Dass sich seit Tagen nur 50 Menschen darum bemühen/bemühen müssen, die entfesselten Reaktoren von Fukushima zu bändigen, ist verordneter Mord oder bewusster Selbstmord. In Tschernobyl sollen die Sowjets ab 1986 mehr als 500.000 Liquidatoren an die "Front" kommandiert haben, die ohne besondere Rücksicht auf ihren Zustand/ihre Gesundheit die Auswirkungen des Gaus auf ganz Europa in Grenzen hielten. Erst heute, am 17. März 2011, gibt es zu Fukushima einen Krisenstab, der auch Mitglieder außerhalb des Betreibers TEPCO umfasst. In großen Teilen der vom Tsunami heimgesuchten Krisengebieten fehlt bis heute – also fast eine Woche nach dem Erdbeben der Stärke 8,9 – schweres Räumgerät.
Fazit: Käme es in einer Demokratie zu einem Unglück von japanischem Ausmaß, dann wäre nicht nur die Bevölkerung des betroffenen Landes, sondern auch die der angrenzender Länder stärker gefährdet als wenn der Gau im Hoheitsbereich einer Diktatur stattfände. Schlussfolgerung: Die Vorsichtsmaßnahmen und Sicherheitsbestimmungen müssen in demokratisch regierten Ländern, in denen es unmöglich ist, den Menschen die eigene Verstrahlung zu befehlen, sehr viel strikter gehandhabt werden als in Diktaturen. Ich persönlich glaube, dass wir auch in Europa/Deutschland keinerlei Möglichkeit hätten, einem Super-Gau zu begenen.
Was tut ein Mensch, der seine Familie verloren hat, sein Haus, ja nicht einmal die Straße, in der er wohnte, wiederfindet, zwei Tage lang nach Wasser anstehen muss, im Dekontaminierungs-Camp seine Kleidung verliert, kein betriebsfähiges Handy zur Verfügung hat, aus Sicherheitsgründen das ihm zugewiesene Sammellager nicht verlassen darf und dann bei plötzlichem Aufkommen "geballter" Strahlung wegen fehlender Transportmittel nicht evakuiert werden kann.
Dr. Ulrich Scharfenorth, Ratingen