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„Ich habe keine Partei im Sinn, ich habe Ideen im Sinn“, hat Thilo Sarrazin dem Focus verraten. „Mit denen kommt man zuweilen weiter als mit Parteien.“ Die Debatte der vergangenen Tage gibt dem Provokateur recht, das medial getriebene Monstrum ist inzwischen dort angekommen, wo seine „Thesen“ per tausendfachem „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“ normalisiert und seine Analyse als „im Kern richtig” veredelt wird. Unabhängig davon, was der „Volksheld Sarrazin“ (Spiegel) im Sinn hat, wird er so auch zum Parteien-Thema im eigentlichen Wortsinne: Die medial verstärkte Zustimmung wirft die Frage nach der Möglichkeit einer konkurrierenden Organisation auf. Emnid hat daraus im Auftrag des Kampagnen-Blattes Bild eine Umfrage gemacht: „Könnten Sie sich vorstellen, eine neue Partei zu wählen, wenn Thilo Sarrazin Vorsitzender dieser Partei wäre?“ Und siehe da, 18 Prozent könnten.
Was da als „Umfrage-Schock für Merkel und Gabriel“ verkauft wird, ist allerdings nicht besonders aussagekräftig. Man nehme eine öffentliche Erregung mit polarisierendem Charakter und eine Person, an der sich die Meinungen scheiden, stelle sie “theoretisch” zur Wahl – und wenn dann ein Anruf aus einem Callcenter kommt, sagt jeder Fünfte: Warum nicht? Die BamS/Emnid-Umfrage sagt weniger über die Zustimmung zu Sarrazins Nützlichkeitsrassismus aus, als über die Unzufriedenheit mit den Parteien, die schon da sind. Gefragt wurde nämlich auch, ob sich die Deutschen vorstellen könnten, eine Partei unter Führung des früheren Unionsfraktionschefs Friedrich Merz (20 Prozent) oder von Joachim Gauck (25 Prozent) zu wählen. Allesamt Figuren, von denen eine Art kollektive Ahnung besteht, sie würden irgendetwas anders machen. Zumindest die beiden Letzteren auch Personen mit charismatischen Qualitäten, so gesehen Boten eines zu jeder Zeit ungehobenen Protestpartei-Potenzials.
Genau das lässt sich auch aus der Bild-Umfrage herauslesen: Die stärkste Zustimmung zu einer „Sarrazin-Partei“ kommt von den Anhängern sonstiger Parteien (54 Prozent) und der Linken (29 Prozent). Die war in den vergangenen Jahren nicht nur erste erfolgreiche bundespolitische Neugründung seit den Grünen, sondern auch jene Partei, die am ehesten Protestwähler integrierte – vor allem im Westen. Umfragen haben unter anderem nach den Bundestagswahlen von 2005 und 2009 gezeigt, dass die Stimmabgabe zu einem beträchtlichen Teil aus dem Motiv heraus erfolgte, es „denen da oben“ (beziehungsweise der SPD) zu zeigen. Die Linkspartei hat bei den vergangenen Urnengängen oft viele Nichtwähler hinzugewonnen, aber auch wieder an dieses Lager verloren. Dass ein Teil der Anhängerschaft politisch nicht fest an die Partei gebunden ist, geschweige denn mit dem politischen Programm etwas anfangen kann, dürfte (wiederum vor allem im Westen) die Linke noch vor einige Probleme stellen. Vor allem dann, wenn zur „Normalisierung“ der eigenen Partei („Die sind ja auch nicht anders.“) die Attraktion einer neuen Organisation hinzuträte.
Aber ist das auch wahrscheinlich? Dass sich Leute in Umfragen irgendetwas vorstellen können, macht allein noch keine Parteigründung. Und dass die Zeitungen am rechten Rand der Union eine elektorale Leerstelle entdeckt haben, reicht für sich genommen auch nicht. Seit Angela Merkel mit einer Sozialdemokratisierung der CDU in Verbindung gebracht wird und die Partei sich nachhaltig von 40-Prozent-Ergebnissen entfernt; seit Ministerpräsidenten die Segel streichen und der Ruf nach konservativem Profil die Runde macht, wird immer mal wieder über die Möglichkeit einer sechsten Partei spekuliert. Was da zum neuen Trend gemacht wird, gibt es allerdings schon länger: die Sehnsucht eines autoritativen, nationalistisch, tendenziell neoliberal und rechtskonservativ gesinnten, heutzutage auch islamophoben Potenzials nach Führungsfiguren und politischer Heimat. Leute, die nicht NPD oder DVU wählen würden, die aber Alexander von Stahl oder Jürgen Möllemann zujubelten. Früher hatte über diesem Stammtisch der biergesättigte Dunst des „Ausländer nehmen uns die Arbeit weg“ gehangen. Heute irrlichtern dort „Kopftuchmädchen“ und Minarette als Gefahr für Volk, Sicherheit und Intelligenz. Die Parteien, die sich auf diese Vorurteile spezialisiert haben, sind bei Wahlen bisher nicht besonders erfolgreich (Pro-Bewegung), sieht man von den Einmal-Erfolgen ab, die wohl eher mit jeweils konkreten Umständen und Protestwählerei zu erklären sind (DVU in Sachsen-Anhalt, Schill in Hamburg). Auf jeden Fall wurden sie alle eines nicht: die berühmte sechste Partei.
Die Politikwissenschaften haben die deutsche Parteienlandschaft lange Zeit als außergewöhnlich stabil und „resistent gegenüber Neueintritten“ charakterisiert. Im Zusammenhang mit dem Aufstieg der Linken seit 2005 haben Oliver Nachtwey und Tim Spier „die sozialen und politischen Entstehungshintergründe“ der Partei unter die Lupe genommen und die Frage aufgeworfen, wann eigentlich eine „günstige Gelegenheit“ für eine neue Partei besteht. Ein Denkmodell, dass sich übertragen lässt. Vereinfacht gesagt müssen demnach vier Voraussetzungen erfüllt sein: Es bedarf erstens einer „gesellschaftlichen Nachfrage“ nach einem bestimmten Politikangebot, die „häufig ihren Ursprung in sozialen, kulturellen und politischen Konflikten und Spaltungen“ hat. Zweitens muss sich auf der politischen „Angebotsseite“ etwas tun: existierende Parteien können die Nachfrage nicht mehr befriedigen, es muss eine signifikante Lücke in der Repräsentation geben. Drittens muss sich ein neuer parteipolitischer Akteur, der diese Lücke schließen möchte, mit bestimmten institutionellen Rahmenbedingungen herumschlagen – angefangen von materiellen Ressourcen bis zu den Vorschriften des Wahl- und Parteienrechts. Und viertens geht es um den Akteur selbst. „Denn eine Gelegenheit“, so Nachtwey und Spier, „muss auch ergriffen, ja kann sogar partiell geschaffen werden. Parteien sind im Dialog auch immer Schöpfer einer für sie vorteilhaften Situation.“
Diesen Analyserahmen angesetzt müsste es für eine „Sarrazin-Partei“ eher schlecht aussehen. Selbst wenn man davon ausgeht, dass es eine „Nachfrage“ nach einer solchen Partei gibt, lässt sich doch nicht ohne Weiteres sagen, dass die Lücke in der Repräsentation schon dauerhaft aufgerissen ist. Radikalisierte Anhänger der Sarrazin-Thesen können rechtsextreme Parteien wählen, und die Union könnte mit dem Ausbau ihrer rechtskonservativen Flanke wieder Angebote schaffen und so reintegrieren. Hinzu kommt, dass sich die Linke seinerzeit auf eine bereits teil-etablierte Partei stützen konnte – übertragen auf die Sarrazin-Debatte lässt sich Vergleichbares nicht sagen, die noch am ehesten in Frage kommende Pro-Bewegung hat weder das organisatorische Potenzial, noch das, was man „Festigkeit“ nennen könnte: Eigenschaften einer Partei, die den Zustrom von Protestwählern, den berühmten „zehn Prozent Irren“, parteipolitisch völlig unerfahrenen und kaum an nachhaltigem Engagement interessierten Gefühls-Anhängern kompensieren können. Schließlich fehlen bisher jene, welche die „Gelegenheit“ ergreifen: Derzeit ist eine prominente und mit charismatischen Eigenschaften ausgestattete Person nicht in Sicht, die sich an die Spitze einer Bewegung stellen würde. Sarrazin, der „keine Partei im Sinn hat“, würde die nötigen Voraussetzungen ohnehin nicht mitbringen. Was unter dem Strich keine Beruhigung ist, denn in einem hat der Bundesbanker ja recht: Er kommt mit seinen Ideen auch ohne Partei weiter. Jedenfalls zuweilen.
zuerst erschienen auf lafontaines-linke.de
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Und das Wahlprogramm der Rechtsausgefransten wird in 3D gedruckt, kann man mit Brille den freien Raum besser sehen, bekommt aber später Kopfschmerzen, garantiert.
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Eine Sarrazin-Partei wäre ja keine reine 1-Themenpartei. Sarrazin selbst hat ja ein fast vollständig geschlossenes Weltbild mit genug Visionen für ein komplexes Parteiprogramm, wenn man nur die Vorschläge aufnimmt, z.B. Bildungsreform, Abschaffung von Hartz4, Steuerreform, Reform der Familienpolitik, Reform des Niedriglohnsektors, etc. pp.
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schrieb am
06.09.2010 um 10:49
So hat sich die Linke schon 1933 gründlich geirrt! Auch damals waren viele der Meinung, dass der braune Spuk sich selbst erledigen würde.
Man macht einen großen Fehler, wenn man die aktuelle Medienkampagne zu sehr auf die Person Sarrazin beschränkt sieht. Der ist nur der Strohmann, der vorgeschickt wurde, das Terrain zu sondieren. Hinter Sarrazin stehen andere mit viel Geld und Einfluss. Die sich in der Krise befindlichen Neoliberalen treten die Flucht nach vorne an; der von Sarrazin gepredigte Sozialdarwinismus ist nichts anderes als die Übertragung von deren Marktradikalismus auf die menschliche Gesellschaft. Die Konsequenzen für die sozial Schwachen dürften klar sein: Ausländer raus, Arbeitslose ins Lager! Es ist kein Zufall, dass Sarrazins krude Thesen gerade jetzt hoch gekocht werden, da gerade die Folgen der letzten Finanzkrise auf die Schwächsten im Lande abgewälzt werden. Und die nächste Krise so sicher kommt wie der nächste Winter. Bis dahin muss die Bevölkerung an den Gedanken gewöhnt werden, dass das Recht auf Leben kein Absolutes ist, dass es minderwertige Existenzen gibt, die die Gesellschaft abstoßen darf. Die Finanzzocker wollen schließlich auch nach dem nächsten Crash ihre Spieleinsätze vom Staat erstattet haben, da bleibt für soziale Sentimentalitäten nichts mehr übrig! |
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Dem fehlt doch das Charisma. Der würde dann auf seine Schuhsohlen 20.04 schreiben und hätte all die Dumpfbacken als Gefolgsleute die alles "verständlich" machen.
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"Was unter dem Strich keine Beruhigung ist, denn in einem hat der Bundesbanker ja recht: Er kommt mit seinen Ideen auch ohne Partei weiter. Jedenfalls zuweilen."
Tatsache. Sarrazin hat so Einiges angestoßen, wovon man glauben müßte, es sei heutzutage überkommen. Im Grunde hat der Mensch mit seiner These sogar neuerlich belegt, wie rückständig Deutschland im Rahmen international betrachteter (persönlich nicht gemochter) Nationalstaatsverbünde ist. Das wird vielleicht nach einiger Zeit sogar seinen (vermeintlich unpolitischen) Protagonisten auffallen. Seinen rechten Anhängern wohl eher nicht. Und trotz seines (unbedauert) fehlenden Charismas oder "Aussicht auf Prominente", das belegen Sie, Herr Strohschneider richtig, ist zu befürchten, daß, wenn auch nur "zuweilen", solcher Irrsinn auf flachen Grund stößt. Die Frage ist, ob man diesem Treiben auf analytische Weise beikommt, gegen die die Anhänger Sarrazins meistens gefeit sind und mit der die Öffentlichkeit wenig vertraut ist?! |
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Jeder projiziert was rein, was Sarrazin gar nicht gesagt hat. Was interessieren ihn solche Anhaenger.
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Die Umfrage ist unsinnig, passt aber leider in unsere Medienlandschaft, die auch von 'Bild' geprägt wird. Deutlich wird aber, wie stark die Ressentiments in Teilen der Bevölkerung sind. Eine Analyse über die Zukunftsfähigkeit einer weiteren Partei scheint mir aktuell überzogen zu sein.
Das Grausame an einer solchen ad hoc Umfrage ist, dass die konkreten Gründe im Ungewissen bleiben. Folgt man den für Sarrazin spezifischen Gen-Thesen, oder freut man sich lediglich, dass das Thema Integration in breiter Öffentlichkeit kritisch zur Sprache kommt. Würde man lediglich aus Protest Sarrazin zustimmen, bekundete man, sich mit dem Thema wenig oder gar nicht auszukennen. Es gibt weitaus mehr zu lesen, vielleicht sogar etwas, dass zur eigenen Ansicht viel besser passt. Die ad hoc Umfrage ist nicht bloß unsinnig, sondern auch verantwortungslos, berücksichtigt man die präsentierte Ausnutzung diffuser Stimmungen. |
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schrieb am
05.09.2010 um 21:14
"Fritz Teich schrieb am 05.09.2010 um 20:25
Sarrazin ist doch nicht bloed." Sehen Sie, Herr Teich, das ist die Frage - da hat sich zum Beispiel meine Meinung geändert. Bisher glaubte ich auch, der macht das kalkuliert und immer wieder fragte ich mich: "So blöd kann doch der nicht sein." Es sei denn, er ist seinem Abschuß selbst auf den Leim gegangen, denn klar ist - er ist verbrannt. (politischer Begriff für Revolutionierungsgehabe). Ich halte ihn inzwischen für blöd. Die Frage vielmehr wäre, wer in seiner Nähe es nicht war. |
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Es ist aber leider zu befürchten, dass sich mit Hetze a la Sarrazin trotzdem Wahlen gewinnen lassen.
Ein Berliner Ex-SPD Senator, nein, ich meine, ein SPD Ex-Senator, ist ja nun nicht gerade ein Nobody in der Partei, und bevor sich, siehe Hessen, eine Politik durchsetzen darf, die moderne Herausforderungen gelassen und innovativ in Angriff nehmen könnte, halten die Kochs, Clements etc dieser Republik, bekannt durch wahlweises Einprügeln auf Arbeitslose ('Parasiten', Clement) oder Ausländer ('wo kann man hier gegen die Ausländer unterschreiben', ging 1999 sowohl bei der CDU in Hessen als auch der NPD) quer über alle Parteigrenzen zusammen. In Frankreich klappt das auch gut, der dialogbereite de Villepin hatte gegen Sarkozy und seinen Kärcher keine Chance www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,383534,00.html und inzwischen ist der ja bekanntlich bei Bulldozern angekommen: www.taz.de/1/politik/europa/artikel/1/auf-der-flucht-vor-den-bulldozern/ Blickt man gar nach Ungarn, wird einem so richtig schlecht: www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/1071976/ Seit 2004 Eu-Mitglied (ein Status, den, geht es nach CDU und CSU), die Türkei niemals erreichen soll, 'Muslime halt', dürfte - dies liegt nicht erst seit Sarrazin nahe - die plausibelste Paraphrase der zugrundliegenden 'Überlegungen' sein.) Und kaum ist die erwähnte Umfrage publik, regt sich auch schon Kritik: an Wulf, der Kanzlerin, usw. - gegen die Dummheit von Leuten wie Gauweiler oder Bosbach, die sich jetzt im Doppelpass mit Sarrazin anschicken zu stürmen- dieser schreibt gerade dem Bundespräsidenten vor, wie er sich in der ihn betreffenden Angelegenheit zu verhalten habe, wenn er nicht als Stalinist - 'Schauprozess' - gelten will, - und böser Cop, guter Cop spielen wollen. Die Sachdiskussionen der letzten Jahre haben gezeigt, dass sich auf vielen politischen Feldern Probleme auftun, die zwar zum Teil an die Erschütterungen der 1920er und -30er Jahre erinnern, zu deren Bewältigung es aber keine Patentrezepte gibt. Wir wissen aber, wie es nicht geht: z.B. stur 'weiter wie bisher (und nach uns die Sintflut)'. Oder Sündenböcke bezeichnen, denen man so viele Steine wie möglich in den Weg legt und das Leben nach Kräften schwer macht. Eine Gesellschaft, die nach zukunftsfähigen Wegen sucht, kann es sich nicht leisten, irgendein Modell, in welcher Nische auch immer, zu ignorieren, und Demokratien westlicher Prägung verdanken einen grossen Teil ihres Erfolgs dieser Resource, deren Sicherung als Pluralismus - der die Freiräume, z.B. Obst- und Gemüsehändler und Supermarkt, Synagoge und Kirche und Moschee usw. garantiert - Kernbestandteil freiheitlicher Staaten ist. |
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schrieb am
05.09.2010 um 21:22
"die zwar zum Teil an die Erschütterungen der 1920er und -30er Jahre erinnern, zu deren Bewältigung es aber keine Patentrezepte gibt." schrieb keiner (:-)
Der Kern der Debatte. Aber " und Demokratien westlicher Prägung verdanken einen grossen Teil ihres Erfolgs dieser Resource, deren Sicherung als Pluralismus - der die Freiräume, z.B. Obst- und Gemüsehändler und Supermarkt, Synagoge und Kirche und Moschee usw. garantiert - Kernbestandteil freiheitlicher Staaten ist." Hier wäre m.E. Erfolg zu definieren, der u.a. darin besteht, über den IWF geregelte Abhängigkeiten zu schaffen, die Profitvorteile verschaffen und Technologiebremsen anderswo einlegen, nebst freizügig verteilten Lizenzen für private Armeen. Dieser innenpolitische Erfolg westlicher Demokratien ist dem Einsatz von Militär seit Jahrzehnten in aller Welt zu "verdanken". War nicht unlängst Köhler über diese Erfolgsformel gestolpert?! Da nur hat wirklich keiner präzise verstanden, worum es ging, weil Außenpolitik niemanden interessiert. |
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Ja, Köhler hat da was ausgeplaudert, das wohl so nicht in die Öffentlichkeit geraten sollte, und nein, diese Art Erfolg meinte ich nicht.
Für eine umfassende Definition fehlt mir gerade die Zeit (und der Grips), allerdings bin ich sicher, dass die von Ihnen beschriebenen Brutalitäten dann als Ausschlusskriterium erweisen würden. Vielleicht kasuistisch, als Ansatz: Dass aus 'Gastarbeitern', die, so hatte es jedenfalls den Anschein, hierzulande eigentlich nur die inzwischen befreiten Zwangsarbeiter ersetzen sollten - gerade auch, was deren Möglichkeiten, die Gesellschaft mitzuformen, betraf - in Berlin z.B. Obst- und Gemüsehändler geworden sind, die ein friedliches Leben führen, Familien haben - das durften Zwangsarbeiter auch nicht, und folgt man Sarrazin, ist ihnen auch gerade dies - 'Produktion von Kopftuchmädchen' - schwer anzulasten - und zum Teil sogar eine Alltagsumgebung geschaffen haben, die es ihnen erlaubt, sowohl mit Fremdem in Kontakt zu treten als auch ihre Grundüberzeugungen zu leben, halte ich für einen Erfolg, der nicht gering zu schätzen ist. Es hat in meinen Augen etwas totalitäres, wenn man von Menschen verlangt, sie müssten, um ihren Integrationswillen zu beweisen, über jedes Stöckchen, das man ihnen hinhält, springen, sich im Detail von vielen Vorstellungen ihrer Eltern und Grosseltern explizit distanzieren und dies obendrein durch peinliche Befolgung einer Art Dresscode, wie man ihn aus der 'freien' Wirtschaft kennt, jederzeit demonstrieren. Usw. |
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Ich fände diese Idee sehr sinnvoll eine 6. Partei zu gründen, auch wenn ich nicht darin Mitglied sein möchte. Dann würde sicher die Christdemokraten etwas mehr Dynamik gewinnen. Fragt sich nur, wer gerne einen Sarazzin wählen möchte, mit seinen vielen komischen Thesen.
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Ich fände diese Idee sehr sinnvoll eine 6. Partei zu gründen, auch wenn ich nicht darin Mitglied sein möchte. Dann würde sicher die Christdemokraten etwas mehr Dynamik gewinnen. Fragt sich nur, wer gerne einen Sarazzin wählen möchte, mit seinen vielen komischen Thesen.
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Die Frage ist doch, was eine mögliche rechtspopulistische Partei anbieten könnte. Minderheiten-Bashing wird da nicht reichen. Und die forcierte Durchsetzung neoliberaler Wünsche wird keine große Zustimmung erhalten – die FDP und CDU erfahren dies gerade in allen Umfragen. Insofern beunruhigt mich die Vorstellung einer 6. Partei nicht besonders.
Ich finde es eigentlich ganz gut, dass der verborgene Rassismus mal hochkommt – aber wichtig wäre, dass die Aufgeklärten ohne Hysterie, sehr souverän und klar - darauf eingehen. Die Probleme müssen gelöst werden und das ist in erster Linie eine Frage der Reformierung des Bildungssystems, die Ermittlung der gewünschten Werte, die hier eingehalten werden sollen, und deren Vermittlung an die Heranwachsenden. Das Integrationsproblem ist doch nur ein kleiner Teil eines großen Problems – wenn die Aufgeklärten schlau sind, nutzen sie es, um hier einen offensiven Reformierungsprozess einzuläuten. |
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"...wenn die Aufgeklärten schlau sind, nutzen sie es, um hier einen offensiven Reformierungsprozess einzuläuten."
Besser: ....wenn die Aufgeklärten schlau sind, nutzen sie die allgemeine Verunsicherung, um hier offensiv einen grundlegenden Reformierungsprozess einzuläuten. |
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Ich stimme Dir damit ja im Grunde zu:
"Das Integrationsproblem ist doch nur ein kleiner Teil eines großen Problems – wenn die Aufgeklärten schlau sind, nutzen sie es, um hier einen offensiven Reformierungsprozess einzuläuten." Auch Deiner Korrektur. Allerdings sehe ich im pauschalen Vorwort von Dir "dass der verborgene Rassismus mal hochkommt" im Prinzip schon wieder die Ausladung dazu an, weil die Nennung von realen Problemen recht flott zwar politisch links korrekt aber weder sachlich richtig noch persönlich gewinnend als "verborgener Rassismus" abgekanzelt wird. So kommt man kein Stück weiter. |
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Ich finde es eigentlich ganz gut, dass der verborgene Rassismus mal hochkommt – aber wichtig wäre, dass die Aufgeklärten ohne Hysterie, sehr souverän und klar - darauf eingehen.
Ich kenne viele "einfache" Leute, die in vielen Fragen einen sehr aufgeklärten politischen Standpunkt vertreten, aber bezüglich der Einwanderer, insbesondere Türken rassistische Vorurteile haben - dem ist nur mit Vernunft beizukommen und das muss geschehen. Es geht nicht darum jemanden auszugrenzen, sondern Einsichten und Erkenntnisse zu fördern. |
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Wie wäre es mit sprachlicher Abrüstung? Manch einer hat Vorbehalte gegen alles Fremde, die mit Rassismus nicht wirklich etwas zu tun haben. Es kann ohne Probleme Deutsche in Deutsche ohne jeden Migrationshintergrund treffen.
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Korrektur:
Deutsche in Deutschland |
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Ja, einverstanden. Üblicherweise nenne ich das Phänomen auch Fremdenfeindlichkeit oder Fremdenangst, aber mich hat es wirklich schockiert, dass die Attacken gegen Muslime und Türken in den Talkshows so einen begeisterten Beifall fanden, den ich mir nur mit einem tiefsitzenden Rassismus, der über Jahrhunderte als Antisemitismus gepflegt wurde, erklären kann. Und man muss die Dinge auch mal beim Namen nennen - ohne dabei gleich den Ankläger zu machen.
Es geht m.E. darum das Verständnis zu fördern, dass wir hier in einer Bürgergemeinschaft leben, in der erstmal jeder willkommen ist. Und dann redet man ganz sachlich über die vorhandenen Probleme – die alle lösbar sind. |
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"Dass ein Teil der Anhängerschaft politisch nicht fest an die Partei gebunden ist, geschweige denn mit dem politischen Programm etwas anfangen kann, dürfte (wiederum vor allem im Westen) die Linke noch vor einige Probleme stellen."
Vermutlich spielt das Programm dabei keine Rolle. Normalerweise kennen die Wähler die Parteiprogramme nicht und sind dementsprechend überrascht, was der Wahlomat ausspuckt. Welche Parteien in die engere Wahl kommen, bestimmt vor allem das Milieu des Wählers. Was Sarrazin betrifft, so vermute ich, dass ihn nicht das politische Kalkül umtreibt, sondern schlicht seine halbgaren persönlichen Überzeugungen. Sein Wertekostüm passt recht gut in die FDP, die ihn aber bestimmt nicht so gern haben will, seitdem er von "jüdischen Genen" geredet hat. |
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Was die Chancen einer populistischen Partei in D betrifft hoffe ich, dass es sich so verhält, wie im Artikel beschrieben.
Was mich allerdings daran zweifeln lässt: Auch Österreich hatte eine gegenüber Neueintritten besonders resistente Parteienlandschaft. Gerade dieser Umstand beförderte beim Auftreten des Populisten Haider den Aufstieg der FPÖ. Ähnlich verhielt es sich in der Schweiz mit der SVP. Während sich in Österreich offenbar mit antisemitischen Parolen noch Wählerstimmen bis in die bürgerliche Mitte gewinnen lassen, erscheint mir das in Deutschland inzwischen eher unwahrscheinlich. Nicht, dass es hier keinen Antisemitismus gibt, im Gegenteil. Aber er ist inzwischen auch in der Selbstwahrnehmung vieler Deutscher derart tabuisiert, dass es einiges bedürfte bis er wieder offen politisch agieren kann (was natürlich eine pseudowissenschaftliche "jüdische Gen"-Debatte nicht verhindert). Bisher machten die deutschen Rechtspopulisten (bis auf Schill) bloß den Fehler, dass Sie sich von offen antisemitischen und extrem-nationalistischen Parolen und Führungspersonal nicht fernhielten. Bei Schill kann man froh sein, dass er seinen eigenen Ansprüchen an "Anständigkeit" nicht gerecht wurde. Sarazzin hingegen halte ich für fähig, sich in Öffentlichkeit und Privatleben am Riemen zu reißen und auch unter dem Druck einer rechtspopulistischen Anhängerschaft die Linie der gesellschaftlich gerade noch tolerierten Provokation nicht zu überschreiten - und sie gerade dadurch immer weiter zu verschieben. Dann könnte die Linke ihre Protestwähler-bindende Funktion nicht mehr lange erfüllen. Man mag in der Linken vielleicht auch nach der öffentlichen Verwendung des Worts "Fremdarbeiter" noch Vorsitzender bleiben, aber viel mehr an rechten Tönen traue ich dieser Partei nicht zu. Das spricht zwar für die Linke, lässt sie aber im parteipolitischen Ringen bei der Etablierung einer populistischen Partei langfristig ausscheiden. Was bliebe dann? Die CDU, die ihre "Angebote" für die konservativen und rechten Wähler ausbauen müsste, wie richtig oben steht. Dann aber hätte Sarazzin mit seinen Ideen noch mehr gesellschaftlichen Einfluss gewonnen als er mit einer eigenen Partei je hätte. |
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Das Potenzial für eine mit einfachen Antworten in einer komplexen Welt aufwartenden Partei ist in unserem Land sicherlich vorhanden. Ob es seriös ist, dieses Potenzial auf der Grundlage tagesaktueller und hysterischer Debatten zu quantifizieren sei einmal dahin gestellt.
Auch wenn ich es mir anders wünschen würde, ist nicht die Frage, ob sich eine solche Partei bildet, sondern wann und mit wem. Die Einordnung im politischen Spektrum halte ich auch noch nicht für ausgemacht. Eine Resentiment geleitete Partei hätte sowohl auf der Linken (siehe Lafontaines Fremdarbeiter) als auch auf der Rechten einen Platz im Parteienspektrum. Richtig erfolgreich wäre diese Gruppe wahrscheinlich dann, wenn sie sich einer eindeutigen Einordnung entzöge. Dies würde sie gegen Angriffe mit Bezug auf die deutsche Geschichte immunisieren und ihr ein sehr breites Spektrum in der Bevölkerung erschließen. Und was tun zu differenziertem Denken begabte Demokraten jetzt dagegen? Wie wäre es mit demokratischem Engagement in demokratischer Parteien. Eine Lehre aus dieser Debatte sollte doch sein, dass wir auf rationale, differenzierte und gesellschaftlich integrierdene Parteien brauchen und sie darum den Technokraten und Karriere-Geiern nicht überlassen dürfen. Vielleicht sollte man in der Stunde der größten sichtbaren Schwäche der Parteien diese zum Ort und Vehikel eines demokratischen und auf gesellschaftlichen Ausgleich gerichteten Engagements machen. |
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Lese heute in der FR, dass unter den Anhängern der LINKEn die Zustimmung zu einer "sechsten Partei" besonders hoch ( 29% ) sei. Ist das nun Ausdruck hoher politischer Intelligenz ( Schwächung des "bürgerlichen Lagers" ) oder ein Beleg dafür, dass Rassismus, Sozialdarwinismus und der Primat ökonomischer Rentabilität auch im linken Segment der Gesellschaft Gehör finden? Oder was?
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schrieb am
06.09.2010 um 14:03
Zu "Tom Strohschneider"
Was, bitte schön, unterscheidet jemanden der Meinungsgegner argumentationsfrei in die rechts- nationalkonservative Ecke stellt, von den vo Ihnen erwähnten Gefühls- Anhängern? Zu "kolowski": Die antwort fällt mir leicht:Es ist ein Beleg dafür,das es in der Linkspartei offenbar außer irrationalistischen Wir- Gefühls-Linken und Anarchos auch noch (oder immer mehr?) republikanisch- aufgeklärte "Vernunftlinke" gibt. Ich hoffe wenigstens, dass das so ist. |
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Unser Prophet des Untergangs wandelt sich derzeit zum Märtyrer. Folgt darauf die Gründung einer Sarrazin- Glaubensgemeinschaft?
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Sarrazin ist nur Ablenkung !
Die Diskussion um eine 6. Partei ist nur Ablenkung ! Die Grundbedingungen der angeführten Politikwissenschaftler erlaube ich mir, folgendermaßen zu verkürzen. In unserer Nationalhymne heißt es : Einigkeit und Recht und Freiheit. Das ist unser aller Grundsatz ! Wenn man mittlerweile bei über 18 Mio Nichtwählern angekommen ist bei knapp 60 Mio. Wahlberechtigten, dann gilt es, darüber zu sprechen, warum es soweit kommen konnte ! Frau Angela Dorothea Merkel ist unsere Bundeskanzlerin. Sie trägt Verantwortung für unser Land, für uns alle und Sie wird Ihr nicht gerecht ! Teile der bürgerlichen Medienlandschaft verweigern sich einer ernsthaften Diskussion über Ihre Verantwortung. - Sie ist eine der letzten Bush-Anhängerin, die wir in Europa haben - Sie ist eine Kriegslügnerin (mind. bis 04.09.2009 – Luftschlag von Kundus) - Sie ist eine Wahlkampf-Betrügerin (Kommentar von Herrn Augstein vom Freitag nach BW 2009) - Sie ist seit neuestem eine Literaturkritikerin (Zitat Henryk M. Broder) Sie und Ihre Partei legen ein erschreckendes Demokratieverständnis an den Tag : Ein paar wenige Zuschauerdemokraten-Eindrücke : Roland Koch ! In Hessen gibt er den „Ultra-Konservativen“ und nach dem Nein zum Irak-Krieg von Schröder gibt er den „obersten Bananenverkäufer“ unserer Republik, in dem er demonstrativ im OvalOffice mit George W. Bush Handshake-Fototermin hat. Falls der ein neuer Parteiführer für eine rechtsaussen Partei werden sollte, wird es bestimmt spaßig. Olli Kahn hat man in Dortmund bei Bundesligaspielen immer wieder mit Bananen beworfen. Herr Koch kann sich darauf verlassen, das Bananen irgendwann ja braun anlaufen. Die Agenda 2010 hat Frau Merkel reihenweise Landtagswahlsieger beschert. In der öffentlichen Diskussion wurde lange Zeit nicht deutlich herausgestellt, das die CDU/CSU im Vermittlungsausschuss im Bundesrat mit am Tisch gesessen hat und für die Agenda 2010 ebenfalls eine gewichtige Mitverantwortung trägt. Ohne die Mitwirkung der CDU / CSU hätte die Agenda 2010 nicht eingeführt werden können. In Hessen werden die Wähler unter fadenscheinigen Gründen ein zweites Mal in die Wahlkabinen zur Landtagswahl getrieben Bayerns Konservative bedienen sich Marotten, die an die Weimarer Republik erinnern, Da wird Herr Günter Beckstein Wahlsieger und tritt 72 Stunden nach seinem Wahlsieg von ebendiesem zurück. Das war die bisher unverschämteste Entmündigung eines Wahlentscheid, die dieses Land erlebt hat. Herr Seehofer, der ein bekennender Populist ist, wird vom CSU-Parteienvorstand zum MP gewählt und erhält automatisch Zugriff auf 2 Bundesministerposten. Für Herrn Seehofer sollten sich Journalisten endlich den „Running Gag“ angewöhnen, den Mann bei jedem Interview zuerst einmal die Frage zu stellen, wie er eigentlich Ministerpräsident geworden ist. Gerade ganz aktuell : In Schleswig – Holstein gibt ein Herr Carstensen den Ministerpräsidenten ohne jedes Recht ! Wir brauchen Neuwahlen ! |
Ausgabe 07/12
16.02.2012
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