niclas quinten

Blog von niclas quinten

11.09.2011 | 12:42

Leiharbeit

Ich erzähle Euch eine Geschichte…

Zwei Jugendliche werden zum Rettungsassistenten bei einer großen Sozialorganisation ausgebildet. Sie beenden beide die Ausbildung erfolgreich. Beide werden, obwohl ein Arbeitsplatz zu vergeben wäre, nicht übernommen. Sie melden sich beim Arbeitsamt und werden auf Anforderung einer Leiharbeitsfirma an eben diese Sozialorganisation vermittelt. Die Pointe, sie ahnen es schon, zum halben Gehalt.

Die Geschichte endet nicht mit: Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. Es ist kein Märchen, es die tägliche Realität in Deutschland.

Die Von der Leyens dieser Gesellschaft werden jetzt aufjaulen und rufen: "Einzelschicksale, auf die können wir doch nicht eingehen, wir müsse das gesamte Bild im Blick haben." Es sind nicht Einzelschicksale, es eine flächendeckende Realität. Jeder fünfte Arbeitsplatz in Deutschland ist mit unter 1800 Euro bezahlt und wird durch ein gigantisches Subventionsprogramm unterstützt. Schafft endlich Mindestlöhne und angemessen bezahlte Arbeitsplätze. Wenn dies nicht geschieht, werden wir in spätestens zehn Jahren den Druck der Verarmung und der Altersarmut spüren und dann werden die gesellschaftlichen Verwerfungen nur mit viel Geld zu begradigen sein.

 
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Kommentare
Ehemaliger Nutzer schrieb am 11.09.2011 um 13:41
Zwei Jugendliche werden zum Rettungsassistenten bei einer großen Sozialorganisation ausgebildet. Sie beenden beide die Ausbildung erfolgreich. Beide werden, obwohl ein Arbeitsplatz zu vergeben wäre, nicht übernommen. Sie melden sich beim Arbeitsamt und werden auf Anforderung einer Leiharbeitsfirma an eben diese Sozialorganisation vermittelt. Die Pointe, sie ahnen es schon, zum halben Gehalt.

Hallo Herr Quinten, ich habe da mal ein paar Fragen an Sie:

1.
Weshalb hat denn die große Sozialorganisation die beiden Arbeitsplätze nicht für die Rettungsassistenten mit dem vollen Tarfifgehalt installiert?
Kann doch eigentlich nur daran liegen, dass außer der Leiharbeitsfirma auch die große Sozialorganisation auf dem Rücken der beiden Rettungsassistenten Profit einstreicht.

2.
Wer bekommt denn den Profit der großen Sozialorganisation (persönlich) ausbezahlt?

3.
Hat die große Sozialorganisation einen Betriebsrat, der so etwas zuließ?
Yola schrieb am 11.09.2011 um 14:45
@arno schmidt "Hat die große Sozialorganisation einen Betriebsrat, der so etwas zuließ?"

Schon mal was von arbeitgebernahen Betriebsräten gehört?
Ehemaliger Nutzer schrieb am 11.09.2011 um 15:12
@Yola schrieb am 11.09.2011 um 14:45
Schon mal was von arbeitgebernahen Betriebsräten gehört?

In "meiner" Firma wird der Betriebsrat von der Belegschaft gewählt und ist deshalb auch arbeitnehmernah.
Arbeitgebernahe Betriebsräte würden abgewählt werden.

Kompromisse größeren Ausmaßes werden mit der Geschäftsführung nur gemacht, wenn z. B. die Pleite droht.

Was Leiharbeit betrifft, stimmt unser Betriebsrat nur zu, wenn ein Vorhaben/Projekt mit der Stammbelegschaft (z. B. wenn kein geeignetes Personal verfügbar ist) bzw. wegen der Tarifhöhe der Stammbelegschaft keine Chance hätte.

Wenn Vorhaben/Projekte mit Leiharbeit sich positiv entwickelt hatten wurde schon häufig das Leiharbeitspersonal mit allen Rechten in die Stammbelegschaft integriert.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 11.09.2011 um 15:17
@arno schmidt schrieb am 11.09.2011 um 15:12

Wenn sie auch mitteilen würden, in welchem Land und auf welchem Planet Sie leben? Und von wem Sie beauftragt wurden, hier kapitalistische Propaganda-Märchen zu erzählen?
Ehemaliger Nutzer schrieb am 11.09.2011 um 15:29
Fahrenheit 451 schrieb am 11.09.2011 um 15:17
Wenn sie auch mitteilen würden, in welchem Land und auf welchem Planet Sie leben? Und von wem Sie beauftragt wurden, hier kapitalistische Propaganda-Märchen zu erzählen?

Ich lebe in Niedersachsen.
Bislang habe ich m. W. keine kapitalistischen Propaganda-Märchen hier geschrieben.

Können Sie mir eins nennen?

Da ich aber Gewerkschafter bin (IGM) weiß ich natürlich auch, dass es in vielen Betrieben ganz anders als in "meiner" Firma aussieht.
niclas quinten schrieb am 12.09.2011 um 12:31
Das Land; Deutschland... die Gegend: Thüringen.... keine Märchen ... im Detail belegbar...!!!

... also nicht schwätzen, negieren ... es passiert in Deutschland und das täglich...
claudia schrieb am 12.09.2011 um 21:35
Ihr alter ego, "arno schmidt", (ansässig in Niedersachsen und langzeitig für einen dortigen Automobilkonzern tätig) berichtete mal Folgendes aus seiner gewerkschaftlichen Praxis:
Aufgrund einer vorübergehend schlechten Auftragslage wurde beschlossen, die Regelarbeitszeit zu verkürzen, wobei die Arbeitsentgelte proportional gekürzt wurden. Er überzeugte als IGM-Vertrauensmann seine Kollegen, dass damit Kündigungen vermieden werden (was ja nicht nur von den dortigen Arbeitskraftverkäufern positiv aufgenommen wurde, sondern auch in der Presse lobend erwähnt)
Als das Geschäft wieder brummte, wurde die Arbeitszeit wieder nach oben angeglichen, aber die Gehälter blieben unten, hahaha.

Darauf schrieb ich, wenn ein Betriebsrat nicht in die Vereinbarung hinschreibt, dass bei besserer Auftragslage und Anpassung der Arbeitszeit auch die alten Entgelte wieder gelten, dann ist er nicht das Papier wert, auf dem er gewählt wurde. Und wenn ein/e Vertrauensmann/frau den BR nicht darauf hinweist, sondern den Kollegen verscheigt, was der BR für ein Kuckucksei legen will, dann ist er/sie schleunigst abzuwählen. Das Gleiche gilt natürlich für hauptamtliche Funktionäre. Unter Ausschöpfung aller Möglichkeiten, die die Satzung zur Verfügung stellt.

Allerdings diente der Vorgang dem Personalchef Ihres alter ego als Profilierung für die Kommission, die nach ihm als "Hartz-Kommision" benannt wurde.

Mittlerweile hat sich innerhalb der Gewerkschaften eine Bewegung für die Erneuerung im Sinne des Gründungszweckes gebildet:
www.gewerkschafter-aktiv.de/7.html

---
In der Leiharbeit funktioniert die klassische Organisationsform nicht:

- Die Arbeiter einer Firma kennen sich nicht.

- An einem Arbeitsplatz arbeiten Kollegen, die bei verschiedenen Firmen unter Vertrag sind.

- Die Beschäftigungszeiten sind im hire&fire-System der Leiharbeit zu kurz, um eine Basis einer Leiharbeitsgewerkschaft aufzubauen

- Aus dem gleichen Grunde ist es nicht möglich, eine Betriebsratswahl zu organisieren.

Das war der Grund, warum die Leiharbeitslobby vom Agenda2010-Regime so sehr hofiert wurde,

Es müssen völlig neue Organisationsformen gefunden werden.
niclas quinten schrieb am 13.09.2011 um 13:15
.....Dank... und ich stimme Ihnen zu!
Gustlik schrieb am 11.09.2011 um 14:33
Die Mütter der Jugendlichen lassen sich in Tschechien die Haar fönen. Auch sonst wird "Gute Arbeit, gute Löhne!" beim Einkauf gern vergessen.
Magda schrieb am 12.09.2011 um 14:37
Diese Praxis kann ich mir gut vorstellen und ist - ganz sicher - kein Einzelfall.

@ arno schmidt - Sie sind merkwürdig. Da bloggt jemand zum Thema und beklagt einen Missstand und Sie? Sie schnauzen ihn an und stellen ihm Fragen, als sei der der der Vertreter dieser Sozialorganisation.
Und stellen sich selbst als einen dar, der Tag und Nacht für Gerechtigkeit sorgt. Sie müssen ein reichlich selbstgefälliger Vogel sein.
niclas quinten schrieb am 13.09.2011 um 13:16
..freue mich über Ihren Kommentar...!
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