Scharfenorth

unangepasst

12.10.2010 | 23:43

Guttenberg ... runter vom Laufsteg!

Wieder einmal wird in einer großen überregionalen Zeitung der deutsche Adel aufgewärmt ("DIE ZEIT", 7. Oktober 2010). Offenbar, weil zu Guttenberg neuerlich glänzte – glänzte … in den Augen derer, die auf gutes Aussehen, perfekte Wortwahl, Gutangezogenheit und höfische Manieren abfahren. Ansonsten – meine ich – hält der Mann doch nur Trauerreden. Dies zweifellos mit dem richtigen Timbre in der Stimme. Möglich, dass ihn die lackierten Äußerlichkeiten in der Beliebtheitsskala (narrisch, närrisch!) ständig auf Platz 1 fixieren. Oder hat das damit zu tun, dass ihn die Reporter jüngst auf dem Rad (also umweltfreundlich) erwischten und er dann noch Zeit hatte, seine Texte zu deutscher Kultur und Integration abzulassen ("Rheinische Post", 9. Oktober 2010). Nun, wir wissen das nicht. Spätestens dann aber, wenn er morgen, oder sagen wir, übermorgen und über-über-morgen und über-über-über-morgen wieder mit seiner Frau in allen Zeitungen posiert, also ... fast gleichauf mit Lena, Klum und Poot die Druckseiten dicht macht, könnte der stete Tropfen auch uns den Keks weich machen. Enzephalomalazie nennt man das – glaube ich – oder? Ganz Recht, Guttenberg sollte besser gegen die joystickgesteuerten Drohnen protestieren – jene verbrecherischen Spielzeuge, die zwischen 2004 und September 2010 vermutlich zwischen 1171 und 1799 Menschen in Pakistan getötet haben. Der Anteil der Zivilisten wird mit ca. 30 % beziffert („DIE ZEIT“, 7. Oktober 2010). Sämtliche Zahlen sind vermutlich frisiert. Weil niemand zugeben würde, noch mehr Menschen, noch mehr Unbeteiligte ermordet zu haben. Doch was ebenso schwer wiegt, ist der Tenor, mit dem die völkerrechtswidrig eingesetzte Waffe in einigen deutschen Zeitungen bewundert wird.

Dr.-Ing. Ulrich Scharfenorth, Ratingen

www.stoerfall-zukunft.de

 
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Kommentare
Joachim Petrick schrieb am 13.10.2010 um 02:10
"Ganz Recht, Guttenberg sollte besser gegen die joystickgesteuerten Drohnen protestieren – jene verbrecherischen Spielzeuge, die zwischen 2004 und September 2010 vermutlich zwischen 1171 und 1799 Menschen in Pakistan getötet haben. Der Anteil der Zivilisten wird mit ca. 30 % beziffert („DIE ZEIT“, 7. Oktober 2010). Sämtliche Zahlen sind vermutlich frisiert. Weil niemand zugeben würde, noch mehr Menschen, noch mehr Unbeteiligte ermordet zu haben. Doch was ebenso schwer wiegt, ist der Tenor, mit dem die völkerrechtswidrig eingesetzte Waffe in einigen deutschen Zeitungen bewundert wird."

Danke für die klare Ansage.

tschüss
JP
Alien59 schrieb am 13.10.2010 um 07:51
Schließe mich an. Das kann gar nicht oft und laut genug gesagt werden.
corvinplutarco schrieb am 13.10.2010 um 02:28
Zu Guttenbergs Auftreten:
Er versteht halt, dass Kleider Leute machen und dass dies eben auch wichtig für die öffentliche Wahrnehmung ist.

Zu den Aufgabenbereichen des Ministers:
Ich weiß nicht, wie viele der Dinge, die ein Minister beschäftigt, tatsächlich auch aus seinem Geiste kommen (oder nicht kommen). O sea: Es gibt sicherlich Vetreter vieler Interessen in seinem Ministerium, die alle berücksichtigt sein wollen/müssen. Das rettet ihn natürlich nicht davor, dass er die Möglichkeiten hätte, Dinge zu bewegen. Aber das erschwert es mit Sicherheit.
hibou schrieb am 13.10.2010 um 07:38
Zu den sogenannten "Drohnen" (die Drohnen im Tierreiche sind ja recht faule Patrone - gell, ehm, Namenverschweig) sollten wir dringend weiter gedankliches Material sammeln. Sie bilden einen recht grossen Schritt auf dem Weg zum "Krieg ohne Opfer" (auf Seiten der Angreifer).
Scharfenorth
Geb. am 1. Oktober 1941 in Lehnitz. Von 1964-1990 Technologe, Forscher und Gutachter fuer die DDR-Stahlindustrie. 1970 Promotion zum Dr.-Ing. Ab 1990 Journalist und Autor in Duesseldorf und Ratingen. Sachbuch:"Stoerfall Zukunft - SchlussFolgerungen fuer einen moeglichen Anfang" (12/2008)
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