In unserem kleinen Dorf tut sich fast nichts. Da ist vor dem Rathaus eine riesige, genormte Plakatwand, auf der zur Zeit ein einziges Plakat klebt. Mit gefällt es: Es zeigt einen kernigen Melanchon (Linkskandidat) mit dem schönen Spruch: "La France, la belle, la Rebelle".
Aber im Dorf wird über die Wahl nicht geredet. Dauerthema ist stattdessen das Wetter. Und dass dieses, dieses Jahr ganz anders und viel bedrohlicher sei als alle die Jahre vorher. Denn .... wir befinden uns im Klimawandel. Warum reden die Leute nicht über die Wahl? Kriegen wir das nur nicht mit, weil wir hier Ausländer sind? Ich habe das Gefühl, dass die Wahl dieses Präsidenten eine verkappte Königswahl ist. Wer von den KandidatInnen einem Cäsaren am meisten gleicht, wird die Wahl gewinnen. Marine le Pen hat diesbezüglich beunruhigende Fähigkeiten. Eva Joly und Nathalie Arthaut sind von der Cäsarenfigur zu weit entfernt. Melanchon kommt dem schon eher nahe. Hollande weniger. Nun, petit Sarko gibt sich Mühe so zu wirken, er hat das Cäsarenprinzip zumindest gut begriffen. Aber das beantwortet nicht meine Frage, warum in unserem Dorf über diese Wahl nicht gesprochen wird. Sollte dies etwa das allgemeine Gefühl wiedergeben, dass Wahlen in Zeiten der anonymen strukturellen Gewalt keinen Sinn mehr machen? Ich weiß es nicht. Aber eines spüre ich, man sehnt sich hier nach einem Cäsar.