-eine mehr künstlerisch als politisch gelungene Darbietung der Neuköllner Oper
Ich bin weder passionierter Opernbesucher noch Richard-Wagner-Fan. Doch die Aufführung von „Rheingold Feuerland“ in der Neuköllner Operkann ich uneingeschränkt empfehlen. Denn dort ist wird Wagner demontiert und einige Bruchstücke neu zusammengesetzt. Die Bühne ist eine laubbedeckte Landschaft, aus einer Ritze entweichenDämpfe. Im Stück sind sie giftig Sie stammen von einer Müllkippe am Rande von Neapel, wo rumänische Arbeitsmigrant_innenunter menschenunwürdigen Verhältnissen schuften müssen. Eine junge Frau will sich nicht mehr verwerten lassen und beginnt zu revoltieren. Doch in ihrer Umgebung findet sie wenige Mitstreiter_innen. Der Romajunge Christo, von Janko Danailow meisterhaft gespielt,lebt seinen Traum vom Müllsammler zum Millionär. Dabei schont er weder sich noch andere. Als er schließlich reich und mächtig ist, revoltiert der Körper. Die giftigen Dämpfe haben seine Lunge zerstört und kein Geld der Welt kann ihm die Gesundheit zurückbringen.Es kann ihm nur das Sterben etwas erleichtern.
Sozialkritik auf Attac-Niveau
Durch die Szene springt die kritische Journalistin Mercedes, die mit sehr engagiert und aufgeregt, bemüht ist, den philanthropischen Kapitalisten George Warren, alias Soros aus der Reservezu locken. Doch seine Reaktion schwankt zwischen Belustigung, Zynismus und am Ende räumt er ein, dass erals Studenteinmal die Welt verändern wollte. Das tat er dann gründlich als Aktionär.
Fast 90 Minuten wird den auf der Bühne Sozialkritik auf Attac-Niveau geboten. Die Finanzwelt wird als herz- und wurzellosgegeißelt und mit Moral wird nicht gespart.Auch das Programmheft zum Stück dürfte Attac-Mitgliedernund anderen Freunden eines humanen Kapitalismus gefallen. Dort finden sich die 12. Gebote des sozialen Wirtschaftens ebenso, wie ein Beitrag des Attac-Beirats Elmar Altvater. Zudem werden ausgewählte Personen aus aller Welt vorgestellt, denen nachgesagt wird, den Kapitalismus menschlicher gemacht zu haben. Darunter findet sich auch der Wirtschaftswissenschaftler Muhammad Yunis aus Bangladesh, dessen Mikrokredite, wie mittlerweile bekannt wurde, für arme Bauern längst nicht so human sind, wie es die Propaganda verbreitet.
Eine grundlebende Kapitalismuskritik ist dass nicht, aber wo ist die heute schon zu haben. Aber auch eine sozialkritische Oper ist nun keineswegs die Regel.Am Ende wird die Erde
wieder wüst und leer und hat sich der Menschen entledigt.
Künstlerisch gelungen
So sehr sich über die politische Botschaft streiten lässt, so gelungen ist die künstlerische Darbietung in der Neuköllner Oper. Die Bühnendekoration, die Videos auf mehreren Bildschirmen und die Musik von Simon Stockhausen, dem Sohn des Komponisten Karlhein Stockhausen, sorgen dafür, dass der Abend auch für Menschen keine Minute langweilig wird, die eigentlich Opern-Aufführungen meiden. Es handelt sich bei der Darbietung auch eher um einen Theaterabend mit Opernelementen. Die Musik changiert von lateinamerikanischen bis zu indischen Klänge, ist also so kosmopolitisch ausgerichtet, wie die handelnden Personen und die Darsteller. Die Globalisierung hat sich also zumindest hier schon durchgesetzt.
Peter Nowak
Weitere Spieltermine : 2. – 3.9, 8-10.9, 15-18.9 und 22 – 25.9, jeweils 20 Uhr, am 4. und 11.9, um 16.30 Uhr in der Neuköllner Oper, Karl-Marx-Str. 131- 133,