Steffen Kraft

Blog von Steffen Kraft

21.09.2009 | 14:53

Warum bleiben Freitag-Blogger anonym?

In der Redaktion denken wir zurzeit über einen Schwerpunkt zum Thema "Anonymität" nach, der in den nächsten Wochen erscheinen könnte.

Nun gibt es ganz unterschiedliche Gründe, warum Blogger anonym bleiben wollen, obwohl (oder gerade weil?) sie teilweise sehr persönliche Dinge und Erlebnisse in ihren Blogs beschreiben.

Toll wäre es, wenn wir einige Statements von Mitgliedern der Community veröffentlichen könnten, warum sie auf Freitag.de unter einem Pseudonym auftreten und nicht unter ihrem Klarnamen.

Damit viele Menschen zu Wort kommen können, sollten die Texte nicht mehr als 500 Anschläge haben - und möglichst als Kommentar unter diesen Beitrag gepostet werden. Wir sind gespannt...

 
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Kommentare
mh schrieb am 21.09.2009 um 15:01
hatten wir das nicht schonmal zischen zwei diskussionen "besprochen"? :D

mfg
mh
Steffen Kraft schrieb am 21.09.2009 um 15:07
Ja, unter anderem deshalb sind wir ja auf die Idee gekommen, dass es wohl nicht das Dümmste wäre, die Blogger mit ihren Gründen selbst zu Wort kommen zu lassen.

Ich würde mich jedenfalls sehr freuen, wenn Sie Ihre Position noch einmal hier zusammenfassend umreißen könnten. Lust?
mh schrieb am 21.09.2009 um 15:11
ich halte das zwar für ein absolut unspannendes thema, aber die 500 anschläge garantier ich nicht. :P

bin grad dabei mir ne din a4 seite beizubringen.^^

mfg
mh heute abend mal versuchen
Steffen Kraft schrieb am 21.09.2009 um 15:14
Wie auch immer: Ich warte gespannt.
Bildungswirt schrieb am 21.09.2009 um 15:11
Willst du wieder an Tabus ran? Das hängt fast alles an "magic" und "black" und "box". Die Stadt, das Netz sind Garanten für Freiheit und Anonymität. Bei Freitagbloggern ist doch die A. nur oberflächlich (könnte in der Tiefe des Netzes gelüftet werden, wer kontrollgeil ist, kann zusätzlich "Profile" der Anonymen anlegen.)
Unabhängig davon haben Maskenspiele zu allen Zeiten Spass verbreitet.Das Netz lädt geradezu ein.
Gruß BW/MM
mh schrieb am 21.09.2009 um 15:13
ich fühl mich mich hier auch nicht sonderlich anonym. der freitag weiß genau wer wir sind und den rest erledigt google.^^

mfg
mh
Steffen Kraft schrieb am 21.09.2009 um 15:18
Es stimmt, absolute Anonymität gibt es wohl nirgendwo. Grundsätzlich aber kann sich auf freitag.de ja jeder anmelden, der eine E-Mail-Adresse hat. Und die muss ja bekanntlich auch keine Klarnamen enthalten.

@Bildungswirt: Ich würde mich auf jeden Fall freuen, wenn Sie hier an dieser Stelle noch mal gebündelt Ihre Gründe zusammenfassen würden, warum Sie zumindest als Bildungswirt auftreten. :-)
Bildungswirt schrieb am 21.09.2009 um 15:31
@steffen kraft.
Sobald ich dazu etwas Zeit finde, mach ich.
(Waren wir noch beim SIE? Als der deutlich Ältere - so ist doch die Tradition? - biete ich Ihnen/Dir selbstverständlich das DU an. In der Community so üblich und ihr Redaktionellen seit doch ein Teil davon oder?)
Gruß BW
Steffen Kraft schrieb am 21.09.2009 um 15:42
Super, freue mich auf die Zusammenfassung.

Und klar, wir sitzen hier alle in der größten Redaktion Deutschlands. Aber meine Arbeitskollegen sieze ich ja auch - zumindest dann, wenn ich sie nicht persönlich kenne (oder sie mein Chefredakteur oder Verleger sind). Das halte ich für eine Frage des Respekts. Also: nichts für Ungut.
Bildungswirt schrieb am 21.09.2009 um 16:13
Gut, wenn ich dran denke - "Sie" - kann auch mal vergessen werden, nichts für ungut, trotz Respekts.
Nur beim Verleger und Chefredakteur ("Ihr" Arbeitgeber) seh ich das auch so.
Wenden wir uns der Sache zu ...demnächst.
Gruß BW
mh schrieb am 21.09.2009 um 17:43
da sagt er zurück zum thema, doch gerade bei diesem thema find ich diesen einwand recht interessant.

es impliziert ja, dass wir hier keine persönliche diskussion führen sondern eine geschäftliche. aus der position des redakteures heraus ist das sogar verständlich, aus sicht einer community eher weniger, da das persönliche doch recht präsent ist. ebenso wie die persönlichkeit jedes einzelnen sich hier mit jedem schriftstück ein wenig mehr offenbart. in ihrer gesamtheit ergeben die beiträge jedes einzelnen ein persönlichkeitsprofil .. von der art und weise her ebenso wie von den persönlichen anliegen.

btw., grad gesehen ... da stand doch mal "nur" alltag.

"Redakteur Internetpolitik, Bürgerrechte, Datenschutz. Koordinator Wochenthema "

kann man da zu einer beförderung gratulieren?

mfg
mh
Steffen Kraft schrieb am 21.09.2009 um 17:52
Na ja, es handelt sich eben um eine öffentliche Diskussion von Menschen, die sich nur im Ausnahmefall persönlich kennen. Um was es da inhaltlich geht, hat doch nichts mit der Anrede zu tun, oder?

In der Tat hat sich mein Aufgabenbereich seit dem 1. September verschoben. Der Freitag möchte einen Schwerpunkt auf die Themen Internetpolitik, Bürgerrechte, Datenschutz legen - et voilá: jetzt mach ich das.
mh schrieb am 21.09.2009 um 18:20
aufgabenverschiebung klingt nicht nach beförderung sondern nach mehr arbeit. gratuliere... *g*

"Der Freitag möchte einen Schwerpunkt auf die Themen Internetpolitik, Bürgerrechte, Datenschutz legen"

sehr erfreulich und den zeitgeist (des internets) erkannt. hoffen wir, dass es auch ein thema im offline wird. :)

mfg
mh
merdeister schrieb am 21.09.2009 um 16:53
Ein "Nick" gibt mir die Illusion von Kontrolle darüber, zu entscheiden, wer meine Meinung meiner Person zuordnen kann. Das ist natürlich so naiv, wie davon auszugehen, eine abgeschlossene Tür würde vor Einbruch schützen.
I.D.A. Liszt schrieb am 23.09.2009 um 14:53
Wenn's schon sonst niemand sagt, dann eben ich unter Pseudonym:
Danke, danke, danke!
poor on ruhr schrieb am 21.09.2009 um 16:59
Unter der Anonymität fühle ich mich sicherer. Ich weiß nicht , ob ich das was ich schreibe und meine Person damit zu wichtig nehme, aber es ist einfach so!!! Auch beruflich fühle ich mich nicht gerade in einer so starken und unabhängigen Position, dass ich die Anonymität aufgeben möchte. Selbst in Texten versuche ich es zum Beipiel zu umschreiben ,was ich beruflich mache. Die Anonymität erzeugt bei mir eine gewisse Offenheit und Echtheit beim Schreiben, die ich mich sonst einfach nicht trauen würde. Ich wollte auch schon mein Profilbild gegen einen kleinen
süßen Pandabär oder was Ähnliches vertauschen, aber bei dem Profilbild sehe ich keine so große Wiedererkennungsgefahr und so wichtig nehmen, dass wenigstens ein ganz grober Eindruck meiner Person entsteht, möchte ich mich schon, selbst wenn nicht einmal einer oder eine meine Blogs liest! Ohne dabei peinlich werden zu wollen möchte ich mir schon eine Restwürde für meine Person, die unabhängig von der Beachtung oder dem Grad an Aufmersamkeit , das man bekommt, ist, bewahren! Dfür reicht mir das echte Profilfoto aber vollkommen aus!
Steffen Kraft schrieb am 21.09.2009 um 18:24
Vielen Dank.
poor on ruhr schrieb am 21.09.2009 um 17:06
Auh scheiße, nach merdmeisters Kommentar, habe ich wieder mal erfahren müssen, dass ich naiv bin ,aber ein kleines bißchen bin ich das tatsächlich!
;O)
merdeister schrieb am 21.09.2009 um 17:58
Wir alle... :-p
kay.kloetzer schrieb am 21.09.2009 um 17:22
Tag für Nacht führe ich ein Leben, dessen Teile zusammenpassen. Anordnung oder Gewichtung mögen variieren, immer bleiben es: Freunde, Familie, Arbeit, Kultur, Bildung ... In diesem Rahmen bin ich den anderen vertraut, für sie auch berechenbar.  Auf die Community hingegen hat die alltägliche Beurteilungs- und Bewertungsroutine keinen Zugriff. Hier gibt es keine Erwartungen an mich. Für mich ist das Internet eben nicht das sogenannte normale Leben, sondern ein Abbild davon, eine Spielart. So ist, was und wie ich hier schreibe, auch nur ein Abbild, eine Spielart von mir. Ich bin nicht anonym, sondern eine andere.
kay kloetzer
Steffen Kraft schrieb am 21.09.2009 um 18:24
Auch hier: Danke!
kay.kloetzer schrieb am 21.09.2009 um 17:24
PS: Was mich übrigens noch umtreibt: Warum werden bei Blog-Veröffentlichungen im gedruckten Freitag die Klarnamen genannt? Geschieht dies in Absprache mit den Bloggern?
kk
mh schrieb am 21.09.2009 um 18:18
man sieht auch öfter mal den reinen "blogger-namen", von daher wird man wohl gefragt wie man es gerne hätte.

mfg
mh
Bildungswirt schrieb am 21.09.2009 um 18:30
Kann mich nicht erinnern, dass ich gefragt wurde. Ist mir aber nicht so wichtig, weiß jeder, der es rausbekommen will.
mh schrieb am 21.09.2009 um 18:17
Ich bin gerne anonym. Nicht, weil ich mich verstecken muss, sondern weil ich gerne kontrolliere wer was erfährt. Im Zwischenmenschlichen des Internets funktioniert das eben so gut, wie es im geschäftlichen nicht funktioniert, da man überall seine Daten hinterlassen muss.

Wenn wir auf einer Plattform im Internet diskutieren, hinterlassen wir auf dieser Plattform im Regelfall eindeutig zuordnenbare Datenspuren. D.h. dem Betreiber gegenüber sind wir, bei Bedarf, nicht anonym. Das ist auch zu Befürworten.

In der Diskussion ermöglicht die gegenseitige Anonymität der Nutzer aber eine Offenheit, die das Leben nicht bietet. Gerade wer in größeren Firmen arbeitet oder gearbeitet hat wird irgendwann in seinem Leben festgestellt haben, dass er nicht prinzipiell offen sprechen kann, seine Meinung also diplomatisch einbringen muss oder gar nicht.

Das Internet bricht diesen gesellschaftlichen Zwang zum Betrug und Selbstbetrug auf. Jedem wird ermöglicht ganz ungezwungen über nahezu jedes Thema zu reden, wobei auch hier der gesellschaftliche Grundtenor als Rahmen dient.

Z.B. wird ein Kinderschänder auch im Internet wenig Freunde finden.

Es geht vom Prinzip her darum, dass die gegenseitige Anonymität der Nutzer die Möglichkeiten für einen offenen Diskurs schafft ohne dass die sonst üblichen Einschränkungen vorhanden sind.

Durch die Nutzung verschiedener Namen für verschiedene Plattformen kann der Nutzer dann auch eine Trennung von privaten und geschäftlichen Tätigkeiten herbei führen. Bei Bedarf und Wollen, diese aber jederzeit verbinden, oder auch nur teilweise.

Politik, das beim Freitag überpräsente Thema, ist hierfür das beste Beispiel. Grundsatzregelung im Geschäftsverkehr lautet: Du darfst alles tun, nur über Politik redet man nicht.

Warum sollte mich jemand im Internet dazu zwingen können es per Klarnamen zu tun?
Steffen Kraft schrieb am 21.09.2009 um 18:25
Dankeschön!
Ehemaliger Nutzer schrieb am 21.09.2009 um 20:08
Das Internet hat sich zu der Universität meiner späteren Jahre entfaltet, ohne mich (bis jetzt) nach Alzheim zu schicken. Trotzdem, es ist eine unbestrittene Tatsache das auf unserem Post-9/11 Planeten das Internet uns seine eigenen Lektionen lehrt, oft schmerzhaft schnell. Und weil unter Maske von "Sicherheit" alles mögliche ausgeforscht wird bietet Anonymität eben eine gewisse Sicherheit vor Falsch-Interpretationen durch eben diese "Sicherheits-Experten".

Eine Reihe von Technologien, die hinter den Kulissen arbeiten um Kommunikation und Zusammenarbeit reicher und automatisierter werden zu lassen erfordern dieses gewisse Maß an Anonymität. Wie "MH" schon geschrieben hat: "...den Rest erledigt Google".

Das Web 3.0, auch "semantisches Web" genannt unterscheidet sich äußerlich nicht von Web 2.0, - es ist nur sehr viel aufdringlicher geworden.

Diese Technologie wird bereits von US-Militär-und Geheimdiensten genutzt. Auf der Seite von Lewis Shepherd (www.lewisshepherd.com/news.html) gibt es genauere Informationen wie anonym Du bist.

Beauftragt wurden vom Pentagon alle die bekannten Firmen die das Internet 24/7 durchsuchen. So hatte Google schon nach 2 Tagen einen Post von mir hier im Freitag gelistet, in dem es einen Verweis auf das Microsoft-Institut für Advanced Technology and govermental issues gab, und der ist nicht einmal "ver-hyper-linkt".

Ich erzähle ja auch nicht jeden Unbekannten was er in meinem Haus inspizieren und mitnehmen kann, auch nicht in Echtzeit auf Twitter, sachichma.

sachichma.blogspot.com/2009/05/web-30-saubere-echtzeit.html
Steffen Kraft schrieb am 22.09.2009 um 11:38
Vielen Dank
spartaner schrieb am 27.09.2009 um 20:46
Hallo sachichma,

besser kann man es nicht beschreiben. Echte Anonymität gibt es ja überhaupt nicht, was aber kein Grund ist, es ihnen noch einfacher zumachen. Aber ganz ehrlich, jeder weiß, das Internet vergisst nie und gerade bei politisch öffentlichen Äußerungen habe ich immer ein mulmiges Gefühl, schon aus diesem Grund sollte man immer vorsichtig sein.
archinaut schrieb am 21.09.2009 um 22:04
Der gewählte Blog-Name steht für ein gestalterisches Konzept, das zwar durch eine gestaltende, hier schreibende Persönlichkeit gespeist wird, aber trotzdem ein autonomes Eigenleben entwickeln kann.

Übrigens habe ich (anders als kay.kloetzer) in einer Metropole (wie z.B. Berlin) nicht das Gefühl, das die verschiedenen Profile des täglichen Lebens in einen Rahmen passen müssen. Das empfinde ich eher in einer Kleinstadt wie Quedlinburg (etwa 22.000 Einwohner): das eigene Bild entsteht durch die Wahrnehmung der Anderen.
Steffen Kraft schrieb am 22.09.2009 um 11:39
Merci
h.yuren schrieb am 22.09.2009 um 11:48
nun ist klar, dass es heute und zumal im netz keine lupenreine anonymität gibt. für schutz und sicherheit sorgen die dafür zuständigen institutionen bei tag und nacht.
namen sind nur kleine masken. sie können die kommunkation fördern, weil die törichten rücksichten und verhaltensstereotype der realwelt weniger wiegen oder wegfallen können.
im übrigen gilt shakespeare: what's in a name?
Steffen Kraft schrieb am 22.09.2009 um 15:10
Danke
Scheringer schrieb am 22.09.2009 um 15:03
Unter anderem deshalb, weil eine freie Debatte oft dann nicht möglich ist? Weil alles mit Tabus und Sprachregelungen verstellt ist?
Steffen Kraft schrieb am 22.09.2009 um 15:07
Das finde ich ja spannend: Welchem Tabu unterliegt ihr wahrer Name denn?
Scheringer schrieb am 22.09.2009 um 16:39
Sehen Sie sich doch nur an, wo Jürgen Elsässer plötzlich nicht mehr sprechen und schreiben kann ... schon mal vom Freitag problematisiert worden???
mh schrieb am 22.09.2009 um 16:52
"gefühlt eingeschränkt" ist mE auch ne legitimation, nur um dem vorweg zu greifen. ;)

in dem fall stört sie mich zwar, weil aus der gefühlten ecke immer die größten polemiker kommen, aber da muss gleiches recht für alle gelten.

mfg
mh
Steffen Kraft schrieb am 22.09.2009 um 17:15
@Scheringer: Und was hat das mit ihrem Namen zu tun?
Scheringer schrieb am 22.09.2009 um 18:50
Wenn Ihnen dieses Beispiel nicht reicht. Sprechen Sie doch mal mit Matthias Brodkorb von Endstation Rechts! Wie ist das, wenn man vom vorgeschriebenen Deutungspfad abweicht? Schnell kann es da einsam um einen werden ... Herrschaftsfreier Diskurs: Zum todlachen! Auch ein Grund für Pseudonyme.
Steffen Kraft schrieb am 23.09.2009 um 10:16
Nach ihrer Logik müsste sich mit dem Pseudonym auch der Inhalt der Aussagen ändern, sich dann nämlich innerhalb des angeblich "vorgeschriebenen Deutungspfads" bewegen. Sonst dient das Pseudonym doch wohl weniger dem herrschaftsfreien Diskurs, sondern eher der Camouflage.

Die von ihnen leidenschaftlich angeprangerten vorgeblich ach so mächtigen Sprachtabus ändern sich doch nicht, wenn man seinen wahren Namen nicht preisgibt.
mh schrieb am 24.09.2009 um 11:17
sie ändern sich nicht, aber der einzelne getraut sie sich zu brechen.

mfg
mh
Deaktivierter Nutzer schrieb am 22.09.2009 um 22:47
Hier spricht meisterfalk: habe mich geoutet!!!

Nähere Infos hier:
www.freitag.de/community/blogs/meisterfalk/die-wahrheit-ueber-meisterfalk
Steffen Kraft schrieb am 23.09.2009 um 10:19
:-D
klara schrieb am 23.09.2009 um 09:25
Klara, die Patronin der Wäscherinnen, Stickerinnen und Blinden (als Chiara dei Scifi), erscheint mir passend für eine, die Schreiben als dreckiges, dabei reinigendes (heiliges!) Handwerk betrachtet und sich nicht zu schade ist für blinde Flecken und allerlei schmutzige Wäsche. Klara stickt Zeichen, denn Texte sind Stoffe. Klara heißt wörtlich „die Leuchtende“, steht aber auch – wie jede Wahrheit und jeder Entschluss – für einen Verrat: Die später heiliggesprochene Klara von Assisi verließ ihre Familie gegen deren Willen, als sie mit Franziskus floh, sich die Haare scheren ließ und Nonne wurde. Im Netz bin ich Klara.
Steffen Kraft schrieb am 23.09.2009 um 10:20
Hach, das wird ja immer besser hier.
kay.kloetzer schrieb am 24.09.2009 um 10:34
Liebe klara,
das ich ja alles prima, aber warum denn nun anonym?
kk
klara schrieb am 26.09.2009 um 16:41
Liebe kay.kloetzer,
tja, warum? Und warum nicht?
Hätte ich einen ernsthaften Grund, hier anonym zu sein (weil ich berühmt, berüchtigt oder mit berühmten oder Berüchtigten verwandt wäre zum Beispiel) - dann würde ich das ja hier nicht sagen.
Und wenn ich keinen Grund habe - kann ich auch keinen nennen ;) Außer den, dass es Spaß macht, dass es ein Spiel ist, dass es Ernst ist, dass das Netz und die Welt zu groß ist für einen einzigen Namen - was weiß ich.
Eigentlich fiel mir nichts ein zu der Frage, aber Steffen Kraft hat mich überredet, und dann hab ich Klara von Assisi gepostet.
Die Frage "Warum anonym" finde ich nicht beantwortbar. Man sieht das hier an den Kommentaren: Der Drang, sich bei der Beantwortung in irgendeiner Form klarnamig zu outen, ist offenbar groß. Vielleicht wollen wir alle irgendwie - erkannt werden, GEkannt. Und wollen uns zugleich verstecken, Mäuschen spielen, ein anderer sein.
kay.kloetzer schrieb am 26.09.2009 um 19:14
Liebe Klara, vielen Dank, das sagt mir ja was, damit kann ich etwas anfangen. Es gibt ja hier sehr verschiedene Erklärungen und Ansätze (übrigens eher Bestätigung meiner Vorstellungen von Netzt und Netzmenschen als Überraschungen), daraus sollte Steffen Kraft nun wirklich was machen können. Bin gespannt.
Liebe Grüße
kk
Deaktivierter Nutzer schrieb am 23.09.2009 um 09:43
Im Fernschreib- und Chiffrierverkehr hieß das MSR-16 "Robert Uhrig" in Bad Frankenhausen Facharzt. Die 11.MSD lief unter Raspor. Für den Gegner unkenntlich bleiben, war die Absicht. Für den Ernstfall lagen, sicher auch in den gegnerischen Stäben, in den Panzerschränken neue, hochgeheime Namen.
Der allererste Klarnamen, der geheim bleiben sollte, aber war, wenn ich mich richtig erinnere: Rumpelstilzchen. Mit dazu gehören die Märchenträume von Tarnkappen für die völlige Unsichtbarkeit und fliegenden Teppichen. Die Spitznamen der Kindheit und Jugend zähle ich nicht dazu, denn die dienten ja eher der besseren Erkennbarkeit.
Als ich dann 1990 die Stasiakten meines Bruders lesen mußte, begegneten mir die Spitzelnamen der IM's. Wieder welche, die ihre wahre Identität verbergen wollten. Ich zähle die mutige Offenheit so vieler in der Wendezeit zu meinen schönsten Erlebnissen. Als Menschen sich mit Gesicht, Name und Hausnummer vor hunderten und manchmal wohl tausend Menschen zu Wort meldeten. Was für eine Kraft. Diese Zivilcourage, diese scheinbar aus dem Nichts kommende Mündigkeit, scherte sich nicht mehr um irgendwelche Spitzel- und Geheimdienstspielchen. Auch dadurch hatte die Stasi ihre üble Macht verloren. (Und es ist heute bitter zu sehen, wie perfekt die neuen Disziplinierungsinstrumente greifen. Und wie so manche(r) sich dies auch noch schön redet.)
Und dann kam das Internet mit seinen Tarnnamen, die, so sagen es mir die Fachleute, nicht wirklich funktionieren. Und doch so verbreitet und "normal" geworden sind. Heute schreibt einer unter PaulderVerschnupfte einen Beitrag und morgen erscheint von derselben Person die gegenteilige Ansicht unter Malsehenwaspassiert. Es soll Trolle geben, die diese "Spielchen" exzessiv betreiben. So wabern längst Ansichten, Meinungen, Themen durch dieses Internet, für die sich keine Träger mehr finden lassen.
Was ist also eine Meinung ohne kenntlichen Menschen dahinter eigentlich wert?
Was bedeutet es, wenn PaulderVerschnupfte jederzeit sagen kann:April, April! Das war ich nicht?
Was bedeutet es, auch für die Demokratie, wenn jede(r) mit mehreren "Identitäten" und den dazugehörigen Inszenierungen unterwegs ist?
Was bedeutet es für das notwendige Zusammenleben von uns Menschen, wenn die erste Aufgabe das eigene Verstecken zu sein scheint?

Je mehr ich darüber nachdenke, um so fragwürdiger wird es für mich. Mein halber (richtiger) Namen ist ein Kompromiß. Einerseits halte ich es für geradezu geboten, zu seinen Ansichten auch öffentlich zu stehen. Andererseits ist mir dieses Internet mit seinen mir unbekannten Möglichkeiten eben auch ein sehr fremdes Terrain, vor dem ich mich schützen muß. Aber muß ich wirklich?
Der Regimentskommandeur und einige andere Offiziere von Facharzt bekamen übrigens des öfteren per NATO-Funk persönliche Geburtstagswünsche übermittelt. Rumpelstilzchen blieb nicht unerkannt. Die Klarnamen der IM's des OV Ibero sind mir bekannt.
Steffen Kraft schrieb am 23.09.2009 um 10:23
Dankeschön
Anette Lack schrieb am 23.09.2009 um 09:46
Anonym? Ich bin v - on Beruf Journalistin - kann also, wenn ich damit weiterhin Geld verdienen will, schreiberisch nicht immer so hinausposaunen, was ich denke, wähle, verachte...

Unter meinem Nickname kann ichs, und ich genieße diese Freiheit.
(Obwohl ich hier doch schon, zu meiner Verblüffung, "enttarnt" wurde...)

Anna, weil das was mit meinem echten Vornamen zu tun hat. Und weil Anna die Mutter Marias war, und "Anmut, Liebreiz, Gnade" bedeutet...

Und in Verehrung für Anna Magnani...
Anette Lack schrieb am 23.09.2009 um 09:47
korrig.: VON Anna Magnani
Steffen Kraft schrieb am 23.09.2009 um 10:23
Sehr interessant. Auch Ihnen: Danke
Friedland schrieb am 23.09.2009 um 18:18
Dis wo ich herkomm...

Anonym sind wir nur auf den ersten Klick. Danach spinnt sich ein Netz durch das Netz, dessen Fäden immer dichter werden. Aus diesem Datenkokon entschlüpft dann vielleicht irgendwo ein buntes Profil von mir. Wenigstens hab' ich dann aber Profil...

Ich möchte meinen Namen für mich behalten, nicht meine Meinung. Da wir im Internet nur auf Wörter und Text reduziert werden, reduziere ich mich auf einen Namen, um Tante Google zu verwirren. Nicht JEDER muss ALLES von mir wissen. Der kleine Nick(name) als Trumpf im beziehungsärmlichen Internet...
mth schrieb am 25.09.2009 um 09:57
Ich blogge hier und auch sonst anonym, weil die eigene Meinung eine gefährliche Sache ist. Wer wie ich viel satirisches postet sieht sich zwangsläufig Angriffen ausgesetzt. Ich kann und will mir das Leben außerhalb des Bloggens nicht davon kaputt machen lassen.
Peripatetik schrieb am 25.09.2009 um 12:51
Ich blogge anonym aus Solidarität mit denen, die anonym bleiben müssen, um sich und ihre Familien zu schützen. Aus Solidarität mit China, Birma, Iran, Weißrussland usw. Wobei man auch in Deutschland enorme Schwierigkeiten bekommen kann, wenn man z.B. zu oft "gentrifiziert" sagt.

Wenn nur diejenigen anonym aufträten, die es unbedingt müssen, wären sie ein leichtes Ziel. Durch meinen bescheidenen Beitrag mache ich es den Verfolgern ein ganz kleines bisschen schwerer, hoffe ich.
Steffen Kraft schrieb am 25.09.2009 um 14:42
An alle Schreiber: Herzlichen Dank für die zahlreichen interessanten Beiträge.
M1xP1yne schrieb am 25.09.2009 um 15:41
Anonym bin ich eigentlich nur deshalb, weil alle anderen hier anonym waren. Ich diskutiere auf diversen Seiten, teils auch unter meinem Klarnamen.
Wenn man also z.B. beim Spiegelfechter einen Max Krapp findet, der ein ähnlichen Avatar wie M1xP1yne benutzt, dann kann man wohl eins und eins zusammenzählen.
Ich habe keine Angst, mit meiner Meinung in Verbindung gebracht zu werden. Ich rede im Internet nur bedingt anders als in der wirklichen Welt.
Ich kann den Drang zur Anoymität der LEute verstehen, entschied mich aber bewußt an einigen Stellen dagegen.
Habe das aber etwas von der Community abhängig gemacht. Da hier die Pseudonyme überwogen, habe ich auch eines gewählt. Das verwendete Bild verbindet Max Krapp und M1xp1yne.
Einige hier sagten, dass sie ein anderer sind, wenn sie unter Pseudonym posten. Dem ist bei mir nicht so, alles ist eins. Allerdings verstehe ich diese Idee, und behalte mir vor, das eines Tages auch zu tun. Doch hat das dann mit dem Freitag nichts mehr zu tun.
Sollte ich irgendwann wegen meiner Meinungsäußerungen im Internet Probleme bekommen, dann werde ich damit leben müssen. Dies hier behauptet, ein freies Land zu sein, und deshalb möchte ich meine Freiheit auch nutzen. Alles andere wäre nicht aktzeptabel.
Doch ich verstehe jeden, der lieber anonym ist, und habe auch kein Problem, mit jemand zu reden, von dem ich den richtigen Namen nicht kenne.
Was würde es mir den bringen, wenn ich es täte?

Max
archinaut schrieb am 25.09.2009 um 18:34
Im Meer gibt es Wesen, die ihre Oberfläche entsprechend der Umgebung einfärben und Gift absondern, wenn sie in Gefahr geraten - bei Menschen bekannt als "Wallraff-Syndrom".... ein nicht ungefährliches, zum Glück aber heilbares Phänomen.

Glückliche Waljagd am Wochenende wünscht
navigator nemo
Friedland schrieb am 26.09.2009 um 12:30
In Schweden bedeutet "wallraffen" undercover in einer fremden Identität zu recherchieren. Der Begriff "Wallraff-Syndrom" ist hingegen nahezu unbekannt...
archinaut schrieb am 28.09.2009 um 23:59
Das freut mich nun wirklich, dass die Schweden da ein deutsches Wort impatriiert haben (oder sagt man importiert, implantiert oder embedded...?)..... das "Wallraff-Syndrom" muss wahrscheinlich bei der Deutschen Bundesbahn aufgetreten sein, als die Geschäftsleitung oder die Sicherheitsleute alle e-mail-accounts durchschnüffeln...
Thorsten schrieb am 25.09.2009 um 19:25
Wieleicht hat es mit der schünffelei der Arbeitgeber zutun.Heutzutage wird bei jeder bewerbung zuerst wird ins Internet gesehen ob es über den jeweiligen Bewerber einen Eitreag gibt.
Thorsten schrieb am 25.09.2009 um 19:28
Es muß natürlich : Eintrag heißen !
Thorsten schrieb am 25.09.2009 um 19:33
Und :Vielleicht !
Thorsten schrieb am 25.09.2009 um 19:34
Und im ersten Satz:Vielleicht !
Titta schrieb am 26.09.2009 um 01:50
schünffelei darf also bleiben?
schön, das hat mir nämlich sehr gut gefallen!
Nee, aber mal im Ernst. War auch alles so gut zu verstehen.
Ludwig Hasselberg schrieb am 26.09.2009 um 00:35
Bestehende oder angestrebte Karriere im Öffentlichen Dienst wäre auch noch eine Möglichkeit. Und während dem wahrhaft kapitalistischen Arbeitgeber politische Präferenzen eines einzelnen Angestellten vielleicht fast schon wieder egal sind (wes Brot ich fress, des Lied sing ich ja sowieso), liegt das im Staats- und Landesdienst doch bestimmt oft genug anders. Da wedelt am Ende der Nahrungskette ja immer einer mit einem Parteibuch.

Nach dem Lesen der Antworten hier und etwas überlegen stellt sich mir nun die Frage, welchen Gewinn denn Klarnamen überhaupt bringen? In den meisten Fällen wird man das Community-Mitglied nicht kennen und auch nicht kennenlernen - insofern läuft Neugier auf Real-Life-Existenzen ins Leere. Und aussagen über ihre Träger tun doch deutsche Namen im Durchschnitt eher wenig - im Gegensatz zu schottischen oder polnischen, beispielsweise. Am Vornamen merkt man vielleicht noch die Geschmackssicherheit oder eventuelle Identitätsprobleme der Eltern, mehr aber auch nicht. Und ein deutscher Nachname gibt erst recht nichts her, ist pure Beliebigkeit.
Ludwig Hasselberg schrieb am 26.09.2009 um 00:45
Ach dumm, da fehlt jetzt das Wichtigste: im Gegensatz zu nichtssagenden Klarnamen die ganz bewusst ausgewählten Nicks! Eigentlich geht es mir fast so, dass ich mir viel schneller ein Bild von jemandem machen kann, von dem ich nur den Nick kenne. Wieviel Ernsthaftigkeit oder Witz steckt drin, welchen Konventionen folgt er und welche bricht er, oder entstammt er einer bestimmten Lebenssphäre...
M1xP1yne schrieb am 26.09.2009 um 00:53
Dem kann man nur zustimmen.
Wobei sich die Aussagekraft einiger selbstgewählter Namen dann doch eher schnell erschöpft.
Anzunehmenderweise ist Ludwig Hasselberg ihr richtiger Name. Oder ist Ludwig eine Anspielung auf Ihre Profession? ;- )
Ludwig Hasselberg schrieb am 26.09.2009 um 01:12
Haha, reingelegt! ;-)
Mein Name hier wirkt auf mich so perfekt, dass er in meinen Augen offenkundig ein Pseudonym ist! In Wirklichkeit bin ich gestraft mit folgender Kombination: franz. (man könnte auch sagen ostdeutscher) Vorname, polnischer Nachname.
Hasselberg ist der Mädchenname meiner Großmutter mütterlicherseits. Und Ludwig soll eine Ehrerweisung an L. Wittgenstein sein. Naja...
Welche Profession steckt denn in Ludwig?
M1xP1yne schrieb am 26.09.2009 um 02:04
Mist, reingefallen! ;- )
Soweit mir bekannt kommt das Wort Lude von Ludewig. Fragen Sie mich aber bitte nicht, woher das kommt, und wer daran schuld ist.
Wobei mein richtiger Name im Englischen Sprachraum durchaus für Erheiterung sorgt.
Insbesondere, wenn man weiß, dass er in der Schweiz (wo er auch herkommt) öfters noch so geschrieben wird: "Crap".
Ludwig Hasselberg schrieb am 26.09.2009 um 18:56
Als Nachname oder sollte das gar ein richtig ausgefallener Vorname sein? Für den englischen Sprachraum natürlich ein Volltreffer. :D
M1xP1yne schrieb am 27.09.2009 um 19:25
Krapp ist der Nachname ;- )
In KOmbination mir dem Vornamen Max ergibt sich eine ganz neue Dimension des Sprachwitzes, zumindest im angelsächsischen Sprachraum. Schlimmer ist es allerdings für meine Verwandten in Australien, die dort unter diesem Namen residieren und arbeiten.
Mittelstandskind Ost schrieb am 26.09.2009 um 00:53
Recht so Ludwig. Deinen Namen hab ich morgen früh schon wieder vergessen, deine Worte aber nich!
Was nützt euch mein Name?
Mittelstandskind ost beschreibt so halbwegs das Millieu in dem ich aufgewachsen bin. Meinungen sind eben immer durch Herkunft und Erfahrungen geprägt und meine soziale Herkunft lässt sich eben gut zusammenfassen.
Gruß MOST
sputnik-suedstern schrieb am 26.09.2009 um 11:28
sehr geehrter herr kraft (so beginnt die klassische anrede, die in diesem medium meist zum opfer der reibungsverluste wird)
überlegen sie sich bitte folgendes: da ist ein redakteur, der sich eine frage stellt und "postet" das auf einer bekannten seite (genau wie sie das getan haben). es handelt sich dabei um einen recherchevorgang, richtig!? (klassisch hätten oder haben sie sich überlegt: wen frage ich jetzt...)
es ist implizit mit dem medium verwoben, das der (neue, moderne) "daten"-austausch kurz und knapp ist, deswegen, was bleibt "uns" nach der anmeldung übrig, antworten "wir" so wie wir können. vielleicht ist es vergleichbar mit einer party, auf der man den vornamen erfährt und ihn im verlauf des abends wieder vergisst.
wenn es ihnen wirklich wichtig wäre, würden sie nochmal nachfragen und den vielleicht vollen namen auch erfahren. ebenso wie hier.
wir verstecken uns nicht, wir sind in der hierarchie nur unter der nennung bekannt. mein name ist stephan eßwein. aber ist ihnen das wichtig? schönen tag noch.
sputnik-suedstern schrieb am 26.09.2009 um 11:34
um mich selbst noch einmal zu kommentieren.
der grund, warum hier so viele fanatasie-namen vorwiegen hängt ja mit der anmeldung bei ihrem community-bereich zusammen.
wenn "sie" "uns" alle als redakteure ansehen würden, hätten sie das von vorherein auch so geregelt.
darin besteht die "neue" schwäche des freitag seit gut einem jahr und macht ihn nahezu unlesbar.
ich bin ein printmensch und benutze noch die schneckenpost (die zwei leserbriefe dieses jahr kamen in der form bei ihnen an, wurden aber von den "bloggern" verdrängt.
mh schrieb am 26.09.2009 um 11:45
dass die community bei den leserbriefen zu viel zu sagen hat, habe ich auch bereits bemängelt. dann ging es 1-2 wochen und danach verfiel man wieder in das alte schema.

bei der wahlkampf-arena hatte man auch so eine phase, in der dann die politiker überwogen haben. (um es für sie interessant zu gestalten) aber das ist mittlerweile im griff.

und seit ein paar wochen geht die communitypräsenz in der printausgabe auch zurück.2-3 kleine artikel .. vermutlich will man das über die leserbriefe auch etwas kompensieren.

allerdings scheint es auch zu funktionieren, dass der anreiz sich hier anzumelden dadurch wesentlich höher wird. ;o)

ich würd den printbriefen ohnehin überwiegend das feld in der zeitung überlassen und als ausgleich den bereich top-blogs hier ausbauen. das ist zwar ein weggang von der verbindung print- und online .. nur seh ich da ohnehin nicht die großen verbindungen.

bei dem thema namensgebung wäre aber auch mal die überlegung anzustellen, ob ein selbstgewählter onlinename nicht ohnehin viel mehr über die person aussagen kann als der klarname. anna, mittelstandskind und klara gingen mit ihren erläuterungen ja bereits in die richtung.

mfg
mh
Jakob Augstein schrieb am 26.09.2009 um 18:49
Lieber Sputnik-Südstern,
das ist genau mein Gedanke: Wir müssen dahin kommen, dass wir die Community-Mitglieder wir Redakteure ansehen!!
Wir sind gerade dabei das zu besprechen und die technischen Voraussetzungen zu prüfen. Aber das ist mein neues "Rollenbild", das ich verfolgen will: Es gibt nur drei Hierarchieebenen: Community/Redakteur - Ressortleiter - Chefredaktion. Damit machen wir dann das Netz. User sollen Artikel einstellen und bearbeiten und Dossiers anlegen und verwalten können ...
Ressortleitung und Chefredaktion kümmern sich weiterhin um Dramaturgie der Seite (das lässt sich nicht "demokratisieren" - oder?) und die Planung.
Mal sehen, ob wir das hinbekommen.

Ihr JA
Kasper schrieb am 26.09.2009 um 13:39
Es muss wohl, angesichts der Möglichkeiten, die Geheimdienste und andere Organisationen haben, davon ausgegangen werden, dass unsere Online-"Privatsphäre" ein eher dünn beschichtetes Papier ist.

Private Themen sind hier wohl auch von Bedeutung aber wohl eher in minderer Priorität als politische Ansichten und Meinungen. In einem Land, in dem es ja schon fast Tradition ist wegen seiner politischen Meinung, gerade gegen Links, Nachteile zu erfahren sollte es doch in jedermann/frau Interesse sein diese "Privatsphäre", möge sie noch so dünn sein, zu schützen.

Ein kleines bisschen mehr als 500 Zeichen, aber noch kürzer ist wirklich schwer...
Deaktivierter Nutzer schrieb am 26.09.2009 um 16:02
Die meisten Aspekte der Identitätsversteckerei (auch die nachvollziehbaren wie Arbeitsplatzgefährdung...) wurden hier ja schon beleuchtet: Allerdings hielte ich meinen Klarnamen fast schon lieber raus, wenn von einer "Community" die Rede ist.
Für mich heißt das Gemeinschaft, oder habe ich mich jetzt statt Magnus Göller "Magnificent Caller" zu nennen, damit es halbwegs angemessen verangelsachst kompatibler wird?
"Community" ist lächerlich und bereits der Anfang der Aufblaserei.
Als ich vor einigen Wochen mal in einem national-konservativen "Chat" (Schwatz) darauf hinwies, dass gut die Hälfte der Teilnehmer merkwürdigerweise mit englischen "Nicks" auftraten und darob um Erklärung bat, warf man mich prompt raus. Die haben mich undeutsch kuriert.
MondoPrinte schrieb am 26.09.2009 um 16:58
Ehrlich gesagt ist das , was man "deutsche Nahost-Diskussion" nennt, nicht wirklich dazu angetan, in Ruhe Ideen und Gedanken zu entwickeln. Bei dem Bekenntnisdruck - entweder ist man für den einen oder den anderen Extremismus -, der hierzulande herrscht, habe ich keine Lust, persönlich auf irgendeiner Shitlist zu müssen. Allerdings finde ich schon, dass die Diskussion über Nahost neue Gedanken erfordert.
luggi schrieb am 26.09.2009 um 17:54
Lieber Steffen Kraft,

ich war am Anfang über 2 Dinge irritiert. Zuerst konnte ich mit dem Begriff Freitag-Blogger nicht die richtige Bedeutung zumessen. Habe immer überlegt, warum Freitag-Blogger und nicht zum Beispiel Mittwoch-Blogger oder Nacht-Blogger. Aber dann fiel doch noch das 10-Cent-Stück ;-) .
Zweitens weiß ich nicht, wie ich einen Anschlag auf einen Text ausführe. Ich hatte in meiner Ausbildung eine deutliche militärische Komponente und bei Anschlag kommen immer gewisse Assoziationen hervor. Gilt auch für das Verb besetzen (Durchsage im Supermarkt: "Bitte die Information besetzen." Ich gucke dann immer vorsichtig, ob nicht ein Kommando auftaucht.)
Aber zum Thema. Zustimmung zu Aussagen zur Anonymität wg. Vorsicht vor Schnüffelei. Ich möchte einen weiteren Aspekt in die Betrachtung bringen. Mir gefällt es auch, dass ich einen anderen Namen annehmen kann, als den, den ich durch gesetzliche Vorgaben zugeteilt bekam.

luggi, der nicht Hans Müller heißt
goch schrieb am 26.09.2009 um 22:29
Ich möchte für den Wert von Anonymität einen Vergleich bemühen. Wenn ich mich in einer größeren Gruppe an einer Diskussion beteilige, rede ich im wesentlichen für diese Gruppe.
Im Internet "hört" jedoch eine mir unbekannte Menge mit und eine Meinungsäußerung wird noch über Jahrzehnte dokumentiert und zu neuen Erkenntnissen zusammengefügt, über die ich keine Kontrolle habe und nicht die geringste Ahnung habe wer sie für was nutzen könnte.Ich äußere mich aber in der Gruppe nur für den Moment oder in dieser Sache und nicht für alle Ewigkeit.
Wenn ich für alle reden will, stelle ich mich auf den Marktplatz und brülle , damit mich alle hören können. Diese Äußerung ist dann auch für alle bestimmt. Und auch hierbei ist die Menge, die mich "hört" nur begrenzt.
Politiker und Journalisten sprechen per Definition für die Öffentlichkeit. Ich will mir das Aussuchen können.
ChristianBerlin schrieb am 27.09.2009 um 09:49
Mir geht es ähnlich wie Anna: Ich bewege mich auf mehreren Baustellen, die nicht 1:1 zusammenpassen, jedenfalls nicht alle. Wer mich identifizieren will, kann das ohne weiteres. Wem das zu schwierig ist, dem muss ich keine unnötigen Rätsel aufgeben, da kommen dann nur falsche Schlüsse heraus. Mir ist lieber, man nimmt mich beim (geschriebenen) Wort, statt zu glauben, durch meinen Namen irgendetwas über dessen Sinn zu wissen, was nicht in meinen Texten steht. Weniger ist manchmal mehr - weniger Identität macht identischer.

(Sorry wegen Antwort after thread closed, aber besser spät geantwortet als nie)
mh schrieb am 27.09.2009 um 11:25
eine sache will ich noch ergänzen:

die anonymität, hier, ist, wenn man sie wählt, einfach gegeben. ich kann im profil noch meinen klarnamen für die redaktion eintragen, aber auch das ist kein muss.

wir aktzeptieren sie auch gegenseitig. es hat sich, nicht nur hier, einfach eingebürgert.

es nimmt aber schizophrene züge an, hier noch nicht. in den letzten 10 jahren hat mich in einer community NIE jemand gefragt wer ich bin. nicht ein einziges mal. weswegen ich nun wiederum jederzeit sagen kann, ich wurde ja nie gefragt, habe also auch nie was verschwiegen. realistischer zu sagen wäre natürlich: kommt drauf an wer fragt.

umgekehrt arten viele diskussionen gerne mal dahingehend aus, dass leute, die sich von selbst offenbaren, dann den anonymen vorwerfen sie würden dies nicht tun. auf die idee, zu fragen, kommt da aber keiner.

das ist wie mit fahrradfahrern und fussgängern. die könnten unkompliziert auch hinter dem auto herum fahren/laufen, müssen es aber zwanghafterweise immer vorne rum tun und sich der gefahr aussetzen übersehen und überfahren zu werden.

mfg
mh
nunatak schrieb am 27.09.2009 um 16:18
Ich verwende hier und auch anderswo zunächst überall anonyme Nicks. Es gab und gibt ja eine Menge Diskussionen zu diesem Thema, in denen es dann oft heißt man müsse sich als Person zu erkennen geben um journalistisch oder auch nur in der persönlichen Meinungsäußerung ernst genommen zu werden. Trotzdem habe ich mich bisher immer dagegen entschieden, da es meiner Meinung nach ausreichend Argumente für ein bisschen Anonymität im Netz gibt.

Allerdings benutze ich meist einen von wenigen Nicks die auch ziemlich leicht meiner virtuellen Persönlichkeit zugeordnet werden können. Ob bei Twitter, in Foren, auf Medienportalen oder meinen eigenen oder fremden Blogs. Wie MH120480 schon sagte, ich habe gerne die Kontrolle darüber wem ich meine Identität preisgebe und wem nicht. Menschen die ernsthaft daran interessiert sind und mit denen ich vernünftig kommunizieren kann, bekommen meinen Klarnamen jederzeit.
Titta schrieb am 27.09.2009 um 17:08
Meine Arbeit funktioniert nur, wenn ich dem Rollenideal meines Berufsstandes wenigstens in gewissem Maße entspreche. Das verlangt Anpassung, und die tut weh, mitunter sehr. Der Preis, den ich für meinen Beruf, den ich sehr liebe, bezahlen muß.
Das Netz bietet mir die Möglichkeit, den Teil von mir, der sonst eher hinter meiner Rolle zurückbleiben muß, mehr zu leben. Der Raum, in dem ich wirklich privat sein kann, in dem ich wirklich ich sein kann, ist für mich sehr begrenzt. Sobald ich das Haus verlasse, bin ich eine öffentliche Person, quasi unter Dauerbeobachtung. Ich werde, im Positiven wie im Negativen, reduziert auf die Erwartungen, auf die Idealvorstellungen, die man von mir in meiner Rolle hat, auf ein bestimmtes Verhalten und Auftreten meiner Person. Nur Freundlichkeit, Verständnis und Mitgefühl habe ich natürlich nicht 24 Stunden am Tag parat. Also ziehe ich mich zurück. Auf meine vier Wände, auf meinen engen Freundes- und Bekanntenkreis, in dem ich so sein kann, wie ich bin und wie ich mich gerade wirklich fühle.
Das Internet macht diesen Raum weiter und bringt mir zumindest einen Teil meiner vorberuflichen Freiheiten zurück. Das Netz gibt mir die Anonymität zurück, auf die eigentlich jeder Mensch ein Recht hat. Es gibt mir mich als Privatperson im öffentlichen Raum wieder. Im Netz kann ich menschlicher und persönlicher sein als in der Öffentlichkeit vor Ort. Weil ich dort mehr ich sein kann.

Titta
Streifzug schrieb am 27.09.2009 um 18:39
Das Wort "anonym" hat grob gesprochen zwei Bedeutungen:

1) amtlich, förmlich, kalt, offiziell, steif, steril, unpersönlich.

2) nicht namentlich genannt, ohne Absender / Namen / Namensnennung, unbekannt, ungenannt, inkognito

Der erste Punkt dürfte bei kaum einem Blogger zutreffen.

Der zweite Punkt bringt einen auch nicht weiter. Wem hilft es, wenn ich nun sage: "Mein wirklicher Name ist Prinzessin Hoppenstedt und ich bin wohnhaft in der Erbsenstraße 12 in Märchenhausen."

Somit stellt sich mir die Frage: Warum wird eigentlich das Wort "anonym" verwendet?

Warum nicht der Begriff "Künstlername" oder "Pseudonym"? (Kurt Tucholsky schrieb unter den Pseudonymen Kaspar Hauser, Peter Panter, Theobald Tiger und Ignaz Wrobel.)

Liegt hier des Rätsels Lösung?

Der Begriff "anonymer Blogger" stellt eine unterschwellige Verbindung zum vermummten Urherberrechtsumgeher und Copyrightverächter her, der leichtfertig mit den frei verfügbaren sogenannten "Qualitätsprodukten" der Presse umgeht, ohne deren Eigentumsrechte zu achten.

Der Blogger mit Künstlernamen oder Pseudonym wäre ein altbekannter geachteter Angehöriger der schreibenden Zunft.

Sagt die Fragestellung also mehr über den Fragenden als über den Befragten.

Mein Künstlername, mein Pseudonym ist Streifzug :)
Deaktivierter Nutzer schrieb am 28.09.2009 um 19:55
Den "Niemand" gab es ja schon bei Homer. Und damit ist zur Berechtigung eines Anonymus in einer Herrschaftsgesellschaft schon alles gesagt.
Namen sind PIN-Nummern, Namen sind Identifizierung. In einer Welt ohne Angst gäbe es keine Diskussion darum. - Viele Menschen haben Spitznamen, werden privat/intim benannt, wie die Welt es nie hören wird. Oder: Namen sind Schall und Rauch. "Der mit dem PC tanzt": hier kommen die Piraten mit ihrem bürgerlichen Quatsch.
Ich meine, wer nicht unter seinem Personalausweisnamen bloggt, den nehme ich auch nicht bei seinem Namen. Den nehme ich als Person, als Mensch, gar nicht wahr. Der vertritt sich nicht, der spielt. Letztlich mit mir.
Aber stimmt schon: es geht inzwischen um das Überleben der Gattung Mensch. Einzelne sind da nicht so wichtig. So darf der Mensch anonym also weiterbloggen.
jfenn schrieb am 29.09.2009 um 00:10
Die Diskussion „Nickname“ vs. „Realname“ ist alt, und ihr kanonischer Ort ist die Netiquette, die bekanntlich grundsätzlich die Angabe eines Realnamens fordert. Ich habe mich immer daran gehalten und finde es lächerlich, wenn jemand meint, er könne in irgendeiner Weise im Internet sich anonym bewegen. Ich will es zwar nicht ausschließen, daß das tatsächlich ginge, aber der Aufwand hierfür wäre doch ziemlich hoch. Jedenfalls zu hoch für Otto Normaluser. Vor ein paar Monaten habe ich die Identität eines Users, der sich im Chat nicht mit Realnamen vorstellen wollte, innerhalb etwa einer Viertelstunde mithilfe einiger Tools und zweier Suchmaschinenrecherchen ermittelt. Es war sehr leicht.

Ich meine auch, daß die Verwendung eines Nickname – oder hier vielleicht passender: eines nom de plume – im Netz, wenn ich mir die Begründungen so anschaue, eine Haltung in sich trägt, die ich ganz allgemein nicht für wünschenswert ansehe. Das Handeln unter dem richtigen Namen ist auch eine Form des „aufrechten Gangs“, die ich mir unbedingt wünsche, gerade von jemand, der sich politisch äußern möchte, um ihn ernst nehmen zu können.
Peripatetik schrieb am 29.09.2009 um 19:40
Jetzt habe ich heir schon so oft gelesen, dass es ganz leicht sei, den Realnamen eines Users herauszufinden, aber es gibt immer nur Andeutungen, wie das funktioniert.

Wie funktioniert das? Oder ist dieses Wissen wiederum nur bestimmten Kreisen vorbehalten?
Peripatetik schrieb am 29.09.2009 um 19:48
Ich habe gerade den von Ihnen verlinkten Eintrag zu Netiquette in der Wikipedia gelesen. Da steht ja das Gegenteil von dem, was Sie sagen, nämlich dass das anonyme Posten seit Jahren allgemein akzeptiert ist.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 29.09.2009 um 20:15
Trotzdem, was Jürgen sagt, bleibt ja richtig. Sich anonym machen im Netz ist sehr schwierig, und es ist auch nicht nachvollziehbar. Warum will einer, der eine Position vertritt in der Welt, nicht mit seinem Namen dafür stehen? Doch nur dann, wenn Gesetze bewußt verletzt werden. Und darum geht es doch wohl nicht. Ich würde hir auch den aufrechten Gang anführen; und den will ich für mich in meinem Namen gehen. Nicht pseudohaft.
Peripatetik schrieb am 29.09.2009 um 21:11
Schon klar, "Rainer Kühn", aber meine weiter oben angeführte Begründung, warum ich anonym poste, bleibt auch richtig.

Was die bewusste Verletzung von Gesetzen angeht, so kann sie politisch geboten sein, wenn die Gestze völlig falsch sind. Sie ist weit verbreitet, wenn es darum geht, den Staat, jeder nach seinen Kräften, mit den Finanzmitteln auszustatten, die er zur Bewältigung seiner Aufgaben braucht. Und sie ist nicht ganz unüblich beim Handeln gewisser Staatsorgane (z.B. BKA) dem Bürger gegenüber, sobald dieser sich politisch organisiert.
jfenn schrieb am 30.09.2009 um 00:55
Liebe(r) Peripatetik, (1) bis wir bei Antigone angekommen sein werden, dauert es denn doch noch ein bißchen; (2) selbstverständlich empfiehlt die klassische Netiquette den Realnamen, steht dort auch; (3) bemerkenswert, daß es in der Wikipedia zum „aufrechten Gang“ nur einen Artikel aus der Biologie gibt, den der Artikel zu Ernst Bloch zwar verlinkt, aber nicht konkretisiert.

Herr K. hat bekanntlich gesagt, auch er habe ein Rückgrat, aber keines zum Zerbrechen durch „die Gewalt“. Aber die Gewalt, vor der sich anonyme Poster verbergen, ist immer noch harmlos gegen diejenige, mit der sich B.B. auseinandersetzen mußte. Was ist eine Diktatur im Vergleich zu Google?
Katrin Rönicke schrieb am 29.09.2009 um 15:42
Persönliche Einstellung: Ich blogge seit Jahren mit Realname - er steht zumindest meistens in meinen Profilen. Denn ich blogge in einer Weise, in der ich mich nicht verstecken muss: Ich stehe zu allem, was ich da schreibe persönlich voll und ganz.

Daneben gibt es aber doch ein zwei anonyme Accounts, die für Gedanken sind, die zu persönlich sind. Mit denen ich mich angreifbar machen könnte oder andere Personen aus meinem Umfeld. Manchmal möchte man auch einfach nicht, dass die eigene Mutter irgend etwas liest - mitteilen möchte man es aber schon. Das ist eine sehr seltene Ausnahme, kommt aber vor.

Meine Beobachtung über mich selbst hinaus ist: Es gibt Menschen, die nutzen die Anonymität zur Inszenierung einer Persönlichkeit, die von anderen dann so wahrgenommen wird, wie die Person im richtigen Leben nie wahrgenommen werden könnte (aus verschiedenen Gründen). Im Forum ein "Star" - im richtigen Leben einsam oder ähnliches. Ich bin mir ganz sicher, dass diese Figur des anonymen Internet-Nutzers nicht bloß ein Mythos ist. Gerade einige Männer (sorry, aber das ist einfach meine persönliche Wahrnehmung) inszenieren sich in Communitys gerne als Till Eulenspiegels und versuchen mit viel Sarkasmus, sympathisch bleibender Dreistigkeit und Unverschämtheit und ein bisschen mit der Rolle als "Clown" die "Herzen" der anderen User für sich zu gewinnen. Ein für mich wahnsinnig interessantes Phänomen. Diese User sind stets zur Stelle, wenn es was zu foppen und zu lästern gibt - einen wahren inhaltlichen Beitrag zur Community leisten sie eher selten.

Zuguterletzt nutzen manche Leute Internetanonymität schlichtweg dazu, Wut, Aggressionen und Hass einfach mal rauszulassen - was sie sich im normalen Leben nie trauen würden.
Katrin Rönicke schrieb am 29.09.2009 um 15:48
ach und - Ergänzung: Alles was intim ist und auch bleiben sollte, aber in irgendwelchen Selbsthilfe-Foren und ähnlichem Besprochen wird (Sex, Liebe, Familie, Geld bla bli blub, Gesundheit, Drogen nehmen und sonstwie aus dem Rahmen fallen) ist logischer Weise stets anonym und ich kann Menschen nicht verstehen, die sich mit Klarnamen über solche intimen Themen im Internet ausbreiten...
Deaktivierter Nutzer schrieb am 29.09.2009 um 20:21
Dein Nachtrag zum völlig zustimmbaren Artikel ist natürlich komplette bürgerliche Scheiße. Nicht menschengemäß, sondern ausgrenzend. Sex und weitere schöne Gedanken sind aber menschlich, und also mit Namen behaftet. Du willst das in die Nischen verdammen.
mh schrieb am 29.09.2009 um 20:26
seh ich nicht so, dafür wird es gesellschaftlich zu gerne negativ ausgelegt und verwendet.

da muss ich ihr nun erstmals recht geben. :(

mfg
mh
Deaktivierter Nutzer schrieb am 29.09.2009 um 21:15
ja nee, is klar: ich mein das auch nicht für die gegebene dume gesellschaft, sondern für die werdende, die Freitagler bestalten ...
Peripatetik schrieb am 29.09.2009 um 22:47
Bei uns am Baggersee war es diesen Sommer so, dass einige nackt badeten, andere angezogen und wieder andere oben ohne. Vor allem aber gab es keine abgegrenzten Bereiche, sondern alle badeten durcheinander, egal was sie anhatten oder nicht. Ich fand das sehr schön, weil ich es als Sinnbild für die Gesellschaft sah, für die ich mich einsetze: alle dürfen, niemand muss.

Bei Ihnen habe ich den Eindruck, in Ihrer werdenden Gesellschaft wird man gezwungen, alles öffentlich auszubreiten. Solch ein Zwang wäre nicht so mein Ding.
jfenn schrieb am 30.09.2009 um 01:12
In den 68er WGs wurden ja auch die Klotüren ausgehängt …

Was mir noch unklar geblieben ist: Wenn man sich über „Sex, Liebe, Familie, Geld bla bli blub, Gesundheit, Drogen nehmen und sonstwie aus dem Rahmen fallen“ nicht mit Realnamen online äußern möchte, warum äußert man sich dann überhaupt zu sowas online? Man könnte das ja einfach mal in sein Offline-Tagebuch schreiben. Bei mir jedenfalls stehen mehrere Bände davon im Regal.

In Fortführung des großen Denkers würde ich etwa sagen: Wovon man nicht online unter dem eigenen Namen sprechen kann, davon möge man online, bitte, schweigen.
mh schrieb am 30.09.2009 um 09:13
weil man auf seine eigenen erfahrungen eine reaktion erleben möchte. reaktionen bringen einen weiter, eröffnen neue sichtweisen, generieren verständnis etc.pp

mfg
mh
jfenn schrieb am 30.09.2009 um 23:58
Dann würde man diese Community sozusagen als Therapiegruppe nutzen? Bzw. miß-brauchen?
mh schrieb am 01.10.2009 um 06:47
ich hab jetzt doch noch was gefunden .. ha!

viele frauen geben sich im internet als kerle aus .. vielleicht rennen in den foren deswegen so viele männliche trolle rum.

@jfenn: kommunikation hat immer etwas von therapie und wahnsinn in sich.

mfg
mh
Steffen Kraft
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