Kultur

Film | 13.08.2009 05:00 | Barbara Schweizerhof

Die Ruhe vor dem Knall

Kathryn Bigelows spannender Irak-Film "Tödliches Kommando" zeigt, dass der Horror in der Antizipation liegt, und porträtiert den Soldaten als Mann von nüchterner Professionalität

Man zitiert am besten Hitchcock, um zu erläutern, dass es im Film nicht auf den Moment ankommt, in dem eine Bombe explodiert, sondern auf die endlosen Minuten, in denen man darauf wartet: „There is no terror in the bang, only in the anticipation of it“. Tödliches Kommando zeigt den Arbeitsalltag ­eines amerikanischen Bombenentschärfungskommandos im Irak.

Mit der scheinbar sachbezogenen Haltung einer Dokumentation konzentriert sich der Film ganz auf die Organisationsabläufe: Straßenzüge absperren, Gebäude evakuieren, Umgebung gegen Heckenschützen sichern, Sprengladung lokalisieren und unschädlich machen. Von den 131 Minuten, die der Film dauert, verbringt man als Zuschauer gefühlte 130 in konstantem Terror.

So effektvoll Regisseurin Kathryn Bigelow den latenten Horror von Sprengladungen zu inszenieren weiß, so sicher erweist sie sich auch im Umgang mit den „Standardvorgehensweisen“ des Kriegsfilmgenres. Einerseits die vertrauten Muster: da gibt es die drei Hauptpersonen, die verschiedene Gesichter Amerikas repräsentieren, deren Beziehungen zueinander während des Films einige Veränderungen durchlaufen und darin den unterschiedlichen Haltungen der USA zum Irakkrieg Ausdruck verleihen. Es gibt verständnisvolle und raubeinige Vorgesetzte. Es gibt Momente des Heldenmuts und der Feigheit, tiefer Erschütterung und großer Kaltschnäuzigkeit. Eingebettet aber sind diese „Standards“ in einen Erzählfluss, der ganz eigene Akzente setzt. Anders als das Gros der Filmemacher vor ihr, die sich mit dem Thema befassten, stellt Bigelow dabei den Irakkrieg als solchen nicht in Frage. Ihr Fokus liegt auch nicht auf den zu kritisierenden Untaten der amerikanischen Armee, ganz im Gegenteil, ihre Figuren sind gewissermaßen wahre „Helden“, taffe Jungs, die ihr Handwerk verstehen und Momente der Unsicherheit durch den nächsten mutigen Einsatz kompensieren. Trotzdem versucht Bigelow einen raffinierten Ausweg aus der alten Anti-Kriegsfilm-Falle, die das Genre dazu verdammt, der Action, die es verurteilen will, zwangsläufig zu huldigen: Bigelow verstrickt den Zuschauer so sehr in die Anspannung, dass man das Süchtigmachende des Adrenalins förmlich in den eigenen Adern spürt. „War is a drug“ steht dem Film als Leitspruch vorangeschrieben.

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Aber es ist keinesfalls jene Art von Drogentrip, die etwa Francis Ford Coppola in seinem legendären Vietnamkriegsfilm entfaltet hat. Im Gegenteil, Tödliches Kommando ist ein Film von nüchterner Professionalität, eben jener Eigenschaft, die auch seine drei Hauptpersonen auszeichnet. Sie sind Berufssoldaten mit Spezialistenausbildung. Der jüngste von ihnen, Specialist Eldridge (Brian Geraghty), leidet unter Stimmungsschwankungen und führt Gespräche mit einem verständnisvollen Vorgesetzten. Sergeant Sanborn (Anthony Mackie) zählt die Tage bis zum Einsatzende und versucht, durch überlegtes Handeln am Leben zu bleiben. Ein Ziel, das er in Gefahr geraten sieht, als ihnen auf die letzten 38 Tage Staff Sergeant James (Jeremy Renner) zugeteilt wird, ein großer Könner im Fach des Bombenentschärfens und die Schlüsselgestalt dieses Films.

Mit ihm hat dieser Film eine Figur geschaffen, die sich dem Zuschauer tief einprägt – und in seiner Spur auch auf unerwartete Weise das Dilemma dieses unseligen Kriegs.

 
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