Auch auf die Gefahr hin, dass man meine Worte für pietätlos hält. Bestimmte Fragen lassen mich nicht mehr los: Ist irgendwer darauf vorbereitet, dass die Meiler in Fukushima doch noch hoch gehen – jetzt, da das mit dem Meerwasser offenbar nicht funktioniert? (Salzkrustenbildung sperrt Kühlwirkung!)
Tagt irgendwo in Europa/in Deutschland die Ethik-Kommission? Oder wartet man hübsch brav, bis alles explodiert? Sicher: Wir müssen jede Panik vermeiden. Doch was machen die Japaner mit ihren Strahlenopfern, was die Auslandsflughäfen mit verstrahlten Einreisenden. Wird im Ernstfall eher würdelos der Geigerzähler in Stellung gebracht – vielleicht im Gegenverkehr zu den Körperscannern, und wie verfährt man mit denen, die kontaminiert sind? Verhängen wir Einreisesperren, werden japanische Waren boykottiert, und wenn ja: welche? Welches sind überhaupt die zulässigen Strahlungs-Höchstwerte für Importprodukte unterschiedlicher Art, und wie kontaminiert ein Mensch einen Menschen?
Wo bitte begraben die Japaner ihre Strahlenopfer? Im nuklearen Zwischenlager, oder einfach in verstrahltem Gelände, dort, wo sie von den Angehörigen gar nicht oder nur in Schutzanzügen besucht werden dürfen. Was trinken Menschen in einer Stadt wie Tokio, wenn das Trinkwasser stärker als bisher verseucht wird? Was essen sie, wenn Lebensmittel beargwöhnt und knapp werden? Wie lange noch werden die zerstörten Anlagen von Fukushima kontaminierte Stoffe ausstoßen − für den Fall, dass es gelingt, den Gau zu verhindern, aber auch für den Fall, dass der Gau stattfindet. Auf welche Strahlenwerte muss man dann gefasst sein – in unmittelbarer Nähe der Anlagen, im Umkreis von 30 …. 80 km, in Tokio, in Osaka, in Fukuoka?
Welcher der verantwortlichen TEPCO-Manager, welcher Verantwortliche der Regierung haben sich in den vergangenen Tagen in die Nähe der zerstörten Reaktoren begeben? Wer ist dafür verantwortlich, dass einige der Liquidatoren stundenlang mit ihren Füßen in Abklingbecken eines der Reaktorblöcke stehen? Wie kann es sein, dass man die für Menschen zulässige Strahlendosis einfach nach oben korrigiert, nur, um die Liquidatoren länger in die Verstrahlung schicken zu können? Werden die Verantwortlichen von TEPCO wie Verbrecher behandelt und lebenslang in einem der Reaktoren angekettet? Kommt der, der den Löschkommandos bei Verweigerung ihres Dienstes mit Strafe gedroht hat, lebenslang ins Zuchthaus. Muss die gesamte japanische Regierung zurücktreten und der Ministerpräsident in Haft. Müssen sämtliche zuständigen Verantwortlichen der japanischen Atomkontrollbehörde wegen Bestechlichkeit und Verletzung der Sorgfaltspflicht einsitzen?
Wie ist es möglich, dass Frau Merkel uns Deutschen kaltschnäuzig ein Moratorium unterjubelt, das sich jetzt als reiner Wahlkampfkatalysator für die CDU entpuppt? („Fauxpas“ Brüderle!)Kann man dieser Kanzlerin, die pausenlos als Sprachrohr der deutschen Finanzoligarchie und deutscher Wirtschaftsbosse unterwegs ist und uns jetzt noch billig hinters Licht zu führen versucht, auch nur einen weiteren Tag Regierungszeit zubilligen? Wie ist es möglich, dass EU-Kommissar Günther Oettinger in seinem Wahlkreis vollmundig verkündet, dass es in Deutschland nie ernsthafte KKW-Vorfälle gegeben habe? Wo es doch Mitte der 1980er Jahre in Biblis beinahe zur Kernschmelze gekommen wäre.
(.; ) Die deutschen AKWs sollen die sichersten sein. Das beten inzwischen auch die Betriebsrats- und Gewerkschaftsvertreter der in Kernkraftwerken Beschäftigten nach. Weil es nicht genügend Aufklärung, Bereitschaft zur Abwägung und alternative Arbeitsangebote gibt. www.daserste.de/doku/beitrag_dyn~uid,nkg87dmzb2yaxwho~cm.aspwww.spd-beerfelden.de/index.php?nr=11681&;;menu=1
Wo bitte gibt es federnd und in Etagen gelagerte Notstrom- und Kühlsysteme mit jeweils zwei bis drei Bypässen? Wo eine (endlos lieferbereite) Diesel-Standleitung für Notstrom- Aggregate? Wo gegen Terrorakte geschützte Zwischenlager für ausgediente Brennelemente? Wo regelmäßige Schweißnahtkontrollen für Schutzbehälter und prophylaktischen Austausch von kontaminierten Ausrüstungen?Etc. etc. etc. etc. etc.
Dr.-Ing. Ulrich Scharfenorth, Ratingen