Sonja Peteranderl

Blog von Sonja Peteranderl

20.03.2010 | 18:10

Markus Beckedahl: Was nach dem Onlinewahlkampf übrigblieb

Der Wahlkampf in Deutschland wurde im letzten Jahr erstmals auch auf Online-Kanälen geführt. Was passiert nun nach den Wahlen? Wie nachhaltig nutzen Politiker die Potentiale des Web 2.0.? Markus Beckedahl über politische Aktivitäten im Internet.

Im Sommer fast ein Jahr: Der deutsche Wahlkampf, der mit hoher Aufmerksamkeit für die Aktivitäten der Politiker im Netz verbunden war, ist vorbei - was hat sich seitdem verändert?

Die Parteien haben ihre Aktivitäten im Netz zurück geschraubt. Das hängt vor allem damit zusammen, dass es im Wahlkampf in der Regel mehr finanzielle Ressourcen gibt, um Öffentlichkeitsarbeit zu machen.

Bei den Politikern sind vor allem drei Trends zu beobachten: Die einen haben soziale Medien in ihre Arbeit integriert und berichten kontinuierlich selbst über Twitter, Facebook oder vereinzelt auch Blogs. Viele lassen das von ihren Mitarbeiter erledigen. Und andere wiederum haben ihre Netz-Aktivitäten weitgehend eingestellt und konzentrieren sich auf das Einstellen von Pressemitteilungen.

Wie entscheidend war der Online-Wahlkampf für die Wahlergebnisse?

Der Online-Wahlkampf war noch nicht ausschlaggebend für den Wahlsieg. Aber zwei Prozent für die Piratenpartei wären ohne Internet nicht möglich gewesen.

Haben die Politiker Social Media nur mit Blick auf den Wahlkampf genutzt und danach schlagartig aufgegeben? Bei vielen ist dies bemerkbar. Andere haben aber Gefallen an sozialen Medien gefunden und diese in ihre Arbeit integriert.

Wer hat durchgehalten und meistert die Social Media Klaviatur?

Bei allen Parteien gibt es Politiker, die sich vom Rest absetzen. Das sind meist die jüngeren Nachwuchspolitiker. Richtige Meister sind mir aber noch nicht begegnet. Aber das kann ja noch kommen.

Was war dein Favorit in Sachen zivilgesellschaftlicher Remix von Polit-Kampagnen?

Ich war überrascht von der großen Beteiligung an unserer Schäuble-Remix-Aktion mit rund 1000 Einreichungen, von denen zahlreiche gut und kreativ waren. Sonst war ich etwas verwundert, dass die Remix-Kultur noch nicht so ausgeprägt ist.

Haben die Politiker die Grundregeln von Kommunikation im Web 2.0, wie Authentizität und Dialog, mittlerweile verstanden oder wird schlicht PR über neue Kanäle serviert?

Manche haben es verstanden, viele sehen es aber weiterhin als Sende-Kanal ohne den Willen zum Dialog.

Inwieweit kann Obama auch nach den Wahlen als Vorbild gelten - zum Beispiel im Bereich eGovernment? Und wie sieht es da in Deutschland aus?

Beim Thema OpenGovernment sind uns die USA, aber auch Grossbritannien und andere Länder wie die Niederlande weit voraus. Hier erhoffe ich mir einen Innovationsschub in Deutschland, um unsere Verwaltungen transparenter zu machen und diese auch zu öffnen.

Daten sollten selbstverständlich maschinenlesbar und unter offene Lizenzen online gestellt werden, sofern keine personenbezogenen Daten dabei sind. Über Ausnahmen kann man dann immer noch reden.

Wie groß ist die Kluft zwischen Deutschland und den USA noch? Haben die deutschen Politikblogger aufgeholt?

Viele deutsche Politikblogger nutzen Nischen, die traditionelle Medien nicht ausfüllen. Der Medienwandel ist in den USA aber viel fortgeschrittener und das hat mehr Nischen geschaffen. Und es ist auch einfacher für Politik-Blogger in den USA, sich zu finanzieren. Der Werbemarkt ist größer, sowie der Wille von Marken, im Netz Werbung zu schalten, aber auch die Reichweite ist größer durch die Sprache.

Ich wundere mich aber trotzdem, wie wenige Nichtregierungsorganisationen die Möglichkeiten des Internets nutzen. Die meisten kommunizieren noch sehr traditionell.

Haben viele neue Akteure begonnen, über Politik zu bloggen oder kann man eher sagen, dass nach dem Wahlkampf die üblichen Verdächtigen übrig geblieben sind?

In Wahlkampfzeiten gibt es immer mehr Aufmerksamkeit für Politik und das motiviert auch viele, sich mit ihren Meinungen zu äussern. Das Interesse lässt oftmals aber nach einem Wahlkampf wieder nach. Politische Blogs wachsen trotzdem in Deutschland und werden immer mehr.

Was ist mit Frauen, die politisch bloggen? Gibt es die? Wo? Oder warum nicht?

Vor allem im Themenfeld Feminismus gibt es viele bloggende Frauen. Ich würde mir wünschen, wenn es auch in meinem Themenfeld Netzpolitik mehr bloggende Frauen geben würde.

 
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