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18.09.2009 | 15:25

Stardealer-Economy

 

Es gehört zum Wesen des Unerwarteten, dass es plötzlich da ist. So wie die heutige Entscheidung des Bundesrats, gemäß derer die Länder - so sie denn wollen - mit finanzieller Unterstützung  der EU und geringem Eigenkapital Obst und Gemüse an ihre Schüler verteilen (lassen) können. Als abgeklärte Zeitgenossen wissen wir natürlich, dass das Motiv für diese "gute Tat" nicht die Freude am Leuchten unschuldiger Kinderaugen ist, wenn diese ihr Arbeitskittelchen heben, damit die Obrigkeit die geschmacksfreien Äpfelchen und die wässrigen Tomätchen hineinlegen kann - obwohl meinem Landesvater ein gehauchtes "Danke, Herr von Rüdiger" sicher gut tun würde.

Nein, dahinter steckt natürlich ökonomisches Kalkül. Hier wird erstmalig mit System  ein völlig neuer makro-ökonomischer "Approach" praktiziert. Es handelt sich um eine Theorie der ökonomischen Krisenresistenz, in Fachkreisen Antizyklisches Management überproduktiver Güter in Public-Private-Gouvernance genannt - AMÜGPPG oder kurz:  "Sterntalerwirtschaft". Eine Theorie auf der Höhe der Zeit, Smith und Marx integrierend - und Keynes sowieso. Schon Jean-Baptiste Say postulierte, dass jedes Produkt seine Nachfrage produziere. Das wird jetzt erweitert zu: Falls nicht, übernimmt der Staat die Nachfrage.

Folgende Phasen entstehen nach dem neuen Modell:

1. normale Warenproduktion

2. Überproduktion, also Entstehung von Halden

3. Staat kauft Halden und verschenkt Überproduktion

4. normale Produktion bis (siehe 1).

Tatsächlich funktioniert der Staat wie der von Engels so genannte "idelle Gesamtkapitalist".

Nehmen wir das Gemüsebeispiel:

1. In Europa werden Karotten produziert

2. Es entstehen Karottenberge

3. Der Staat (EU, das Land) kauft die Berge und verschenkt sie an die Schüler

4. Die normale Karottenproduktion beginnt von neuem.

Das bedeutet natürlich, dass die Schüler rötliche Karotingesichter bekommen. Die kapitalistische Ökonomie hat aber ein "unsichtbares Händchen", und das bedeutet  glücklicherweise (!) gleichzeitig eine Überproduktion an Milch (produziert wieder normale mitteleuropäische Gesichtsfarbe), Getreide, Fleisch, Käse etc. etc. Alles zusammen schafft gesunde Schüler (um auch die stoffliche Seite des Wirtschaftens zu zeigen). Die Lehrer als Verteiler werden endlich als Wohltäter akzeptiert. Vielleicht könnte man ihnen statt vollem Gehalt Obst- und Gemüsedeputate "schenken".

Dieses einfache Beispiel ist auf alle Waren anwendbar. Nicht nachgefragte Autos werden gekauft und verschenkt (nach Grönland zum Beispiel). Damit entsteht eine neue Nachfrage nach überproduzierten Gütern (Infrastruktur, Klimaschutz). Nicht nachgefragte Atomkraftwerke werden verschenkt, nicht gebrauchte Waffen ebenso ...

Ein Problem sieht die AMÜGPPG noch in der Ware Arbeitskraft. Durch die Anwendung des neuen Ansatzes wird sich dieses Problem sicher von selbst erledigen. Doch bis dahin braucht es eine Zwischenlösung. Bekanntlich besteht hier   ein Überangebot. Der Staat könnte die nicht gebrauchte Arbeitskraft kaufen und verschenken (vielleicht nach Afrika  oder China, doch auch dort besteht noch keine Nachfrage). Denken wir aber an das Geschenk militärischer Man(and woman-)power an afghanische Stammesfürsten. Da wird sogar Leben geschenkt. Das wäre die rechte Variante der Theorie. Oder der Staat kauft die Arbeitsstunden und schenkt sie dem Arbeitenden selbst, eine Art Verkürzung der Arbeitszeit.  Das wäre die linke Variante.

Das bezahlt alles der Steuerzahler, sagen Sie. Ja klar. Aber das macht er doch immer. 

Um versöhnlich zu schließen. Ich weiß nicht, ob der FREITAG überproduziert. Ich hoffe es nicht. Aber falls doch, könnte der Senat von Berlin die nicht verkauften Exemplare einfach kaufen und verschenken - an Schüler und Studenten zum Beispiel. Dank gesunder Ernährung (siehe oben) haben diese  dann auch die nötige Intelligenz. Das müsse allerdings ebenfalls für ZEIT und BILD gelten?  Stimmt, aber die will doch keiner mehr lesen, noch nicht einmal geschenkt! 

 
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