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Kultur : Ich hasse links

In Wien fällt der neue Burgtheaterdirektor Matthias Hartmann durch knackige Statements auf. Er ist nicht der einzige Theaterchef, der sich dem Zeitgeist unterwirft

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Der österreichischen Tageszeitung Die Presse gestand Matthias Hartmann kürzlich in einem Interview: „Ich hasse links. Mein Vater war ein Erzlinker. Was diese 68iger-Gesinnungslinken in der Welt angestellt haben – unvorstellbar! Es gibt nur eines, was für mich noch schlimmer ist als links, das ist rechts.“ Prompt hat die Kronen-Zeitung das auflagenstarke Pendant zu Bild, Hartmann für diese Aussage gerühmt und in die Reihen derer aufgenommen, denen man für derlei Ansichten das Leben schwer mache.

Ein guter Start für einen neuen Burgtheaterdirektor. Hartmann wird allerdings bald bemerken, dass sich derlei Anbiederung an die Zeitstimmung und das miefige Ressentiment nicht auszahlt. Auch der Beifall der Kronen-Zeitung ist vergänglich. Das haben schon Andere erfahren müssen. Und dass mit Opportunismus kein Theater zu machen ist, hat ihm eben erst Hans-Joachim Frey in Bremen demonstriert.

Bis vor zwei Jahren machte Klaus Pierwoß als Intendant des Bremer Vierspartenhauses ein ambitioniertes, strukturiertes, der gesellschaftlichen Wirklichkeit von heute verpflichtetes Programm, wie das halt 68er-Gesinnungslinke so tun, wenn sie nicht gerade Unvorstellbares anstellen. In den Jahren, in denen angeblich die öffentlichen Kassen leer waren (als es darum ging, Banken und Großunternehmen unter die Arme zu greifen, zeigte sich, dass sie ganz so leer doch nicht waren), galt Pierwoß bundesweit geradezu als Vorbild der Sparsamkeit. Schließlich aber war ein Punkt erreicht, wo weitere Einsparungen nicht mehr zu vertreten waren, wo sie einen verantwortbaren Theaterbetrieb lahm gelegt hätten – und Pierwoß sagte das den Politikern und der Öffentlichkeit.

Da kam Hans-Joachim Frey und bot sich als williger Vollstrecker der von oben erwünschten Maßnahmen an. Pierwoß ging in den Ruhestand und Frey an die Realisierung seiner großmäuligen Ankündigungen. Auf die Frage, worin sich seine Handschrift von der Klaus Pierwoß’ unterscheide, sagte Frey in Vorwegnahme von Hartmanns Hass gegen links: „Ich möchte kein politisch-radikales, provokantes, zerstörerisches Theater, sondern ein Theater, das die Menschen abholt, in seine Magie zieht.“ Und: „Für alle Produktionen gilt: Wir wollen sexy sein.“ Brav gebrüllt, Löwe. In Dresden war er nach seinen eigenen Worten zuvor zehn Jahre lang künstlerischer Direktor und gewissermaßen die Nummer zwei – „da ist es doch normal, dass man irgendwann mal die Nummer eins sein will, noch dazu in einem Vier-Sparten-Haus wie dem Bremer Theater“. Die Nummer eins hat ausgedient. Irgendetwas muss da wohl falsch gewesen sein in der Selbsteinschätzung.

Jetzt ist er am Ende angelangt. Frey setzte auf das Wundermittel Musical und trieb das Theater innerhalb von nur zwei Spielzeiten in eine Schuldenbilanz von 4 Millionen Euro. „Wir haben Großartiges vor, um das Theater Bremen als Ort der bürgerlichen Begegnung, der innovativen Avantgarde und als Ort für bewegende und herausragende Theatervorstellungen auszubauen“, tönte er vor zwei Jahren, und die Entscheidungsträger in der Politik schenkten ihm Glauben. Wer wird sie jetzt zur Verantwortung ziehen? Vier Millionen aus dem Steuersäckel sind schließlich kein Klacks.

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