Peter Nowak

Blog von Peter Nowak

02.09.2011 | 13:30

Mit Wagner gegen den Kapitalismus?

 

-         eine  mehr künstlerisch als politisch gelungene Darbietung der Neuköllner Oper

 

Ich bin weder passionierter Opernbesucher noch Richard-Wagner-Fan. Doch die Aufführung von „Rheingold Feuerland“ in der Neuköllner Oper  kann ich uneingeschränkt empfehlen. Denn dort ist wird Wagner demontiert und einige Bruchstücke neu zusammengesetzt. Die Bühne ist eine laubbedeckte Landschaft, aus einer Ritze entweichen  Dämpfe. Im Stück sind sie giftig Sie stammen von  einer Müllkippe am Rande von Neapel, wo rumänische Arbeitsmigrant_innen  unter menschenunwürdigen Verhältnissen schuften müssen. Eine junge Frau will sich nicht mehr verwerten lassen und beginnt zu revoltieren. Doch in ihrer Umgebung findet sie wenige Mitstreiter_innen. Der Romajunge Christo, von Janko Danailow meisterhaft gespielt,  lebt seinen  Traum vom Müllsammler zum Millionär. Dabei schont er weder sich noch andere. Als er schließlich reich und mächtig ist, revoltiert  der Körper. Die giftigen Dämpfe haben seine Lunge zerstört und kein Geld der Welt kann ihm die Gesundheit zurückbringen.     Es kann ihm nur das Sterben etwas erleichtern.

 

Sozialkritik auf Attac-Niveau

Durch die Szene springt die kritische Journalistin Mercedes, die mit sehr engagiert und aufgeregt, bemüht ist, den philanthropischen Kapitalisten George Warren, alias Soros aus der Reserve  zu locken. Doch seine Reaktion schwankt zwischen Belustigung, Zynismus und am Ende räumt er ein, dass er  als Student  einmal die Welt verändern wollte. Das tat er dann gründlich als Aktionär.  

Fast 90 Minuten wird den auf der Bühne Sozialkritik auf Attac-Niveau geboten. Die Finanzwelt wird als herz- und wurzellos  gegeißelt und mit Moral wird nicht gespart.  Auch das Programmheft zum Stück dürfte Attac-Mitgliedern  und anderen Freunden eines humanen Kapitalismus gefallen. Dort finden sich die 12. Gebote des sozialen Wirtschaftens ebenso, wie ein Beitrag des Attac-Beirats Elmar Altvater. Zudem werden ausgewählte Personen aus aller Welt vorgestellt, denen nachgesagt wird, den Kapitalismus menschlicher gemacht zu haben. Darunter findet sich auch der Wirtschaftswissenschaftler  Muhammad Yunis aus Bangladesh, dessen Mikrokredite,   wie mittlerweile bekannt wurde, für arme Bauern längst nicht so human sind, wie es die Propaganda verbreitet.

Eine grundlebende Kapitalismuskritik ist dass nicht, aber wo ist die heute schon zu haben. Aber auch eine sozialkritische Oper ist nun keineswegs die Regel.  Am Ende wird die Erde
wieder wüst und leer und hat sich der Menschen entledigt.

 

Künstlerisch gelungen

So sehr sich über die politische Botschaft streiten lässt, so gelungen ist die künstlerische Darbietung in der Neuköllner Oper. Die Bühnendekoration, die Videos auf mehreren Bildschirmen und die Musik von Simon Stockhausen, dem Sohn des Komponisten Karlhein Stockhausen, sorgen dafür, dass der Abend auch für Menschen  keine Minute langweilig wird, die eigentlich Opern-Aufführungen meiden. Es handelt sich bei der Darbietung auch eher um einen Theaterabend mit Opernelementen.  Die Musik changiert von lateinamerikanischen bis zu indischen Klänge, ist also  so kosmopolitisch ausgerichtet,  wie die handelnden Personen und die Darsteller. Die Globalisierung hat sich also zumindest hier schon durchgesetzt.

 

 

Peter Nowak

Weitere Spieltermine : 2. – 3.9, 8-10.9, 15-18.9 und 22 – 25.9, jeweils 20 Uhr, am 4. und 11.9, um 16.30 Uhr in der Neuköllner Oper, Karl-Marx-Str. 131- 133,

www.neukoellneroper.de/

 
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Kommentare
Jacob Jung schrieb am 02.09.2011 um 14:56
Vielen Dank für die Empfehlung und die interessante Besprechung!

LG, Jacob Jung
Peter Nowak
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15:22
Joachim Petrick hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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Magda hat gerade einen Blogbeitrag erstellt.
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DandelionWine hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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Juliane Löffler hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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