Just an dem Tag, an dem deutsche Medien realisierten, dass es hierzulande seit 14 Jahren neonazistische Untergrund-Strukturen, Morde und Bombenanschläge gegeben hat, hielten Antifaschist_innen in Warschau gerade den Kopf hin.
Der vergangene Freitag markierte den polnischen Nationalfeiertag, den Faschisten wiederholt mit einem Marsch zu vereinnahmen versuchten. Bewahrheitet hat sich dabei, was der Deutschland-Korrespondent der größten polnischen Tageszeitung Gazeta Wyborcza, Bartosz Wielinski, in einem Interview im Vorfeld des 11. Novembers gesagt hatte: "Es ist ein Bewusstsein dafür gewachsen, wie wichtig die deutsch-polnischen Beziehungen sind." Polen und Deutsche versuchten gemeinsam, den Aufzug der Rechten wie im vergangenen Jahr zu blockieren - knapp die Hälfte der von der Polizei festgesetzten 200 Antifaschist_innen war aus Berlin gekommen und schon während ihrer Anreise per Bus kassiert worden.
Infolge des nationalistischen Aufmarsches kam es in Warschau dann zu Straßenschlachten, Festnahmen und brennenden Autos; das veranlasste dann einerseits Ministerpräsident Donald Tusk dazu, ein Vermummungsverbot zu fordern. Und andererseits Oppositionsführer Jaroslaw Kaczynski über die aus Berlin angereisten Nazi-Gegner räsonieren: Sie seien eben der Typus Mensch, der Hitler möglich gemacht hat.
Dumm nur, dass die Deutschen schon in Haft saßen, als es zu den gewaltsamen Auseinandersetzungen kam. Dennoch ist Kaczynski-Äußerung alles andere als ein Anlass, um hierzulande wieder einmal den Kopf über diesen komischen Nationalisten mit der deutschenfeindlichen Attitüde zu schütteln. Denn lauthals gegen linke Antifaschist_innen zu krakeelen und so schwerstkriminellen rechten Strukturen zuzuarbeiten, das gehört für viele in Polen und in Deutschland zum Standard-Repertoire; wer das bisher nicht wissen konnte oder wollte, der weiß es jetzt, spätestens seit vergangenem Freitag.