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Ein massives Aufgebot an Sicherheitskräften, zeitweise abgeschaltete SMS- und Mobilfunkdienste, blockierte Webseiten und erste Zusammenstösse zwischen Demonstranten und der Polizei einen Tag nach der Wahl lassen Böses ahnen. Der unterlegene Gegenkandidat Ahmadinedschads, Mir Hussein Mussawi, spricht schon kaum verdeckt von Wahlbetrug.
Aktuelle Nachrichten weisen auf eine Zuspitzungder Lage hin: Die Regierung hat nicht nur zahlreiche Demonstranten festgenommen, sondern offenbar auch über hundert oppositionelle Politiker wie den Bruder des ehemaligen Präsidenten Chatami und den Generalsekretär der "Front der Partizipation", beides Anhänger Mussawis.
Die knapp 63 Prozent jedenfalls, die nach dem gestrigen iranischen Wahlgang Amtsinhaber Mahmoud Ahmadinedschad zugesprochen werden, erinnern in der Tat ein wenig an Wahlergebnisse in früheren kommunistischen Regimes.
Mit dem Unterschied, dass Ahmadinedschad gelernt haben könnte, dass man keine Zahlen propagieren sollte, die augenscheinlich gefälscht sind: Eine Zweidrittelmehrheit tut's auch.
Wie es um das Verständnis von demokratischen Wahlen bei den herrschenden Konservativen bestellt ist, zeigt die wie eine Androhung klingende Äußerung von Ayatollah Janati, dem Sekretär des mächtigen Wächterrates:
„Wir müssen achtsam sein gegenüber der Gefahr eines sanften Umsturzes durch Wahlen. Die Feinde der Islamischen Republik sinnen auf den Fall der Regierung und wollen einen Präsidenten, der ihnen und ihren Zielen näher steht.“

Das echte Wahlergebnis kennt man hier im Westen (noch) nicht, und man kennt es möglicherweise auch im Iran nicht. Daher muss dieser Beitrag eine Mutmaßung bleiben.
Dass Ahmadinedschad ein Vertreter des konservativen Lagers ist, bezweifelt niemand.
Just darin darf man den deutlichsten Hinweis sehen, dass es bei dem bislang bekannten Wahlausgang nicht mit rechten Dingen zugegangen sein könnte.
Denn die Bevölkerung des Iran setzt sich zu rund zwei Dritteln aus unter Dreissigjährigen zusammen. Damit hat der der Iran eine der jüngsten Bevölkerungen der Welt.
Diese Generation kennt die diktatorischen Zeiten des Schah Reza Pahlevi ebensowenig wie das erste Jahrzehnt der schiitischen Revolution Ajathollah Khomeinis.
Damit aber fehlt mit Blick auf den Schah ein starkes negatives Motiv, und hinsichtlich der Revolution von 1979 ein starkes positives Motiv, das den aktuellen Wahlausgang erklären könnte.
Am zurecht viel beachteten Film "Persepolis" konnte man dagegen einen sehr guten Eindruck davon gewinnen, wie sich die späteren Jahre der Revolution aus Sicht der immer jüngeren Bevölkerung darstellten: Grau in grau.
Rechnerisch kann man an dieser Stelle zurecht einwenden, dass sich die 2/3 Jungen aufteilen in die kraft Alters noch nicht Wahlberechtigten und in die zur Wahl berechtigten. Die Gruppe der Wahlberechtigten unter 30 macht damit immer noch rund die Hälfte aus.
Daher mag als Grund immer noch nicht einleuchten, dass eine angebliche Zweidrittelmehrheit für Ahmadinedschad gestimmt haben soll. Der kam vor vier Jahren als vormaliger Oberbürgermeister von Teheran nicht nur wegen seiner Ankündigung, der Korruption und Vetternwirtschaft ein Ende zu bereiten ins Amt, sondern auch mangels echter Wahlalternativen.
Der Wächterrat hatte zur Wahl von 2005 mit dem ehemaligen Bildungsminister Mustafa Moin und dem amtierenden Vizepräsidenten Mohsen Mehralisadeh die aussichtsreichsten Reformkandidaten nicht zur Wahl zugelassen. Somit standen zwar nicht formell, aber praktisch nur Konservative zur Wahl.
Der aktuelle Wahlkampf 2009 stand zumindest äußerlich ganz im Zeichen eines Wandels. Das prägende Bild war das einer Jugend, die sich eine Veränderung wünscht, weil sie sich längst in einer schizophrenen Welt sieht. Tagsüber beäugt und gegängelt von Angehörigen der Sittenwächter, aber vor allem abends hinter verschlossenen Türen ein Leben ganz nach westlichem Muster zu führen, kann mit Fug und Recht als ein zwiegespaltenes und letztlich schwer erträgliches Leben bewertet werden, wie etwa ein Bericht der Frankfurter Rundschau anschaulich zeigt.
Die Tiraden Ahmadinedschads gegen Amerika und den Westen mögen bei Älteren noch fruchten, bei den Jungen zeigt sich vorsichtige Sympathie für Amerika, wenngleich nicht für die heftig kritisierte US Außenpolitik, aber doch für den american way of life. Auch die Rede Obamas in Kairo scheint auf vorsichtigen Optimismus zu stoßen. Nicht ganz zufällig dürfte Kandidat Mohsen Rhezai seinem Wahlkampf den Slogan "Change" mitgegeben haben.
Nach der Wahl sagte ein enttäuschter junger Mann „Zweimal habe ich den Fehler gemacht, wählen zu gehen. Zweimal habe ich für Chatami gestimmt. Jetzt glaube ich nicht mehr daran, daß man mit Wahlen in diesem Land etwas bewirken kann“. Das war nach der Wahl 2005. Seine Meinung wird sich kaum geändert haben.
Was nun die ältere Bevölkerung anbelangt, tut man sich schwer, deren Präferenzen für den Kandidaten Ahmadinedschad auszumachen.
Trotz größter Öleinnahmen - nach Schätzungen rund 250 Milliarden Dollar in der bisherigen Amtszeit - sieht es um die wirtschaftliche Lage im Land ausgesprochen schlecht aus, und das lange vor Beginn der Wirtschaftskrise.
Die Arbeitslosigkeit, die zu bekämpfen Ahmadinedschad versprach, ist von 11,5 Prozent im Jahr 2005 auf offizielle 10,5 Prozent gesunken, wobei andere Quellen auf einen Höchstsstand seit der Revolution hindeuten.
Eine Inflation von derzeit rund 24 Prozent (September 2008: 29%) sorgt vor allem bei Miet- und Lebensmittelpreisen in den Städten für drückende Lebensverhältnisse.
Trotz dieser Hinweise könnte die Analyse der ZEIT von 2005 auch für die heutige Wahl gelten:
"Wieder einmal erweist sich, dass Irans Gesellschaft mehrere Realitäten hat, sichtbare und unsichtbare. Die Kampagne für Ahmadi Nedschad vollzog sich in den Moscheen der armen Regionen, also im Süden der Megastadt Teherans und auf dem Lande. Die iranische Provinz ist, anders als die vibrierende Hauptstadt, fast komplett abgeklemmt von den modernen Kommunikationsnetzen".
Das mag ein Mißtrauen gegen das offizielle Wahlergebnis nicht völlig beseitigen, kann aber zumindest als plausible Erklärung herangezogen werden.
Ein schwacher Trost angesichts der nahostpolitischen Chancen, die sich durch die ernsthaften Bemühungen Obamas gerade eröffnen, die aber durch eine weitere Amtszeit Ahmadinedschads voraussichtlich ebenso wenig befördert werden wie durch eine Regierung Netanjahu.
Das Ergebnis der Wahl scheint jedenfalls nicht revidierbar: Der geistliche Führer des Landes, Ayathollah Khameini, hat das Ergebnis der Wahl anerkannt. Und doch dürfte sich angesichts eines jungen, lebendigen Iran über kurz oder lang die an die Adresse Ahmadinedschads gerichtete Prophezeiung Mussawis erfüllen: „Sie glauben, sie könnten einen Damm gegen den Wandel errichten, aber der Wandel wird sich auftürmen, bis der Damm bricht und eine Katastrophe auslöst wie das Bersten einer Staumauer.“
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Leseempfehlungen: Der Damm wird brechen, Facebook des Bösen
(Photo: Shahram Sharif)
(Bild: courtesy (c) Randall Stoltzfus)
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Naja, vielleicht sind die Wahlen im Iran ja getürkt gewesen, aber vielleicht auch nicht. Es ist erfahrungsgemäß bei vielen Wahlen so - auch in Deutschland - das das Wahlergebnis schwerlich mit den vermeintlichen Interessen der Bevölkerung in Einklang zu bringen ist.
Auch in Deutschland wählen erstaunlich viele Menschen konserative und neoliberale Parteien, von denen der normale Bürger eigentlich nichts Gutes zu erwarten hat. Trotzdem haben auch in Deutschland solche Parteien meist eine Mehrheit (z.Zt.z.B. Schwarz-Gelb). Woran das liegt? Ich weiß es nicht. Entweder sind alle diese Wahlen getürkt, oder der Großteil der Bürger ist schlicht unfähig, selbstständig zu entscheiden was gut für ihn ist und was nicht. Das lässt dann auch Zweifel aufkommen, ob die Demokratie tatsächlich so ein geeignetes Regierungssystem ist, oder ob das Volk, wie Fr. Merkel sagt, nicht fähig ist schwierige Entscheidungen zu treffen, da es nicht genügend informiert ist und außerdem viel zu leicht manipuliert werden kann. Nachdem ich schon viele Wahlen gesehen habe, bei denen die Bürger gegen die eigenen Interessen stimmten, bin ich geneigt ihr zuzustimmen! Und die Wähler im Iran sind vermutlich genauso kurzsichtig und manipulierbar wie die in Deutschland. Das erklärt dann solche Wahlergebnisse. |
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Lieber Baszlo,
mit dem Hinweis auf kurzsichtige Wähler, die offenbar nicht immer im Sinne ihrer besten eigenen Interessen abstimmen, liegen Sie natürlich richtig, und daher ist auch das ein plausibler Hinweis auf das überraschend anmutende Wahlergebnis. Die Kombination aus einerseits ökonomischer-sozialer Lage im Land, der Modernisierung-Erwartung wenigstens nennenswerter Teile der Bevölkerung und anderseits den besonderen Umständen der Wahl (Behinderung von Wahlbeobachtern, plus die eingangs genannten bedenklichen repressiven Maßnahmen) haben mich zu der Überlegung gebracht, ob nicht eine Wahlmanipulation vorliegen könnte. Würden hierzulande solche massiven Maßnahmen ergriffen wie eingangs erwähnt, würde man ganz automatisch von massivem betrug ausgehen.Offenbar hat Ahmadinedschad bei einem Teil des hiesigen Publikums eine gewisse zusätzliche Freiheit, um es vorsichtig zu formulieren. Wie man aus dem Beitrag herauslesen können soll, kommt es dabei weniger auf einen "Beweis" für einen möglichen Wahlbetrug an, sondern vielmehr auf die Argumente, die für einen inneren Wandel im Iran sprechen, und die das Wahlergebnis, wie es nunmal vorliegt, "unwahrscheinlich" erscheinen lässt. Dass die Wahlen in Deutschland getürkt sind, will ich mal nicht annehmen, obwohl ich Ihre Meinung teile, dass das Ergebnis bisweilen unwahrscheinlich erscheint... |
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Ein derart parteiischer Artikel, der auf Mutmaßungen, Unterstellungen, Verfälschungen und billiger Polemik im Mantel eines, ich muss schon vermuten "Möchtegernhistorikers" daherkommt, lässt kaum einen anderen Kommentar zu als den, den der Schreiber selber in einem andern Artikel der dortigen Schreiberin vorgehalten hat: Fake?
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Lieber Streifzug,
hätten Sie sich der Mühe unterzogen, die zahlreichen diesem Beitrag zugrundeliegenden Quellen zu berücksichtigen, müsste Ihr Kommentar zwangsläufig lauten: Unglaubwürdiger FREITAG, lügenhafte BBC, schlechtes Deutschlandradio, irreführender iranischer Sender PressTV, verlogene Bundeszentrale für Politische Bildung, schlecht informierte FAZ etc.pp. Da Sie darüberhinaus - nicht die Mühe aufbringen, ein einziges belegbares Argument zu bringen, - so gar nicht mit einem fairen Vorabhinweis "Daher muß dieser Beitrag eine Mutmaßung bleiben" umgehen können - stattdessen eine wüste Wertung abliefern - sich zudem dazu hinreissen lassen, ehrabschneidend aufzutreten ist zu befürchten: Sie sind mit solide fundierten Beiträgen, die sich dabei eine nicht verheimlichte essayistische Freiheit erlauben, die aber einfach nicht Ihrem Weltbild entsprechen, schlicht überfordert. Mit derlei Kommentaren jedenfalls erweisen Sie sich einen gehörigen Bärendienst. |
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Damit kann ich gut leben.
Weniger mit unfundierten Texten, in denen nur das nachgeplappert wird, was in anderen entsprechenden Artikeln unreflektiert verbreitet wird und als gehobener Gossenjournalismus treffend bezeichnet wird. |
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"sich zudem dazu hinreissen lassen, ehrabschneidend aufzutreten".
Erstaunliche Worte von jemandem, der in einem andern Blog einer Autorin als Kommentar "Fake?!" hinschreibt. Wenn Heuchelei ein Gesicht brauchte, hätte es wohl eine Brille. |
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Lieber Streifzug,
wenn Sie solche Äußerungen in dieser Härte von sich geben, sollten Sie sich - finde ich - die Mühe machen, sich im Detail und genau mit dem Artikel auseinanderzusetzen. Ich bin kein Experte in Iran-Fragen. Aber mir schien dieser Text abgewogen, gut dokumentiert und klar geschrieben. Wenn Sie da anderer Ansicht sind, wie gesagt, dann müssen Sie das argumentieren. Ihr JA |
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Lieber Jakob Augstein,
ich habe in einem andern Blog schon eine Antwort gegeben. Sie war auch nur auf die Schnelle, da ich momentan wieder wenig Zeit habe. Ich stelle sie hier nochmal ein: Es geht nicht um einen Beitrag über Hintertupfingen. Es geht um ein Land, dem die USA definitiv einen Militärschlag angedroht haben. Dem Israel definitiv einen Militärschlag angedroht hat, obwohl Iran noch nie einem Israeli ein Haar gekrümmt hat. Dessen Äußerungen in der westlichen Presse verzerrt dargestellt werden. Ein Land dass isoliert wird. Diese Strategie geht von Machinteressen aus, die schon massive Lügen im Vorfeld des Irakkrieges verbreitet haben. "Artikel im Wolfspelz" gab es auch zu Genüge im Vorfeld des Irakkrieges um ihn zu rechtfertigen. Allerdings war die westliche Bevölkerung misstrauisch. Jetzt hat man den Boden langfristig scheinbar besser bereitet. Daher reagiere ich höchst allergisch auf Artikel, deren verzerrte Darstellung der Wirklichkeit in Form von wilden Vermutungen wieder einmal den Boden dafür bereiten könnte viele tausende von unschuldigen Kindern, Frauen, der Zivilbevölkerung eben, zu gefährden oder zu vernichten. Dafür nehme ich dann gerne in Kauf als ungerechter Streithammel dazustehen oder dass der Schreiber solcher Artikel pikiert ist. Wenn ihnen die in dieser Antwort implizit eingebaute Anschuldigung zu harsch ist, dann wenden sie sich Themen zu bei denen keine Menschenleben auf dem Spiel stehen oder ertragen die Kritik. ... Etwas weiter habe ich noch hinzugefügt: Kindern, die an Gebäuden zündeln, in denen sich Menschen befinden, hält man ja auch nicht als Erstes einen langen, argumentativen Vortrag :) (Soviel zu: Dann --müssen-- Sie das argumentieren.) ... Ich werde einen eigenen Artikel darüber schreiben, welch seltsam einäugige Schilderungen bestimmter Geschehnisse zu manchen Zeiten aufkommen. Allerdings wundert mich ihre Meinung zur Ausgewogenheit des Artikels weniger, da Sie ja begeisterter FAZ Leser sind, wenn ich Sie richtig verstanden habe. Dort wurde die Stimmung zum Irakkrieg in ähnlicher scheinneutraler Weise geschürt. Jetzt ist es mit dem Iran nicht anders. Ich habe vehement von Begin an gegen die Lügen des Irakkrieges geschrieben und ich werde auch gegen die derzeitig recht einseitige Berichterstattung über den Iran schreiben. Außerdem gibt es einen ausgewogeneren Beitrag der Situation hier im Blog und im Freitag. Später mehr. |
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ZusatzTipp an Jakob Augstein:
Lassen Sie der Community ihr wildes Leben. Wir kommen schon klar. Ich glaube nicht dass schlesinger den Schutz von "Papa" braucht. Selbstregulierende dynamische Systeme befinden sich nun mal nicht immer im Gleichgewicht. |
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Hallo schlesinger, die Hinweise auf die ehern seriösen Quellen FAZ, bpb, DR und so sind schon ziemlich albern. Ist noch ernsthaft zu bezweifeln, dass es auch im zweitfreiesten Land der Welt Institutionen gibt, die vornehmlich der Verbreitung einer genehmen ideologischen Tendenz dienen? Gebe aber zu, dass die FAZ sich besser liest als das ND (damals).
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Lieber meisterfalk,
ist das so zu verstehen, dass es keine im Prinzip verlässlichen Quellen gibt? Mit anderen Worten: Jeder ist König in seinem eigenen Herrschaftsgebiet der Informationssteppe! Daraus ergeben sich für jeden Einzelnen natürlich die allerschönsten Verheißungen, wie just die Kommentare hier zeigen: Behaupte unter welchen Verweisen auch immer: Ich mit meiner Meinung habe dennoch recht, denn sie ist in jedem Fall mindestens so gut, nein, eindeutig besser fundiert wie die Deine. Hurrah! Der Bettler wird flugs zum König, und genau darin liegt wohl die einzigartige Verlockung von diesem ganzen überspannten Gerede von korrumpierten mainstream-Medien. Hat man es erstmal selbst gefressen, dass "deren" Informationen nicht mehr wert sind als die eigenen Phantasien, darf man getrost alle gegenläufigen Meinungen überrennen. Hinsichtlich des Umgangs und des Einschätzen-Könnens mit und von Wissen ist also der BILD-Leser dem BigBrother-Gucker dem BUNTE-Voyeur dem FREITAGs-Leser dem Wissenschaftler gleichgestellt? Ein Hoch auf die Anarchie der Informationsbeschaffung und -vermittlung! Das hat bereits Anflüge von Jakobinismus... Für die oben genannte Tendenz bin ich wohl zu sehr alte Schule, um mich darauf auch nur ansatzweise einzulassen. Sehen Sie mir's nach. Dass im übrigen derart häufig Abwertungen vorgenommen werden müssen ("albern", von wüsten anderen Tiraden zu schweigen), die den Verfassern selbst ja (fast) keine Rückzugsmöglichkeit offen lassen, spricht ganz wenig für einen offenen Diskussionsgeist, der hier ansonsten - zumindest rhetorisch - ganz weit oben gehalten wird. |
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meisterfalk, die Lektüre von "Was ist bloss los mit den Iranern?" würde ihm bestimmt gut tun, oder? Wie Heilwasser auf entzündete Stellen.
www.freitag.de/community/blogs/outnumber/was-ist-bloss-los-mit-den-iranern |
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schrieb am
14.06.2009 um 15:46
@ schlesinger
'albern' usw.: eben Volkes Maul, nicht so schwer nehmen; Anarchie der Informationsbeschaffung: ist lange schon Praxis, zum Glück, funktioniert auch nicht schlechter, als jeden Tag in die staatstragenden Organe zu gucken; mainstream-Medien: Bsp. Kriegsgründe kolportieren (Vietnam, Serbien, Irak) - leuchtende Vorbilder von seriöser Recherche und unabhängiger Berichterstattung? Da ist mir BILD noch lieber, die tun wenigstens nicht so, als wären sie was Besseres. |
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Lieber Meisterfalk,
ich bin ja gar nicht so ein großer Freund von Anspielungen zwischen den Zeilen: Meinen Sie denn, dass unsere Medien gegen den Amtsinhaber eingestellt waren - und zwar zu Unrecht - und dass sie deshalb in der Berichterstattung dem Herausforderer entgegengekommen seien? Nur eine Frage. Ihr JA |
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@meisterfalk
Dass es immer wieder Fälle gibt, in denen die Medien ihrem Auftrag nicht nachgekommen sind (oder zu sehr nachgekommen sind, wenn man so will), ist ja hinlänglich bekannt. Doch gerade die starke Vernetzung erlaubt heutzutage einen besseren "cross-check". Wenn man also eine für grundsätzlich solide erachtete Quelle heranzieht, sollte man sie gegengeprüft haben. Doch leider finden das viele - gerade auch in der Bloggerwelt - allzu mühsam (ja. Recherche ist zeitaufwändig!), ziehen sich lieber auf allgemeine Pauschalkritik zurück und sagen eben mal so ihre Meinung. Goethe sagte mal "Wir stehen alle auf den Schultern von Riesen". Diese Bescheidenheit ist längst passé. Heute gewinnt man eher den Eindruck "Jeder ein Meinungsriese, der auf den mainstream-Zwergen steht." Mit den Beispiel Vietnamkrieg haben Sie natürlich recht, aber just im Fall Irakkrieg kann man hervorragend sehen, wie ein Teil der Medien entgegen der hörigen FOX-Schiene gegen die Regierung Bush agiert haben. Korrekt: nicht alle, aber einige, und einige der Großen. Umso mehr gilt: Die Großen sind mit fortschreitender Vernetzung gezwungen, ihre Darlegung hieb- und stichfest zu machen. Das sie es bisweilen anderes versuchen, ist normal. Daher sollte man das Kind nicht mit dem Bad ausschütten. Ich und Sie haben keine Berichterstatter im Iran. BBC und andere schon. Dann heißt es: Gegenprüfen! Wenn man zu keinem hieb- und stichfesten Befund kommt, kann man das offenlegen. Das habe ich ausdrücklich getan mit dem Hinweis, dass ich zwar Indizien, Argumente gesammelt habe, aber es letztlich eine Mutmaßung bleibt. Aus demselben Grund schließt mein Beitrag mit "Das mag ein Mißtrauen gegen das offizielle Wahlergebnis nicht völlig beseitigen, kann aber zumindest als plausible Erklärung herangezogen werden." Hier argumentiere ich gegen meine Ausgangsthese. Diese offene Argumentationsstruktur nicht erkennen zu wollen, scheint mir auf böswilligem Vorsatz zu beruhen: "Schreib was Du willst, ich zieh Dich sehr wohl durch den Kakao!" Bleibt zu hoffen, dass es noch andere Leser gibt. |
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@ ehrabschneidend, 14.06. um 13:42
Lieber Schlesinger, auf welche Pfade begeben Sie sich. Und heißt der Originalton nicht eher "ehrabschneiderisch"? Mein Großvater hätte mir da Auskunft geben können. DUDEN kennt weder das eine noch das andere. Aber demnächst wird er "Ehrenmord" aufnehmen, dann sind Sie wirklich in unrühmlicher Gesellschaft. Nichts für ungut, Ihr Dreizehn |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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