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Für alle, denen der gestrige Israel-Beitrag zu unpolitisch war, hier ein Bilderrätsel. Was sehen Sie auf dem ersten Bild? (Nicht nach unten spicken!)

Schauen Sie nochmals genauer hin:

Sehen Sie es jetzt?
Fast alle Boote sind beflaggt mit "Free Gilad".

Das ist der junge israelische Soldat, der am 25. Juni 2006 von einer Einheit der Essedin al Kassam Brigaden, dem bewaffneten Flügel der Hamas, aus israelischem Gebiet in den Gazastreifen hinein entführt wurde. Zwar gab es später ein Lebenszeichen, aber der Zustand von Gilad Schalit ist letztlich unbekannt.
Auf Nachfrage wird mir bestätigt, dass Gilad in der Bevölkerung tatsächlich ein großes Thema darstellt und nicht nur eine Art Symbol ist.
Was die Außenwirkung anbelangt, so dürfte die Hamas den Medienkrieg gegen Israel um Gilad Schalit - im Gegensatz zum Thema Gazakrieg 2008/09 - verlieren.
Den Grund mag man akzeptieren oder nicht: Einzelschicksale ergreifen die Menschen immer stärker als eine anonyme Zahl von Opfern, sei sie noch so groß.
Hamas könnte den Spieß umdrehen, indem sie unter großer medialer Ankündigung eine humane Geste zeigt: Die Freilassung von Gilad Schalit, weil es islamische Moral verbietet, jemanden so lange als Geisel zu halten. Dass es vielen Palästinensern in israelischen Gefängnissen genau so ergeht, wäre exakt ein Grund mehr genau das zu tun.
Für eine smarte Lösung dürfte Hamas nicht in der Lage sein. Die Ideologie steht hier im Wege.
Nun muss ich los, der Moloch Tel Aviv ruft. Heute ist es für hiesige Verhältnisse sehr ruhig. Es ist Sabbat, wenigstens bis Sonnenuntergang.
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Photos: FREITAG / Schlesinger
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hier die seite von gilad.org selbst
my.gilad.org/login/ wer ein bißchen weiter blättert, wird auch die petition finden. |
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Die Opferperspektiven im interkultuellen Vergleich sind relativ gut erforscht. Aber warum erlaubt Israel z. B. nicht den Import von Koriander in den Gazastreifen?
www.tlaxcala.es/pp.asp?lg=de&reference=10561 |
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informationshalber
www.freitag.de/community/blogs/alien59/was-ist-der-unterschied-zwischen-koriander-und-zimt warum? - willkür? taugt koriander zum bomben-bauen? aber vielleicht ist auch das teil von opfer-perspektive? |
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Warum erlaubt Israel nicht dem Import von beliebig vielen Gütern des täglichen Bedarfs?
Der politische Analyst sagt: Weil die israelische Regierung noch immer darauf vertraut, die Bevölkerung in Gaza so stark unter Druck setzen und damit gegen die Hamas aufbringen zu können, dass sich das nächste "Abschütteln" (=Intifada) nicht gegen Israel, sondern gegen die Hamas richtet. Politisch-taktisch ist es Vabanque-Spiel. Moralisch ist es eine Absage an die ansonsten gerne in den Vordergrund gestellten hohen jüdischen Werte. |
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lieber schlesinger,
ich muss schon sagen, ein richtig guter reiseblog, den sie hier machen. vielen dank, JK |
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@Jörn Kabisch: Danke, ich weiß.
Diese Formulierung ist schon wieder Teil des Reiseblogs. "Die Israelis" - so fragwürdig immer solche Verallgemeinerungen sind, sind sehr selbstbewußt. Man sieht es an vielen Kleinigkeiten: Gang, Haltung, Körpersprache, Ausdruck, Präsenz. Das habe ich gerade nachgeahmt. Richtig ist: Ich fühle mich schlicht in meinem Metier. Meine Antennen sind hier politologisch und soziologisch genauer ausgerichtet als in good old germany. Wäre das nicht eine wirklich interessante Erweiterung des FREITAG-Portfolios? Über welche Weltregion gibt es schon mehr zu berichten? Um es mit dem Paten zu sagen: Machen Sie mir ein Angebot, das ich nicht abschlagen kann. Ich wäre Euer Mann in Israel. Warum das so ist, hat ein bisschen mit dem zu tun, was ich heute von dem ukrainisch-stämmigen Artilleristen der israelischen Armee gehört habe. Dazu später vielleicht mehr... Shalom, Schlesinger |
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Ich hab lange überlegt - bin nicht gerne Spielverderber. Das Frühstücksbild von heute morgen jedoch lässt mich mein Schweigen brechen, mit einem Zitat nun zu diesem Artikel:
"Ein anderes Beispiel: Im Juni 2006 wurden vier Tage nachdem der israelische Soldat Gilad Shalit am Sicherheitszaun zum Gaza-Streifen gekidnappt wurde laut israelischer Medien 60 Mitglieder der Hamas verhaftet, darunter 30 gewählte Mitglieder des Parlamentes und acht Minister der palästinensischen Regierung: der Ressortchef für Jerusalem, der Finanzminister, der Minister für Erziehung und Bildung, für religiöse Angelegenheiten, für Inneres, für Wohnungsbau, für Justiz und für den Strafvollzug. Dazu kamen der Parlamentspräsident sowie die Bürgermeister von Bethlehem, Jenin und Qalqilia. Dass diese Leute mitten in der Nacht aus ihren Betten geholt und auf israelisches Gebiet gebracht wurden, um vermutlich gegen Gilad Shalit ausgetauscht zu werden, machte aus dieser Operation in unseren Medien keine Entführung. Israel entführt nie - Israel verhaftet." www.freitag.de/2008/13/08131001.php |
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ich finde das nicht spielverderber. das obige (der inhalt des verlinkten artikels) gehört dazu - und nicht vergessen.
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Aus 'Von den Kriegen' von Carolin Emcke: 'Mein solidarisches Verhältnis zu Israel macht mich nicht blind und taub für israelische Vergehen. Im Gegenteil. Was die in Teilen schrille Debatte um Antisemitismus und Antizionismus vernachlässigt, ist jene Kritik, die in emotionaler Nähe und Sorge um Israel, nicht in antisemitischer Verachtung oder Verweigerung des Existenzrechts gründet.'
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@alien59
Schliesse mich Rahab an: Ihr Beitrag ist keinesfalls Spielverderberei. Ich hoffe mein Beitrag zu Schalit liest sich nicht wie eine einseitige Anklage gegen "palästinensische Entführer". Ich muss mich nur irgendwie beschränken in der Auswahl der Bilder, die ich wiedergeben will oder kann. Insofern sind Beiträge Ihrer Art eine wirklich hoch willkomene Ergänzung! |
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@dame.von.welt
Ihr Zitat gefällt mir außerordentlich gut, um nicht zu sagen, dass das meine Perspektive ist. Wenigstens sehe ich mich so. Dass meine Beiträge zu Israel für den einen als zu wohlwollend gegenüber den "zionistischen Besatzern", und für den anderen als hyperkritisch erscheinen, ist wohl unvermeidlich. |
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Lieber Schlesinger,
ich finde, Sie machen das ganz ausgezeichnet. Ihre Reiseberichte lese ich mit wachsender Begeisterung und freue mich sehr auf weitere. Das Zitat ist großartig, nicht wahr? Ich war sowas von froh, es in dieser zutreffenden Knappheit und Schlichtheit der Sprache geschrieben zu sehen und möchte Ihnen das gesamte Buch sehr empfehlen. Auf den ersten Seiten, ein Bericht aus dem Kosovo, dachte ich zunächst, ich könne es unmöglich zu Ende lesen - sie beschreibt erstmal seitenlang Leichen. Bis ich begriff - es sind Briefe an ihre zuhausegebliebenen Freunde, denen diese Realität andernfalls verborgen bliebe - es ist ja ein Unterschied, den Medien Bilder und Berichte zu entnehmen, gegen die man auch zunehmend abstumpft oder den Brief einer Augenzeugin dazu zu lesen. Sie arbeitet in den Briefen auch einiges ab, das in ihren Reportagen für den Spiegel auch wegen des Gebots der unparteilichen Berichterstattung keinen Platz hat, man nimmt auch Teil an sehr persönlichen Veränderungen und Denkprozessen - immer in dieser schlichten und wohlüberlegten Sprache und Wortwahl. Carolin Emcke formulierte diese Sätze übrigens im Libanon, wo sie mehrheitlich auf Menschen traf, die Israelis ausschließlich als Täter wahrnehmen und wo ihr aufgrund ihrer deutschen Nationalität eine für sie extrem problematische 'positive' Stimmung entgegenschlug. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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