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Der rassistische Mord an der Ägypterin Marwa El-Sherbini am 1. Juli 2009 sorgte im In- und Ausland für Schlagzeilen. Am kommenden Mittwoch wird er noch einmal die Gerichte beschäftigen. Angeklagt ist die Medienwissenschaftlerin Sabine Schiffer, die sich kritisch mit dem Geschehen rund um die Bluttat befasste.
Dazu gab es auch genügend Grund. Denn der Neonazi Alex Wiens erstach Frau El-Sherbini in den Räumen des Dresdner Gerichts, nachdem sie gegen ihn als Zeugin ausgesagt hatte. Sie hatte Wiens angezeigt, weil der ihre Kinder nicht auf dem Spielplatz lassen wollte und sie rassistisch beleidigte.
Dass der bekennende Rechte die Tatwaffe mit ins Gericht bringen konnte, war schon unverständlich. Dass aber einer der herbeigeeilten Polizisten zunächst den Mann der Erstochenen, der von dem Neonazi selber schwer verletzt worden war, angeschossen hat, war noch schwerer nachvollziehbar. War die augenscheinlich einzige nichtdeutsche Person am Tatort für die Polizei automatisch der Täter? Diese Fragen stellten sich viele nach den Ereignissen in Dresden, auch die Medienwissenschaftlerin Sabine Schiffer.
Sie hatte in mehreren Interviews zum Mord an der Ägypterin die Vermutung geäußert, der Fehlschuss des Polizisten hätte einen rassistischen Subtext gehabt haben könnte. Dies wäre auf Grund verbreiteter Medienbilder, die seit Jahren das Negativbild „arabischer Terrorist“ stark vergrößerten, denkbar und könnte gerade in einer Situation wirken, in der ein überlegtes Handeln nicht möglich ist. Obwohl Schiffer betonte, sie habe mit ihrer Kritik keinen der beteiligten Polizisten damit als Rassisten angegriffen, sondern eben auf strukturelle Mechanismen hingewiesen, erging ein Strafbefehl in Höhe von 6000 Euro gegen die Medienwissenschaftlerin. Ausgestellt hatte ihn die Staatsanwaltschaft Nürnberg auf Grundlage einer Anzeige eines der beteiligten Polizisten. Nach dem Widerspruch von Frau Schiffer wird am 24. März vor dem Erlanger Amtsgericht der Fall verhandelt.
Alle betroffen
Er hat mittlerweile mit Recht bundesweite Aufmerksamkeit erhalten. Zahlreiche Wissenschaftler und Journalisten haben sich mit der Medienwissenschaftlerin solidarisiert. Sollte sie verurteilt werden, wäre es in der Tat schwieriger, über strukturelle Hintergründe von Rassismus im Alltag zu berichten oder darüber zu forschen. Dabei sind solche Vorkommnisse keineswegs die Ausnahme. Fast jeder hat schon im Alltag erlebt, dass bei Fahrzeug-, Personen- oder Ticketkontrollen Menschen, die nicht deutsch aussehen, von der Polizei rabiater behandelt werden. Das lässt sich an den Gesten, dem Tonfall der Kommunikation, an Seitengesprächen und vielen anderen Details festmachen. Aber es ist natürlich oft nicht beweisbar und die beteiligten Beamten werden jeden Rassismusverdacht von sich weisen. Sollte Sabine Schiffer verurteilt werden, gäbe es auch eine größere juristische Handhabe, um unliebsame Fragen von Journalisten, antirassistischen Gruppen und zivilgesellschaftlichen Initiativen mit der Drohung eines langwierigen und teureren Verfahrens zu minimieren. Dann wiederum würde die vielzitierte Schere im Kopf dafür sorgen, dass man einen möglichen Verdacht auf einen juristischen Subtext erst gar nicht mehr verbalisiert. Daher haben die Unterzeichner des Solidaritätsaufrufs Recht, wenn sie schreiben, dass das Verfahren gegen Frau Schiffer auch sie betrifft. Und zwar nicht als so häufig strapazierte Floskel sondern im materiellen Sinne.
Peter Nowak
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Danke für den aufmerksamen Leser, habe den Fehler gleich korrigiert.
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Nix für ungut - ich kenne den Namen halt schon länger, da fiel mir das als erstes auf.
Das Verfahren ist ein Skandal - gut, dass es hier thematisiert wird. Frau Schiffer ist mit ihrer Kritik unbequem, das bekommt sie derzeit zu spüren. Das, wofür sie hier angeklagt wird, ist das, was ich mir auch dachte, als ich hörte, dass der Mann der Ermordeten nicht nur vom Mörder, sondern auch durch den Schuss eines Polizisten verletzt wurde. Mit dem Ausgang des Strafverfahrens gegen diesen war ich nicht sonderlich glücklich. Noch eines zum Sachverhalt: entgegen vielfacher Annahme war es nicht Marwa El-Sherbini, die Wiens angezeigt hatte. Sie hätte sein Benehmen auf sich beruhen lassen, aber Zeugen erstatteten Anzeige. Das ist nicht, weil ich pingelig bin, aber es gibt immer wieder Idioten, die ihr die angebliche Anzeige auch noch zum Vorwurf machen. |
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Nun - zumindest besteht doch der Verdacht, die Beamten hätten sonderbar gewertet. Schließlich bleibt die Frage, auf welcher Basis der schießende Beamte seine Entscheidung gefällt hat, offen. Ich möchte ihm das gar nicht direkt vorwerfen, aber eine entsprechende Konditionierung in der Richtung, den "Ausländer" als zuerst verdächtig anzusehen, ist durchaus möglich. Das unterschwellige mediale Dauerfeuer gibt ja durchaus Anlass zu dieser Vermutung. Und da Menschen - und Polizeibeamte sind auch welche - in Stresssituationen durchaus reflexhaft handeln, steht eben die Frage im Raum, wie dieser ausgelöst wurde und ob der Beamte dafür wirklich die Verantwortung trägt, bzw., was schief gelaufen ist. Das man Frau Schiffer dafür nun haftbar machen will, dass sie diesen Verdacht artikuliert, halte ich für wenig bis gar nicht zielführend.
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Ich sag es mal so: frau Schiffer hat keinen 'Verdacht artikuliert', sondern sie hat ein weiteres - und nicht erst seit gestern - bekanntes problem angesprochen.
Nämlich das problem des 'institutionellen rassismus'. das bündel aus anzeige/strafantrag und strafbefehl, das sie sich damit eingefangen hat, scheint mir aus ebendemselben problem zu resultieren. in der altbekannten manier: die botin bekommt die prügel und die botschaft steht völlig unschuldig da. |
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Ich kann schon verstehen, das die beteiligten Polizisten sich dagegen wehren, rassistisch motiviert gehandelt zu haben. Ansonsten würden sie ja wortlos zustimmen unberechtigt die Waffe eingesetzt zu haben. Wie und unter welchen Umständen die Entscheidung zu schießen getroffen wurde, kann wohl niemand nachvollziehen. Ich behaupte diese Entscheidung ist nicht einfach und mußte in Sekunden getroffen werden.
Was das Problem des "institutionellen Rassismus" ist verstehen ich noch schwerer, mit diesem Begriff kann ich nichts anfangen. |
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Gute Nachricht: Freispruch für Sabine Schiffer:
www.nn-online.de/artikel.asp?art=1195710&kat=3&man=3 So leicht kommt ein falscher Strafbefehl zustande.... |
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Sie wurde heute freigesprochen, wie es auch richtig und sinnvoll ist
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Ausgabe 07/12
16.02.2012
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