Tom Strohschneider

Blog von Tom Strohschneider

13.03.2011 | 11:44

In wessen Hand? Fukushima und die deutsche Atomdebatte

Über Nacht wieder neue beängstigende Nachrichten aus Japan: Inzwischen geht die dortige Regierung von einer weiteren Kernschmelze in einem zweiten beschädigten Reaktor aus; in vier weiteren Meilern ist die Kühlung nach dem schweren Erdbeben ausgefallen. Ausgetretene Radioaktivität, Strahlenopfer, staatliche Jod-Ausgabe, Massenevakuierungen – die Zeitungen schreiben von einem Wettlauf gegen die Zeit, und auch ein anderer Wettlauf hat längst begonnen, ein Rennen gegen profitgetriebene Unvernunft, technologische Hybris und die Wiederholung politischer Fehler.

Wird „die Politik“ jetzt die Lehre aus Fukushima und Tschernobyl ziehen? Sie zieht Schlussfolgerungen und passt ihre kurzfristigen Strategien an, aber das ist ja nicht dasselbe. „Ich glaube, dass das heute nicht der Tag für politische – geschweige denn parteipolitische – Debatten ist“, hat Umweltminister Norbert Röttgen am Samstag erklärt. Und jeder fragt sich, wann eigentlich ein besserer Tag wäre, die Fehlentscheidungen der Vergangenheit einzuräumen und für einen Neuanfang zu plädieren. Kanzlerin Angela Merkel flüchtete sich in einen schon grotesk anmutende Erklärung, die den GAU in Fukushima in ein Zeichen verwandelte, „dass es Kräfte der Natur gibt, vor denen wir machtlos stehen und die von uns immer wieder ein Stück Demut erfordern“. Ganz so, als ob die ganze Atomkraft vom Himmel gefallen und nun der Laune eines transzendenten Prinzips unterworfen ist: „Wir wissen, dass wir auch ein Stück weit in Gottes Hand sind.“

Das mag als Privatansicht noch durchgehen, als Denkvoraussetzung für eine Regierung wäre es gefährlicher Unfug. Und das so einen Satz eine Physikerin ausspricht, macht die Sache nicht besser. Wahr ist ohnehin: Merkel spannt sich hier einen Schirm auf, der sie vor dem politischen Fallout schützen soll. Es folgen jetzt zwei Wochenenden mit Landtagswahlen, in denen sich viel entscheiden kann (auch wenn das, was da entschieden wird, im Vergleich zu der Aufgabe eher gering ist, die Fukushima ins Gedächtnis ruft). Die Atomparteien Union und FDP haben ein Problem, die Grünen können abermals hoffen, SPD und Linke müssen fürchten, bei all dem nicht die Rolle zu spielen, die sie sich selbst gern zuweisen. Die Debatte um die Laufzeitverlängerung im Herbst hat gezeigt, dass das Atomthema mehr als viele andere mobilisierungsfähig ist.

Und genau deshalb wird jetzt mächtig auf die Bremse getreten. Zuallererst von Union und FDP. Auch Guido Westerwelle versuchte umgehend, der Diskussion sie Spitze zu nehmen. „Der Parteienstreit kann warten“, sagt der Außenminister als ob das in einem Konflikt zueinander stünde, „die Hilfe für die Menschen in Japan nicht.“ Diese Rhetorik, die vor allem eines ist, nämlich parteipolitisch, hat auch der SPD-Vorsitzende übernommen. „Wir sollten das Leid der Japaner“, sagt Sigmar Gabriel, „nicht für unseren innenpolitischen Streit instrumentalisieren.“ Zum Glück entscheiden diese Leute nicht allein, was innenpolitisch zur Streitfrage wird. Man hat es an den Mahnwachen des Samstagabend gesehen, an der kleinen Berliner Demonstration, am unerwarteten Zulauf bei der Menschenkette im Südwesten. Man wird es – die Wahlforschung weiß über den oft entscheidenden Effekt der letzten Wochen vor einem Urnengang – wohl auch in Sachsen-Anhalt, mehr noch aber in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz in den Ergebnissen ablesen können. „In den kommenden Wochen müssen wir auch in  Deutschland die Atomfrage erneut auf die Tagesordnung setzen“, hat wie viele jetzt der SPD-Umweltpolitiker Michael Miersch gefordert. Wir müssen, fordert die Spitze der Linkspartei, „zu einer Politik der systematischen Reaktorabschaltung kommen, unverzüglich und unumkehrbar“.

Der vielleicht entscheidende Punkt wird sein, ob und wie sich die Spannung der Aktualität, die von den Bildern aus Japan und der naiven Klarheit des unmittelbaren, nicht von realpolitischen Zwängen schon eingefangenen Gedankens getragen ist, in das politische Geschehen der nächsten Monate übertragen lässt. Am Atomkraftwerk Fukushima ist mit Borsäure und Meerwasser vielleicht nichts mehr zu gewinnen. Hinter dem strahlenden Schrecken verbirgt sich aber eine viel weiter reichende Frage, eine, die jetzt auch schon mit Hoffnung verbunden wird. Fukushima läute „das Ende des Atomzeitalters“ ein, titelt der Spiegel (jedenfalls online), und viele hoffen ausnahmsweise, das Blatt möge einmal Recht behalten. Eine Parallele drängt sich auf, die zur Reaktorkatastrophe von 1986, die doch schon hätte Grund genug sein müssen, den atomaren Energiekurs zu verlassen. In der Bundesrepublik (West) ist seither kein Meiler mehr gebaut worden, der ab 1998 eingeschlagene Weg zum Ausstieg aber führte in einen viel zu langen Umweg, und inzwischen hat die schwarz-gelbe Koalition ja auch diesen wieder verlassen. Wie viel GAU ist eigentlich nötig, damit Gesellschaften ein Ereignis als letztgültigen Beweis ansehen, als Wendepunkt?

Die Frage richtet sich übrigens nicht nur an die Parteien, und auch nicht nur an die der schwarz-gelben Regierungskoalition. Dass SPD und Grüne 2001 nur einen schwachen, einen gefährlichen Kompromiss mit den Energiekonzernen aushandelten, lässt sich nicht – wie es jetzt gern noch einmal in Erinnerung gerufen wird – allein mit politischem Opportunismus oder bösem Willen der Akteure erklären. Es fehlte auch der gesellschaftliche Druck, weil viele glaubten, mit der Wahl einer rot-grünen Regierung schon das Nötige getan zu haben. Mehr noch, es fehlte an einer Wechselstimmung, die über die Farben der Koalition und die Wahl des Stromanbieters hinausweist, die das Soziale in der Energiefrage aufgreift, das Öffentliche an den Netzen, das Ökologische an der Erzeugung, das Ökonomische an den globalen Bedingungen der Produktion. Und die das alles verbindet zu der Einsicht, dass man dafür vielleicht auch sein ganz eigenes Leben wird ändern müssen, dass man nötigenfalls dafür jeden Tag auf die Straße geht und nicht nur ab und an zur Wahl, dass sehr schwierige Entscheidungen nötig werden, weil man das Erbe von einem halben Jahrhundert atomaren Irrsinn nicht einfach ausschlagen kann.

 

auch erschienen auf lafontaines-linke.de

 
Senden Bookmarken Drucken
Kommentare
Ehemaliger Nutzer schrieb am 13.03.2011 um 11:56
"Mehr noch, es fehlte an einer Wechselstimmung, (...), die das Soziale in der Energiefrage aufgreift, das Öffentliche an den Netzen, das Ökologische an der Erzeugung, das Ökonomische an den globalen Bedingungen der Produktion. Und die das alles verbindet zu der Einsicht, dass man dafür vielleicht auch sein ganz eigenes Leben wird ändern müssen..."

Guter Artikel. Volle Zustimmung.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 13.03.2011 um 12:13
„Wir sollten das Leid der Japaner“, sagt Sigmar Gabriel, „nicht für unseren innenpolitischen Streit instrumentalisieren.“

*****************************************

Ist ja logisch.Lieber instrumentalisieren wir das Leid der Japaner, um sich selbst aus der Verantwortung zu ziehen und die Aufmerksamkeit der empörten Plebejer abzulenken. Scheint in Moment wichtiger zu sein als innenpolitische Streite. Oh ich fasse es nicht!!!! Für wie blöd hält man eigentlich die Menschen?
Streifzug schrieb am 13.03.2011 um 12:29
Ich formuliere es heute mal etwas ungeschminkter, als persönliches Werturteil: Gabriel gehört zur Kaste der aufgeblasenen wichtigtuerischen Schwätzer, die kuschen wenn es ernst wird. Seine abgedroschenen Phrasen sind das Spiegelbild seiner selbst und hohl wie seine Birne.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 13.03.2011 um 13:19
Oh ich verstehe Dich ganz gut... bei mir selbst schlagen die Emotionen hoch. Als ich diese Aussage von Sigmar Gabriel gelesen habe, war ich fast dabei, mein Kaffee auf Laptop auszuspucken.

Aber ich finde, wir sollten unsere Empörungen nicht als Prinzip legitimieren, sondern eh als Fehler betrachten. ich meine, wir sollten uns mit Politiker nicht auf persönlicher Ebene beschäftigen ("persönliches Werturteil", wie Du sagst), sondern uns einzig und alleine mit der SACHE auseinandersetzen. Obwohl es u.U. natürlich sehr schwer fällt.

Aber es geht nicht darum, einen oder anderen Politiker zu kippen, d.h. wenn es sein muss, dann muss es sein... aber es darf nicht das Hauptziel werden. Das Hauptziel ist, die Lebensräume fürs Leben zu optimieren. Und mit optimieren meine ich nicht nur, dass sie überlebenssicher sein sollten, dass jeder genug zu essen und beheizte Bude im Winter hat oder so... ich wünsche, dass es überall (Nächsten)Liebe und Glück für alle gibt, dass es überall Kreativität und Intelligenz wie Edelsteine glitzern, dass es überall Warmherzigkeit das Sagen hat und dass es sich hinter jeder Ecke ein reizendes atemberaubendes Geheimnis verbirgt. Und, na ja, wie kommen wir denn dahin, wenn wir hassen... okay, ich gebe zu, es fällt mir ziemlich schwer, Sigmar Gabriel zu lieben. Aber ich sag ja, ich bin fehlbar!
Streifzug schrieb am 13.03.2011 um 13:40
Liebe Lara,

ach, nix hassen, wenn ich "wütend" bin, werde ich ganz ruhig. Das "persönliche Werturteil" hängt mit dem "ungeschminkt formulieren" zusammen.

Wollen wir uns die Arbeit nicht teilen?

Ich kippe einen Politiker nach dem anderen und du sorgst im entstehenden Freiraum für (Nächsten)Liebe, Glück, Kreativität, Intelligenz, Warmherzigkeit und ein reizendes atemberaubendes Geheimnis.

Den Gabriel lasse ich dir ausstopfen, den kannst du dann auf den Kaminsims stellen, als Erinnerung an die Anfänge ;)
Ehemaliger Nutzer schrieb am 13.03.2011 um 14:55
(giftig):

...wieder diese traditionelle Rollenteilung...

Entschuldige bitte, war nicht böse gemeint, ich musste jetzt unwillkürlich lachen. Okay, dass Arbeitsaufteilung kann man probieren... aber lass doch den Gabriel raus, ich meine, was hat er auf dem Kaminsims zu suchen, wir wollen den Humankapital nicht verschwinden, jemand muss ja die Folgen der Katastrophe in Japan beseitigen, also schicken wir unsere Politiker als internationale Hilfe dahin, damit sie sich vor Ort überzeugen können, was Nuklearenergie bedeutet...
Streifzug schrieb am 13.03.2011 um 15:24
... also gut, schicken wir sie nach Japan.

Anschließend leuchtet der ausgestopfte Gabriel auf dem Kaminsims sogar im Dunkeln gemütlich vor sich hin.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 13.03.2011 um 15:40
Oh Männer...

Na gut, wenn Du so viel Wert auf Deine Jagdtrophäe legst... aber ich hoffe, Du hast es nicht vor, den Gabriel mit dem Atommüll auszustopfen?
Streifzug schrieb am 13.03.2011 um 15:51
... öhm, genau betrachtet ist der Gabriel anschließend Atommüll.

Sehr makaber die Diskussion hier :) Wir beenden sie besser unter einer strahlensicheren Glocke. Dort kann sie dann bis in alle Ewigkeiten der Nachwelt als abschreckendes Beispiel dienen. (Zusammmen mit einer beigefügten Jagdtrophäe ... ;)
manstruator schrieb am 13.03.2011 um 12:31
warten wir doch auf meldungen aus deutschland in der nächsten zeit. mit sicherheit werden ab sofort kleinste störfälle für die medien hochinteressant sein und dann jeweils kurzzeitig das pendel der hier beschriebenen debatte schlagartig in eine bestmmte richtung bringen. die menschen denken nur bei entsprechender nähe des problems an sich selbst. erst dann, wenn der sensenmann an der tür klopft, wird er auch von den tauben vernommen.
Tom Strohschneider schrieb am 13.03.2011 um 15:58
Wer zahlt im Falle eines atomaren GAU? wurde hier im Blog im vergangenen Juli gefragt. Anlass war eine Anfrage der Grünen im Bundestag. Abgesehen davon, dass ich eine Zahl falsch hatte (es sind inflationsbereinigt heute nicht 7,4 Milliarden sondern 7,4 BILLIONEN Euro, ist das nun dann doch leider wieder sehr aktuell inzeressant: www.freitag.de/community/blogs/tom-strohschneider/wer-zahlt-im-falle-eines-atomaren-gau-die-gruenen-haben-nachgefragt
Streifzug schrieb am 13.03.2011 um 16:09
Fangen wir ganz einfach an:

Wer zahlt im Falle einer Finanzkrise? Die Verursacher? Nenene. Die Bürger. Fein eingefädelt.

Nun zu Stufe 2:

Wer zahlt im Falle eines atomaren GAU? Die Verursacher? Nenene. Die Bürger. Fein eingefädelt.

Wir fassen zusammen:

Gewinne privatisieren. Risiken und Verluste sind für dich, dummer Bürger, ansonsten wären doch die schönen Gewinne futsch. Und - keine Versicherung nimmt sich des Risikos an. Unkalkulierbar, unbezahlbar.
Heimatloser schrieb am 13.03.2011 um 16:13
Völlig falsche Sichtweise. Natürlich zahlen die Verursacher ! Schließlich ist es der Bürger, der Strom haben will. Die Energiekonzerne befriedigen nur das Bedürfnis.
*Ironie aus
**Schlimm, welche Aussagen man heute schon als Ironie kennzeichnen muss, weil's sonst ernst genommen werden könnte.
Streifzug schrieb am 13.03.2011 um 16:19
... auch wieder wahr. Der BürgerTrottel will Geld aus dem Automaten und Strom aus der Dose. Die Nachfüller können für mögliche Nebenwirkungen der erbrachten Dienstleistungen wirklich nicht haftbar gemacht werden.
claudia schrieb am 13.03.2011 um 17:49
Wer zahlt im Falle einer Finanzkrise? Die Verursacher? Nenene. Die Bürger. Fein eingefädelt.

Nun zu Stufe 2:

Wer zahlt im Falle eines atomaren GAU? Die Verursacher? Nenene. Die Bürger. Fein eingefädelt.

Einfache betriebswirtschaftliche Betrachtung: Die Kosten beider Krisen sind unkalkulierbar. Deswegen wird keine Versicherungsgesellschaft Versicherungen gegen Finanzkrisen, Agenda 2010 und atomaren Super-GAU anbieten.

Braucht man auch nicht, solange man die bekannten Kälber hat, die ihre Metzger selber wählen...
claudia schrieb am 13.03.2011 um 17:51
Hab vergessen, das Zitat als Zitat zu kennzeichnen. Tutt mir leid...
Streifzug schrieb am 13.03.2011 um 18:45
... es erkannt zu haben, adelt dich :)
Heimatloser schrieb am 13.03.2011 um 18:49
Man lernt nie aus ! Herr Söder sagt heute in einem SZ-Interview: "Wir waren nie Kernkraft-Fetischisten."
Das haben er und die CSU aber bisher geschickt verborgen.
luggi schrieb am 13.03.2011 um 20:41
Was sagte TINA Merkel heute abend in der ARD?

"Nachdem, was wir heute wissen, sind unsere Kernkraftwerke sicher."

Das hätte der japanische Premier auch am Tag vor der katastrophe sagen können. Tja, und wer sind diese "wir"? Die Chefs der Atomlobby? Ich, die Störfälle, viele andere Menschen und die Empirie wissen da mehr.
derkleinemut schrieb am 13.03.2011 um 21:35
Es drohen nicht nur die Wiederholung politischer Fehler und technologische Hybris, Herr Strohschneider. Die Abwiegelei der Profitprofis und ihrer Helfer muß beim Namen genannt werden: Sie dient der Fortführung unverantwortlichen Verhaltens.

Wer jetzt beschwichtigt, ist nicht besonnen, sondern Täter.
Unsere jahrzehntelange Besonnenheit ist längst in Feigheit umgeschlagen.

Beim heutigen Kenntnisstand Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken durchzudrücken, kann ich nur als kriminell bezeichnen.

Kriminelles Handeln muß unterbunden werden!
Tom Strohschneider schrieb am 14.03.2011 um 12:05
Sie nennen es "kriminelles Handeln", ich unter andere "profitgetriebene Unvernunft". Es kommt aber aufs selbe hinaus: Ob es gelingt, den Spielraum zu nutzen, der jetzt entstanden ist - und der sich im taktischen Zurückweichen der Regierung zeigt, die eine Aussetzung der Laufzeitverlängerung prüft. Das reicht aber nicht, nur werden sie alleine (und wohl selbst Rot-Grün nicht) den nötigen, großen Schritt weiter tun.
miauxx schrieb am 13.03.2011 um 23:52
Gerade kurz mal bei 'Anne Will' reingeschaut:
Röttgen stottert peinlichst vor sich hin. Er hat, wie immer, nichts zu sagen - darf ja offenbar auch nicht wirklich mitreden - und weiß offensichtlich auch nichts. Angeblich weiß er von einer Kernschmelze.
Ranga Yogeshwar wußte verständliche fachliche Erläuterungen und eine Erörterung der derzeit wahrscheinlichsten Situation in Fukushima zu geben. Und er hat sich mit nachvollziehbarer, sachlich-bedächtiger Argumentation gegen die Panikmache der hiesigen Presse gewand. Von einem Gau, auch bei bereits eingesetzter Überhitzung der Kernstäbe, sei nicht zu sprechen. Aufgrund der sehr verschiedenen situativen und technischen Vorraussetzungen sei auch keine Parallelisierung mit Tschernobyl zu erkennen.
Die Reihung suggestiver Schlagworte am Anfang dieses Artikels ist jedoch leider auch schon nahe am Boulevard.
Wahr ist, dass sich unsere Regierungspolitiker peinlich verhalten. Aber folgerichtig. Für ein Weiter so eines krankenden Systems - was auch sonst wäre freilich zu erwarten -, ist in fragen der 'Energiesicherheit' eine möglichst weite Extension der AKW-Laufzeiten ja auch die einzige Möglichkeit.
Ohne generelles Systemumdenken, ohne den Energiehunger an sich nicht rigoros zu beschränken, sitzen wir immer kurz vor der Apokalypse. Wenn sich nichts grundlegend ändert - die Chancen dafür stehen schlecht -, ist die Atomenergie jedenfalls nicht die schlechteste Lösung.
claudia schrieb am 14.03.2011 um 09:24
>>Ohne generelles Systemumdenken, ohne den Energiehunger an sich nicht rigoros zu beschränken, sitzen wir immer kurz vor der Apokalypse.<<
Das "Systemumdenken" finge mit der Frage an, ob wir auch mit geringerem Energieverbrauch Lebensfreude erleben können.
Falls ja, müssen neue Ziele der Betriebswirtschaft definiert werden: Zum Beispiel "Umweltverträglich und mit möglichst geringen Gesundheits- und Unfallrisiken der Lebensfreude dienen".
Das geht nicht, wenn immer nur wachsen müssende Zahlen hin und hergeschoben werden.

---
>>Röttgen stottert peinlichst vor sich hin. Er hat, wie immer, nichts zu sagen - darf ja offenbar auch nicht wirklich mitreden - und weiß offensichtlich auch nichts. Angeblich weiß er von einer Kernschmelze.<<
Aber er hat noch nie einen Apfel mit geschmolzenen Kernen gesehen. Jetzt meint er, dass das nur bei Nashibirnen passieren kann.
miauxx schrieb am 14.03.2011 um 18:42
@claudia

"Das "Systemumdenken" finge mit der Frage an, ob wir auch mit geringerem Energieverbrauch Lebensfreude erleben können."

Genau das ist der Punkt. Es müssten derart unpopuläre Entscheidungen getroffen werden, die wohl zumindest auf demokratischem Wege kaum durchzusetzen wären.
Die Energiefrage bzw die Frage danach, wie weit wir zurückstecken könnten, hängt ja unmittelbar mit der Frage nach sozialer Gerechtigkeit zusammen. Es müsste klar werden, dass nur ein Gesellschafts- und Wirtschaftssystem zu Gerechtigkeit und Umweltverträglichkeit führt, dem ein klarer Konsens darüber zugrundeliegt, das eben nicht Ressourcen unbegrenzt zur Verfügung stehen; dass eine wirtschaftliche Vorteilnahme eben nicht möglich wäre.
alf harzer schrieb am 13.03.2011 um 23:58
ich denke auch, jetzt ist die zeit, über die "friedliche" Nutzung der Kernenergie zu reden. Eine Technologisch, die nicht beherrschbar ist. Wer es dennoch versucht, sieht sich tödlichen Risiken ausgesetzt. Wenn es denn nur die betreffen würde, die damit Geld scheffeln wollen und die Poltiker/-innen, die ihnen "willfährig" (womöglichgegen Bakschisch) sind, nein alle werden "geopfert", man kann sich gegen diese tödliche Maschinerie nicht schützen.
Sehr schade, dass nicht nur Die Befürworter einer strahlenden Zukunft entgegen gehen. alle werden in Haft genommen.
Auch hier sind wir die internationale Gemeinschaft. In der Diakonie nennt sich die Versklavung für die Zwecke weniger Dienstgemeinschaft. Dadurch wird es auch nicht besser
wbieber schrieb am 14.03.2011 um 08:49
Was haben der Freiheitskampf der arabischen Völker und die Erdbebenkatastrophe Japan in Deutschland gemeinsam? Steigende Energiepreise, Menschenketten gegen die Atomkraft und eine ratlose Politik:
bit.ly/ecMh2h
Grundgütiger schrieb am 14.03.2011 um 11:04
"Kommunismus ist Sovietmacht plus Elektrizität" hat der Lenin einst gesagt.
Wenn er heute die Ergebnisse sehen würde, rotieren wie ein Propeller würde er.
Es ist in der Tat an der Zeit, Wachstum zu überprüfen. Wir dürfen auf keinen Fall mehr wachsen in den entwickelten Industrieländern.
Weil Wachstum mehr Strom bedeutet. Mehr Strom bedeutet zur Zeit, d.h. bei jetziger technischer Entwicklung, mehr Atomstrom.
Mehr Atomstrom, mehr Risiken. Davon unberührt, aber doch bezogen, wohin mit dem Abfall?
Wir verfrühstücken diesen Planeten, guten Appetit.
claudia schrieb am 14.03.2011 um 11:57
>>Wir dürfen auf keinen Fall mehr wachsen in den entwickelten Industrieländern.<<
Das heisst, der Verbrauch an Rohstoffen und Energie darf nicht wachsen, eher im Gegenteil.
Geistiges Wachstum könnten wir gut gebrauchen, das hülfe auch beim vernünftigen Umgang mit Ressourcen und der Entwicklung von Lebenszufriedenheit statt betrübswirtschaftlichem Zahlengigantismus.
Heimatloser schrieb am 14.03.2011 um 11:32
Wie zu erwarten, kommt bei Schwarz-Geld Panik auf und man macht das naheliegenste: den Ausstieg aus dem Ausstieg vom Ausstieg. Um die Zeit der Wahlen zu überbrücken gibt's ein Moratorium. Und ich wette - wer hält dagegen ? - dass nach den Landtagswahlen dann business as usual kommt. Bis dahin hatten die Stromkonzerne dann ja auch wieder Zeit, handfeste Überzeugungsarbeit zu leisten. Es stehen ja demnächst nicht nur Wahlen sondern auch Überweisungen an ....
Tom Strohschneider
vom "Blauen" zum "Roten" geworden
Mitglied seit:
3 Jahre 17 Wochen
Zuletzt aktiv:
19.02.2012
Status:
Blogger
Aktivität:
Beiträge: 269
Kommentare: 377
Logbuch
11:38
Der König von Prussia hat gerade einen Kommentar geschrieben.
11:38
Fritz Teich hat gerade einen Blogbeitrag erstellt.
11:35
Joachim Petrick hat gerade einen Kommentar geschrieben.
11:33
Der König von Prussia hat gerade einen Kommentar geschrieben.
11:31
Der König von Prussia hat gerade einen Kommentar geschrieben.
David Foster Wallace Das hier ist Wasser Kiepenheuer & Witsch 2012

64 Seiten. Kartoniert.

4,99
 
David Foster Wallace wurde 2005 darum gebeten, vor Absolventen des Kenyon College eine Abschlussrede zu halten. Diese berühmt gewordene Rede gilt in den USA mittlerweile als Klassiker und Pflichtlektüre für alle Abschlussklassen – eine kleine Anleitung für das Leben, die man jedem mit auf den Weg geben möchte >> mehr
Arte-Kooperation

portlet_ArabienArte.png

portlet-gaertnerbuch.png

wir müssen reden

Augstein und Blome

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Die grüne Guerilla

Ausgabe 22/2012
31.05.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_Gaertner.jpg

Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

Freitag-Buchshop.png

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG