Im Oktober hat unsere Goldlena Meyer-Landrut ihr Studium in Köln begonnen. Mit den Fächern Philosophie und Afrikanistik will sie sich eine Zukunft aufbauen. Unser Kolumnist hat sich überlegt, wie ein ganz normaler Tag der 20-Jährigen aussehen könnte.
6.43 Uhr
… „I even did my hair for you“. Mein Radio weckt mich. „Und das war Lena mit 'Satellite'. Was macht die eigentlich mittlerweile?“ Erstmal Laptop einschalten und mich selbst googeln. Keine neuen Treffer seit gestern. Guter Start in den Tag.
7.46 Uhr
Ich putze meine Toilette. Ja, ich putze meine Toilette selbst. Ich brauche keine Putzfrau. Ich bin eine ganz normale 20-Jährige. Ganz normal... lalalalala... I bought new underwear, they’re blue.
9.23 Uhr
Nachdem ich mir einen Coffee-To-Go geholt habe, komme ich nur acht Minuten zu spät in meine Philosophie-Vorlesung. Alle drehen sich zu mir um. „Love, oh, love, I gotta tell you how I feel about you“, singe ich. Danach setze ich mich auf meinen Platz. Heute fotografieren mich nur zwei Leute mit ihrem Handy. Was ist da los?
9.37 Uhr
Langweile mich. Die Philosophie-Vorlesung ist viel anstrengender als „Sophies Welt“. Ich verlasse die Vorlesung und setze mich in die Caféte.
11.23 Uhr
Sitze noch immer in der Caféte. Ich mag das Wort Caféte. Caféte. Caféte. Like a satellite, I’m in an orbit all the way around you. Stefan ruft an: „Na, Lena. Ich habe einen Auftritt für dich klargemacht. Nächste Woche Montag Möbelhauseröffnung in Köln-Chorweiler. Gibt kein backstage, also zieh dich lieber zuhause um.“
12.34 Uhr
In der Mensa muss ich erst sieben Mal die Treppen hoch und runterlaufen, bis mich jemand mit dem Handy fotografiert. Die Leute werden auch immer anspruchsvoller. Vielleicht sollte ich mir ein neues Tattoo zulegen. Das Essen in der Mensa schmeckt wie ein Song von Ralf Siegel klingt. Ha ha, guter Vergleich.
14.43 Uhr
In meinem Afrikanistik-Seminar geht es um Themen, die mich nicht sonderlich interessieren. Also um Afrika. Ich dachte, wir lernen hier, wie man eine Spendenquittung ausfüllt und solche Dinge. Vielleicht sollte ich doch auf Altslawisch wechseln.
15.32 Uhr
Sitze im Bürgeramt und erkläre der Frau, dass ich den Bogen ganz alleine ausgefüllt habe. „Ich bin ja ein ganz normaler Mensch. Ich brauche niemanden, der mir das ausfüllt.“ Die Frau sagt: „Beim nächsten Mal füllen Sie aber bitte die Vorderseite aus.“ Boah, ist die kleinlich.
16.56 Uhr
Elton ist am Telefon. Er macht die Show bei einer Autohauseröffnung in Bergheim. Ob ich da nicht im Vorprogramm auftreten wolle. „Singste Satellite, reicht dann auch. Gibt kein backstage, also besser zuhause umziehen.“
18.43 Uhr
Ich schmiere mir ein Nutella-Brot. Kann ich alles selbst. Ich war ja 19 Jahre lang ein völlig normales Mädchen, und jetzt bin ich es auch noch. Dann Abwasch. Klappt ganz gut. Morgen kaufe ich neue Teller bei Ikea.
20.12 Uhr
Mein Freund ruft an.
„Hey Lena. Weißte was?“
„Wasn?“
„I bought new underwear, they’re blue.“
Ich lege auf.
21.45 Uhr
Toilette ist mir nicht mehr sauber genug. Erstmal putzen. Ich putze meine Toilette schließlich noch selbst.
22.12 Uhr
Ich schaue mir noch einen Horrorfilm an. Stelle erst nach 70 Minuten fest, dass es gar kein Horrorfilm ist, sondern meine Backstage-Moderation beim Bundesvision Song Contest.
23.56 Uhr
Ich gehe schlafen. Bei der Frage, was ich denn mal morgen studiere, schlafe ich ein.
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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