Robert Zion

Blog von Robert Zion

22.02.2010 | 14:15

Westerwelle und die Krise des Sozialstaats

Von Robert Zion

In der derzeitigen Debatte um Hartz IV nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts entpuppt sich FDP-Chef Guido Westerwelle gleichermaßen als Biedermann und Brandstifter. Dabei geht es um mehr, als nur um die in Frage stehende Akzeptanz des Sozialstaats – es geht um die politische Zukunft des Gemeinwesens.

Ein viertel Jahrhundert ist es nun her, dass Ulrich Beck seinen soziologischen Klassiker von der „Risikogesellschaft“ veröffentlicht hat, ein viertel Jahrhundert hat das Gros der deutschen Medien- und Politiklandschaft dessen zentrale Botschaft ignoriert: Selber schuld! – so lautet die neue Botschaft der Mehrheitsgesellschaft an die sogenannte „Unterschicht“.  Was Ulrich Beck 1985 noch die „Verwandlung der Außenursachen in Eigenschuld, von Systemproblemen in persönliches Versagen“ genannt hat, ist in der Tat von dem, was der Bielefelder Sozialwissenschaftler Wilhelm Heitmeyer heute „Nützlichkeitsrassismus“ nennt, nicht mehr weit entfernt. Und es ist das Wasser auf den Mühlen des kleinbürgerlichen Ressentiments, das der Biedermann Westerwelle nur allzu gerne zu bedienen scheint.

Schon hat die deutsche Medienlandschaft nach Henrico Frank mit Arno Dübel einen neuen Vorzeige-Hartz-IV-Empfänger, vorgeführt von Bildzeitung bis Kerner, an denen sich ein als Gerechtigkeitsempfinden verkleideter Klassenkampf von oben als neidgespeister, irrationaler Volkszorn entladen kann. Westerwelles Äußerungen von „spätrömischer Dekadenz“ und von der Verpflichtung zum „Schneeschippen“, untermauert von sachlich verflachten Bemerkungen zum Lohnabstandsgebot, sind wahrscheinlich ohnehin nicht viel mehr als ein Ablenkungsversuch von der Klientel-Steuerpolitik der FDP, doch leider scheinen diese teilweise zu verfangen: Bürger geben Westerwelle Recht. Dass Westerwelle damit auch latent Ausländerfeindlichkeit schürt, nimmt der „Liberale“ hiermit billigend in Kauf.

Dabei besetzt der Außenminister das vielleicht wichtigste gesellschaftspolitische Thema der Zeit, wenn er einen „völligen Neuanfang des Sozialstaats“ einfordert – leider nur in einem marktradikalen bis rechtspopulistischen Tonfall. Denn tatsächlich, so der hessische Sozialrichter Borchert, ist unser Sozialstaat alter Prägung gescheitert. Dieser diente bisher der Absicherung von Arbeitnehmern, die  innerhalb ihrer Erwerbsbiografie "verunfallt" sind. Doch der radikale Wandel der Arbeitsgesellschaft, die internationale Arbeitsteilung und der enorme Produktivitätsfortschritt haben nahezu alles verändert. Ein neuer Sozialstaat – und einen neuen braucht es, sonst werden wir den Sozialstaat und damit einen Kernbereich der politischen Legitimierung des Gemeinwesens verlieren – muss hingegen eine allen gemeinsame Grundlage schaffen ("garantistischer Sozialstaat" nennt dies der Sozialwissenschaftler Michael Opielka) und den Arbeitsbegriff neu definieren.

Es schlechterdings unmöglich, große Teile der Gesellschaft im System des alten Sozialstaats zu alimentieren – damit würden wir dem Sozialstaat seine Akzeptanz nehmen. 6,8 Millionen Hartz-IV-Empfänger und eine ständig steigende Sozialquote beschreiben eine Entwicklung, mit der sich eine finanzielle und legitimatorische Grenze des alten Systems abzeichnet. Auch eine weitere Ausweitung des Niedriglohnsektor, wie im Schröder-Blair-Papier von 1999 offen dargelegt der letzte Versuch einer konzeptionellen Lösung mit New Labour unter Rot-Grün („Teilzeitarbeit und geringfügige Arbeit sind besser als gar keine Arbeit“), ist selbstverständlich keine Antwort. Selbst die Einführung von Mindestlöhnen würde, wie das Beispiel Frankreich zeigt, wohl als alleinige Maßnahme nur zu einem Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit führen. Die Krise des Sozialstaats ist die Krise der Arbeitsgesellschaft schlechthin. Es geht also gar nicht um „Leistung, die sich lohnen muss“, um „Faulheit“, um die „soziale Hängematte“ oder um 50-jährige arbeitslose Landschaftsgärtner, die zum “Schneeschippen“ verpflichtet werden sollen – es geht um eine vollzogene, systeminterne Revolution unserer Arbeits- und Wirtschaftsweise, die zu „Systemproblemen“ (Ulrich Beck) geführt hat, an denen die „Politik“ augenblicklich zu scheitern droht.

Und so bemängelt Michael Jäger im Freitag zu Recht: „Wie schade, dass wir keine Opposition haben, die sich über das Projekt Grundeinkommen statt Steuersenkung einig ist. Sie hätte jetzt ihre große Stunde.“ Es wäre die Stunde der Grünen. Dass ausgerechnet, so die Financial Times Deutschland, von der „einzigen linken Partei, die den Übergang in die Dienstleistungsgesellschaft geschafft“ hat, immer noch nicht Satz: "Wir haben einen Fehler gemacht, und der heißt Hartz IV", zu vernehmen ist (bis auf wenige Ausnahmen), ist höchst bedauerlich und im Wesentlichen der strategischen Fehleinschätzung einer Person zu verdanken (Bütikofer 2007: "Ein Grundeinkommen für alle Bürger ist in der deutschen Parteienlandschaft nicht anschlussfähig"), die allerdings nicht das letzte Wort der Grünen sein muss. Es gibt bei den Grünen in der Parteibasis wahrscheinlich sogar eine Mehrheit für ein Grundeinkommen – und dies flügelübergreifend. Damit könnte sich die Partei von dem protestantischen und industriegesellschaftlichen Arbeitsethos der SPD, von der Staatszentriertheit der Linken, vom Konservativismus und Wachstumsdogma der CDU/CDU und von der marktradikalen Ideologie der Westerwelle-FDP konzeptionell absetzen und ihren Anspruch, progressive Kraft und Motor der Erneuerung in der Parteienlandschaft zu sein, wieder einlösen.

 Kann sich eine Republik neu erfinden? Sie wird es müssen. Wer nur auf die „Beschäftigungswirksamkeit des Wachstums“ und auf die überkommene Arbeitsgesellschaft setzt, spielt fortan mit der politischen Stabilität im Land und hat den Westerwelles im Grunde nichts mehr wirksam entgegenzusetzen. Allein der Ruf nach Gerechtigkeit genügt nicht, wenn administrative und finanzielle Grenzen erreicht sind und ursprünglich gut gemeinte Sozialpolitik längst zur zynischen Menschenverwaltung geworden ist. Wir brauchen heute eine Politik, die ihren Bürgern vertraut, statt die ohnehin Gebeutelten unter Generalverdacht zu stellen und ihnen auch noch hinterher zu schnüffeln. Und wir brauchen wieder Mut in der Politik, Mut für ein Projekt, das die uns allen gemeinsame Basis unseres Gemeinwesens erneuert. Wir brauchen soziale Bürgerrechte. Erst diese – für jeden und jeden bedingungslos garantiert – werden dafür sorgen, dass eine Arbeitswelt in Zukunft entstehen kann, in der so etwas wie Selbstbestimmung und Teilhabe für viele überhaupt erst wieder möglich wird. 

 
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Kommentare
Streifzug schrieb am 22.02.2010 um 14:29
Es schlechterdings unmöglich, große Teile der Gesellschaft im System des alten Sozialstaats zu alimentieren – damit würden wir dem Sozialstaat seine Akzeptanz nehmen.
...
Selbst die Einführung von Mindestlöhnen würde, wie das Beispiel Frankreich zeigt, wohl als alleinige Maßnahme nur zu einem Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit führen.
Na, diese beiden Sätze sind kaum ein tragfähiger Boden, um " soziale Bürgerrechte" darauf zu errichten.

Ich sehe die nächste Abrissbirne schon im Hintergrund.

Der momentane Hype um die Grünen ist eben solch ein Mediengag, wie die Verharmlosung der FDP vor der Wahl.

Bisher kann ich nur feststellen: Außen grün, innen machtgeil..
Robert Zion schrieb am 22.02.2010 um 14:34
Bitte genau lesen! Ansonsten schlage ich vor, einen eigenen Blog aufzumachen: "Über die prinzipielle Verkommenheit aller Grünen". Ich finde dieses permanente Gehetze bei allen meinen Beiträgen allmählich unterirdisch und dieser Zeitung nicht würdig.
Streifzug schrieb am 22.02.2010 um 14:52
Hallo Robert Zion,

1. Ich lese genau
2. Von Verkommenheit ist nicht die Rede
3. Gehetze ist ein unterirdischer Begriff in dem Zusammenhang.
4. Nicht würdig ist recht herrschaftlich

Sie schreiben, wie es sich darstellt, nicht als Privatperson, sondern als Grünen-Politiker.

Ich finde es, lieb formuliert, scheinheilig, sich als einzelner Politiker hinter großartigen, völlig unrealistischen Pamphleten zu verstecken, während die Partei aus Machtkalkül, man denke nur mal an die Bundesländer, entgegengesetzt handelt und entscheidet.

Das ist mir zu billig. Ich habe schon gesagt, was ich mir alternativ besser vorstellen kann: einfach mal eine Kleinigkeit davon konkret umsetzen.

Dann klappt es auch besser mit dem Wähler.
Streifzug schrieb am 22.02.2010 um 15:10
Nur, damit es klar ist: das betrifft nicht nur die Grünen.

Auf Polit-Märchenonkel, die großartige Gute-Nacht-Geschichten erzählen, welche aber beim ersten kleinen Gegenwind von den eigenen Leuten eingestampft werden, kann ich dankend verzichten.
SiebzehnterJuni schrieb am 22.02.2010 um 15:11
Warum keine anderen Themen? Der Autor geht doch dadurch, dass er den Sozialstaat auch jetzt zum Thema macht, genau auf die Strategie von Westerwelle ein.
Hilfreich wäre es für mich, mal einen nachvollziehbaren und mit harten Fakten untermauerten Versuch zu lesen, das Urteil des Bundesverfassungsgerichts Buchstaben für Buchstaben beispielhaft umzusetzen.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 22.02.2010 um 16:18
Wenn der Westerwelle doch nur wenigsten ein einziges Mal soviel Aufmerksamkeit in seinem eigentlichen Job als Chefdiplomat erzielen würde, bräuchte der "Streifzug" nicht so zutreffende Kommentare schreiben.

"Internationale Arbeitsteilung" nennt sich nun die Ausnutzung eines chinesischen Arbeiters. Wenn wir erst einmal so viele Arbeitslose hier haben die nicht einmal das Geld aufbringen um das chinesische Bruttosozialprodukt aufzupeppen, kommen die Arbeitsplätze auch wieder zurück. Dann erhalten Arbeiter in Europa gleich hohe Gehälter wie ihre Kollegen in China.

Und dann immer dieses Beispiel mit Mindestlohn und Jugendarbeitslosikeit in Frankreich..., nur weil das 'mal ein paar Liberale im Wahlkampf behauptet haben muss doch nicht jede Unwahrheit nachgeplappert werden. Die Jugendarbeitslosikeit in Frankreich hat ganz andere Gründe als den Mindestlohn!
Achtermann schrieb am 22.02.2010 um 17:37
So einfach scheint Politik zu gehen, indem man bspw. behauptet: „Es schlechterdings unmöglich, große Teile der Gesellschaft im System des alten Sozialstaats zu alimentieren – damit würden wir dem Sozialstaat seine Akzeptanz nehmen.“ Die Prämisse steht, die Prämisse soll (darf) nicht mehr hinterfragt werden. Denn: Politiker gucken immer nach vorne. Politiker sind vorausschauend.

Was die ehemalige regierende Partei angerichtet hat, um den Sozialstaat zu zerstören, bleibt ausgeblendet. Es ist nun mal so, auch wenn sich der Grünen-Politiker hier erregt und den Versuch unternimmt, höchstens auf Kniehöhe einen Blogger zurechtzuweisen, diese verbalen Versatzstücke, diese Wahlparolen („Und wir brauchen wieder Mut in der Politik, Mut für ein Projekt, das die uns allen gemeinsame Basis unseres Gemeinwesens erneuert.“) sind nicht mehr zu ertragen.
Angelia schrieb am 22.02.2010 um 22:13
Politische Stabilität verspielt man, m.E. wenn man auf dem Boden von Utopien ein System gegen ein anderes "einfach" austauschen will. Und nichts anderes lese ich hier. Da wird der "Sozialstaat" als erledigt angesehen, ohne zu prüfen ob das tatsächlich so ist und wenn ja warum das so ist. Man müsste sich vielleicht einfach mal die Verteilung des Kapitals und der Einkommen ansehen, die Verteilung der Macht und Einflussmöglichkeiten. Es wird niemals das eine ideale System geben. Man wir immer für Gerechtigkeit, Freiheit und Demokratie kämpfen müssen. Und damit mein Kommentar nicht nur pathetisch bleibt hier mal ein paar Daten und Zahlen, um von Utopien und Untergangsszenarien wieder in die Realität einzutauchen.

www.jjahnke.net/armut.html
SiebzehnterJuni schrieb am 22.02.2010 um 22:32
Angelia, danke für Deine Worte, Deine Sprache, Deinen Stil und den überzeugenden LINK. friedrich
Fro schrieb am 23.02.2010 um 02:04
„Und wir brauchen wieder Mut in der Politik“

Das ist ein schöner Satz, den sich jeder Politiker und der der es werden will an seinen Spiegel heften sollte. Und dann gibt es natürlich noch die Frage für welche Politik?

Angelia hat es angesprochen. Es geht um Verteilungsgerechtigkeit. Es ist auffällig, dass die Grünen und die SPD eines der Grundübel dieser Zeit nicht mit der angemessenen Dringlichkeit thematisieren.
Da fehlt ihnen leider der Mut.

„wenn administrative und finanzielle Grenzen erreicht sind“

Ob diese Grenzen erreicht sind, ist abhängig davon, wie mutig man denkt und wie bereit man ist, dafür zu streiten.

Die Position zum Mindestlohn finde ich ehrlich gesagt katastrophal.
Mindestlohn ist für mich auch eine Notmaßnahme gegen das Abrutschen der mittleren Einkommen. Ohne Kaufkraft geht es hier noch beschleunigter den Bach runter!

Wo ich Robert Zion aber unterstützen würde ist, dass eine ganz andere Denke einkehren muss, die mit der Thematisierung des Grundeinkommens befördert werden kann und die letztlich auch zu deren Einführung führen sollte.
Man muss einfach locker konstatieren, dass immer weniger Arbeit anfällt. Ein Grund ist die Übernahme der Arbeit, durch immer raffiniertere Maschinen, Roboter und Computertechnologie. Aber das heißt ja nicht, dass die Produktivität und die Unternehmenserlöse sinken – im Gegenteil. Als Normalbürger und ehemals langjährig abhängig Beschäftigter würde ich sagen: Mehr Lohn oder weniger Arbeitszeit – d.h. eine breitere Verteilung dieser.
Trotzdem werden viele keinen bezahlten Job finden. Daher empfinde ich es als vollkommenen Irrsinn, Arbeitslose zu zwingen sich um Jobs zu bemühen, die es gar nicht gibt. Das ist die Stunde des Grundeinkommens - ca 900-1000€.
carlfatal schrieb am 23.02.2010 um 03:11
Diese Grundeinkommen stelle ich mir ja prächtig vor, vor allem, wenn es heißt: "Es schlechterdings unmöglich, große Teile der Gesellschaft im System des alten Sozialstaats zu alimentieren – damit würden wir dem Sozialstaat seine Akzeptanz nehmen." dahinter steckt doch wie bei den meisten, die nach Grundeinkommen schreien, der heimliche Wunsch nach Abschaffung von Löhnen ohne jedoch etwas an den ausbeuterischen Verhältnissen ändern zu müssen oder zu wollen. Eine Grundversorgung mit der eventuellen Chance, sich noch was dazuzuverdienen, für die meisten dann wohl eher eine Art Taschengeld, ist nichts anderes als ein Abschied von der Politik, eine Wiedereinführung der Sklaverei durch die Hintertür.
Teilhabe heißt die Forderung, nicht Brosamen!
melchi schrieb am 23.02.2010 um 13:40
Was das Niveau und vor allem den Ton der Kritik angeht, muss ich Robert Zion doch teilweise Recht geben. Hier scheint das Ressentiment vom Grünen als neureicher Müslifresser doch arg ausgeprägt zu sein. Sicher kann und muss man die Politik der Grünen kritisieren, und natürlich ist der Spruch von Renate Künast zum "ausgeprägten Machtinstinkt" der Grünen erstens symptomatisch und zweitens mehr als fragwürdig. Das wird aber auch von Robert Zion kritisiert und mitnichten ausgeblendet, wie Achtermann behauptet.
Wie sollte man sich denn korrekterweise verhalten? Aus der grünen Partei austreten, anstatt zu versuchen, die eigene Position, die noch die einer Minderheit sein mag, zur Mehrheitsfähigkeit zu verhelfen? Lieber gänzlich die Klappe halten oder sich spökenkiekerhaft in Details verzetteln, wie Angelia und SiebzehnterJuni vorschlagen? Das Karlsruher Urteil umsetzen und dann ist gut? Auch wenn dann die Spitzel vom Amt anrücken und Unterhosen nachzählen, um den tatsächlichen Bedarf zu ermitteln? Bitteschön keine Utopien mehr artikulieren? Ja, Utopien und Visionen sind ja auch Gift für die Linke. Warum ist das bedingungslose Grundeinkommen eigentlich so utopisch? Das wird hier nirgends begründet. Und noch ein Wort zu carlfatal: Deiner Ansicht nach wäre es also auch in Ordnung, wenn man vormittags Löcher buddelt und sie nachmittags wieder zuschippt, solange man nur einen ordentlichen Lohn dafür bekommt. Sinnvolle, erfüllende Arbeit stelle ich mir anders vor. Übrigens auch anders als am Fließband zu stehen (oder am Computer zu sitzen) und Autos zu bauen, die keiner braucht. Ein Grundeinkommen würde jedem erst die Freiheit geben, so etwas ablehnen zu können. Das ist das Gegenteil von Sklaverei.
Etwas mehr inhaltliche Auseinandersetzung und Mäßigung im Ton kann man, denke ich, schon verlangen.

Noch zwei Links zur gegenwärtigen und zukünftigen Arbeits- und Wirtschaftsordnung:
www.brandeins.de/aktuelle-ausgabe/artikel/an-die-arbeit.html
www.monde-diplomatique.de/pm/2009/07/10.mondeText1.artikel,a0055.idx,12
Fro schrieb am 23.02.2010 um 16:46
@melchi
Ja, der Arme bekommt den ganzen Frust über die Schröder /Fischer-Politik und den Kurs auf Schwarz/Grün ab. Die Grünen haben noch ein gutes Potenzial – das sollte gefordert werden. Ich hoffe er schreibt hier weiter mutig seine Beiträge und nimmt die Kritik auch als Anregung.
carlfatal schrieb am 24.02.2010 um 01:43
Mir ging es beileibe nicht darum, irgendeine Partei für ihre Politik in der Vergangenheit zur Rechenschaft zu ziehen, nicht einmal für die der Gegenwart: es machte ja auch keinen Sinn, aber wenn sich jemand gleich so aufregt, hab´ ich wohl getroffen, und nicht bloß ich.;)

Aber jetzt mal ganz im Ernst: ich hab´ nie nix von Löcher buddeln geschrieben oder gar gesagt. Ich kann allerdings aus eigener Erfahrung von sowas reden, ich hab´ lauter Jobs gemacht, die niemand braucht außer einer total auf Konsum getrimmten Gesellschaft und einer Wirtschaft, der Profit zum Gott geraten ist. Es gibt diese Sorte "Arbeit" zur Genüge, ganze Industrien, die nichts anderes machen als eingeredete Bedürfnisse zu stillen. Der Großteil der tatsächlich wichtigen Arbeit, ob es Produktion, Landwirtschaft oder Dienstleistungen betrifft, wird längst weitgehend maschinell betrieben. Also bleibr jede Menge Arbeitskraft übrig, die genutzt werden muß, weil sie auch mit Schrott noch Profit bringt. Und genau da schließt sich der Kreis zum Niedriglohn, Mindestlohn und Grundeinkommen.
martin77 schrieb am 25.02.2010 um 13:25
Genau, carlfatal, um Teilhabe geht es bei den Grundeinkommensmodellen, die den vier Grundsätzen des Netzwerks Grundeinkommen (www.grundeinkommen.de/die-idee) entsprechen. Also genau das Ansinnen, das Dir/Ihnen vorschwebt.

Bei genauer Auseinandersetzung mit dem Thema wird klar, das weder ein bGE, noch ein Mindestlohn als alleinige Massnahme unsere derzeitigen Verhältnisse entscheidend verändern können. Aber deswegen ist die Forderung dsessen noch lange nicht falsch oder gar illusorisch. Es geht um die Umgestaltung des Sozialstaats zu Beginn des 21.Jhd. mit revolutionären Ideen, die ähnliche starke Umwälzungen und eben auch Fortschritt in positivem Sinne wie die Bismarckschen Sozialgesetze hätten. In der Tat muss man ganz genau hinschauen, um welche Modelle es geht. Und ja, es besteht die Gefahr, dass die Idee, die derzeit eine immer breitere Berichterstattung und auch Zustimmung erfährt, irgendwann von Neoliberalen (siehe hierzu den gestrigen Artikel von Thomas Straubhaar auf spiegel.de) vereinnahmt wird und Gefahren die Du siehst durchaus da sind. Trotzdem nochmal: Die Idee unter richtigen Bedingungen ist bestechend. Deshalb, beschäftigt Euch genauer mit den verschiedenen Modellen. Es ist an der Zeit.

Zu Robert Zion: Er hat einfach in Vielem recht, was er sagt, auch wenn er Mitglied der Grünen ist. Seine Beiträge in verschiedenen Medien kann ich jedenfalls alle gutheissen, bzw. bereichern mich. Allein in wenigen Sätzen deutlich auszusprechen, was Westerwelle treibt ist richtig und wichtig. Bei den Grünen scheint er zu einem Kreis von Leuten zu gehören (siehe z.B. auch Wolfgang Strengmann-Kuhn), die mit wehenden Fahnen für die richtigen Ideen, wie eben bGE oder eine Bürgerversicherung kämpfen und versuchen, eben die Linie der Grünen, die hier berechtigterweise von Dir und anderen beklagt wird (Stichwort: Machtgeilheit) versuchen mit innerparteilichen Diskussionen zu bekämpfen.
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