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Bevor Sie morgen kurz vor Ladenschluss Ihrem letzten Geschenk nachjagen, sollten Sie kurz nachdenken. Einmal darüber, ob sie die von Meinungsforschungsinstituten in die Welt gesetzte Weihnachts-Kauf-Quote von rd. 240 € pro Person erfüllen wollen oder nicht, ob diese Quote kommuniziert wurde, um arme Leute zu einem neuen, verhängnisvollen Kreditklimmzug zu ermuntern (nach dem Motto: na wenn das so stimmt, muss ich wohl mithalten). Zum anderen aber sollten Sie kurz prüfen, ob das ins Auge gefasste Geschenk sinnvoll oder sinnlos – und sich auf keinen Fall vom schönen Schein blenden lassen. Der nämlich lauert – aus gutem Grund – überall.
Der Kapitalismus nämlich kann ohne Wachstum nicht existieren. Und so trachten seine Protagonisten ständig danach, eben dieses Wachstum zu generieren. In hoch entwickelten Ländern mit stabiler, gut entwickelter Infrastruktur und hohem Lebensstandard wird es zunehmend schwerer, dieses Ziel zu erreichen. Produzenten und Dienstleister müssen Bedürfnisse für Produkte und Leistungen wecken, die im Grunde nicht gebraucht werden, alles tun, um den fortwährenden Austausch von Bauwerken, Transportmittteln, Gebrauchsgütern etc. durch jeweils neuere – noch vor Ablauf der jeweiligen Lebenszyklen - auf Laufen zu halten und einen immer radikaleren Exportkurs steuern. Darüber haben sie einen weiteren fiesen Trend losgetreten, nämlich den, Produkte so zu konzipieren, dass sie nach vorgegebener Nutzungszeit (möglichst kurz nach Ablauf der Gararantiefrist) das Zeitliche segnen. So gibt es beispielsweise Scanner an Druckern, die ihren „Wirt“ nach definierter Blattzahl tot melden oder PCs mit bewusst schwach ausgelegten Akkus und Platinen, die irgendwann abrauchen. Reparaturen lohnen dann nicht. Oft sind sie teurer als ein neues Gerät („taz“, 10./ 11. Dezember 2011).
Extreme Strategien zielen darüber hinaus auf die Zerstörung des Bestehenden jenseits der eigenen Grenzen – meist in politisch missliebigen rohstoffreichen Ländern, die – erfolgreich zerbombt – zu Waren – und Dienstleistungsimporteuren erniedrigt werden. Und dann mit Rohstoffen zu oft aufdiktierten Preisen bezahlen.
All dieser Wachstumswahn setzt eine hemmungslose Verschwendungsmentalität voraus, die in unserer Wegwerfgesellschaft täglich neu zelebriert wird. Alle halbe Jahre ein neues Handy, iPad, eine neue Play-Station, ständig neue und größere Fernseher und PKW , neue Glitzerpaläste anstelle von Häusern, die noch vor dreißig Jahren als dauerhaft, schön und wegweisend gepriesen wurden. Kapitalismus braucht das – dieses Produzieren und Wachsen auf Teufel komm raus. Und so steht er unserem Bestreben nach einer umweltverträglichen, nachhaltigen Welt mit immer hemmungsloserem Ressourcenverbrauch und beispielloser Umweltvernichtung (unzulässige Emissionen, Rodungen, Ackerland-Degradierungen, Deponiebelastungen etc.) diametreal entgegen. Da fragt man sich, ob es ausreicht, wenn sich Menschen auf Online-Plattformen zusammentun, um gegen geplante Obsoleszenz (Kaufen für die Müllhalde) vorzugehen. Ob Petitionen gegen die Marktstrategien von Konzernen (ebenso "taz") einen Sinnenswandel erzeugen können. Wichtig ist beides – daran besteht kein Zweifel. Doch reicht das, um dem manifesten Wachstumszwang wirklich zu begegnen?
Dr. Ulrich Scharfenorth, Ratingen
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"Ob Petitionen gegen die Marktstrategien von Konzernen (ebenso "taz") einen Sinnenswandel erzeugen können. Wichtig ist beides – daran besteht kein Zweifel. Doch reicht das, um dem manifesten Wachstumszwang wirklich zu begegnen?"
Die praktische Antwort hab ich heute erlebt - 1 h im Kulturkaufhaus Dussamnn (Berlin) war anstrengender als 8 h Arbeit. Das Haus war voller Menschen, die Kassen beinahe überfordert. Okay, alles Kultur. Mit der Straßenbahn über den Alexanderplatz - große "Konsumentendemo". Man muss den Tatsachen einfach ins Auge sehen - mindesten 90 % der Menschen unterstützen als Konsumenten die Marktstrategien der Konzerne. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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