und Warenform gilt.

Den letzteren Schluß hat Marx in voller Konsequenz nicht ziehen wollen. Darin war er Ideologe und dumm (vorurteiliger Gebrauch des Denkvermögens). Er kleidete sein Wissen um die Trennung des logisch zu re-konstruierenden Zusammenhangs von der Tradierung in die geschichtsontologische Gestalt einer Formentwicklung , die "sich" geschichtlich vollziehe und durchsetze.
Ein korrekter ("wahrer") Kern dieser Ideologie besteht darin, daß der skizzierte, logisch zu begründende Formenzusammenhang in die Tradition eintritt , darin eintreten muß, nämlich vermittels der Tradierung der Produktionsmittel und Produktionsverhältnisse, die in und mit dem je aktuellen Zusammenhang, den sie in ihrer Warenform in sich schließen, auch den jeweiligen Stand und die Dynamik im ökonomischen Zusammenhang der Produzenten und ihrer Mittel in sich bergen. Aber eben weil dieser Zusammenhang widersprüchlich ist, ist er halt K E I N "automatisches Subjekt", stellt allenfalls eines vor , dies ist just der Schein, der fetischisierte Reflex der Warenformen im Bewußtsein der Akteure.
Der Fehler der Ideologie ist folglich, daß sie das despotische resp. Sklavische aus dem Herrschaftsverhältnis des Privateigentums nahezu heraus streicht, es kommt da gleichsam nur noch als "Formenergie" der Ware vor. Damit macht der Ökonom Marx auf unmäßig komplizierte Weise denselben Fehler, den er zuvor in der Eigenschaft des Philosophen dem idealistischen Geschichtsbegriff angekreidet hatte, er verklärt die vorgängige "Geschichte" zur "Ursache" der je gegenwärtige, und stellt so das Traditionsverhältnis auf den Kopf. Den Tradierung, soweit überhaupt geschichtliche Veränderung stattfindet, nicht bloß Stase, ist materiell in dem, was die Nachfahren vom Übergebenen verwerfen , resp. verändern.

Im historischen "Entwicklungsbegriff" der Warenform, den Marx im Austauschkapitel einführt, ist die frühere Geschichte zum Resultat der gegenwärtigen verklärt, weil und insofern sie teleologisch in den "Begriff" der Gegenwärtigen münden soll. So betätigt sich Marx als Interpret der Geschichte, nicht als Geschichtsforscher , ausgerechnet deshalb, weil er in der Eigenschaft als Interpret revolutionär sein und auftreten will.

Die Marxforschung bauscht Marx Inkonseqenz und Fehler zum System auf. Sie verrätselt den logischen Beweis der eingangs genannten Behauptung, der schlicht und banal darin besteht, zu zeigen, daß die Widersprüche der Warenformen (Plural!) und ihrer ökonomischen Bewegung eine Abbildung des Widerspruchs des Privateigentums selbst, und historisch also der Antagonismen im Verhältnis der Privateigentümer untereinander darstellen. Das "eklige" an dem Beweis: er ist erst im logisch-mathematischen Sinne vollständig mit der Darstellung der Widersprüche an der sogenannten "Oberfläche" der Kapitalbewegung. Also mit dem dritten Band des Kapital, dem Begriff der Revenue noch lange nicht.
Wie "sinnvoll" es ist, auf dem logisch-mathematischen Abschluß zu bestehen, bevor man die Behauptung gelten läßt, sei hier dahin gestellt.
Hier geht es mir darum, zu sagen, derjenige, der sich verbirgt, daß die Behauptung Marxens so einfach ist, wie oben dargestellt, der lügt sich und anderen was vor. So eindeutig ist die marxsche Darlegung allemal, daß es eine Leistung darstellt, sie sich in der beschriebenen Weise falsch zurecht zu legen.
Und diese Lüge hat eine Erscheinungsform darin, daß einer das polemische Verhältnis des Privateigentums gegen Leib und Leben der Eigentümer, wie es in den einfachsten Phänomenen des Markthandelns und dazugehörigen Staatshandelns erscheint, in eine moralische Hyroglyphe verwandelt.
j-ap schrieb am 15.09.2010 um 10:25
Also, TomGard,

der erste Teil ist mir zu verquast, der zweite völlig richtig und gehört hier zum Thema.

Denn auch die Neue Marxlektüre ist (nach meiner Auffassung) in weiten Teilen der Versuchung erlegen, es endlich einmal genau zu machen mit den ganzen Gleichungen, deshalb kam sie am langen Ende auch bei genau dem »wissenschaftlichen Marxismus« heraus, den ursprünglich zu kritisieren sie vorhatte. Marxens »Kapital« ist aber keine Wissenschaft und war nie eine, denn wo die Sache selbst schon das blanke anti zur ratio ist, dort langt kein logischer korrekter Beweis hin. Das ist, wenn man so sagen kann, die affirmative Kehrform der bürgerlichen Widerspruchsbeseitigung: Alles subsumieren zu wollen und, wo's nicht paßt, Verschwörung und Störer zu wittern.

Deshalb, weil sie darin wider Willen und Erklärung Erz-Bürger sind, freuen sich die anwesenden Jakobiner auch so sehr, wenn sie mal wieder persönlich Köpfe abschneiden dürfen: »Welche kolossale Täuschung, die moderne bürgerliche Gesellschaft (...) in den Menschenrechten anerkennen und sanktionieren zu müssen und zugleich die Lebensäußerungen dieser Gesellschaft hinterher an einzelnen Individuen annulieren und zugleich den politischen Kopf dieser Gesellschaft in antiker Weise nachbilden zu wollen!« (Die heilige Familie, MEW 2, 129)

Wo der Widerspruch und die Widersinnigkeit offensichtlich werden, dort will man ihn in Person ausreißen und auf den Misthaufen schmeißen, statt sich einmal zu fragen, wo der Widerspruch und das panische Lösenwollen ihren eigentlichen Grund haben.

Weil nämlich Marxens Kapital nicht nur irgendeine geschichtsontologische Gschaftlhuberei ist, sondern auch einen erkenntniskritischen Horizont aufspannt, wird meistens auch das politik- und staatskritische Moment darin übersehen. Daher ja auch die Kalamitäten mit der Staatsableitung.

Die meisten freuen sich wie echte Positivisten, wenn sie die Glasperlen daliegen haben, aber nicht realisieren, daß mit den Mitteln der Logik unerreichbar bleibt, was von vornherein a-logisch konstituiert ist — man macht's halt dann mit etwas mehr Fleiß wett beim Datensammeln.
Streifzug schrieb am 15.09.2010 um 10:29
Lieber J.A.-P,

ich habe keinerlei Veranlassung etwas am Artikel zu ändern. Warum auch? Er ist so gespeichert, wie er dort stand und kommt auch so wieder rein.

Der Grund, warum ich ihn rausgenommen habe, ist der, den ich angeführt habe.

Eher belustigt stelle ich eine gewisse Überempfindlichkeit fest, wenn massive Unmenschlichkeiten libertären Dogmen zugewiesen werden. Bei Personen, die ohne Zögern entsprechende Zustände linken Dogmen zuordnen würden.

Dieses Verhalten findet man bevorzugt bei Personen, deren Glauben kritisiert wird, oder die schlicht und einfach gekränkt sind.

Sie können natürlich Ihre schon gegebene Antwort erneut einstellen.

Ihre Behauptung
... sondern da stand im Grunde: die »Finanzimperialisten«, die Spekulanten, die »Libertären« und alle anderen, die das Privateigentum nicht ad hoc ablehnen, machen sich des millionen- und milliardenfachen Genozids an Ungeborenen (!) schuldig.
wird dann einem Realitätscheck unterzogen.

Im Original steht:
... zur langfristigen Zerstörung des Potenzials Ungeborener.
.

Libertäre (nicht liberale) Dogmen haben nachweislich die unmenschlichsten, brutalsten, tödlichsten, menschenverachtensten Auswirkungen auf Menschen ohne Eigentum. Darüber kann man kaum streiten, man kann höchstens versuchen, es zu vertuschen.
Michael Jäger schrieb am 15.09.2010 um 10:35
Die Eindeutigkeit, die Sie Marx attestieren, vermag ich nicht zu erkennen. Das ganze Problem ist doch, daß er in den ersten Kapiteln nicht von Privateigentümern a n P r o d u k t i o n s m i t t e l n spricht. Oder habe ich was überlesen? Er meint es so, okay, aber eben weil er es nicht ausdrücklich einführt, enthebt er sich faktisch gewisser Argumentationspflichten, und der Effekt ist, daß die Frage unentschieden bleibt, ob sich in der Warenform immer, mindestens der Tendenz nach, das Privateigentum a n P r o d u k t i o n s m i t t e l n kristalliert oder ob es sich bei ihr für sich genommen nur um die Kristallisation von Privateigentum sans phrase handelt. Ob daher, falls nämlich Letzteres gelten sollte, auch denkbar wären: Waren als Kristallisation nicht von privatem Eigentum im schlechten Sinn (privat: sich absondernd; egoistisch, rücksichtslos), sondern als Kristallisation von "individuellem Eigentum", wie es gerade für Marx ein positiver Wert war, wenn er auch glaubte, es könne nur als eingeschränkt auf die Konsumsphäre existieren. Von dieser Frage hängt Einiges ab.
j-ap schrieb am 15.09.2010 um 10:38
Hallo Streifzug,

warum stellen Sie nicht der guten alten Einfachheit halber den Artikel nochmal rein, damit man Ihre Argumentation im Zusammenhang verfolgen kann?
Streifzug schrieb am 15.09.2010 um 10:47
So, J.A.-P., ist drin, Sie können loslegen.
j-ap schrieb am 15.09.2010 um 10:52
Nö, Streifzug, ich kann überhaupt nicht loslegen, da ich mir ansonsten postwendend den Vorwurf zuziehe, ich wolle irgendetwas vertuschen, denn die erste Anmerkung, die ich dazu zu machen hätte, wäre die Reklamation eines waschechten Kategorienfehlers, der Ihnen dabei unterlaufen ist.

Ich mache das aber ganz bewußt nicht, sondern halte mich fürs erste vom »Loslegen« ab.
Streifzug schrieb am 15.09.2010 um 10:58
Kein Problem J.A.-P.,

als leidenschaftlicher Verfechter der Freiheit und Unabhängigkeit des Einzelnen überlasse ich es natürlich Ihnen, was Sie zu tun gedenken.

Vorwürfe sind nicht mein Thema.
Streifzug schrieb am 15.09.2010 um 11:07
Wenn allerdings kein echtes Interesse am Artikel besteht, kann ich ihn getrost wieder löschen. Ich habe ihn zum jetzigen Zeitpunkt nur Ihnen zuliebe eingestellt :)
Michael Jäger schrieb am 15.09.2010 um 11:17
Ich würde das gern lesen, hatte es leider versäumt. Streifzug, wenn Du es jetzt nicht ins Netz stellen willst, kannst Du es mir so schicken (über Mail: michael.jaeger@freitag.de)?
Rahab schrieb am 15.09.2010 um 11:20
ich wollte ihn mir auch noch ...
überhaupt, was soll der schmus?
Streifzug schrieb am 15.09.2010 um 11:30
rin in die Kartoffeln, raus aus die Kartoffeln.

Der Artikel ist wieder drin. Ich hatte ihn aus den oben erwähnten Gründen rausgenommen: damit er nicht als persönlicher Angriff gewertet wird..

Nun bin ich unterwegs, kann also erst später antworten.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 15.09.2010 um 13:46
Michael Jäger,
die Analyse der Ware ergibt: Sie ist das Resultat von Privatarbeit, die ein Produkt gesellschaftliche Arbeit vorstellt , dies vorstellig machen geschieht in der Warenform, ultimat in der allgemeinen Ware, Geld.
Privateigentum, wie es an der Ware erscheint, und im Wareneigentum als ausschließendes Verhältnis der Warenbesitzer abgewickelt wird, ist damit abgeleitet als der wechselseitige Ausschluß der Produzenten vom gemeinsamen, arbeitsteiligen Produkt. Die gesellschaftliche Natur der Privatarbeiten erscheint im Tauschwert, der zwar als einzelner Wert der Ware im Warenverhältnis ideell fixiert wird - der Gegensatz und Widerspruch der Äquivalent- und relativen Wertform - aber erst im vollzogenen Tauschverhältnis realisiert wird. Daher "Tauschwert" bleibt - ein Hinweis, der gern überlesen oder anschließend vergessen wird - , obwohl dieser Tauschwert in der allgemeinen Ware, dem Geld (resp. Kredit!) eine verselbständigte gesellschaftliche Form = Wert erhält und dingliche Fixierung erfährt.
Gibt es dieses gesellschaftliche Verhältnis nicht, handelt es sich nicht um Privateigentum, sondern um persönliches Eigentum, das nicht Gegenstand des Tausches, sondern neben dem (Nieß)Nutz allenfalls des Raubes ist. Gegenstand des Tausches ist nicht der Gebrauchswert in fremder, sondern der Tauschwert in eigener Hand.

Dies Verhältnis der Produzenten in der Eigenschaft von Privateigentümern bleibt dasselbe, ob es sich um selbständige Bauern handelt, die nicht allein für die eigene Subsistenz produzieren, oder um Kapitalbesitzer. Das Lohnarbeitsverhältnis ist die Sonderform des Eigentumsverhältnisses, das dem Verhältnis der Privateigentümer subsummiert wird, indem sie nicht Produkt, sondern Arbeitskraft kaufen. Das Lohnverhältnis ist weder ein "logisches", noch "historisches" Produkt der Privateigentümer, es ist Resultat schlichten Raubes: Der Trennung von Leuten vom Eigentum an IHREN Lebensvoraussetzungen und -mitteln, die, angeeignet von anderer Hand, gesellschaftliche Produktionsmittel werden. Elementar Grund und Boden.
Daß die Eingliederung der Arbeitskraft in die Warenwelt das Verhältnis der Privateigentümer vermittels der Warenverhältnisse umstülpt, die Expropriation eine ökonomische neben der militärischen Verlaufsform erhält, ist dann ein neuer Abschnitt sowohl im praktischen Verhältnis der Produzenten, wie in der logischen Analyse.

(Wichtig wäre an dieser Stelle die Genealogie der Nation und wie sie elementarer Hebel des Privateigentums wird - ein andermal)
Michael Jäger schrieb am 15.09.2010 um 17:19
Ich hatte Sie mißverstanden, falsch gelesen, und habe dann noch selbst undeutlich formuliert, sorry. Natürlich spricht Marx vom Warentausch von Produktionsmittelbesitzern. Mein Punkt ist ja immer wieder nur, daß das noch nicht heißen muß: ... von Kapitalisten. Sie schreiben das auch. Warum also gegen Warentausch sein? Gegen den Kapitalismus zu sein ist offenbar noch kein hinreichender Grund. In Ihrem letzten Eintrag formulieren Sie es aber sehr klar: Es ist schlecht, wenn sich Produzenten vom g e m e i n s a m e n , arbeitsteiligen Produkt wechselseitig a u s s c h l i e ß e n . Das erkenne ich als Bedingung des Problems natürlich an, d.h. die entscheidenden Ausdrücke des Arguments - "gemeinsam", "ausschließen" – werden hiermit und ein für alle Mal auf die Goldwaage gelegt.
Michael Jäger schrieb am 15.09.2010 um 17:19
Ich hatte Sie mißverstanden, falsch gelesen, und habe dann noch selbst undeutlich formuliert, sorry. Natürlich spricht Marx vom Warentausch von Produktionsmittelbesitzern. Mein Punkt ist ja immer wieder nur, daß das noch nicht heißen muß: ... von Kapitalisten. Sie schreiben das auch. Warum also gegen Warentausch sein? Gegen den Kapitalismus zu sein ist offenbar noch kein hinreichender Grund. In Ihrem letzten Eintrag formulieren Sie es aber sehr klar: Es ist schlecht, wenn sich Produzenten vom g e m e i n s a m e n , arbeitsteiligen Produkt wechselseitig a u s s c h l i e ß e n . Das erkenne ich als Bedingung des Problems natürlich an, d.h. die entscheidenden Ausdrücke des Arguments - "gemeinsam", "ausschließen" – werden hiermit und ein für alle Mal auf die Goldwaage gelegt.
Michael Jäger schrieb am 15.09.2010 um 17:19
Ich hatte Sie mißverstanden, falsch gelesen, und habe dann noch selbst undeutlich formuliert, sorry. Natürlich spricht Marx vom Warentausch von Produktionsmittelbesitzern. Mein Punkt ist ja immer wieder nur, daß das noch nicht heißen muß: ... von Kapitalisten. Sie schreiben das auch. Warum also gegen Warentausch sein? Gegen den Kapitalismus zu sein ist offenbar noch kein hinreichender Grund. In Ihrem letzten Eintrag formulieren Sie es aber sehr klar: Es ist schlecht, wenn sich Produzenten vom g e m e i n s a m e n , arbeitsteiligen Produkt wechselseitig a u s s c h l i e ß e n . Das erkenne ich als Bedingung des Problems natürlich an, d.h. die entscheidenden Ausdrücke des Arguments - "gemeinsam", "ausschließen" – werden hiermit und ein für alle Mal auf die Goldwaage gelegt.
Michael Jäger schrieb am 15.09.2010 um 17:21
Erscheint jetzt alles von mir dreimal? Ich probiers noch mal:
Michael Jäger schrieb am 15.09.2010 um 17:21
Erscheint jetzt alles von mir dreimal? Ich probiers noch mal:
Michael Jäger schrieb am 15.09.2010 um 17:22
Zweimal jetzt. Moderation, bitte eingreifen! Ich bin nicht schuld.
Michael Jäger schrieb am 15.09.2010 um 17:22
Zweimal jetzt. Moderation, bitte eingreifen! Ich bin nicht schuld.
Phineas Freek schrieb am 14.09.2010 um 17:40
"Darf man Bücher anhand ihres Inhaltsverzeichnisses kritisieren? Man darf, wenn einem das Groteske bereits auf diesen Seiten anspringt.
Der akademische Marxismus erhebt mal wieder sein Haupt, und was »damals« (1968ff.) schon eine Operette war, taugt heute nicht einmal zur Farce."

ofenschlot.blogsport.de/index.php?s=ingo+ebel
j-ap schrieb am 14.09.2010 um 17:56
Och Mensch, Herr Freek,

gerade von Ihnen hätte ich erwartet, daß Sie der jüngeren Marx-Rezeption einiges abgewinnen könnten.

So kann man sich irren.

Aber, wenn Sie die Frage erlauben: Was genau finden Sie denn so »grotesk«, daß es Sie hier schon »anspringt«?
Phineas Freek schrieb am 14.09.2010 um 18:22
Lieber Jap,

...selbstverständlich erlaube ich Ihre Frage...stellen müssen Sie sie allerdings den Autoren meines obigen Zitates...aber wenn sie schon mal da sind: würde zu gerne erfahren mit welcher ungehobelten und zensurwürdigen Zuschreibung TomGard Ihnen (im benachbarten Hummelblog über Konservatismus) an den Kragen ging. Fing mit V an...leider schlug die lokale Hofetikette zu, bevor ich es lesen konnte....
j-ap schrieb am 14.09.2010 um 18:35
Lieber Phineas,

da Sie sich die Worte der Autoren ja ausdrücklich zu eigen machten, dachte ich, daß Sie dafür bestimmt Gründe hätten. Ist aber auch nicht so wichtig.

Da man Ihnen keine Nachrichten schreiben kann, müßte ich Ihnen das »V-Wort« glatt hier schreiben — Sie sehen, worauf das hinausliefe? Eben.

Ich schreibe Ihnen die beiden gefallenen Varianten auf Latein: einmal wars homo stultissimus, das andere mal in etwa vir stultissimus. Davor stand das deutsche Wort für plenus.
Wolfram Heinrich schrieb am 14.09.2010 um 18:42
@j-ap
Ich schreibe Ihnen die beiden gefallenen Varianten auf Latein: einmal wars homo stultissimus, das andere mal in etwa vir stultissimus. Davor stand das deutsche Wort für plenus.

Ich hab's, Herr Quizmaster. Das gesuchte Wort ist "Volltrottel". Komm ich jetzt ins Fernseh?

Ciao
Wolfram
Phineas Freek schrieb am 14.09.2010 um 18:44
...ach herje, das war alles?
Sind Sie petzen gegangen...oder ging das böse Wort "von alleine" weg?...
Phineas Freek schrieb am 14.09.2010 um 18:45
@Jap
j-ap schrieb am 14.09.2010 um 18:50
Nein, aber in die engere Auswahl für eine Abmoderation, Herr Heinrich.

»Enger« deshalb, weil's nicht ganz das Wort war, aber scho glei.
j-ap schrieb am 14.09.2010 um 18:51
Trauen Sie's mir zu, Herr Freek?
Wolfram Heinrich schrieb am 14.09.2010 um 19:07
@j-ap
Nein, aber in die engere Auswahl für eine Abmoderation, Herr Heinrich.

»Enger« deshalb, weil's nicht ganz das Wort war, aber scho glei.


Hm, TomGard ist, glaub ich, Bayer, also wird's wohl "Volldepp" gewesen sein. Und wegen der Abmoderation - ich glaub, man darf schon "Volldepp" schreiben, wenn man's wegen der Wissenschaft tut und nicht wegen der Beleidigung.
Notfalls schriebe ich auch schnell mal ein Gedicht, in dem das Wort vorkommt, dann fiele ich unter das Kunstprivileg.

Ciao
Wolfram
Phineas Freek schrieb am 14.09.2010 um 19:17
...Ja. Ich glaube, lieber Jap, Sie sind eine olle Petze.

Ich vermute auch, dass Sie es genossen haben den Paukern die Tasche tragen zu dürfen...oder dass Sie auch bei Klassenarbeiten zu den Federtaschenbarrikadenbauern gehörten...allerdings mußten Sie dann wohl auch leider unfreiwillig oft in den Papierkörben des Pausenhofs Patz nehmen...so wird man halt dann zu dem was man ist...
Streifzug schrieb am 14.09.2010 um 19:20
Eckhard Henscheids Trilogie des laufenden Schwachsinns. Eckhard Henscheids erster Roman der Trilogie: Die Vollidioten.

Die drei berühmtesten Romane des "komischsten Klassikers der deutschen Gegenwartsliteratur" (Wiener Zeitung) gibt es jetzt endlich als Taschenbuch: In der Fassung der Werkausgabe mit Henscheids Erläuterungen. So wie dem Literaturkritiker der FAZ, geht es offensichtlich den abgebrühtesten Kritikern: "Es fällt schwer, Henscheid gegenüber kritische Distanz zu wahren. Ich habe Tränen gelacht." Dass Henscheid zu den lustigsten Schriftstellern der deutschen Nachkriegsliteratur gehört, merken selbst die Germanisten. Das Lexikon der Deutschen Gegenwartsliteratur setzt Henscheid humormäßig an die Spitze: "Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde wenig deutsche Prosa geschrieben, die auch nur annähernd so komisch ist."
j-ap schrieb am 14.09.2010 um 19:24
Danke, Herr Freek.
Phineas Freek schrieb am 14.09.2010 um 19:27
...bitte gerne, Herr Jap...
Ingo Stützle schrieb am 14.09.2010 um 17:41
Ich kann beide Bücher nur empfehlen - besonders das von Hoff. Von diesem - das als kleiner Hinweis - sind beim Verlag nur noch knapp über 100 vorrätig.
Streifzug schrieb am 14.09.2010 um 18:13
Bestimmt bei einer Auflagenhöhe von 100 ;)
Michael Jäger schrieb am 14.09.2010 um 18:53
Ich bin ja geradezu erleichtert darüber, daß Ihr endlich mal aussprecht, daß ich Euch in der derzeitigen Phase meiner Blog-Einträge mit diesen auf den Nerven rumtrample. Wäre ein Wunder, wenn es anders wäre. Es ist ja auch bald vorbei, dann kommt Butter bei die Fische. Aber vermeidbar ist es nicht. Schaut Euch an, mit welchem Furor Dieter Wolf reagiert hat. Man muß diese Dinge diskutieren. Später fallen sie uns, dann in unkenntlicher Form, ohnehin auf die Füße - auch dem Baurbeiter.

Übrigens, Streifzug, was ich zur Zeit über Boulez schreibe, dürfte für den Bauarbeiter auch ziemlich schwere Kost sein, das kritisierst Du aber nicht. Bzw. sofern es nicht um mich, sondern um die Gegenstände geht: Schwerer als Bücher über Reihentechnik in der seriellen Musik ist Ingo Elbe auch nicht.(Und Hoff ohnehin nicht, ich pflichte Ingo Elbe bei, Hoffs Buch zu lesen ist wirklich fast eine Notwendigkeit.)
Michael Jäger schrieb am 14.09.2010 um 18:57
Ich wollte sagen, ich pflichte Ingo S t ü t z l e bei.
j-ap schrieb am 14.09.2010 um 19:05
Herr Jäger,

ich widerspreche ausdrücklich: Nein, mir sind Sie nicht auf den Nerven herumgetrampelt, und ich bin durchaus der Meinung, daß so eine »Schreibe« in genau diese Zeitung gehört.

Und ich bin froh, daß Sie auch künftig schreiben werden — auch wenn die Welt darüber auseinanderfährt. Ich mach's nun bis auf weiteres nicht mehr, aber ich werde jedenfalls weiterlesen, auch und gerade bei Ihnen. Weil's mehr als nötig ist.

Viele Grüße aus Heidelberg
Josef Allensteyn-Puch
Streifzug schrieb am 14.09.2010 um 19:15
Lieber Michael Jäger,

ein wesentlicher Aspekt.

Musik kann j e d e r hören (Taube leider nicht) und für sich das rausziehen, was er mag.

Wenn Boulez zusätzlich schwere Kost verzapft, oder schwere Kost über ihn verzapft wird, ist das unabhängig vom vorher erwähnten Musikgenuss. Die schwere Kost k a n n den Genuss verfeinern, bedingt ihn aber nicht.

Bei den besprochenen Büchern ist es anders. Manche Schriftsteller machen aus unscharfen Thesen schwere Texte. Quantenmechanik ein dagegen ein Kinderspiel, allerdings wenigsten zu etwas Konkretem zu gebrauchen :)

Eine interessante Aufgabe, anspruchsvolle Themen schmackhaft machen, ohne dass sie zerkochen.

[Meine Nerven sind weiterhin unbeschädigt]
Michael Jäger schrieb am 15.09.2010 um 00:59
Gut, ich verstehe, vielen Dank. Aber ich muß Autoren wie Ingo Elbe in Schutz nehmen, und nicht nur "Autoren wie", sondern ihn ganz speziell. "Autoren wie" deshalb, weil sein Buch ja nicht für die SPIEGEL-Bestsellerliste geschrieben ist, sondern sich an Wissenschaftler wendet. Da hat es dann auch alles, was verlangt wird, ich habe es oben mit dem einen Wort "Akribie" angedeutet. Das Spezielle ist aber, daß er über die theoretischen Auslassungen von Marx schreibt, und die sind nun mal selber an dem Punkt, an dem wir uns hier gerade befinden, ein wenig unklar. Elbe und alle, die er referiert, versuchen die Unklarheit aufzulösen, manche werden dann noch unklarer oder noch schwieriger, je nachdem wie man's beurteilt. Das ist doch völlig in Ordnung. Vor allem wenn man bedenkt, daß das Ganze letztlich in einem sehr praktischen Problem begründet ist, nämlich eben in der Frage, ob Kapitalgegnerschaft Geldgegnerschaft nach sich ziehen sollte. Da hat sich Marx abgemüht und wir tun es immer noch und wagen uns manchmal in schwierige Gefilde, wo - wieder einmal! - der Satz n i c h t gilt, daß "worüber man nicht reden kann, soll man schweigen".
Streifzug schrieb am 15.09.2010 um 10:37
Michael Jäger,

meine erste Frage im ersten Kommentar lautete:
Für wen sind diese Bücher eigentlich geschrieben?
Lautet die Antwort nun: "Für Wissenschaftler." ?

Dann könnte man untersuchen, ob diese Texte den Anspruch "wissenschaftlich" überhaupt erfüllen.

Mir ist die Position von Robert Kurz bezüglich der "Schwierigkeit" von Texten und der von ihm geforderten Anstrengungen bekannt, ich teile diese Meinung nicht. Robert Kurz schafft es allerdings, stellenweise sehr verständlich zu schreiben :)

Wittgenstein dachte in seinem zweiten Schaffensabschnitt gänzlich anders, als es das Zitat
worüber man nicht reden kann, soll man schweigen
nahelegt, welches aus seiner ersten Phase stammt.

Ich schlage folgenden Spruch/Zitat vor Die Arbeit an der Sprache ist die Arbeit am Gedanken.
Michael Jäger schrieb am 15.09.2010 um 11:26
Ich bin ganz Deiner Meinung, besonders auch beim letzten Zitat, finde nur, daß man über eine Sache nicht den Stab brechen sollte, wenn sie nicht in jeder Hinsicht gelingt. Jeder tut, was er kann; Du und ich, wir haben auch unsere Schwächen.
Michael Jäger schrieb am 15.09.2010 um 11:26
Ich bin ganz Deiner Meinung, besonders auch beim letzten Zitat, finde nur, daß man über eine Sache nicht den Stab brechen sollte, wenn sie nicht in jeder Hinsicht gelingt. Jeder tut, was er kann; Du und ich, wir haben auch unsere Schwächen.
Michael Jäger schrieb am 15.09.2010 um 11:26
Ich bin ganz Deiner Meinung, besonders auch beim letzten Zitat, finde nur, daß man über eine Sache nicht den Stab brechen sollte, wenn sie nicht in jeder Hinsicht gelingt. Jeder tut, was er kann; Du und ich, wir haben auch unsere Schwächen.
Streifzug schrieb am 15.09.2010 um 11:34
Nur noch kurz: es sollte kein Stab gebrochen werden, besonders nicht über deine Arbeit. Wenn es so rüberkommt, ist es mein Fehler.

Es geht mir, wie aus dem Zitat ersichtlich, um das stetige arbeiten an besserer Verständlichkeit - ohne Substanzverlust. Bis später.
Streifzug schrieb am 15.09.2010 um 15:47
Als kleine Wiedergutmachung ein LiteraturTipp von mir :)

Physiologie und industrielle Gesellschaft: Studien zur Verwissenschaftlichung des Körpers im 19. und 20. Jahrhundert

Herausgegeben von Philipp Sarasin und Jakob Tanner
Dieser interdisziplinär konzipierte Aufsatzband befaßt sich mit einer ganz spezifischen, jedoch sehr einflußreichen wissenschaftlichen Annäherung an die Frage, was Leben ist: mit der Physiologie. Dabei wird auf vielfältige Weise deutlich, daß die Geschichte der Physiologie ebensoviel über die industrielle Gesellschaft verrät wie über die Genese der wissenschaftlichen Denksysteme, die sich mit den Rationalisierungsschüben der Moderne entfaltet haben.
Besprechungen:
Barbara Orland, PDF
Streifzug schrieb am 15.09.2010 um 16:27
Passend dazu, bestimmt bekannt, ein Klassiker der Wissenschafts- und Sozialgeschichte, das Grundlagenwerk der Arbeitswissenschaft.

Motor Mensch von Anson Rabinbach.
Frank Gestmann schrieb am 16.09.2010 um 10:28
Lieber Herr Jäger (auf die zum Teil absurd intellektuellenfeindlichen Einträge einiger anderer Kommentatoren mag ich gar nicht eingehen),

Sie schreiben: "Er argumentiert also nicht mit irgendwelchen Fakten, sondern mit künstlicher Faktizität im genannten Sinn. Die Empirie von Marx ist darin künstlich, dass seine Illustrationen nicht die Tatsächlichkeit, sondern nur die p r i n z i p i e l l e M ö g l i c h k e i t dessen aufweisen, was er zum Thema "Ware und Geld im Kapitalismus" abstrakt behauptet."

Obwohl Sie versuchen zu tricksen, scheint mir Ihr Satz genau die Kritik zu bestätigen, die Backhaus u.a. immer formuliert haben. Sie halten die sog. Illustrationen aus der Wertformanalyse (Historisches Vorkommen der einfachen/entfalteten Wertform etc.) für "prinzipiell möglich". Das ist aber falsch. Sie versuchen ebenso wie Haug ständig mit Hilfskonstruktionen Ihren Empirismus zu retten (und sei es auch ein "konstruktiver" Empirismus). Marx will zeigen, dass diese Formen, so wie sie dastehen, als isolierte eben nicht möglich sind (Waren können sich ohne allgemeine Äquivalentform nicht füreinander als Werte darstellen). Der Wert ist gesellschaftliche Form der Arbeitsprodukte im Kapitalismus, die auch eine gesellschaftlich gültige Erscheinungsform benötigt usw. Ist ja bei Elbe alles nachzulesen (und sogar bei Marx, aber das haben die Marxisten - soviel zur "Eindeutigkeit" - nur leider 100 Jahre "überlesen").

Zur Lesbarkeit: Ich finde Elbes Buch als Handbuch oder Nachschlagewerk ganz tauglich, aber 'gut lesbar' ist echt was anderes... Warum nun aber gerade Hoffs Buch so wichtig und toll sein soll (wie Ingo Stützle meint), kann ich nicht nachvollziehen. Der bleibt total an der Oberfläche und refereriert über zig Seiten teils nur Namen und Buchtitel. Was mir diese Lektüre bringen soll, außer dass ich danach weiß, dass Marx viel und international diskutiert wurde/wird, ist mir echt nicht klar.
Frank Gestmann
Ehemaliger Nutzer schrieb am 16.09.2010 um 13:56
Frank Gestmann,
Sie schreiben:
"Sie halten die sog. Illustrationen aus der Wertformanalyse (Historisches Vorkommen der einfachen/entfalteten Wertform etc.) für "prinzipiell möglich". Das ist aber falsch."

Mögen Sie dazu ein Argument geben?
Ich vermute, die anschließenden Bemerkungen sollen das Urteil begründen, aber mir gelingt nicht, herauszufinden, wie.
Michael Jäger schrieb am 16.09.2010 um 15:20
Lieber Frank Gestmann, danke für Ihre Kritik. Wir brauchen diese Debatte. Meine Antwort: Empirisch ist etwas anderes als empiristisch. Empirisch muß jede Wissenschaft sein, mit Ausnahme von Logik und Mathematik, vielleicht noch teilweise von Philosophie und Theologie. Die Ökonomik kann ganz gewiß keine Ausnahme sein. Mit dem, was Sie über Marx' theoretische Sätze schreiben, bin ich ja vollkommen einverstanden. Sowohl in dem Sinn, daß Marx es so hat sagen wollen, als auch in dem Sinn, daß es der Sache nach richtig ist. Ich habe mich jedenfalls wie Sie von Marx überzeugen lassen, daß "Waren sich nicht ohne allgemeine Äquivalenform füreinander als Werte darstellen können". Und Marx begründet das zweifellos mit l o g i s c h e n Argumenten. Aber nehmen Sie eine mathematisierte physikalische Theorie, da ist es doch nicht anders. Sie können mit dem Hinweis, daß Sätze dieser Theorie rein logisch zusammenhängen, nicht begründen wollen, sie sei der empirischen Prüfung unbedürftig. Die logische Stringenz kann noch so hoch sein, es ist trotzdem möglich, daß die Theorie mit der Wirklichkeit nicht in Einklang zu bringen ist, vulgo daß sie irrt, ein Produkt "blanken Scharfsinns" ist, wie irgendwer, ich glaube Blumenberg, mal so schön formuliert hat.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 16.09.2010 um 16:04
Herr Jäger, ich beanspruche mal wieder Duldung für meine polemische Natur. Ihr Satz:

"Die logische Stringenz kann noch so hoch sein, es ist trotzdem möglich, daß die Theorie mit der Wirklichkeit nicht in Einklang zu bringen ist, vulgo daß sie irrt, ein Produkt "blanken Scharfsinns"

ist blanker Unfug. Woher soll in dem Konstrukt denn bitteschön der "Mißklang" zwischen "Theorie" und "Wirklichkeit" ertönen ?! Eingebung des lieben Gottes oder sonst einer höheren Macht?
Ich weiß, Sie werden sagen, ich könne, der Theorie folgend, eine Mauer des Unverstandes um mich herum habe auf 251° Grad West, gemessen an meiner Blickrichtung, ein gangbares Loch, mir im nächsten Moment am nichtvorhandenen Loch den geistigen Schädel einrammeln. So wie an der Kante eines Tisches im Dunkel, den ich meiner Erinnerung folgend rechts von mir vermute, während ich mir links die Eier an ihm anstoße. Wenn es um sogenannte "Naturgegenstände" geht, ist dieser Unfug kulturell ein Dauerthema, weil er daran anknüpfen kann, daß wir intellektuell den Standpunkt einnehmen und einnehmen müssen, unsere Gegenstände seien unabhängig von unserem persönlichen Dasein und Handeln da, und insofern auch unabhängig von jedem menschlichen Dasein und Handeln - eine allzu altes Mißverständnis unserer biologischen Natur.
Aber auf dem Feld, auf dem diese Debatte hier spielt, ist dies Mißverständnis theoretisch sofort auszuschließen.
Denn der Gegenstand, um den es hier geht, IST menschliches Handeln, besteht in nichts anderem!
'Wenn Sie mit dieser Mahnung ausgestattet den Abschnitt zur "Wertform" noch enmal lesen, so könnten Sie erkennen, daß dort explizit und einzig vom menschlichen Handeln die Rede ist, vom Akt des Austausches von Waren nämlich. Der "Witz" des Kapitels besteht darin, daß Marx dort logisch aufzuklären und zu begründen sucht, warum dies Handeln uniform erscheint, und tatsächlich uniform wird . Daß die Formengesetzlichkeit die Marx dazu ins Feld führt, selbst wieder Resultat von Handlungen sind, die darin als vorgängige Handlungen bzw. vorgängiges gesellschaftliches Handeln, vulgo gesellschaftliche Beziehungen erscheinen , und darum konsequenterweis im folgenden Teil der Analyse aufzudecken und ihrereits darzustellen, in ihrem Zusammenhang zu erklärensind, ist dann das nächste Thema.

Praktisch genommen ist also Ihr "Argument", Herr Jäger, das Plädoyer, jede wissenschaftliche Befassung mit der Sache fallen zu lassen.

Und tatsächlich folgen Sie dieser selbsterteilten Lizenz. Sie unterwerfen die ganze häßliche Schei:e Ihrem sattsam bekannten und benannten Steckenpferd, dessen einziger Verdienst es ist, von den Kapitalisten und der politischen Kaste rechts der MLPD wohlgelitten zu sein.
purple rain schrieb am 16.09.2010 um 16:33
Textstringenz hat mit Handlungsstringenz nicht unbedingt etwas zu tun.

das war ja das Problem, das Lenin ausgenutzt hatte.
purple rain schrieb am 16.09.2010 um 16:40
Während Marx ggf. an der Kohärenz seiner Texte gearbeitet hatte- so richtig glauben möchte man es nicht, obwohl man nicht anders kann als es zu glauben. Hatte Lenin, zumindest aus hiesiger Faktenlage wenig mehr zu tun, als von ihm in Auftrag gegebenen Texte, die er gesammelt hatte, in Ordnung zu bringen.

kling polemischer als es gedacht sein kann - ist - offengestanden - eine Vermutung.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 16.09.2010 um 12:33
Um Gottes Willen!
Da legt einer (Jäger) eine Analyse von einem anderen (Elbe) vor. Das wird dann von Streifzug kommentiert und der wiederum von j-ap kritisiert.
Das Unverständliche von Elbe zum Quadrat mit Jäger, weiter potenziert von j-ap.
Nene, ich sag Ihnen (ausgenommen Streifzug) - das ist das Problem mit Marx. Den versteht seit nach ihm selbst keiner mehr und mich schüttelt es, daß mir immer mehr Linke sagen wollen, daß er recht hatte. Selbst wenn! Dieses Dogma nervt einfach. "Du mußt Marx...", "Hast Du schon Marx...", "... und gestern dortunddort Marx...", "...aber der Marx, der hat ja..."

Man ersetze die Nationalitäten
Michael Jäger schrieb am 16.09.2010 um 15:25
Lieber gill bost, ich denke, was Marx vom Kapital schreibt, versteht man recht gut, nur was er von Ware und Geld schreibt und wie das eine mit dem andern zusammenhängt, ist schwer verständlich. Das sollte man auseinanderhalten, fine ich.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 16.09.2010 um 15:33
Ah, Arbeitszeit (nicht Teaparty :-), Herr Strohschneider war auch schon unterwegs im Datensalat.

Ich bezweifle ja nicht, daß Marxens Einlassungen dazu verständlich wären. Sind sie aber - und das wird hinterfragt - vermittelbar. Für die Differenzierung bin ich ebenso, - so allerdings ließe sich Bockelmann heranziehen (Eske, 2004 I.T.d.G.), um selbst Marx eins auszuwischen (und der - Bockelmann - will es gewiß nicht).

Die Frage bleibt, was soll der einfache Mensch verstehen und was kann er verstehen und was blüht ihm, wen jemand über die Erläuterungen Hoheit hält?
Oder gibt es ihn nicht, den einfachen Menschen?
Er wird doch oft gebraucht, wenn es um Bildung geht, um Betrug, Sklaverei. Woran gebrichts ihm, daß er sich nicht wehren kann, wenn er doch klug genug sei ...

Sagen Sie es mir? Denn darum gings.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 16.09.2010 um 15:35
Falsch: wen jemand über die
Richtig: wenn jemand über die
j-ap schrieb am 16.09.2010 um 16:42
Ihre Bemerkungen über die »Vermittelbarkeit«, gill bost, erinnern doch zu sehr an den Typus des klassischen Bildungsbürgers. Der ist nämlich auch bis heute befangen von dem Wahne, die »Bildung« selbst sei es, die nur noch »richtig vermittelt« werden müsse, um endlich einmal ihr Segensszepter über die Menschheit hinzustrecken.

In dieser Hybris, die sich stets nach außerhalb des Gegebenen setzt, nur um sich dann anschließend gleich wieder besonders hineinphantasieren zu können, bewegen sich leider auch die gesamten Bildungsdiskurse.
purple rain schrieb am 16.09.2010 um 17:26
Bildungsdiskurse
klingt wie ein Fremdwort, Nochzumal "Bildung" derzeit immer noch neokolonialistisch verhandelt wirkt. Vielleicht mal Zeit für die Jahresfrage: Was ist Bildung?
Deaktivierter Nutzer schrieb am 16.09.2010 um 20:34
purple rain: Bingo. Die Jahresfrage wahrlich. Was ist Bildung?

Und j-ap: Ich hatte eingelegt, daß "Er wird doch oft gebraucht, wenn es um Bildung geht, um Betrug, Sklaverei. Woran gebrichts ihm, daß er sich nicht wehren kann, wenn er doch klug genug sei ..."

das bedeutet nicht, daß ich bilden wollen würde. Ich frage mich nur, warum es gerade die wollen, die andere ja dauernd (wenn es eben um Marx) geht, für ausreichend verständig halten. Die Beliebigkeit, mit der da herumoperiertt wird, ist belastend.

Und das machen Sie dann u.a. so: "Der ist nämlich auch".
Auch? Ich? Auch?
Dreimal "auch" sagen und dann passt es schon. "Der ist so blöd, wie ..."
"bewegen sich leider auch"
Ich frage Sie, können Sie Klavier spielen, Querflöte oder überhaupt ein Instrument. Wieviele Sprachen sprechen Sie und warum?

Und ich antworte gleich für mich prinzipiell:
Gödel interessiert mich weniger als Russell, der aber mehr als Einstein und Wittgenstein, alle aber wesentlich mehr als Marx. Die »Vermittelbarkeit« wäre zu prüfen, wenn etwas vermittelt werden soll und sie vermeinen, der Bauarbeiter will/kann/muß/sollte Marx intus haben. Hatter nicht - genausowenig, wie ich.
j-ap schrieb am 16.09.2010 um 23:51
Ja, das ist tatsächlich eine Preisfrage, der man nachgehen sollte. Ich bin ja dran, mich dem Thema unter einem spezifischen Blickwinkel (nämlich aus der Perspektive des »Bildungsstreiks«) zu nähern, aber die Rohfassung kann ich hier noch nicht einstellen dank Zeitmangels, verschiedener Geplänkel und gelegentlichem Aufgehaltenwerden in der offline-Welt.

Ja, ich kann Klavier spielen, Querflöte nicht, aber daneben noch Trompete, Horn und Violine. Ich spreche Englisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch, verstehe daneben noch Italienisch, Ungarisch und Tschechisch, die letzten beiden allerdings nur rudimentär. Warum? Weil ich schon immer gern Konversation betrieben habe und eine meiner größten Ängste im Leben die ist, mich dermaleinst nicht mehr verständlich machen zu können.

Gödel interessiert mich genauso wie Russel, der hinwiederum genauso wie Ein- und Wittgenstein und Karl Marx. Ich würde mir nie im Leben anmaßen, irgendjemand habe irgendetwas »intus« zu haben — genau dieses »intus« ist nämlich aus meiner Sicht das gravierendste Problem am sog. Bildungssystem: Da wird Faktenwissen in einem Umfang eingetrichtert, das sich vor Dekaden noch niemand träumen ließ, einmal draufgehauen, am Ende ein »nihil obstat« offiziös aus- und unterderhand anschließend festgestellt, daß trotzdem kaum jemand wirklich etwas begriffen hat, was natürlich nicht etwa daran liegen könnte, daß Bildung, sofern sie von Institutionen innerhalb dieser Gesellschaft »vermittelt« wird, gar nicht dafür ausgelegt ist, sich nach jenseits dieser Gesellschaft und ihrer mannigfaltigen 'vested interests' zu denken, geschweige denn ihre Einrichtung zu ändern, sondern gesagt wird: Der ist zu blöd/der hat die Hausaufgabe nicht gemacht/der ist zuwenig leistungsorientiert. usw. usf.

Daß es an den Inhalten oder am Umfang und der Erreichbarkeit von Bildung nicht liegen kann, zeigt aus meiner Sicht schon die banale Tatsache, daß es die kommentierten »Schriften« von Karl Marx bei Reclam für erstaunliche 9,00 EUR gibt und dieser knappe Zehner in so gut wie jedem Budget darstellbar ist.

Woran liegt's also?
Deaktivierter Nutzer schrieb am 17.09.2010 um 19:14
Drehen Sie sich nicht zu sehr, j-ap, sie könnten in einer Pirouette hängen bleiben.

Was sagen Sie dazu:
grenzwissenschaft-aktuell.blogspot.com/2010/09/nasa-studenten-erforschen-wandernde.html

und Kornkreise. Haben Sie da was "intus"?
Deaktivierter Nutzer schrieb am 18.09.2010 um 00:49
j-ap:

"dieser knappe Zehner in so gut wie jedem Budget darstellbar ist"

... so gut wie ...

"Mama, ich hab mir vorne beim Bäcker den kommentierten Marx gekauft, mit den Brötchen ists Essig, aber ich stell Dir das mal dar..."

"Liebe GenossInnen, leider müsst Ihr diesen Monat verzichten, da mein Budget ein Defizit von einem Zehner ausweist, so dass Ihr bitte 10 Euro weniger in Eurem Haushaltsplan darstellen 'könnt'."

"Atze, laß das Bier, bring 3x Marx mit - is' beim Alten locker darstellbar."
Deaktivierter Nutzer schrieb am 18.09.2010 um 01:15
purple rain schrieb am 18.09.2010 um 01:38
genial!
purple rain schrieb am 18.09.2010 um 01:37
nur zum Beispiel: im tractatus, den russel ja für eine epochale entwicklung gehalten hatte, steht sinngemäß, man müsse sein wissen behandeln wie eine leiter, die man wegwürfe.

so siehts heute aus: weder wissen noch leiter.

nicht dass mich sowas bekümmern könnte - aber irgendwie megaschrott jahrzehntelange arbeit einfach in die tonne zu treten.

in den kapitalverwertungsmechanismen der jetztzeit indes ganz offenkundig der letzte Hype.

Da sind ja Megarevolutionäre am Werk...

zu solchen Einsichten hatte mir unter anderen auch die Arbeit von Karl Marx verholfen - alles was Recht ist.
purple rain schrieb am 18.09.2010 um 02:00
Karl Wittgenstein hingegen mag sich gesagt haben: scheiß der Hund drauf: ohne Kohle geht nix.

Griffig klar und einfach, wie jeder Lebensmittelchemiker, der sein Tun nicht verstecken muß.

Ludwig hatte daher Zeit mit seinen Grillen die Welt zu verzücken, der er abhold wirkte.

Polemisch formuliert: Ludwig war ggf.auch ein Migräneprodukt.
Jona Kestler schrieb am 27.09.2010 um 13:03
Hallo,
die Kombination Marx-Cassirer ist mir ganz neu. Klingt interessant, hat denn jemand das Buch gelesen und wo bekommt man das? Kann das wirklich zu einer Klärung des Formbegriffs beitragen und was ist das grundlegende Argument für den Vergleich der beiden?

Eine Kritik an der neuen Marx-Lektüre haben nun auch DKP-Vertreter "geleistet" (in der jungen welt vom 21.9.10), wobei die m.E. sehr unsachlich ist. Glücklicherweise unterscheidet sich die Kritik von Michael Jäger von diesem inquisitorischen Zeug. Eine Kritik an der DKP-Lesart mit Links habe ich unter davidoseunomia.wordpress.com/ gefunden.
Gruß, Jona
Michael Jäger
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