Empfehlung der Woche

Frieden – Wie geht das?

Frieden – Wie geht das?

Klaus von Dohnanyi, Erich Vad

Hardcover, gebunden

160 Seiten

22 €

Zur Empfehlung
Meine Frau weint

Meine Frau weint

Angela Schanelec

Drama

Deutschland, Frankreich 2026

93 Minuten
ab dem 11. Juni im Kino!

Zur Empfehlung

Kultur : Du fühlst nur, was du fühlst

Zum Kommentar-Bereich

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community.
Ihre Freitag-Redaktion

Wenn der Weltuntergang zur Ansichtssache wird.

Den ganzen Tag hast du die Bilder gesehen. Von verwüsteten Vorstädten, von umgekippten Autos, von Menschen in Turnhallen auf Klappbetten. Von einem brennenden Kraftwerk. Von Tschernobyl. Und du hast die Nachrichten dazu gelesen. Die Zahl der Toten, die Zahl der Vermissten, die Zahl der Verletzten, die Zahl der erschöpften Rettungskräfte. Die Versuche, endlich ein Stromkabel anzuschließen. Die Belastung durch die Strahlen. Ein ganzes Land am Abgrund.

Und dann setzt du dich vor einen Fernseher und deine Mannschaft spielt. Du weißt: Eine Niederlage heute und in der nächsten Saison geht es auswärts in die Stadien beschaulicher Mittelzentren. In der ersten Halbzeit hast du Hoffnung und du ärgerst dich, dass der gegnerische Abwehrspieler den Ball noch über die Latte geköpft hat.

In der zweiten Halbzeit haut sich euer Torwart den Ball ins eigene Tor und von da an fällt deine Mannschaft auseinander wie ein alter Fiat, den nur noch der Tesafilm namens Hoffnung zusammengehalten hat. Der gegnerische Strafraum ist ein Land auf einem anderen Kontinent auf einem anderen Planeten. Als der Schiedsrichter abpfeift, weißt du: Aue, Oberhausen, Karlsruhe, Paderborn, Ingolstadt. Du hörst auf, an irgendwas zu glauben.

Und dann fallen dir die Bilder wieder ein, die du den ganzen Tag gesehen hast und die Nachrichten, die du dazu gelesen hast. Und du zwingst dich zu denken, dass diese Bilder und Nachrichten wichtiger sind als diese 90 Minuten auf einem Fußballplatz am unteren Ende des Niederrheins. Aber zwei Minuten später denkst du wieder nur an diese 90 Minuten, so sehr du dich auch bemühst. Du schämst dich eine ganze Weile, du weißt, das kann einfach nicht richtig sein. Aber dann denkst du, dass erst wieder alles gut ist, wenn alle die 90 Minuten auf irgendeinem Fußballplatz so wichtig finden wie nichts anderes auf der Welt.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.