Susanne Lang

Blog von Susanne Lang

15.06.2009 | 16:58

Solidarität mit Party-Flash-Mobbing!

Wieder wirft das Netz eine interessante Frage auf: Ist ein Privatmann, der in einem Social-Netzwerk zu einer Beachparty Menschen einlädt, nun ein Veranstalter, der für Folgeschäden etwa Vermüllung des Strandes oder der Deutschen Bahn aufkommen muss? Die Sylter Bürgermeisterin Petra Reiber findet: Definitv. Und will Christoph Stüber dafür zur Verantwortung ziehen.

Der 26-Jährige hatte auf meinvz.de nach der Trennung von seiner Freundin ca. 100 Bekannte zu einer Feier geladen. Frei nach dem Flashmob-Prinzip hatte sich das ganze verselbstständigt, gut 13.000 Leute meldeten sich online an. Zur Party kamen schließlich 5.000. Folgeschäden alleine in der Nord-Ostsee-Bahn, nach Auskunft des Unternehmens: eine mittlere fünfstellige Summe. Andere Frage: Warum muss ein Fußballclub eigentlich nicht für seine randalisierenden Fußball-Fans in Bahnen aufkommen? Und ein ehemaliger Arbeitsloser, der nun durch die Aktion soviel Aufmerksamkeit erhalten hatte, dass er in einer Redaktion einen Job fand, schon?

Solidarität mit Stüber!

 
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Kommentare
taschentiger schrieb am 15.06.2009 um 18:42
Die Bahn ist doch seit jeher ein Partyexpress. Nur kann man die meisten Kegelvereine im Internet nicht nachverfolgen.
Allerdings würde mich die rechtliche Situation interessieren. Gibt es davon eine Einschätzung?

Herzliche Grüße, tt
Jakob Augstein schrieb am 15.06.2009 um 22:49
Liebe Susanne!
Ja! Irre Geschichte. Sollten wir machen, finde ich. Schade, dass offenbar kein Freitag-Blogger am Sylt-Strand war (nicht so viele Linke unter den Gästen offenbar :) ) Ich hätte jedenfalls gerne einen Bericht über so eine Veranstaltung gelesen. Aber auch nachher könnten wir was dazu machen finde ich. Über Beziehungen und Verantwortung und Information und natürlich auch über Rechtsfragen im Netz-Zeitalter. Wie gesagt: Irre Geschichte!
J.
mh schrieb am 15.06.2009 um 23:00
freitagleser sind doch nicht link(s). wäre ja schlimm, wenn jeder lesen würde was ihn bestätigt. widerspruch ist toll, da entwickelt man sich weiter.

aber zum thema: mit der denkweise würden irgendwelche stars dann ja auch dafür haften, dass fans ihnen folgen. das ist insofern interessant, als dass mir bisher nicht bekannt war, dass eventuelle polizeieinsätze in der folge dessen dann von jenen getragen werden. das eröffnet für den staat eine vollkommen neue einnahmequelle. ist doch gut, bei all den schulden. oder auch nicht, wenn man es wagt bürger zu sein.
mh schrieb am 15.06.2009 um 23:02
eine frage habe ich dann noch: sind die alle schwarz gefahren, also mit dieser nord-ostsee-bahn? wenn nicht, müsste dem doch noch einiges an einnahmen entgegenstehen die so auch nicht erwartet wurden ... vom unerwarteten konsum der 5.000 leute vor ort mal ganz zu schweigen. konsum, steuereinnahmen, freudig erregte unternehmer vor ort!?
Deaktivierter Nutzer schrieb am 15.06.2009 um 23:33
der party-flash auf sylt ist ein gelungenes beispiel für die kostenlose werbung. sendemintuen im tv, präsenz auf den titelblättern und im www. die lokale bahn und die insel sylt hatten gelegenheit sich von ihrer besten seite zu zeigen. es wurde auch bewiesen, dass man dort dem ansturm von durch alkohol beschädigten gästen durchaus gewachsen ist. und die bahn soll auch mal nicht so tun, als wenn die sonst nix sauber zu machen gehabt hätten.
berlin und die "love-parade" (RIP). und das war die sause auf sylt.

zu einer zeit, in welcher der "flash-mob" noch nicht existierte, hatte ich mir ein "spiel" ausgedacht. es ging um eine sylvester-fete, deren organsation hatte ich damals übernommen. die gastgeber waren so langweilig. und sie kannten keinen menschen in der stadt. und sie wünschten sich eine richtig wilde party. meine geschichte spielte nicht auf sylt. und es war eine werkstatthalle auf einem hafengelände. der auftraggeber wünschte sich 100 gäste. es wurden dann viel mehr als 2000 "gäste". Unzählbar. unvorstellbar. um 20.00 uhr war der laden schon proppevoll. und die karawane riss nicht ab.
naja,...die zielvorgabe wurde erreicht.

jedenfalls habe ich danach nur noch eine party organisiert. als wiedergutmachung. und dann nicht wieder.
einerseits ist party-service anspruchsvoll und undankbar.
andererseits ist "to partie" vielleicht das lustigste, was man überhaupt machen kann.

Forderungen gegen Christoph Stüber:
das die lokale bahn und sonst wer noch glauben, irgendwelche rechnungen schicken zu dürfen, zeigt deren kunden- / Gästefeindlichkeit. für unser geld werden wir zwar mitgenommen, dürfen auf sylt konsumieren und kurtaxe zahlen, aber nix schmutzig machen.
oder wie sonst sind solche forderungen zu verstehen?

warum ich jetzt nicht mehr nach sylt fahren möchte:
1. weil ich nicht nachträglich für schmutz, den z.b. mein nachbar hinterlassen könnte, abkassiert werden möchte.
2. weil ich schützenfeste und "ballermann" auch nicht so lustig finde.
3. weil die bürgermeisterin unsympathisch ist.
Susanne Lang schrieb am 16.06.2009 um 09:43
@ chrisamar: Auch eine schöne Geschichte, aus der vor-digitalen Zeit :) Erinnert mich ein bisschen an die Telefonketten-Aktionen, die die drei ??? ab und an gestartet haben, um Zeugen zu finden o.ä.

@ all: Danke für die Anregung, ich versuche, die Fragen heute mal im Gespräch mit einem Juristen zu klären.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 16.06.2009 um 10:29
es waren die einladungskarten. die sind schon entscheidend, ob es eine top-party wird oder nicht. meine waren vermutlich zu einladend.
diese karten gab ich in 10er packs an leute, welche ich persönlich nicht kannte. diese leute hatte ich vorher gut ausgesucht. die bekamen auch meine telefonnr. und ich sagte denen, dass ich noch eine band, einen dj und leute für die bar suchte. die besuchten mich dann ( "casting" würde man heute sagen ) und dann besuchte ich manche von denen. und dann suchten wir zusammen die besten leute für diese jobs aus.
diese leute, luden weitere leute ein. eigentlich sollten sie nur jeweils 10 leute einladen. auch nur solche leute, welche sie persönlich nicht kannten, aber mit denen sie gerne eine party zusammen feiern wollten.
der sinn war, leute allen altersgruppen einzuladen. eben eine völlig bunte mischung.
diese idee hatte den leuten so gut gefallen, dass die plakaten druckten und diese an schulen aufhängten. die karten wurden massenhaft kopiert. taxifahrer gaben gästen in der stadt den sylvester-party-tipp weiter. sportvereine luden sich selbst ein...
davon habe ich dann erst nach und nach erfahren. später, viel später. denn wie sich jeder vorstellen kann, folgte endlose diskussionen mit leuten, welche auf die party wollten.
unbedingt!!! alle glaubten, sie würden die party ihres lebens verpassen.
und ich glaube, für die meisten von denen, war es auch die party ihres lebens. das war damals kollegtiver wahnsinn.unvorstellbar.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 16.06.2009 um 10:45
PS: "candy" von iggy pop
www.youtube.com/watch?v=zah7-rxBYnk
ist für mich der sound der von mir geschilderten sylvesterparty. bei uns wurde das eben live von einer garagenband performed. und die waren richtig gut! alles leute unter 19. es war deren erster auftritt. war toll.
Susanne Lang schrieb am 16.06.2009 um 10:59
Ist hiermit zum Sound dieses Dienstages erklärt!
Da arbeitet es sich gleich besser...
Matthias Dell schrieb am 18.06.2009 um 14:10
alternativ: "partygeil" von rolf eden und andy moor. gibt's leider nicht auf youtube
Susanne Lang schrieb am 16.06.2009 um 11:04
Die neue Nachrichtenlage: Auf meinvz. gibt es bereits eine Solidaritätsgruppe, laut Nachrichtenagentur mit 100 Mitgliedern...Stübers Aufruf: ""Alle Mann zum Verwaltungsgericht, wir gewinnen den Prozess".

Christoph Stüber wird von der Nachrichtenagentur DPA zu den Schadensforderungen so zitiert: "Ich grinse darüber. Ich sehe mich nicht als Veranstalter". Dennoch hat er sich einen Anwalt genommen, da die Gemeinde Sylt die Kosten von 20 000 Euro und mehr weitergeben und dies auch gerichtlich durchsetzen will.
Der Sylter Ordnungsamtsleiter Hans Wilhelm Hansen wolle Klarheit schaffen, wie solche Parties in Zukunft zu behandeln sind.

Na, dabei helfen wir dann gerne!
Susanne Lang schrieb am 18.06.2009 um 11:23
Habe nun mal die juristische Einschätzung eines Anwalts eingeholt, es ist keine verlässliche rechtliche Bewertung, aber eine hilfreiche:

Grundsätzlich kommt eine Zurechnung der Straßenverunreinigung an den Initiator der Party in Frage. Nach §§ 21, 46 des Schleswig-Holsteinischen Straßen- und Wegegesetzes können Kosten für eine Reinigung der öffentlichen Flächen von dem Verursacher der Verunreinigung verlangt werden. Verursacher der Straßenverunreinigung kann durchaus der Initiator einer (Straßen-)Party sein. Dies gilt jedenfalls für den Fall, dass der Initiator aufgrund der Gestaltung seiner "Einladung" auf meinVZ.de als Veranstalter oder in sonstiger Weise Verantwortlicher der Party-Flash-Mobs hervorgeht.

Je nach Ausgestaltung der Party könnte man argumentieren, dass es sich eigentlich um eine Versammlung handelte. Versammlungen sind grundsätzlich vom Grundrecht der Versammlungsfreiheit gemäß Art. 8 GG geschützt. Auch hier haftet jedoch der Veranstalter der Versammlung für die damit einhergehenden Straßenverunreinigungen (so ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 06.09.1988). Die Kostentragungspflicht hat dort ihre Grenze, wo sie als übermäßige Inanspruchnahme betrachtet werden könnte und einen "Einschüchterungseffekt" auf die Veranstaltung einer Versammlung hätte. Erst dann wäre das Grundrecht der Versammlungsfreiheit beeinträchtigt.

Im Ergebnis ist die Haftung des Einladenden für die mit der Party verursachten Reinigungskosten nicht fernliegend.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 18.06.2009 um 13:42
üblicherweise macht der veranstalter den dreck ja auch weg. party-gäste helfen gegen ende ja auch. vor der party sind solche ding zu regeln.

in diesm falle sehe ich das alles etwas anders. da ich selbst auf einer insel lebe, deren existenz auch von gästebesuchen abhängig ist. also ähnlich wie sylt. sylt ist eine partymeile. ähnlich wie ballermann, münchner oktoberfest und hamburger-dom.
der gewinn ist höher als die reinigungskosten.

auch in kurorten gilt doch: "morgens fango, abends tango!"

oder ist die ballermann-gemeinde auf sylt nicht willkommen?
Deaktivierter Nutzer schrieb am 18.06.2009 um 13:50
wenn die gemeinde sylt und die Nord-Ostsee-Bahn nicht dazu in der lage sind, die gleichzeitige anreise und den stundenlangen verbleib von ca. 5000 leuten bewältigen kann, dann sollte die Nord-Ostsee-Bahn nicht mehr als z.b. 150 tickets verkaufen.
und die gemeinde sylt eben auch nur die tägliche anreise von 150 leuten "erlauben".

die haftung bleibt in diesem falle bei der gemeinde und der Nord-Ostsee-Bahn. das ist doch logisch!

albern diese frau bürgermeisterin.
Susanne Lang
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