Susanne Lang

Blog von Susanne Lang

12.06.2010 | 16:49

Trööööt - wie klingt ein Fußballspiel?

Lange mussten wir nicht warten, bis die erste kulturelle Frage zur WM "debattiert" wird - streng genommen genau bis zur ersten Minute des Eröffnungsspiels: Wie hat ein Fußballspiel zu klingen? Kaum rollte der Ball, schon grollten die Kommentatoren: Was denn das für ein Lärm sei? Man verstehe ja sein eigenes Wort nicht mehr? Was, nun ja, je nach Zuschauer-Vorlieben sogar ein Vorteil sein könnte, ging den Geschichten-Machern dieser WM, der Bild-Zeitung, den Sendern ZDF, ARD und RTL ganz schön auf den Wecker. "Trööööööt-Wahnsinn bei der WM", so lautet die heutige Schlagzeile von Bild. "Ihr trötet und den letzten Nerv".

Anstoß des Ärgerchens sind die Fan-Trompeten namens Vuvuzelas, die einen Klangteppich über die Spiele in Südafrika legen, die europäischen Ohren nicht nur fremd sind, sondern sogar bedrohlich klingen ("wie ein Bienenschwarm"). Das Unbehagen hat einen guten Grund: Nicht nur Taktik und Optik sind konstitutiver Bestandteil des Sports Fußball, auch die Akustik. Denn was in europäischen Ohren so stört, sind nicht nur die lauten und monotonen Trompeten in den Stadien, es sind die fehlenden Fangesänge - einer der wichtigstens identifikationsstiftenden Faktoren in Stadien. "Endlich, endlich" schrie daher auch der Kommentator des Spiels Argentinien gegen Nigeria, als zwischen den Tröten einige Stimmchen von argentinischen Fans für einen kurzen Moment die Kulisse bestimmten: Wie gut das aber nun unseren Ohren täte (nicht wegen Argentinien, wie der Gute betonen musste, sondern wegen des Gesangs). Aber, wie er weiter zugestand, Sepp Blatter höchstpersönlich habe ja gewollt, dass Südafrika seine Fußballfan- und Stadionkultur unverändert ausleben dürfe, also mit Tröten, die nicht verboten wurden.

Mal sehen, wie lange sich die Meinungsmaschinen hier noch gnädig zeigen - oder wann der Clash der Fußballkulturen ausgerufen wird...

 
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Kommentare
Titta schrieb am 12.06.2010 um 17:15
Man kann koloniale/europäische Hörgewohnheiten ja durchaus monieren, ebenso die Berichterstattung der Medien zum Thema. Aber wenn ich vor dem Fernseher sitze und mir ein Spiel ankucke, dann aber umschalte, ganz einfach, weil ich selbst das sehr leise gestellte Dauergetröte körperlich nicht mehr ertragen kann, komme ich zu dem simplen Schluß: Vuvuzela nervt fürchterlich! Und ja: mir fehlt das Oh und Ah der zuschauenden Menge im Stadion ebenso wie die Fangesänge. Wenn ich jetzt auch noch die Höflichkeit von Gastgebern ihren Gästen gegenüber ins Spiel bringe, was bin ich dann, eine europäische Ignorantin oder gar eine Rassistin?
Doris Brandt schrieb am 12.06.2010 um 19:22
Nö. Wie ich eben bei Onkel Beckmann erfahren habe, ist die Kuduzela ja eigentlich das ursprünglichere Instrument.

"Die Kuduzela ersetzt die Vuvuzela als authentisches Symbol für den südafrikanischen Sport mit einem weicheren Trompetenklang, der angenehmer für das menschliche Ohr ist."

Naja, beim private viewing kann man zumindest den Fernseher leiser stellen...
Deaktivierter Nutzer schrieb am 12.06.2010 um 19:27
es ist trotzdem nicht zum aushalten, kultur hin oder her. je nu, man muss ja supporten ...
Titta schrieb am 12.06.2010 um 19:48
"Nö. Wie ich eben bei Onkel Beckmann erfahren habe, ist die Kuduzela ja eigentlich das ursprünglichere Instrument."

Liebe Doris Brandt,
das war jetzt aber ein gemeines Foul;-) Beckmann schmerzt ja noch schimmer als diese Vuvuzelas.
Ja, das private viewing ist derzeit von ganz eigenem Reiz. Ton aus. Sehr stimmungsvoll. Die Atmosphäre zum Supporten...
Doris Brandt schrieb am 13.06.2010 um 09:13
Autsch, da hast Du recht. Wollte Herrn B. auch gar nicht ins Spiel bringen. Also Schwerpunkt war Kuduzela und nicht der Moderator. :))
Deaktivierter Nutzer schrieb am 12.06.2010 um 17:57
Da ich hier lese, was die BILD schreibt, bin ich nun absolut für noch mehr "TRÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖT" bis die mir sowieso ungeliebten Reporter umkippen.
Tarö mit Benjamin Blümchen sich denken! Auch nicht besser, aber leiser.
ich schrieb am 12.06.2010 um 19:39
Gestern bei der Eröffnungsfeier erzählte der Kommentator, dass Südafrika die WM auch als Chance sehe, ähnlich wie Deutschland 2006, das Image in eine positive Richtung zu verschieben. Es gibt immer einige Schlüsseleindrücke die von solch einem Ereignis hängen bleiben. Egal ob die FIFA die Vuvuzelas nun verbietet oder nicht, wird sich Südafrika wohl auf einen Imageverlust einstellen müssen. Wer ist auch schon gerne bei Leuten zu Gast, die einen nicht zu Wort kommen lassen?
Titta schrieb am 12.06.2010 um 19:51
Eine meiner Visionen in diesem Zusammenhang: Blatter festgebunden im Stadion, bei jedem, also jedem Spiel! Und der Arzt darf nicht kommen.
ich schrieb am 12.06.2010 um 20:12
Also in meiner Vision stehe ich direkt neben Sepp Blatter in einer seiner luxuriösen Kabinen mit einer Vuvuzela an meinen Lippen und seinen Ohren.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 12.06.2010 um 20:18
dahinter steckt doch die deutsche ohrstöpselindustrie!
Titta schrieb am 12.06.2010 um 20:31
@ich

:-)))

@trabant

Auch die sollen nicht wirklich was ausrichten.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 12.06.2010 um 20:47
wichtich is der verkauf!
Titta schrieb am 12.06.2010 um 21:00
stimmt auch wieder.
rheinelbe schrieb am 12.06.2010 um 19:55
Die Wuwus nerven!
Sie erreichen satte 130 Dezibel, was einem startenden Flugzeug in nächster Nähe entspricht. Damit wird auch geworben. Das ist massive Umweltverschmutzung durch tosenden Lärm. Wuwus lösen dauerhafte Hörschäden aus, liegen über der menschlichen Schmerzgrenze.
Die Fans könnten stattdessen singen.
Titta schrieb am 12.06.2010 um 20:02
"Die Fans könnten stattdessen singen."

Tun sie doch, tun sie doch. Nur hört das niemand mehr wg. des Krachs.
ich schrieb am 12.06.2010 um 20:24
Also neben Uwe Seeler lösen diese Vuvuzelas bei mir ja auch noch weiter zurückreichende Assoziationen aus:



Titta schrieb am 12.06.2010 um 20:34
Zu letzterem kann ich als Ruhrgebietsgöre nur sagen: vertraute Töne meiner Kindheit und Jugend, stimmt.
merdeister schrieb am 12.06.2010 um 20:27
Ach, Ihr Heulsusen!

Das Tröööööt zusammen mit dem langweiligen Gekicke und das Spiel wird zum meditativen Erlebnis.

Im übrigen, empfehle ich jedem mal ein Fahrt mit der Regionalbahn am Samstagnachmittag in der Bundesligasaison.
ich schrieb am 12.06.2010 um 20:33
@merdeister

Wenn du hier schon am Empfehlen bist, warum dann nicht gleich dich selbst.

›:-(
Titta schrieb am 12.06.2010 um 20:41
Nachmittags geht's doch noch. Wenn die stockbesoffen abends wieder zurückfahren, ist es noch schlimmer, und selbst im ICE bleibst du davon nicht verschont. Dafür fahren dann diese netten Herren in ganz schwarz samt Integralhelm von der Bundespolizei mit. Da freut sich dann der ganze Wagen, wenn nur Fußballfans der Grund für deren Anwesenheit sind, und nicht herrenlose Gepäckstücke, in denen was tickt.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 12.06.2010 um 21:21
@Titta,
für das Ticken ist meist der Zahn der Zeit verantwortlich...;-)
Ganz und gar gefahrlos kannst Du Dich in keinem Abteil aufhalten, weil immer irgendwo ein Mitreisender ist, der irgendwie südländisch aussieht und einen komischen Akzent hat. Oder eine verschleierte Frau, vielleicht sogar in einer Burka...
Dann aber... tickt man/frau/ nicht richtig....;-)
Susanne Lang schrieb am 12.06.2010 um 21:42
Um die Sachlage weiter zu verkomplizieren: Was ist von Vuvuzelas zu halten, die in Berlin Kreuzberg getrötet werden, farblich passend zum German-Event in schwarz-rot-gold? Habe ich gestern mit eigenen Ohren gehört. Und gesehen. So viel sei auch verraten: Am schlimmsten klingen die Teile, wenn sie von ungeübten Menschen geblasen werden. Uaaah!
Fro schrieb am 13.06.2010 um 01:22
Jammern bringt auch nichts – da sind Alternativen gefragt. Beherzte Fans zeigen, dass es auch anders geht....

lausemädchen schrieb am 13.06.2010 um 01:25
lustig.
na dann.
Thorsten schrieb am 13.06.2010 um 14:28
Dann passen aber nur die hälfte an zuschauern ins stadion.
Ludischbo schrieb am 14.06.2010 um 00:52
Ich finde das lustig mit den Vuvuselas. Das ist doch das schöne an andere Kulturen. Lustig fand ich aber auch den Hinweis des Reporters BRD-Australien: "Jetzt werden Vusustopps verkauft (Ohrenstöpsel Anm. User)..Vielseitig einsetzbar. lt Firma auch gegen meckernde Ehefrauen..."

Ach ist das schön, das man nicht immer alles so ernst nehmen muss.
Vususelas... find ich gut! Ich finde es nicht nervig. Aber...ich kann auch den Fernsehton abschalten.. Und außerdem. Endlich mal ein Wespenschwarm, vor dem ich nicht flüchte und Tische und Bänke umwerfe..hihhi
Susanne Lang schrieb am 14.06.2010 um 09:57
Gottchen ja, die Ohrenstopps gegen meckernde Ehefrauen - unser lieber Bela Rethy war gestern mal wieder ganz bei sich :) Der wusste tatsächlich nicht mehr, was er noch erzählen sollte... Ansonsten sind Ohrenstöpsel leider die überschätzteste Erfindung der Welt - außer es kommt Musik aus Ihnen raus.
miauxx schrieb am 14.06.2010 um 16:53
Ja, nun hat Südafrika alles so schön hingekriegt: die Stadien, die Hotels, die Leute werden nicht reihenweise auf der Straße überfallen ... jetzt stört nur noch der gemeine Afrikaner in den Stadien. Aber es ist halt kein "Sommermärchen" wie damals 2006, bei uns daheim.
Diese Diskussion um die Vuvuzelas ist einfach zum Kotzen, pardon unsäglich! Und das betrifft ja nicht nur BILD+Co. - auch der Fanberichterstatter des ZDF hat eine online-Umfrage angestoßen, ob die Vuvuzelas nicht verboten werden sollten. 66% stimmten wohl für "Ja".
So etwas ist beschämend! Wenn nicht einmal so viel Verständnis - von Interesse ganz zu schweigen! - für die dortigen Fans aufgebracht werden kann, dann sind wir auch mit der WM nicht weiter gekommen. Da helfen auch nicht die TV-Hochglanzdokus.
Dann soll Europa mit seinen Events doch wieder zu Hause bleiben und wir haben wieder gepflegtes Gejubel Gesinge im Stadion.
Alien59 schrieb am 14.06.2010 um 17:01
Ich denke, diesem Kommentar schließe ich mich mal vollumfänglich an.
Susanne Lang
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02:52
weinsztein hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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archinaut hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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