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Unser Kolumnist denkt darüber nach, wie die FDP wieder stärker werden kann als die NPD. Außerdem äußert er sich nicht zum Deutschlandbesuch des Papstes.
Ich sitze im Zug und lese die Rückseite einer Brötchentüte¹. Auf der steht das Rezept für das so genannte Franzosenbrot: 1 Sack Weizenmehl, 37 Liter Wasser, 2 Pfund Salz, anderthalb Pfund Hefe. Während ich noch überlege, wie nützlich es für den Kunden ist, ein Rezept für die Großbäckerei abzudrucken, fällt mir ein, dass das wichtigste Thema der Woche ja etwas ganz anderes ist: der Untergang der FDP. Das Wort „Niedergang“ reicht nicht mehr aus.
Ich sorge mich um die FDP. Aufrichtig. Ernsthaft. Wenn ich zu Philipp Rösler gehe und ihm sage „Philipp, deine Partei ist am Boden“, dann sagt er in bestem Politik-Sprech: Wir stehen vor großen Herausforderungen. Bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus war die Partei nicht die dritte Kraft, nicht die vierte Kraft, nein, sie war mit 1,8 Prozent die siebte Kraft, noch hinter der der Piratenpartei² und der NPD. Das muss aufhören. Ich möchte in keinem Land leben, in dem es mehr Nazis gibt als Neoliberale. Klar, gerne würde ich in einem Land leben, in dem es weder Nazis noch Neoliberale gibt, aber wenn ich die Wahl habe, sage ich: Kommt doch rein, meine Freunde der Großkapitalisten. Man kann den Neoliberalen ja vieles vorwerfen, aber Nazis sind sie ja gerade nicht. Bloß geldgeil.
Deshalb arbeite ich daran, die FDP wieder über die Drei-Prozent-Marke zu bringen, es müssen ja nicht gleich fünf sein. Außerdem macht es keinen Spaß, auf jemanden einzutreten, der am Boden liegt, wie ein alter Mann in seinem Erbrochenen. Ich muss die FDP erst wieder aufbauen, bevor ich wieder auf sie eindresche. Die heutige Kolumne ist deshalb zu 100 Prozent frei von FDP-Häme.
Die Frage ist: Woher soll die FDP ihre Stimmen bekommen? So es nicht wieder zu einer Wirtschaftskrise kommt und diese die FDP auf 15 Prozent jagt – weil die Leute merkwürdigerweise denen in der Krise am meisten zutrauen, deren Ideen für ihre Krise verantwortlich sind – fallen einem zuerst CDU, Grüne und SPD ein. Aber mit diesen richtigen Parteien sollte sich die FDP besser nicht anlegen, das ist eine andere Liga, sondern sich Parteien suchen, denen sie ebenbürtig ist.
Zum Beispiel die Tierschutzpartei, die in Berlin 1,4 Prozent erreichte. Wer jetzt fragt, was denn die FDP mit Tierschutz zu tun hat, dem sage ich: Ist doch egal. Die zwei Prozent, die die FDP noch hat, wird sie kaum unterbieten. Wen das Programm jetzt noch nicht davongejagt hat, den würde es auch nicht stören, wenn sich die Parteioberen einmal monatlich blau anmalten und um den Blocksberg tanzten.
Die 1,4 Prozent der Tierschutzpartei kann sich die FDP also mühelos schnappen. Ganz nach dem Motto „Die Partei für den tierfreundlichen Kapitalismus“. Dann ist es nicht damit getan, dass sich die Partei für Trinknäpfe in Banken und Versicherungen einsetzt. Wenn, dann richtig. Tiere sollten Konten führen dürfen, sie sollten das Recht haben, Versicherungen abzuschließen, ja sie sollten Unternehmen leiten dürfen, so sie denn ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen. Da muss man pragmatisch sein. In einem Satz: Tiere sollten an den Segnungen der Marktwirtschaft voll und ganz partizipieren und nicht mit „Hunde verboten“-Schildern draußen gehalten werden. Unpopuläre Forderungen wie die Liberalisierung der Tierheime (Wer nach drei Monaten immer noch keinen neuen Besitzer gefunden hat, wird an der Raststätte ausgesetzt), sollte die Partei hingegen erst später stellen.
Um dann den Sprung in die Parlamente zu schaffen, müsste sie nur noch mit der Deutschen Kommunistischen Partei, der Partei für Soziale Gleichheit und der Ökologisch-demokratischen Partei ein Bündnis eingehen. Dann ist die Fünf-Prozent-Hürde nicht mehr unüberwindbar. Und ich kann sie endlich wieder vermöbeln.
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¹ Ehre, wem Ehre gebührt. Die Brötchentüte stammt von der Bäckerei Lechtermann („Ihr Meisterbäcker“) und ich habe sie zu dem belegten Käsebrötchen dazubekommen, das ich am Bielefelder Bahnhof kaufte. Eine gar nicht mal so lustige oder originelle Theorie besagt, dass Bielefeld nicht existiert. Bielefeld existiert. Die Frage ist nur: wozu? Als ich kurz aus dem Hinterausgang des Bahnhofs ins Freie trat, begrüßte mich dort ein Schild mit der Aufschrift „Boulevard Bielefeld“. Auf der linken Seite lief Wasser eine Stahlwand hinunter. Möglicherweise war es eine Art Kunstwerk. Die Stahlwand war zu großen Teilen verrostet.
² Fortan wird die Piratenpartei in dieser Kolumne keine Rolle mehr spielen, denn Berlin ist Free-WLAN-Hausen, der Rest Deutschlands ist dies nicht. Die Partei wird außerhalb Berlins auf Jahre hin keine große Rolle spielen. Auch wenn die Sascha Lobos und Thomas Knüwers dieser Republik mich nun dafür ausschimpfen werden, dass ich das digitale Zeitalter verpenne und ich sei ja so 1.0 – was nicht stimmt, ich habe ein Facebook-Account und einen Internetanschluss – aber nur weil ich den ganzen Tag esse, wähle ich ja auch nicht die Partei, die am meisten Ahnung von Essen hat.
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"aber nur weil ich den ganzen Tag esse, wähle ich ja auch nicht die Partei, die am meisten Ahnung von Essen hat", schreibt Sebastian D. Völlig zu Recht! Aber die Partei zu wählen, die am meisten Ahnung VOM Essen hat, wäre nicht unbedingt ein Fehler.
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Bei dem Tanz um den Blocksberg werden nach dem Ende aller Krisen selbst politisch extraterrestrische blaue Männchen wie ein Phönix aus der Asche fliegen. Das war bei den NAZIs auch so.
Nebenbei: Wäre bei dem Rezept für das französische Brot auch die Menge im Mehlsack spezifiziert, würde es sich wohl an an Mathematiker mit Vorliebe für Baguette richten. |
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Vorsicht, Herr Dalkowski! Bielefeld-Bashing ist ebenso out wie das Mobben der FDP. Aber weil Sie es sind, drei Richtigstellungen und einen Ratschlag:
1. Die Bäckerei Lechtermann hat vorzügliche Röggelche. 2. Die Frage nach der Legitimität der Existenz Bielefelds ist seit Jahren von Thomas Gsella in einem Gedicht beantwortet worden: Vor vielen hundert Jahren schon, da sprach ein Mann zu seinem Sohn: „Ich hab das Leben, ach! so satt; wohlan, wir gründen eine Stadt!“ Der Sohn war wie der Vater toll vor Menschenhass und Lebensgroll und sprach: „Sie soll auf Erden ganz einzigartig werden!“ So bauten sie. Bald war vollbracht, was Ekel, Zorn und Wut erdacht. Und also kam auf diese Welt der Teufel namens Bielefeld. 3. Der Kunstbegriff, mit dem Sie aus dem Rheinland angereist sind, ist selbst für Bielefelder FDP-Wähler leicht als ein reaktionärer zu erkennen: "Möglicherweise war es eine Art Kunstwerk. Die Stahlwand war zu großen Teilen verrostet." - So redeten schon die alten Bielefelder, als der große Richard Serra seine Skulptur "Axis" in der Stadt platzierte. Die steht heute noch, allerdings neben der Kunsthalle, und ist auch von denen, die damals so sprachen wie Sie heute, längst als Kunst akzeptiert. 4. Abschließend ein Zitat vom lokalen Jahrhundertsoziologen: „Es gibt zwei Möglichkeiten, die Welt zu verstehen: beobachten, wie ein Beobachter die Welt rekonstruiert, oder in Bielefeld aussteigen und mit offenen Augen durch die Bahnhofsstraße laufen.“ |
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"Zum Beispiel die Tierschutzpartei, die in Berlin 1,5 Prozent erreichte."
"Die 1,4 Prozent der Tierschutzpartei kann sich die FDP also mühelos schnappen" "Die zwei Prozent, die die FDP noch hat, wird sie kaum unterbieten. " "sie war mit 1,8 Prozent die siebte Kraft, " Humor ist Geschmackssache - Sorgfalt nicht. |
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Ist korrigiert. Jetzt müssen Sie aber auch die 0 Sterne-Bewertung wieder zurücknehmen.
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@Sebastian Deilkowski
Ich habe nicht mit O Sternen bewertet, auch nicht mit dem einen , der zu sehen war, habe mich nur darüber gewundert, warum sie das als O-Sterne-Bertung bezeichnen. Beim Bielefeld-Bashing stimme ich aber koslowski zu. |
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Wie soll ich eine Bewertung zurücknehmen, die ich nicht vorgenommen habe?
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"Die heutige Kolumne ist deshalb zu 100 Prozent frei von FDP-Häme."
ne ist klar :-) |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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