Kultur

Linksbündig | 30.05.2008 00:00 | Martin Krauß

Schwul

Ist kein Fußballer. Und das ist auch gut so. Meint Christoph Daum

Was es nicht alles gibt. Etwa die KSPD. Ausgeschrieben ergibt die Abkürzung, was vielleicht nicht der ersten Vermutung entspricht: Katholische Schwule Priester Deutschlands. Oder den BASS. Das ist der Bundesweite Arbeitskreis Schwuler Soldaten in der Bundeswehr.

Was es nicht gibt, und geht es nach dem Kölner Trainer Christoph Daum, auch nicht geben sollte, sind Schwule im Fußball. Es sei wichtig, "gegen jegliche Bestrebungen, die gleichgeschlechtlich ausgeprägt sind, vorzugehen", hat Daum dem DSF anvertraut.

Daums Stellungnahme ist im Milieu des Männerprofifußballs nicht untypisch. In der übrigen Gesellschaft gilt sie als, sehr höflich formuliert, überholt. Grund für Daum und seinen Arbeitgeber, den 1. FC Köln, eine winzige Strecke zurückzurudern: "Auch in meinem Bekanntenkreis gibt es Einige, die in gleichgeschlechtlichen Beziehungen leben." Schreit der Satz nicht nach einem Aber? Er schreit. "Kinderschutz geht mir aber über alles."

Daum liebt das Klischee vom dauergeilen Schwulen, der nur darauf aus ist, anständige Familienväter und ihre Söhne zu verführen. Und wird Daum gezwungen, seine schmierige Phantasie zu rationalisieren, kommt etwas noch Perfideres heraus - die Denunzierung von Homosexualität als Päderastie.

In einer Zeit, in der die zwei größten deutschen Städte von schwulen Bürgermeistern regiert werden, überrascht das. Warum ist der Fußball so rückständig, so verklemmt, so ignorant? Schließlich küssen sich Fußballprofis nach Toren, sie fallen im Jubel auf dem Platz übereinander her, dass, wäre es ein Kinofilm, ein Jugendschützer auf "frei ab 16" plädieren würde. Fußballer feiern ihre Triumphe nackt in Dusche, Umkleide und Entmüdungsbecken. Warum ist hier die Angst vorm schwulen Kollegen so verbreitet? Warum ist "Schwuler" immer noch eine der verbreitetsten Beschimpfungen? (Gewiss, "Jude" ist wieder im Kommen, und "Nigger" war nie verschwunden.)

Der Fußball ist ein identitätsbildender Sport für Jungen und männliche Jugendliche. Hier werden in der Pubertät Rollenbilder entwickelt, hier wird Körperlichkeit ausgetestet, und die Rolle des guten Fußballers ist eine, in der ein Jugendlicher gerne seiner ersten Freundin gegenübertrit. Doch ist damit erklärt, warum gerade der Fußball so homophob ist? Warum kann man sich einen schwulen Gewichtheber oder schwulen Wasserballer eher vorstellen als einen schwulen Kicker?

Mit dem David Beckham wurde doch im Fußball der metrosexuelle Mann als neues Rollenmodell etablierte: einer, der zwar im Männersport Erfolg hat, sich aber die Fingernägel lackiert, die Unterwäsche seiner Frau trägt und auf die Kinder aufpasst.

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Beckham geht durch im Männerfußball, ein Schwuler nicht. In der über hundertjährigen Geschichte des deutschen Fußballs gab es noch keinen bekennenden schwulen Erstligaspieler, genauer gesagt: keinen lebenden. Heinz Bonn, der Anfang der Siebziger beim HSV spielte, wurde 1991 von einem Stricher ermordet - geoutet im Tod. Der einzige Profi, der sich während seiner Karriere zu seiner Neigung bekannte, war 1990 der Engländer Justin Fashanu. Sein Leben wurde zur Hölle; er erhängte sich acht Jahre später.

Dabei gibt es schwule Kicker in der Bundesliga. Das Fußballmagazin Rund stellte vor anderthalb Jahren einige vor. Dass in der Geschichte keine Namen genannt wurden, erklärt sich, wenn man die Schicksale kennt: Einer ist verheiratet, ohne dass seine Frau etwas weiß; der Freund lebt in einer anderen Stadt. Ein anderer hält sich zum Schein eine gute Freundin, die in der Öffentlichkeit als Spielerfrau durchgeht.

Was mittlerweile sogar in der Katholischen Kirche und der deutschen Bundeswehr geht, dass Menschen sich zu ihren Gefühlen bekennen, im Profifußball nicht geht es nicht.

Und es liegt an den Daums der Liga, dass sich daran nichts ändert.

 
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