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Kultur : Und die Musik spielt fröhlich weiter

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Nix dagegen, dass Leute Spaß haben und tanzen wollen. Veranstaltungen wie die „Love-Parade“ sind dafür m. E. denkbar ungeeignet, weil ihre Dimensionen jedes vernünftige Maß sprengen und jederzeit Eskalationen auslösen können. Man mag mir jetzt vorwerfen, das ich ein Rave-oder Techno-Muffel bin und erklären wollen, dass diese Musik erst in diesen Ausmaßen voll Sinn macht. Stimmt: Ich habe keinen Bock auf Rave und Techno, weil mir beides extrem einfallslos und monoton vorkommt. Aber da sind andere Leute vehement anderer Meinung – ich weiß.

Menschenmassen wie die, die zu „Love-Parades“ zusammen kommen, irritieren mich. Als das Ganze begann und noch eine politische Botschaft hatte, war ich begeistert. Doch der Sinn der Zusammenkunft verlor sich im Nebel der Spaßgesellschaft. Im Berliner Tiergarten wurde bereits hemmingslos gesoffen, gekifft und rumgesext. Darüber hinaus wurden ganze Areale tot-uriniert. Ob das heute anders ist, weiß ich nicht. Auf jeden Fall ist die Love-Parade zu einer gigantischen Geldmaschine geworden, die keiner so schnell stillsetzt – auch dann nicht, wenn, wie heute viele Tote und Verletzte zu beklagen sind. Man macht dann einfach weiter und begründet die Fühllosigkeit damit, dass man weitere Paniken vermeiden wollte. Für wie dumm hält man uns Bürger eigentlich, und wer steht morgen für die Ursachen des Desasters gerade?

Gewiss: Einige Soziologen sehen in der musikalischen Vermassung aufkommende Geborgenheit, die Möglichkeit sich selbst zu leben und darzustellen und das Ereignis als erinnerbaren Mosaikstein für die Biographie abzuspeichern. Dagegen ist nichts einzuwenden. Immerhin ist Spaß besser als Aggression. Auch die Feststellung des Bamberger Sozialforschers Gerhard Schultze, hier ginge es um „Ereignis-Authismus“ – eine intelligente Form von Idiotie („Rheinische Post“, 24. Juli 2010), sollte niemanden zur Arroganz verleiten. Geschmack und Erwartungshaltungen sind eben verschieden, und das ist gut so.

Dennoch plädiere für eine klare Beschränkung der Besucherzahlen bei solchen Parties und eine umfassende Sicherheitsprüfung bei der Auswahl der Veranstaltungsorte. Die 1,2 bis 1,5 Millionen Besucher der letzten Jahre darf es nicht mehr geben. Schon für 300.000 Menschen – wir sahen sie jüngst auf den Fanmeilen der Fußball-WM – ist das Sicherheitsproblem kaum zu lösen. Man denke nur an Unruhen, die durch Brände, bewaffnete Auseinandersetzungenoder Attentate ausgelöst werden könnten.

Ulrich Scharfenorth, Ratingen

www.stoerfall-zukunft.de

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