Entschuldigung, liebe Titanic, dass wir uns erst jetzt melden. Dabei ist Eure Mai-Ausgabe („Happy Birthday, Schweinesystem! 60 Jahre Grunzgesetz“), die wir gestern beim Warten aufs Essen in einem Imbiss entdeckt haben, schon seit Wochen draußen.
Ist uns schon klar, dass das eine heikle Sache ist, Euch, dem Satiremagazin, einen Brief zu schreiben, wie Ihr ihn normalerweise an die Nervensägen der Gegenwart verschickt. Auch klar: Wer die Texte im Freitag so liest, kommt nicht sofort darauf, dass wir geeignet wären, um über den Humor anderer Leute zu urteilen. Und überdies wollen wir nicht verheimlichen, dass uns Euer Schaffen Respekt abnötigt: jeden Monat lustig zu sein und das in einem Umfeld (Guido Westerwelle, Kardinal Lehmann, Johannes B. Kerner), das man noch nicht einmal ernst nehmen kann – „das ist doch was“ (Horst Köhler).
Aber dann hat uns das Mai-Heft doch sehr aufgeregt. Damit meinen wir nicht das mühsame Abgearbeite an der DDR, das etwa bei dem Brief an Anja Kling in so ein verkrampftes Moralisieren umschlägt: dass Kling bei dem „Proleten“ Mario Barth mitspielt, muss mit dem Hinweis auf ihre Herkunft beanstandet werden.
Nein, uns nervt, dass Ihr, die Ihr Kling vorwerft, sich in prä-emanzipierte Zeiten „zurückzoten“ zu lassen, selber zotet. In dem Editorial zu Barack Obama (dessen „Schattenkabinett“ euch bereits einen ekligen Kalauer wert war) muss schon in der dritten Zeile das rassistische Bild vom „afrikanischen Stammeshäuptling“ aufgerufen werden. Hoh, hoh, hoh, „rassistisches Bild aufrufen“, das ist natürlich nicht der Tonfall, in dem man sich als Witzemacher vom Satiremagazin etwas sagen lassen will, voll p.c. und total humorlos. Aber das ändert nichts daran, dass es so ist.
Witze werden immer auf Kosten anderer gemacht, und da seit Helmut Kohls Abgang der politische Gegner nicht mehr zur Verfügung steht, versucht ihr’s eben, krass unkonventionell, mit den Klischees vom Stammtisch, den Tabus der Linken. Indem Ihr damit „spielt“, versteht sich. Leider nur macht Ihr das nicht, und was dann hinten rauskommt: drei Seiten über das „Phänomen asiatischer Alleinherrscher“ am Beispiel des vietnamesischen Adoptivkindes und FDP-Politikers Philipp Röslers. Da wünscht man sich Zeitgeist-Magazine wie Tempo zurück, auf dass die diesen Text in ein NPD-Witzblatt einmontierten und keiner etwas merkt.
Was uns als Leser eines Satiremagazins darüber hinaus enttäuscht: es ist einfach nicht lustig.
Nichts für ungut, Eure
Freitag-Kulturredaktion
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Mein lieber Herr Gesangsverein, Freitag, warum so humorlos? Euer Brief an Titanic liest sich ja echt angeschossen. Dabei habt Ihr ja nicht unrecht. Die Sache mit dem Stammtisch, der bedient wird, um "linke Mythen" zu hinterfragen - also diese Beobachtung hab ich auch schon gemacht. Dennoch kommt Euer Brief entschieden zu verbittert rüber. Sorry!
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Vermutlich haben Sie Recht, aber die Humorkritik ist nun einmal eine humorlose Disziplin. Wir planen allerdings, in naher Zukunft im Kulturteil einen Witz unterzubringen. Drücken sie uns die Daumen, dass es klappt!
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Der Hinweis ist richtig, die hohe Kunst müsste darin bestehen, Humorlosigkeit humorvoll zu honorieren, versucht der Text ja auch ein bisschen. Andererseits: Warum soll immer alles lustig sein? Die Titanic ist es ja auch nicht.
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@ Printe:
Eigentlich ist der Brief ja gar nicht so verbittert, wie er rüberkommt. Es verbirgt sich darin zwar eine gehörige Portion Sarkasmus, aber der ist im vorliegenden Brief auch witzig. @ Freitag-Kulturredaktion: Eure Kritik ist vollkommen berechtigt, und außerdem gut gemacht. So humorlos ist eure Humorkritik nun wirklich nicht. Ich habe bei der Lektüre herzlich geschmunzelt (und dieser Ausdruck ist nicht sarkastisch gemeint!). Das Dilemma der Titanic besteht zeit ihrer Existenz. Das Satiremagazin leidet schon immer darunter, dass es sich an "Pardon" selig messen lassen muss. Und die "Titanic" hat das Zeug dazu noch nie gehabt, aber sie musste ja auch immer schon - wie von euch beschrieben - in satiretechnisch schwierigen Zeiten leben. Trotzdem ist der Vergleich immer schon zu Ungunsten der "Titanic" ausgefallen. Die Zeitschrift hat einen beständigen Hang zur bloßen Lustigkeit, und damit lässt sich eben keine gute Satire machen. Da hat es die Freitag-Kulturredaktion mit dieser Glosse viel besser gemacht. |
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@I.D.A Liszt: Danke
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Wenn man sich über etwas geärgert hat, das Humor sein soll, man selbst kann aber nicht lachen, kommt man in Schwierigkeiten. Manchmal muss man die Maske des Humors abnehmen und einfach aussteigen und kundtun: Passt mal auf, Ihr Knalltüten, das ist einfach Mist. Tut man das nicht, weil man kein Spielverderber und - ganz furchtbar - nicht humorlos sein will, weil Satire ja alles darf - dann passt man sich an Regeln an, die jene vorgeben, die die blöden Witze machen.
Die Furcht in diesem Lande, der Humorlosigkeit geziehen zu werdne, ist groß, denn das bedeutet, dass man "uncool" ist und das will niemand sein. Muss man auch mal aussteigen dürfen, aus diesem Humorkarussell. Übrigens als ich gestern die Wiederholung von "Satiregipfel" mit Matthias Richling sah, ging mir ähnliches durch den Kopf. Der ist nicht mehr amüsant, der ist nur noch lustisch... Nee, danke Pardon, ich habe mich verplaudert. |
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Humor ist, wenn man trotzdem lacht oder manchmal auch das Lachen im Halse stecken bleibt.Die politische Realsatire macht zunehmend die literarische arbeitslos. Das gilt als Gefahrenzone auch für die witzig-schlagkräftige Titanic.
Aber die Wächter-Typen über den besonderen Witz zeigen einen charakteristischen Zug: die Mundwinkel zeigen nach unten.Nach langer zermürbender Schlacht bleiben sie so stehen. Dann helfen nicht mal mehr Lachseminare zur Aufweichung des Körperpanzers. |
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Das Lachen, das im Halse stecken bleibt, verursacht Brechreiz. q.e.d.
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Ja, da stimme ich zu, Brechreiz ist nicht auszuschließen.Es kommen dann aber wieder einfallsreichere und witzigere Ideen.Das gönn ich auch der Titanic.
"Was uns als Leser eines Satiremagazins darüber hinaus enttäuscht: es ist einfach nicht lustig." Was eulenspiegelt euch denn so vor? Kein Pardon auf der Titanic? "Nichts für ungut" Eurer Bildungswirt |
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Der Titanic ist alles zu gönnen. Nur witzig wäre halt gut. Sonst schwebt uns nichts vor.
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Pardon wird schon gegeben: tinyurl.com/qcb72a.
Dank an spreewald |
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Liebe Kulturredaktion,
habe euch gerade einen politischen Aushilfsjob bei den Grünen angetragen: Vgl. WUMS - peng - daneben. Streifzug hatte mich auf diese Idee gebracht. Wie wär's.Keine Panic auf der Titanic, hmmm, ich meine bei den Grünen. Gruß BW |
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hallo ihr lieben hochhalter der guten und aufrechten satire von der freitag-kulturredaktion.
ich gebe es ehrlich zu, den rösler-artikel fand ich gut - die briefe an die leser rubrik ist mit das beste, was es auf dem deutschen satiremarkt gibt und für pardon-titanic-vergleiche bin ich zu jung. mal sehen, vielleicht bekommt ihr ja auch mal einen brief von titanic. ich werde es dann mit freude lesen und ihr euch vielleicht ein bisschen darüber freuen, von titanic verarscht zu werden, nicht wahr? ;-) |
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nichts gegen die briefe der titanic, das ist m.E. gute und aufrechte satire. aber mich würde wirklich interessieren, was sie an dem rösler artikel gut, sprich: lustig fanden.
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@Herr Angele
was ich daran lustig finde, kann ich ihnen nicht erklären, weil sich über humor eben streiten lässt. dennoch habe ich die vermutung, dass sie die methode "titanic" etwas falsch verstehen. es geht doch in dem artikel weniger um den provinzpolitiker rösler (fdp), sondern mehr um eine bestimmte form von journalismus, wie sie zum beispiel ulf poschardt und andere im zusammenhang mit einem ansonsten völlig belanglosen deutschen politiker betreiben, nur weil er einen irgendwie gearteten migrationshintergrund zu haben scheint. da wird eben ein ganz normaler politlangweiler, wie rösler, zum "exoten" stilisiert, der seinen tatendrang hinter einem hohen maß von "asiatischer verbindlichkeit verstecken" kann. das ist unterschwellig beinahe rassistisch - wenn auch ungewollt. ich jedenfalls lese den rösler-artikel nicht als geschmacklose röslerkritik, sondern als ziemlich gelungene medienkritik. vielleicht versuchen sie den artikel nochmal unter diesem aspekt zu lesen. übrigens, weil es irgendwo erwähnt wurde - die angesprochenen obama-witze las ich unter dem gleichen aspekt. ... und insgesamt meine ich, ist es mit der titanic ähnlich wie früher harald schmidt bei sat 1. diese show lief täglich und 3 von 5 waren ziemlich mittelmäßig. eine war gut und die andere super. nicht immer ist titanic auf höchstem niveau, aber wer - im allgemeinen medienbetrieb - kann das schon von sich behaupten? |
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Verzeihung, daß ich hier heftig widerspreche.
Harald Schmidt war noch nie gut. Er gehört seit seinen Anfängen zu diesen Leuten, die ihre Scherze fast immer auf Kosten anderer reißen. da werden Tabus gebrochen, da ist man politisch inkorrekt, ohne daß das Publikum merkt, daß der Possenreißer wirklich so ist (Extrembeispiele: Raab, Barth). Zum Übergeben sind von dieser Sorte alle, auc Schmidt und die Titanic. |
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Titanic und Schmidt: beide sind bissig bis beißend.
Und wer beißt, kann sich auch schon mal verschlucken. Das nächste Mal also besser kauen/nachdenken. ...Friedland... |
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der grund, warum ich titanic als satiremagazin weder ernst nehmen kann noch übermäßig witzig finde, ist der dummdoofe mainstream, der dort einzug gehalten hat. die kritik des freitag geht da schon in die richtige richtung.
satire soll einen gewissen anspruch innehaben. den aber, hat titanic schon lange verloren. |
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ja MH, aber diese anspruchslosigkeit ist doch gerade der anspruch.
in einer welt die von PC regiert wird ( auch als schutzmechanismus des status quo, unliebe, ja progressive gedanken zu unterbinden ) ist doch gerade die uneingeschränkte anspruchslosigkeit ein akt des anspruches an sich selbst als magazin. es gibt ja durchaus auch anspruchsvollen humor in der titanic. |
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mit der begründung kann man alles rechtfertigen...
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Leider ist die Beurteilung schwer, wenn angesprochene Artikel nicht frei verfügbar sind.
Der kurze Brief an Anja Kling ist verfügbar. www.titanic-magazin.de/badl_0905.html#c7492 Was habt ihr mit dem FDP-Politiker Philipp Rösler? Dessen seichtes, neoliberales Dampfgeplauder geht mir schon geraume Zeit auf den Senkel. Ich kann mir keinen satirischen Artikel vorstellen, der ihm Unrecht tun könnte. Daran ändert sich auch nichts, egal ob er ein vietnamesisches Adoptivkind, ein Zwillingsagent vom Mars oder ein unehelicher Nachkomme von Zeus ist. |
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Mir ist Rösler auch nicht sympathisch. Aber diesen Artikel finde ich einfach nicht lustig. Zitat Titanic: "Vorliegende Arbeit widmet sich dem Phänomen asiatischer Alleinherrscher in hohen deutschen Ministerämter (...). Dabei stützt sich die Beweisführung auf die einschlägigen Studien von Prof. Dr. Ulf Poschardt (Welt am Sonntag), der mit seinem Aufsatz 'Philipp Rösler, die Geheimwaffe der FDP' (ebenda) der Kritischen Asienwissenschaft in Deutschland entscheidende Impulse zu geben vermochte."
Ich finde diesen Stil pennälerhaft. So schreibt man, wenn man sich im Proseminar nicht ganz ausgelastet fühlt. |
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@Michael Angele
Ulf Poschardt und Philipp Rösler - oh je. Wie will man daraus Satire machen? "Ein schwuler Parteichef und Vizekanzler in spe in Kombination mit einem in Vietnam geborenen Waisenkind als Geheimwaffe für die sozialliberalen Milieus markiert eine Selbstverpflichtung auf eine fruchtbare Buntscheckigkeit, die früher vor allem die Grünen sympathisch erscheinen ließ." Genannten Personen und der obige Satz dürfen mit Satire so wenig in Berührung kommen wie Materie mit Antimaterie. Beide vernichten sich gegenseitig unter Energiefreisetzung. Das wird wohl des Rätsels Lösung sein. Die Energiefreisetzung hat sich bis zur "Freitag-Kulturredaktion" durchgetunnelt und dort in einem offenen Brief manifestiert. "Die Wege des Herrn sind unergründlich" würde ChristianBerlin dazu bestimmt bemerken. |
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"So schreibt man, wenn man sich im Proseminar nicht ganz ausgelastet fühlt."
Oder wenn man bei der Titanic arbeitet und denkt: "Die FDP versuch es mit platten Slogans und alten Kamellen, dann machen wir das auch." |
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"aber die Humorkritik ist nun einmal eine humorlose Disziplin" , dann hättet Ihr vielleicht in derselben Ausgabe bis Seite 48 vorblättern sollen, "Hans Mentz" zeigt dort monatlich, wie lustig Humorkritik sein kann.
Wer so hart an die Grenze geht, wie die Titanic, übertritt sie eben manchmal auch. Das muss man dann mit Humor nehmen... Vielleicht bekommt der Freitag ja jetzt einen "Brief an die Leser" |
Ausgabe 06/12
09.02.2012
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