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Frieden – Wie geht das?

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Politik : Sie waren aktiv an der Befreiung beteiligt

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Am Montagabend gab es in Berlin eine Gesprächsrunde mit 10 polnischen Befreier_innen vom Nationalsozialismus.

So vieleMilitärs werden wohl kaum schon mal im Berliner Haus der Demokratie anzutreffen und sogar mit großem Beifall begrüßt worden sein. Aber es war völlig in Ordnung, den zehn Menschen im Alter 80 und 90 Jahren einfach Danke zu sagen, die sich am 6. Mai hellwachden Fragen der Interessierten stellten. Sie waren als Partisan_innen oder als Teil der polnischen Armee an der Befreiung Polens von der deutschen Wehrmacht beteiligt und sie hatten einen wichtigen Anteil bei der endgültigen Niederlage der Nazis in Berlin. Viel zu wenig ist darüber auch in politisch aktiven Kreisen bekannt, wie sich schon bei der Vorstellung der polnischen Gäste zeigte. Denn darunter waren auch vier Frauen, was sicher viele überraschte. Denn auf den historischen Bildernsind immer nur männliche Soldaten zu sehen.Dabei gab es in Polen mit dem Bataillon EmiliaPlater, dass nach einer polnischen Kämpferin gegen den Zarismus benannt worden war, ein eigenes Frauenbataillon. Adela Jawarowskacberichtete darüber, wie sie zunächst für frauentypische Aufgaben wie denSanitätsdienstVerwendung finden sollte, aber selber darauf bestanden, gegenüber den männlichen Kombattanten weder bevorzugt noch benachteiligt zu werden. Sie setzte sich damit durch. Wenn man die resoluten Frau reden hörte, kann mensch sich das sehr gut vorstellen. Anna Szelewicz war Kämpferin in der polnischen Armee. Auch sie betonten, wie wichtig es ihnen gewesen ist, weder benachteiligt noch bevorzugt zu werden.

Rote Armee wurde zur Verbündeten

Die wichtige Rolle der Frauen beim polnischen Anti-Nazi-Kampf war nur eine wichtige Erkenntnis, die die Gesprächsrunde brachte. Erstaunlich war auch, wie die Befreier_innen, obwohl sie aus völlig unterschiedlichen politischen Kontexten kommen, nicht nur in den Zeiten der größten NS-Bedrohung zusammenkämpften, sondern auch heute noch betonen, wie notwendig die Kooperation war.

Als List der Geschichte bezeichnete es der ehemalige Partisan und späteres Mitglied der polnischen Armee Lech Tryuk, dass die Rote Armee zunächst 1939 ebenfalls einen Teil Polens besetzte und dann nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion zum Verbündeten der polnischen Widerstandskämpfer_innen geworden ist. Erstaunlich ist diese Sichtweise deshalb, weil man heute in Deutschland gerne der Sowjetunion und Hitlerdeutschland den gleichen Anteil bei dem Ausbruch des zweiten Weltkriegs zuweist und sich dabei auf Stimmen aus osteuropäischen Ländern wie Polen verweist. Solche Töne waren an dem Abend überhaupt nicht zu hören und dabei wurde schnell deutlich, dass viele der Gäste durchaus keine Freund_innen der Sowjetunion waren. Zwei von ihnen waren nach 1939 nach Sibirien deportiert worden und haben sich von dort zu den Partisan_innen oder der polnischen Armee gemeldet. Andere haben zunächst in der sowjetfeindlichen Heimatarmee gekämpft, bevor sie dann zur prosowjetischen Volksarmee wechseln.

War ein solcher Wechsel häufig oder waren es eher Ausnahmen? Diese Frage war mir sofort eingefallen. Ebenso hätte mich die Haltung der Kämpfer_innen zum jüdischen Widerstand in Polen interessiert, der einen eigenen Militärverband unterhielt und nach der Niederschlagung des Aufstands im Warschauer Ghetto mit der Volksarmee kooperierte. Doch ich hielt es für interessanter, den Gästen zuzuhören und ihnen am Ende wie es der Vorsitzende der Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschist_innen ausdrückte, für ihren Anteil an der Befreiung vom Nazismus zu danken. Manche im Publikum wollten die polnischen Gästen unbedingt zu ihrer Position zu Katyn oder zum Euro abfragen. Einige wenige protestieren gar vernehmlich, als die Moderator_innen der Veranstaltung mit Verweis auf das Alter der Gäste eine kleine Pause ankündigten. Aber insgesamt war die Veranstaltung von denen die Medien im Vorfeld kaum Notiz nahmen, schon deshalb begrüßenswert, weil es immer weniger Möglichkeiten geben wird, mit Zeitzeug_innen reden zu können. Im Unterschied zu den der Geschichtslesart der deutschen Mitläufer_innen, die sich längst hegemonial durchgesetzt hat, was sich am Werk von Günther Grass gut zeigt, gehören die polnischen Befreier_innen schließlich zu denen, die aktiv zum Ende des NS beigetragen haben. Morgen werden sie an den Siegesfeiern im Treptower Park in Berlin teilnehmen und zwischen 15 und 16 Uhr eine Ansprache halten.

Peter Nowak

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.