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Wenn der Weltuntergang zur Ansichtssache wird.
Den ganzen Tag hast du die Bilder gesehen. Von verwüsteten Vorstädten, von umgekippten Autos, von Menschen in Turnhallen auf Klappbetten. Von einem brennenden Kraftwerk. Von Tschernobyl. Und du hast die Nachrichten dazu gelesen. Die Zahl der Toten, die Zahl der Vermissten, die Zahl der Verletzten, die Zahl der erschöpften Rettungskräfte. Die Versuche, endlich ein Stromkabel anzuschließen. Die Belastung durch die Strahlen. Ein ganzes Land am Abgrund.
Und dann setzt du dich vor einen Fernseher und deine Mannschaft spielt. Du weißt: Eine Niederlage heute und in der nächsten Saison geht es auswärts in die Stadien beschaulicher Mittelzentren. In der ersten Halbzeit hast du Hoffnung und du ärgerst dich, dass der gegnerische Abwehrspieler den Ball noch über die Latte geköpft hat.
In der zweiten Halbzeit haut sich euer Torwart den Ball ins eigene Tor und von da an fällt deine Mannschaft auseinander wie ein alter Fiat, den nur noch der Tesafilm namens Hoffnung zusammengehalten hat. Der gegnerische Strafraum ist ein Land auf einem anderen Kontinent auf einem anderen Planeten. Als der Schiedsrichter abpfeift, weißt du: Aue, Oberhausen, Karlsruhe, Paderborn, Ingolstadt. Du hörst auf, an irgendwas zu glauben.
Und dann fallen dir die Bilder wieder ein, die du den ganzen Tag gesehen hast und die Nachrichten, die du dazu gelesen hast. Und du zwingst dich zu denken, dass diese Bilder und Nachrichten wichtiger sind als diese 90 Minuten auf einem Fußballplatz am unteren Ende des Niederrheins. Aber zwei Minuten später denkst du wieder nur an diese 90 Minuten, so sehr du dich auch bemühst. Du schämst dich eine ganze Weile, du weißt, das kann einfach nicht richtig sein. Aber dann denkst du, dass erst wieder alles gut ist, wenn alle die 90 Minuten auf irgendeinem Fußballplatz so wichtig finden wie nichts anderes auf der Welt.
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Tja, siegen, wenn man sich selbst per Eigentor besiegt, geht natürlich gar nicht.
Aber der Mensch braucht diese Auszeiten, das Mitfiebern mit Fohlen, die sich selbst im Weg stehen. Niemand hält es aus, sich ständig Katastrophen vor Augen zu halten, obwohl, die Borussia ist auch eine (kleine) Katastrophe, da fließt soviel Herzblut, und es scheint nichts zu nützen! Und hilft es wirklich, am nächsten Spieltag in München aufzulaufen? Jeder Punkt zählt.... ist auf jeden Fall nicht so abstrakt wie das Geschehen in Japan, das ist kaum in Worte zu fassen, aber man wählt eher die Distanz, Gladbach ist näher als Tokio. Ich wünsche den Klassenerhalt, sei es in der 1.Liga oder anderswo Gute Nacht |
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Ihr Problem stellt sich mit noch größerer Schärfe, wenn man, wie ich, Anhänger von Arminia B. ist, die ihren Untergang schon hinter sich hat.
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Ganz zu schweigen von Notidentifikationen in der Fremde wie Hertha BSC (letzte Saison)
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Hertha ist ja auch kein Verein, mit dem man sich irgendwie identifzieren kann. Das ist ja fast so schlimm wie Hannover.
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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