Nun ist es raus, das Steuerkonzept des Professors aus Heidelberg. Reflexartig wird es abgelehnt oder als diskussionswürdig auf die lange oder längere Bank geschoben. Dabei sollten die Politiker doch einiges bedenken: Unser Steuerrecht ist von niemandem mehr zu begreifen. Tatbestände, Ausnahmetatbestände und Ausnahmen von den Ausnahmetatbeständen. Richtig ist, das derzeitige Steuerrecht ist über die Jahre gewuchert und beschäftigt uns alle, die wir Steuererklärungen abgeben. Es ist belastend in doppeltem Sinne und frustrierend. Es ist frustrierend wegen der Beschwernisse und wegen der Gedanken, die man sich machen muss, ob denn nun alles richtig aufgelistet, nichts vergessen wurde. Mögen sich einige an der Prosa Kirchhofs stören, es ist ein großer Wurf in einer Zeit, die von Merkel zur Politik der kleinen Schritte ausgerufen wurde. Hier wird nicht auf kurzfristige Sicht gefahren, hier wird mutig und strategisch gedacht. Dies geht unseren glatt gebügelten Politkern derzeit ab.
Das Konzept muss eingehend diskutiert werden und ich rate der SPD, nicht den strategischen Fehler zu machen, sich nicht sofort und umfassend mit dem Konzept auseinander zusetzen. Ich bin sicher, wenn sie das nicht tut, wird sie keine Diskussionshoheit in der Steuerdiskussion mehr bekommen und das Feld der CDU und der FDP überlassen. Ein einfacheres und - wenn möglich - gerechteres Steuersystem geht jeden was an.
Zum Schluss:
Das Denken in eingefahrenen Gleisen wird am Ende auf das Abstellgleis führen.
Ein Wunsch:
Hoffentlich gibt es auch bald einen klugen Kopf, der sich zutraut, für unser Gesundheitssystem einen ähnlichen Entwurf zu wagen!