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Kultur : Hausstand

Spaghetti kochen war zu Ostzeiten eine Art Synonym. Man erkannte sich daran. Und Tomaten-Ketchup war ein schwer in der Hand wiegendes kleines ...

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Spaghetti kochen war zu Ostzeiten eine Art Synonym. Man erkannte sich daran. Und Tomaten-Ketchup war ein schwer in der Hand wiegendes kleines Glasfläschchen. Als Zwanzigjähriger rechnete ich eines Tages meinen Lohn in Hausrat um: Kühlschrank, Fernseher, Tisch und so weiter. Heraus kam, dass ich rund sieben Jahre dafür arbeiten musste. Dennoch war ich wild entschlossen, wenigstens anzufangen.

Mit einem Junost-Fernseher, für mein winziges Zimmer unterm Dach, in dem ich aufpassen musste, mit dem Kopf nicht an die Decke zu stoßen. Das Zimmer war ein auf den Dachboden gemauerter Kasten mit Tür, der in irgend einer sehr viel früheren Zeit dort hingestellt worden sein musste und zu dem man auf einer Art Hühnerleiter kam. Dafür war die Aussicht über die Dächer der Altstadt sehr schön, besonders, wenn die Sonne auf das Fensterbrett mit zwei Rotweingläsern schien.

Den Fernseher habe ich nicht gekauft. Drei Stück standen im obersten Ladenregal, und die Verkäuferin schaffte es nicht, auch nur einen davon einzuschalten. Sie gab sich alle Mühe, aber die Knöpfe blieben kaputt. Und so trug ich die rund tausend Mark wieder nach Hause und kochte Spaghetti.

Wir zwei da oben unterm Dach wollten tatsächlich so etwas wie einen bürgerlichen Hausstand gründen. Wir haben dann die Spaghetti gegessen und Rotwein getrunken, ohne Junost. Das war sehr schön, und ich glaube fast, das mit dem Hausstand hatte sich da schon für alle Zeiten erledigt. Einen Fernseher habe ich jedenfalls bis heute nicht.

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