Kultur

Medientagebuch | 29.09.2009 15:30 | Klaus Ungerer

Nimm dies, Satan!

Wir sehen sie ständig im Fernsehen und fragen uns: Wer sind sie? Wie viele sind es? Wo werden sie ausgebildet? Erstmals berichtet hier ein Insider über die Terrorexperten

Dieser Text ist unter äußersten Gefahren an Leib, Geist und Leben entstanden, und er hat den Freitag auf geheimen Wegen erreicht. Er ist nach dem Lesen sofort zu vernichten. Was der Text enthält, kann man nicht genau sagen. Viele Experten, selbst der Autor selbst, vermuten, dass er neben seinem scheinbaren Inhalt auch versteckte Botschaften an versteckte Terrorexperten enthält.

Einige Namen kennt man: Ulfkotte, Tamm, Theveßen... Aber sie bilden nur die Spitze des Eisbergs.  Wie viele Terrorexperten sich in Deutschland noch unentdeckt aufhalten, ist dabei nahezu unbekannt. Seriöse Schätzungen gehen von Tausenden aus. Unseriöse auch. Nimmt man hiervon einen Mittelwert und verständigt sich auf Deeskalation der medialen Informationslage, so ist immer noch von zirka drei Dutzend Terrorexperten auszugehen  – Tendenz steigend. Denn, um es ganz klar zu sagen: Dieser Text ist in einem Terrorexperten-Ausbildungscamp entstanden, also vielleicht in der Wohnung über Ihnen, wo es immer so komische Geräusche macht. Skrupellose Informationsbearbeiter aus dem gesamten Bundesgebiet sind hier von einer Art geheimnisvollem Netzwerk zusammengezogen worden. Ehrlich!

Das Ziel der Auszubildenden: Krawatten tragen. Talkshows mit Wortgewalt erstürmen. Interviewplätze kapern. Oder auch mal für die Bild-Zeitung Terrorvideos analysieren ("Eine Drohbotschaft ohne Kalaschnikow ist undenkbar"). Das Training ist beinhart. Tagelang wird an Warnungen und Beobachtungen und an der richtigen Betonung gefeilt. "Die Gefahrenlage ist nach wie vor hoch", murmelt manch einer noch im Schlaf, während er sich unruhig auf dem kargen Feldbett wälzt, und mantrisch antwortet die Nachtwache: "Entwarnung kann nicht gegeben werden".

 

Wer gar nicht schlafen kann, schaut im Nebenzimmer Aufzeichnungen älterer Terrorexperten-Talkrunden an. Oder liest im eigenen Buch. Oder gründet schnell noch ein Terrorinstitut mit richtigem Briefkasten außen am Haus dran. Huh - wenn da jetzt einer eine Bombe reinwirft! Ein Terrorist vielleicht! Oder die Nachbarn. Oder wenn da Bewerbungen kommen! Von jungen, schreibfähigen Männern, zu jeder medialen Schandtat bereit. Dann wird das Terrorexpertennetzwerk wieder weiter anwachsen, niemand kann diese Leute stoppen.

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Niemand hält einen Terrorexperten auf, der ein Buch draußen hat. Und niemand, der den Terror im Fernsehen gesehen hat, kann sich seiner morbiden Faszination entziehen: "New York, Madrid, London - könnte es nicht sein, dass Bünde in Westfalen der nächste Schauplatz furchtbarer Anschläge wird?" Rufe ich versehentlich in tadelloser Diktion aus. Im Schlaf murmeln die Auszubildenden "Kann nicht ausgeschlossen werden! Kann nicht ausgeschlossen werden! Kann nicht ausgeschlossen werden!" Aber ich muss Schluss machen. Eine Zeitung will einen Text. Mit frischem Terror drin. Nimm dies, Satan!

 

 

 
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Artikelaktionen
Kommentare
Harm schrieb am 29.09.2009 um 20:16
Danke für diesen Artikel!
Peripatetik schrieb am 02.10.2009 um 08:19
Hey, der Mann aus Lübeck, dessen Frau zu spiritistischen Ärzten geht, jetzt als Walter in einem Koffer!


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