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Dass Samuel Koch heute schwer verletzt im Koma liegt, ist nicht nur persönlichen Leichtsinn, sondern vor allem den falschen Ambitionen des Veranstalters geschuldet. Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht! Entertainer Thomas Gottsachalk hat sein „Wetten, dass ..?“ über die Jahre zunehmend brutalisiert – offenbar, um der Konkurrenz des privaten Fernsehens Paroli zu bieten („Rheinische Post“, 6. Dezember 2010). Möglich, dass er dabei auch vom Management des ZDF mit Blick auf die Quote drangsaliert wurde. Nötig hatte das der Multimillionär Gottschalk sicher nicht, und natürlich heißt es jetzt aus ZDF-Kreisen, dass man die Risikoschwelle künftig anheben müsse.

Das Ganzeist – mit Verlaub gesprochen – nur ekelhaft. Die Medien profitieren – wie eh und je – mit Beiträgen und Auflagen, die die normale Berichterstattung nie hergegeben hätte. Politiker und Reporter vergießen Krokodilstränen, wohl wissend, dass schon morgen alles over und eine neue Kick-Show angesagt ist. Das allseits gepowerte „Ich will alles und zwar sofort“ fordert diese Leichtleb-Vergesslichkeit geradezu heraus. In einer Gesellschaft, die von Wachstumszwang und Exzess lebt, die ihre Basis wie eh und je im tumben Gier- und Gaffermechanismus von Spekulanten und RTL-Glotzern findet, müssen uns die Stürze in noch mehr Konsum und falsches Wuchern nicht wundern. Gäbe es öffentliche Hinrichtungen, sie würden – ähnlich wie im 16. Jahrhundert – begeistert besucht. Die Mächtigen dieser Welt und ihre Schausteller haben es stets verstanden, an die niederen Instinkte des Menschen zu appellieren und damit Proteste gegen Misshelliges abgewiegelt. Die Spiele von „Brot und Spiele“ sind auch heute voll cool – ganz gleich, ob im Dschungel-Camp, beim Wettfressen, bei Totschlägen im Boxring, bei Skimeisterschaften im Sommer oder den Reifenqualm-Rennen im Fußballstadion. Wer genauer hinschaut, weiß schon: Wer gegen wen? Gottschalks Sprungeskapaden gegen das fiese Sparpaket, gegen Elterngeldkürzung, die Streichung von Zuschüssen für Heizkosten und Rentenversicherung bei Hartz-IV-Empfängern. Immer mal vor die Köpfe gedonnert. Immer mal hurra schreien, um sich nicht besinnen zu müssen. Ganz klar: Enthemmung und Verdummung werden heute subtiler praktiziert, ja auch bunter verpackt. Wir empören uns (zu Recht) über die shariagesteuerten Steinigungen und das Abhacken von Händen. Sehr viel weiter im Denken und Empfinden sind wir auch nicht.

Alles Gute für Samuel Koch !

Dr. Ulrich Scharfenorth, Ratingen

www.stoerfall-zukunft.de

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