Peter Nowak

Blog von Peter Nowak

21.01.2012 | 15:08

Kampf um einen Erinerungsort am Arbeitshaus Rummelsburg

 

 „Arbeitshaus Rummelsburg – Für einen würdigen Gedenkort“ stand auf dem Transparent des Arbeitskreises Marginalisierte gestern und heute“, mit dem am Donnerstagnachmittag  Mitglieder und BesucherInnen der Lichtenberger Bezirksverordnetenversammlung (BVV) empfangen wurden.  Schließend stand die Änderung des Bebauungsplanes für das Areal um den  ehemaligen Friedhof des Berliner Arbeitshauses an der Rummelsbucht auf der Tagesordnung.  Damit soll der Weg für die Privatisierung und des Areals in der für InvestorInnen  lukrativen Gegend freigemacht werden.     Der AG Marginalisierte dagegen fordert seit Monaten die Errichtung eines Gedenk-, Lern- und Forschungsort zur Verfolgung von asozial stigmatisierten Menschen auf dem Gelände des ehemaligen Arbeitshauses Rummelsburg. Auf der BVV-Sitzung konnte er mit einen Erfolg erzielen. Während der Beschluss über die Privatisierung des Geländes vertagt wurde,   beschloss die  BVV, dass der  von den AG eingefordert  ´Runde Tisch für einen Gedenk-, Lern- und Forschungsort´ im März erstmals tagen soll. Daran  sollen VertreterInnen aller Opfergruppen teilnehmen. Das Ende des 19. Jahrhunderts an der Rummelsbucht  errichtete Arbeitshaus wurde in den Nazis systematisch ausgebaut.  Zahlreiche InsassInnen wurden in Konzentrationslager verschleppt. In der DDR wurde das Gebäude als Gefängnis   benutzt.  

Dirk Stegemann vom AG Marginalisierte begrüßte gegenüber  der tat den Beschluss.  Allerdings sei für seine Organisation zentral, dass die Singularität der NS-Verbrechen nicht infrage gestellt werden dürfe. „Die im NS  als asozial Verfolgten wurden  weder  als Opfer anerkannt, noch entschädigt und rehabilitiert worden“, begründet Stegemann  die Forderung,  dass die Erinnerung an   diese Verfolgtengruppe auf dem Gelände des ehemaligen Arbeitshauses einen zentralen  Raum bekommen muss. Auf der ersten Sitzung muss sich der Runde Tisch mit einer konkreten Forderung der AG Marginalisierten befassen.   Sollte der Verkau des Friedhofsgrundstücks nicht verhindert werden können, sollen 20 % von dem Erlös in einen Fond für die Einrichtung des Gedenkort bereit gestellt werden.    

 

Sollen die Naziverbrechen verschwiegen werden?

 

Stegemanns Klarstellung erfolgte vor dem Hintergrund einer heftigen Auseinandersetzung zwischen AG Marginalisierte und dem Bezirksamt Lichtenberg um den Arbeitstitel der Vorlage des Bebauungsplans. Dort war zu lesen: „Das Plangebiet wird geprägt durch den denkmalgeschützten Gebäudebestand des ehemaligen „Städtischen Arbeitshauses Rummelsburg“, das von 1951-1990 als Strafvollzugseinrichtung der DDR diente.“ Die Funktion des Arbeitshauses im NS-Terrorsystem wurde dort ganz verschwiegen. Dieses Vorgehen veranlasste den AG Marginalisierte zur polemischen Überschrift über ihrer Pressemitteilung: Bezirksamt Lichtenberg verschweigt Nazi-Verbrechen für bessere ökonomische Verwertbarkeit.  Die wurde vom SPD-Bezirksbürgermeister Andreas Geisel als ..."geradezu grotesk abwegig und im Zusammenhang mit dem genannten Beispiel auch sachlich falsch“ bezeichnet. Nach der BVV-Sitzung soll der die NS-Verbrechen verschweigende  Arbeitstitel geändert werden

 

Eine Ausstellung zum Thema geht heute zu Ende

 

Noch bis heute 19 Uhr können sich Interesse in der Galerie after the butcher in der Splittastr. 25 im Rahmen einer Kunstinstallation auch über den Konflikt um das Arbeitshaus informieren. Die Künstlerinnen Eva Kietzmann und Petra Kübert haben im Rahmen der dort gezeigten Arbeit „Entwicklungsgebiet Rummelsburger Bucht  - Vermutungen über Oberflächen“  auf Audiorecodern Interviews mit Politiker_innen, Alt- und Neu-Bewohner_innen der Rummelsburger Bucht sowie mit politischen Aktivist_innen geführt, die an einen mit Seegras garnierten Tisch auf Kopfhörern verfolgt werden können. Über das ehemalige Arbeitshaus Rummelsburg kommen dort u.a. Dirk Stegemann, der aktuelle Bürgermeister und seine Vorgängerin sowie noch lebende Insassen zu Wort. Die Ausstellung soll heute zu Ende gehen.  Am heutigen letzten Ausstellungstag soll es noch ein nicht näher bezeichnetes künsterlisches   Ereignis geben.

Angesichts der Aktualität des Themas wäre eine Verlängerung wünschenswert.

      

 

Peter Nowak

 

 

Eva Kietzmann / Petra Kübert

Entwicklungsgebiet Rummelsburger Bucht:

Vermutungen über Oberflächen

- Eine künstlerische Recherche zur Gestaltung eines historischen Gebietes

Ausstellung: 10. Dezember 2001 - 21. Januar 2012

Öffnungszeiten nach telefonischer Vereinbarung

+ 49 179 9473040 oder  +49 163 7510542

after the butcher - Spittastr.25 - 10317 Berlin

www.after-the-butcher.de

 
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